Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2009 (26.4.1963)
- Date
- 1963-04-26
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREDON 2190 — 1? izq. {& JktvuMta JsAcueliia r e. 832613 ASTO XXIV BUENOS AIRES, VIERNES 26 DE ABRIL DE 1963 No. 2009 Israels 15. Unabhaengigkeitstag i. Der Wendepunkt In wenigen Tagen werden wir zum 15. Mal den Jcm Haazmauth begehen, oen 15. Unabhängigkeitstag des Staates T.srael, mit dessen Gründung die Geschichte des jüdischen Volkes ebenso -wie das Leben jedes einzelnen Juden eine entscheidende Wendung genommen nat. Für eine neue, Heranwachsende Generation ist die Existenz dickes Staates, die wir Aelteren immer noch als das Wunder unserer Zeit betrachten, eine Selbstverständlichkeit. Sie wissen nichts von jenen langen Epochen, in denen es einen solchen Staat nicht gegeoen hat. Sie haben besienfalta hiervon im Elternhaus, in der Schule oder durch Freunde erfahren. Unser Leben wird sich allmählich zu normalisieren beginnen, wenn auch in uns jenes Gefühl der Selbstverständlichkeit verwurzelt ist, und wenn wir aufhören, in der Existenz Israel,s etwas anderes als nur das Wunder zu erbl'kken. Gewiss war es das überwältigende Erlebnis einer Genera lion, nach jenen furchtbaren Tagen des Leidens. der Schrecken, der Not und der Verzweiflung die Wiedererstehung eines jüdischen Staates miterleben zu dürfen. Auch diejenigen. die an der RenaLssan- .^ce-Bewegung des jüdischen Volkes und den von Herzl proklamierten Idealen keinen unmittelbaren Anteil genommen hatten, wurden ergriffen und fühlten die Zeitnähe der Ewigkeit, dis sich in der erneuerten Staatwerdüng Israels offenbarte. Die nichtjüdische, gläubige. Welt wurde ebenfalls von diesen, für sie besonders wunderlichen Vorgängen beeindruckt. Vielleicht stärker als die Juden, die ihren Kampf, ihre Leiden, ihre Hoffnungen und ihre Ideale verwirklicht sahen, empfanden es die Gläubigen anderer Völker als einen Fingerzeig Gottes. Sie sa hen. wie die Kinder Israels von den vier Enden der Erde zurückkehrten in ihr Land. Vielleicht erinnerte 6ie auch der legendäre S:eg der kleinen Anzahl Juden über die Heere der sieben arabischen Staaten an den Untergang des pharaonischen Heeres, das in den Fluten des Meeres ertrank. Wenn wir also von einem Wendepunkt in unserer Geschichte sprechen, eo soben wir überlegen, ob wir nicht an einem Wendepunkt der Geschichte der Menschheit stehen, eine Frage, die wir noch nicht zu entscheiden vermögen, weil uns hierzu j die historischen Perspektiven fehlen. Das bedeutet nicht, dasis eine spätere GeneirtUon. die mit dem notwendigen Abstand dis Ereignisse abzuwägen vermag, j zu der Uebefzeugung gt-lcn I gen wird, das mit der Schaf: i fung des jüdischen Staate,', i ein neuen Kapitel in oer ] Menschheitsgeschichte be- ■ gönnen hat. —; II.! j Geschichte und Leben j Viele sind daran gewü'uii, ' mit dem Begriff .Geschieh' j te‘ die iä -tigeu Jahresn-; it m j zu verbinden, die man sich! von JEHU DA GOTTHEIMER hat einprägen müssen, die im übrigen aber leere Ziffern ohne wirkliche Inhalte gewesen sind. Der Unterrichtsplan für Geschichte umfasste das Wissen um die vielen Landesherren, die im Laufe von Jahrhunderten mehr oder weniger unglückliche Uniertsnen beherrscht haben. Man lernte von Kriegen und Raubzügen, von Feldherren und Generälen, die höhe*- als die Geistesfürfiten im Kurs standen, iibsr die man gelegentlich viel, leicht auch etwas erfuhr sicherlich aber nicht so ausführlich wie über die .Helden der Schlachtfelder“. Von diesem Begriff und von dieser Auffassung der Geschichte gilt es, sich endgültig zu trennen. Sie hat zum Leidwesen der Menschheit viele Generationen beherrscht und immer wieder durch Verblendung und Engstirnigkeit, durch falsche Einschätzung der wirklichen Werte zur Vernichtung und zum Untergang geführt Die Vereinten Nationen sind aus diesem Grunde unter führender Mitwirkung israelischer Stellen bemüht, aie Orientierung der Massen und die Erziehung der Heranwachsenden Jugend grundlegend durch neue Trauer um Ben Zwi Mit der Wahl Jizchak Ben ‘Zwis zum Präsidenten von Israel gelangte ein Mann zur höchsten Staatswürde, der in sich die Eigenschaften eines unermüdlichen Arbeiters, . des ernsthaften Wissenschaftlers und selbstlosen Dieners am zionistischen Aufbauwerk in Erez Israel vereinigte. Er war eine der »symbolischen Gestalten der zweiten Einwanderungswelle. die trotz ihrer akademischen Bildung die Erde Zi ons bearbeiteten, um auf dem Werk jüdischer Hände die jüdische Nation zu errichten. Ben Zwi wurde in Poltawa, in der Ukraine, am 6 Dezember 1384 geboren Er war der Sohn eines Schriftstellers und aktiven Zionisten und stammte aus einer alten jüdischen Familie. Er besuchte das Gymnasium in s-ehv-r Heimatstadt, nach dessen Absolvierung er eine kurz - Reise nach Palüs^na unternahm. Nach seiner Rückkehr begann er, an der Universität von Kiew zu studieren. Seit früher Jugend setzte er sich für den Zion.’omus ein. Er war einer der Gründer der Zionistischen Arbeiterpartei :n der Ukrrine, ein Jahr später in ^■■-siand und hienxuf in i-Cütsrhland und in der Schwei*:. Etnahm an der Bewegung der jüdischen 1 Selbstverteidigung teil, und | wie viele andere jüdische I Führer erfuhr auch er die | Ehre, von der zaristiscr.en Verfolgung betroffen zu werden. Er wurde eingekerkert, aber während sein Vater J und seine Schwester nach Sibirien verschickt wurden, gelang es ihm, zu entkommen und aus Russland zu fliehen. Im Jahre 1907 kam er nach Israel. Sein Idealismus, der ihn naoh Zion zog, bestimmte ihn dazu, die Arbeit auf dem Lande zu wählen. Als ihn Aufgaben der zionistäschen Organisation in die Stadt führten, wurde er Arbeiter in einer Druckerei und später Schullehrer. Er arbeitete zuerst in Jaffa und später, als er sich schon in Jerusalem niedergelassen hatte, gehörte er zu der ersten Lehrern und Gründern des Gymnasiums von Jerusalem. Um besser tür die Rechte der Juden in Paliisti na kämpfen zu können, ging er nach der Türkei und studierte dort, zusammen mit Bcu Gurion, an der Rechtsfakultät von Konstaminopel. Ais im Jahre 1914 der er ste Weltkrieg ausbrich, kehrte er nach Jerusalem zurück, wo er aktiv die Massnahmen bekämpfte, welche die türkische Rcgie- I Fortsetzung auf Seife 11) Lehrbücher zu ändern, in denen die billige „Heldenverehrung“ durch ein ernstes Studium mit den geistigen Strömungen und Entwicklungen ersetzt wird. Auch dis Geschichte nes Staates Israel begann mit einem Krieg, der den Juden damals von den arabischen Ländern aufgezwungen worden ist. Dieser Kzueg war eine Verteidigung gegen einen unversöhnlichen Feind, es war der heroisch? Kampf um das Leben und die Existenz, es war die Erhebung des Rechtes gegen die Missachtung internationaler Entscheidungen, und es war schliesslich das entschlossene Ringen zum Schutz der soeben erst erlangten Freiheit gegen jeden Versuch neuer Versklavung und Unterdrückung. Obwehl dieser Kampf heldenmütig von einer kleinen Minderheit ausgetragen worden ist. gab es keine Glorifizierung von Generälen oder sonstigen Helden. Es war das Volk, das zur Verteidigung seiner Rechte sich erhoben und gekämpft hatte. Aus dieser inneren Gesinnun und Haltung erwuchs die in ihrer Bedeutung nicht zu überschätzende Tatsache, dass Israel eine echt« Derhokratie ist Trotz eines gewonnenen Krieges — bei manchen Völkern genügte sogar ein verlorener Kreg — ist die Macht des Militärs klar den zivilen Gewalten untergeordnet. Während überall sonst im Orient, in der ganzen arabischer. Welt, die Ministerpräsidenten vom Chef des Gencralstabs bestimmt werden, hat bisher immer der israelische Ministerpräsident den Cthef des Generalstabs ernannt oder ernennen lassen. — Das Volk ist es, da,s in Israel regiert, lebt und seine Zukunft baut. — III. Die im Trüben fischen Wir leben in einer Zeit des Kalten Krieges, in jenem Zwitterzustand des Nicht- Friedens und des nicht offenen Kampfes, der es all denen gestattet, im Trüben zu fischen, die aus der Unruhe der Völker und aus dem Aufeinanderprallen der Blöcke einen billigen Profit zu ziehen bemüht sind Meister dieses neuen Typus des Kalten - Kriegs - Gewinnlers sind die arabischen Politiker, vor allem Nasser Er war zwar in israelischer Gefangenschaft, damals noch ein unbekannter Offizier, hat aber die israelische Grosszügigkeit, den kleinen, unbedeutenden Lieutenant laufen zu lassen, schlecht belohnt. Als er durch Revolution zur Macht gelangte, vergass er seine ..israelische“ Vergangenheit und wurde zum Feind Nr 1, den Israel heute hat. Obwohl die Araber geschlagen worden waren, führten sie ihren privaten Krieg gegen Israel durch Boykott, Infiltrationen. Hetzkampagnen, blutig? Üeter. fülle u. a. fort. Die Verein ten Nationen hatten schon damals keine energise.ien Schritte eingeleitet, um den von den Arabern geführten Krieg zu vereiteln, dessen Zweck es war die UN-R-'solution über die Schaffung (Schluss auf Seite 2) 15. Jahrestag des Staates Israel BEN GURION: „Freiheit und Frieden für Israel” I Am Tage der 15. Wiederkehr der Wiederherstellung! der Unabhängigkeit Israels können wir auf anderthalb; Jahrzehnte bsfriedigender Errungenschaften zurückbiikj ken, -während wir einer Zeit neuer Möglichkeiten, aber I auch der Kämpfe und schwerer Bedrohungen entgegensehen. I Seit dem Tage, an dem vor nunmehr 80 Jahren unsere Vorläufer den meßsianischen Traum verwirklichten und unter heute unvorstellbaren Gefahren und Schwierigkeiten die Grundsteine für die Wiedergeburt Israels legten. Indem sie die erste landwirtschaftliche Kolonie, gründeten, haben wir einen langen Weg bis zu jenem Tage im Mai 1948 durchschritten, an dem inmitten der Invasion von sechs arabischen Heeren nach nahezu zweitausend Jahren des Exils und der Knechtschaft der Jüdische Staat wieder aufgerichtet wurde. Wir »chatten am Aufbau eines unabhängigen Volkes, das seinen Unterhalt durch die Arbeit auf dem Feld und ln der Fabrik, auf dem Meer und in der Luft sichert und unser grosses jüdisches Erbe wieder zum Loben erweckt. Die Arbeit unserer Gelehrten und Wissenschaftler, Künstler und Musiker, wird in der ganzen Welt aneri kannt. Staatemänner aller Kontinente, im besonderen! aus den Entwicklungsländern in Afrika, Asien und Lai teinamerika, kommen z.u uns, um die Methoden zu -tudieren, die wir anwenden, um Industrie und Ackerbau zu modernisieren, die wissenschaftlich? Forschung zu fördern und neue soziale Formen auf den Grundlagen der Freiheit, Gerechtigkeit und Zusammenarbeit zu schaffen. Wir gedenken mit Stolz und Schmerz der Blüte unserer Jugend, die ihr Leben im Unabhangigkeiiskreg geopfert hat, damit Israel leben solle, und wir vertrauen darauf, dass unser Heer als ihr würdiger Nachfolger tapfer seine Pflicht zur Bewahrung des Friedens erfüllen wird. Wir haben über eine halbe Million von Juden aus über hundert Ländern aufgenommen, von denen viele unterdrückt, verarmt und — wenn auch nicht durch ihr Verschulden — unwissend waren, und wir haben sie moderne Technik und Methoden sowie die Grundbegriffe unserer Literatur und unserer ererbten Kultur gelehrt. Das jüdische Volk in der ganzen Welt hat sich, abgesehen von einer geringen Minderheit, mit Liebe und Verehrung um den jüdischen Staat geschart, und unterstützt uns wie in früheren Jahren, willens, an dem Werk, das wir als Vorhut des Judentums verwirklichen, mitzuhelfen. Aber es wäre gefährlich zu glauben, dass wir unser Ziel erreicht haben. Unsere wahre Aufgabe steht an ihrem Beginn, und die Gefahren, die uns erwarten, s.nd vielleicht grösser als jene, die wir in der Vergangenheit überwunden haben. Hunderttausende von Juden hegen den Wunsch, sich mi. ihren Brüdern ln Israel zu vereinigen, doch man wehrt ihnen, die Länder zu verlassen, in denen sie leben. Vertrauen wir darauf, dass sich ihnen eines Tages die Tore öffnen werden, und wir müssen bereit sein, sie , in ihrer Heimat willkommen zu heissen. | An allen unseren Grenzen, mit Ausnahme des Mit i lelmeeres, sind wir von feindlichen Staaten umgehen, die aus ihrer Entschlossenheit, einen ne.uen Versuch zu unserer Vernichtung zu unternehmen, kein Hehl machen. Sie empfangen riesige Mengen der ’ modernsten Waffen zu lächerlichen Preisen oder auch kostenlos, während wir unsere Mittel verausgaben müssen, um das Gleichgewicht der Kräfte zu bewahren. Nur wenn unser Geist und unsere Verteidigung unerschütterlich bleiben, werden unsere Feinde sich hüten, das Risiko eines Angriff,-! auf sich zu nehmen; nur unsere innere Stärke gewährleistet den Frieden. . Im Vertrauen auf die Kräfte unseres Volke und die Hufe der Juden in der Weit beschreiten wir den Weg in das nächste Jahrzehnt mit dem WilHn. allen Schwei^. keiten_ Trotz zu bieten, damit am Tage der Vollendum* der 2o Jahre der Existenz des Staates Israel da= Land stark, frei und blühend s*ei, in Frieden lebe und eine I Duelle des Stolzes für das ganze Judentum und ein I/elV I für die Natiouen bilde.