Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2006 (5.4.1963)
- Date
- 1963-04-05
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEVRREDON 2190 — I? iza. £zJkmxut&3&\j&eli£G I E. 83-2613 AÑO XXIV BUENOS AIRES, VIERNES 5 DE ABRIE DE 1963 No. 2-906 London — Washington — Kairo New York. — Man muss sich fragen, wie ernst die Gefahr ist, die Israel von den Raketen .droht, welche deutsche Wissenschaftler heute in Aegypten bauen. Obwohl diese Raketen keine Megatonköpfe besitzen, so sind die Sachverständigen doch der Ansicht, dass Israels Besorgnis berechtigt ißt. Es wird nicht bezweifelt, dass Nasser heute der V-2 ähnliche Waffen besitzt, die von den Deutschen entwikkelt wurden. Solche ferngelenkten Geschosse können jeden Punkt in Israel erreichen. obzwar ihre Treffsicherheit nicht unbedingt exakt ist. Die mit Kobalt 60 gelade nen Raketenköpfe enthalten Sprengstoffe aus einer Mischung mit radioaktiven Stoffen, verursachen jedoch keine Kernexplosionen. Nach Ansicht der Fachleute ist Nasser finanziell nicht in der Lage, ernsthaft die Herstellung von Atombomben zu betreiben. Allerdings könnte er das tun, was Kuba ge macht hat, nämlich versuchen, solche Bomben geliehen zu bekommen. In England und auch seitens gewisser USA Parlamentarier wird darauf verwiesen, dass es an der Zeit sei. einen Druck auf Nasser auszuüben, damit er die Entwicklung von atomaren Waffen einstellt, und ihn ferner von seinen ehrgeizigen Plänen abzuhalten, Transjordanien und die Petroleum produzierenden arabischen Länder seinem Einfluss zu unterwerfen. In London und Washington werden Beratungen über eine gemeinsame Mittelost- Politik geführt. Es ist keineswegs ein Geheimnis dass die Rivalität um da« mittelöstliche Petroleum die Beziehungen zwischen den beiden Regierungen getrübt hat. Die letzten Revolutionen in Irak und Syrien soll ten die USA und Grossbritannien dazu veranlassen, den unheilvollen Konsequenzen vorzubeugen, die für die Sicherheit der dem Westen zur Verfügung stehenden Petroleumquellen voraußzusehen sind. Man weist auch nicht die Möglichkeit von der Hand, dass in Saudi Arabien eine von Nasser geschürte Revolution ausbrechen könnte. In diesem Land, ebenso wie in Transjordanien, besitzen die Vereinigten Staaten beachtliche Petroleum-Interessen. WIE ICH ES SEHEr DIE FREIHEIT VERTEIDIGEN Die Leidenschaften und damit die Kräfte, welche die Menschen leiten und bewegen, sind durch die Jahrtausende die gleichen geblieben. Sie haben schon die frühesten Geschlechter mit Liebe und Haes, mit Sehnsucht, Schmerz und Trauer erfüllt. Hunger und Durst. Not und Elend treiben auch heute noch Völker zur politischen Tat. Machtgier und Herrschsucht sind jetzt wie zuvor im internationalen Leben zu beobachten. Das Verlangen nach dem, was des anderen ist, bildet auch heute noch das Objekt des Streite« wie in jenen versunkenen Zeiten, über die sich der „moderne Mensch“ so erhaben fühlt. Nicht die Vernunft, sondern die nur mühselig durch Argumente gezügelten Leidenschaften sind die Triebkräfte im Leben des einzelnen Menschen, jedes Volkes und aller Nationen geblieben. Hinter einem dunstigen Rauchschleier von schön klingenden Worten versucht man die Wirklichkeit beschämt zu verbergen. Die Vernunft des Menschen, «ein Verstand, seine wissenschaftlichen und technischen Erkenntnistse haben trotz der Atomisierung der Materie und trotz der Raumflüge nicht den echten Fortschritt gebracht, der allein in der Läuterung der Herzen bestehen kann. Hierbei handelt es sich durchaus nicht um einen theologischen oder metaphysischen Begriff, sondern um ein politische« Ziel, das mit den hohen Gedanken und den letzten Vorstellungen über eine bessere Menschheit übereinstimmt, die von den Religionen vertreten werden. Auf diesem Wege kann man — vielleicht erst in sehr fernen Tagen — zu jener Harmonie gelangen, die dem Weltbild des jüdischen Volkes entspricht, in welchem kein Raum für Zwiespältigkeiten besteht, in dem vielmehr die gerechte Weltordnung auf der Gleichheit aller Menschen beruht. Auch der geschichtliche Entwicklungs - Prozess der verschiedenen Völker ist von Grundmotiven bestimmt, die dem Gharakter und der Weltanschauung des betreffenden Volkes entsprechen. Während man die mit einem unvergleichlichen Heroismus getragenen Leiden und die brutalen Verfolgungen, de ren Opfer Juden gewesen sind, als äussere Merkmale für unseren Weg durch die Zeiten und Völker anr.ehmen kann, ist die Sehnsucht nach Freiheit und der Kampf um die Zertrümmerung der Fe»ss-eln der Sklaverei eines der immer wiederkehrenden Mo tive im inneren Entwicklungsprozess unseres Volkes, die man Jahrhundert um Jahrhundert stets mit der gleichen Innerlichkeit und Intensität antreffen kann. Wir wollen für das jüdische Volk keineswegs den Anspruch erheben, das einzige in der Geschichte zu sein, das seine Sehnsucht nach Freiheit immer wieder bekundete und das bereit von JEHUDA GQTTHEiMER wa|g für seine Befreiung die schwersten Opfer zu bringen. Es gibt in der alten wie in der neuen Gef3chichte ei ne grosse Anzahl von Beispielen, in denen Völker heldenhaft um ihre Freiheit gekämpft haben. Gerade diese Tatsache beweist auch für sich, dass die Motive des nationalen wie internationalen Lebens immer die glei chen geblieben sind, da«s sich weder die natürlichen Lebensbedingungen noch die geographischen Gegebenheiten geändert haben, und dass auch schliesslich die Charaktereigenschaften der Individuen wie der Gemeinschaft kaum verändert bestehen. Da die Juden meist unterdrückt waren, blieb in ihnen der Willen zur Freiheit stets lebendig. Man kann hierin ein natürliches Phänomen, aber auch ein Wunder sehen, je nachdem, von welchem Standpunkt aus diese eigenartige, je geradezu merkwürdige Erscheinung betrachtet wird. Wenn man davon ausgeht, dass jeder Druck ständig einen Gegendruck auslcst, dann braucht man sieh darüber nicht zu verwundern, dass die Juden stets das Verlangen nach Befreiung vom Joch unerträglicher Knechtschaft in sich trugen. Andererseits kann man auch «agen, dass es eigenartig ist', dass sich ein Volk das Bewusstsein seiner nationalen Selbständigkeit bewahrte, das beina he zweitausend Jahre unterdrückt worden ist. Aber auch um die Sicherheit Israels herrscht Besorgnis Obzwar man annimmt, dass die Könige von Saudi Ara bien und Transjordanien in irgendeiner Form westliche Garantien für den Bestand ihres Throns erhalten haben, so beinhalten diese jedoch keinen irgendwie gearteten Schutz gegen eine innere Revolution von der Art der Staatsstreiche, die sich erst kürzlich in Irak und Syrien ereignet haben. Einen sicheren Schutz ries gegenwärtigen Regimes in Transjordanien bildet — so paradox dies scheinen mag — die Drohung Israels, im Falle eines Sturzes der dortigen Regierung sofort zu intervenieren. Weder in London noch in Washington darf man bezweifeln, gleichgültig ob Aegypten nun Raketen besitzt oder nicht, dass Israel untätig Zusehen würde, falls Aegypten, Syrien oder Irak, die heute von „Einheit“ sprechen sich zu einer direkten militärischen Intervention gegen Transjordanien entschliessen sollten. Protestanten und Juden van BORIS SMOLAR was erzählt man in den protestantischen Sonntagsschulen den Kindern über die Juden? Sind diese Schulen vielleicht ein Ort, an dem Vorurteile gepflegt werden? Auf diese Fragen erteilt in dem Buch „Glauben und Vorurteil“ Dr. Bernard E. Olsen eine Antwort, der sieben Jahre hindurch die protestantischen Lehrbücher untersucht hat. Während dieser Zeit prüfte Dr. Olsen mehr als 120.000 Lektionen aus den Schulbüchern der Religionsschulen der hauptsächlichsten protestantischen Richtungen. Der Verfasser des vorerwähnten Buches enthüllte, dass die Anzahl der in den Lehrbüchern der protestantischen Sonntagsschulen enthaltenen Hinweise, die Ungünstiges für die Juden aussagen, sich in den letzten Jahren erheblich verringert habe. Mit wenigen Aufnahmen, so betont er, sprechen sich die protestantischen Erzieher weniger abfällig über die Juden als über die Katholiken aus. Dies «oll allerdings nicht heissen, dass alle protestantischen Richtungen die Juden und das Judentum in einem günstigen Licht darstellen. Nach der Ansicht Dr. Olsens beziehen viele konservative protestantische Gruppen in der Beurteilung der Juden einen im allgemeinen negativen Standpunkt. Dr. Olsen führte seine Studie an der Theologische« Fakultät der Yale-Universität durch. Er stellte fest, dass sich die Verfasser protestantischer Religionsbücher immer mehr mit dem Bild der Juden beschäftigen, die sie darstellen. Fast alle von ihnen weisen heute klar und deutlich darauf hin, dass das Vorurteil gegen andere rassische und religiöse Gruppen nicht mit dem christlichen Glauben in Einklang steht. Die erzielten Resultate beweisen, dass es möglich ist, offen die Gründe für den Konflikt zwischen den religiösen Gruppen zu behandeln und trotzdem ein positive« Bild von den anderen zti zeichnen. Die Studie Dr. Olsens ist eine der drei unabhängigen Untersuchungen über religiöse Erziehung, zu deren Anregern und Förderern das American Jewish Committee gehörte. Ein Studium der katholischen Lehrbücher ist an der Universität von Saint Louis begonnen worden, und die Juden haben e« übernommen, ihre eigenen Schulbücher im Drcpsie College zu prüfen. Diese beiden Untersuchungen sollen nunmehr feststellen, wie in den katholischen und jüdischen Religionsbüchern die anderen religiösen Gruppen dargestellt werden. Berater des State Department Washington. — Der be kannte jüdisch? Gemeindeführer Jacob Blaustein wurde in die Beratende Kommission für internationale Wirtschafts-Fragen des State Department berufen, wie Unterstaatssekretär George W. Ball mitteilte. Die genannte Kommission soll dem Staatssekretär und der staatlichen Entwicklungsbenör. de in der Handhabung der besonderen Probleme beratend zur Seite stehen, di? nordamer kanische Firmen im Ausland zir" lesen haben — (ITA) Kairo kauft russische Raketen Washington. — Die ägyptische Regierung erwarb russische ,,Komar“-Rak?ten. die von Schiffen auf das Festland abgefeuert werden und eine Sprengladung von 750 Kilo befördern können. Die Schiffe, welche die „Komar“ transportieren, wurden von Russland ebenso wie die Raketen und andere Geschosse an Aegypten geliefert. Es handelt sich um das gleiche Raketenmodcll, mit dem die Sowjetunion Kuba versorgt hat. Die Reichweite dieser Raketen beträgt 24 bis 32 km. Diese Waffen sind besonders für den Beschu«s von Küstenstädten geeignet. Inzwischen traf der israelische Verteidigungsminister Shimon Pere« in Washington ein, um über Preise und Lieferungsfristen für die Luftabwehrraketen „Hawk“ zu verhandeln, die Präsident Kennedy vor einigsn Monaten Israel zu verkaufen versprochen hat (ITA) , Dass die Liebe zur Freii heit für das jüdische Volk! von einer besonderen Bej deutung ist. dürfte bereits! aus der Tatsache hervor gehen. dass mit dem Befrei ungskampf die Volkwerdung aufs engste verbunden ist. In beinahe gleich langen Abschnitten kann man unsere Geschichte einteilen, indem man immerein? Befreiungstat als den Beginn einer neuen Epoche annimmt: die Befreiung der Kinder Israel aus Aegypten, — die Befreiung des Volkes von der Fremdherrschaft und die erfolgreiche Zurückweisung der hellenistischen Assimila tion, — und die Wiedergeburt des jüdischen Volkes durch den erfolgreichen Kampf der Zionistischen' Weltorganisation und die \ Wiedererrichtung des Staate« Israel. Alle diese Begebenheiten sind auf die selben Faktoren zurückzuführen: auf die stete Hoffnung auf Befreiung, auf den um-, beugsamen Lebenswillen des jüdischen Volkes und auf den unerschütterlichen Glauben des einzelnen Juden an die ihm durch göttliches Gebot übertragene Aufgabe und Sendung. E« mag sein, dass der niemals erloschene Willen zur Freiheit, der in den Juden — sowohl als Einzel menschen wie als Gemeinschaft — durch die Jahrtausende lebendig geblieben ist. nicht der eigentliche Gegenstand der Betrachtung sein sollte, zumal wir auch bei manchen anderen Völkern eine «olche Freiheitsliebe : über lange Zeitläufte beobachten können. Was unser Volk charakterisiert und zu 1 einem Sonderfall in der Ge! schichte macht, wenn man j diese Erscheinung einmal so j bezeichnen darf, ist der Um-; stand des „Ueberlebeus“. : Das« unser Volk all die Jahrtausende überstanden hat, dass es in seinen Vorstellungen und Eigenschaften, in seinen Lebensnormeu und Auffasßungen über Staat. Gemeinschaft. Familie und Individuum keine grundlegenden Wandlungen erfuhr, dass es als Volk al le Angriffe, Gefahren, Peinigungen und Entsagungen überdauerte, das ist das eigentliche Phänomen. Wenn Minderheiten verfolgt werden, weil sie den Mehrheiten wesensfremd Vorkommen, weil sie eine andere Sprache sprechen, andere Sitten oder Gebräuche haben, so war die unfreundliche — um nicht zu sagen, die feindliche — Reakfion der majoritären Umwelt den Juden gegenüber in erster Linie von der Unheimlichkeit der einfachen Tatsache bedingt, dass die Juden noch immer als Volk existierten, trotz der Verfolgungen, trotz der furchtbaren Massaker, deren Opfer sie stets waren, trotz aller Versuche, sie zu eliminieren, trotz aller Bemühungen, sie zu assimdie ren auf dem Wege der Amalgamierung zum Ver-; schwanden zu bringeh. | Der „ewige Jude“ w'ar: keinesfalls nur eine un-! glückliche Erscheinung im gesellschaftlichen Leben des Mittelalters, damals wie heute war er auch, eine fremdartige, für die anderen mit Geheimnissen umwobene Leidensfigur, deren man sich erwehren wollte. Dass in diesem ewigen Juden wirklich ein Hauch der Ewigkeit in des Wortes rieh tiger Bedeutung lebte, davon W'ollte man nichts wissen, wenn man es vielleicht auch ahnte. Die grössten und stolzesten Völker hatten sich dem christlichen Schwert beugenmüssen; man braucht nur an den Sachsenherzog Widukind zu denken; der ,,ewigei‘ Jude dagegen hat sich niemals dem Schwert gebeugt. Die! unfreundlich-feindliche Umj weit wusste das; sie emp \ fand auch die Grösse dieses historischen Prozesses, aber der „ewige“ Jude blieb ihr vielleicht gerade deswegen unheimlich .. Die Liebe zur Freiheit zerbrach die Ketten der Sklaverei Aegyptens, was wir in wenigen Tagen wieder einmal in unserer Hagada, dem kleinen und doch so grossen Volksbuch nachlesen werden. Unsere Geschichte und unsere Gebete klingen von dem Wunder wider, das unseren Vätern geschah, als sie aus Mizrajim befreit worden sind. Di? Befreiung aus Aegypten, das ist immer das grosse Volksfest unserer Nation gewesen. Selbst in den Tagen der Hochsssimilation haben die deutschen Juden, wenn auch mit manchen Varianten, die man übrigens heute mit umgekehrten Vorzeichen bei einigen Parteien beobachten kann, d^ses kleine Buch verlesen, haben sie die alte und schöne Tradition des Seder-Abends ihren Kindern weitergegeben, an denen sich die Familie am festlich gedeckten Tisch versammelt, um das Brot der Knechtschaft zu brechen.und das Lied der Freiheit zu singen. Wir wollen freie Männer sein, dieser Wunsch, diese Hoffnung, diese Forderung erklingt am Seder- Abend. Vielleicht darf man diesen lapidaren Satz „Wir wollen freie Männer sein“ als Quintessenz der historischen Bedeutung des Pessach Festes bezeichnen. Es gibt Zeiten, in denen wir Sklaven, und solche, in denen wir freie Männer gewesen sind. Sklaven, Uh- (Schluss auf Seite 2) DIE JUDEN IN MAROKKO New York. — König Hassan II. von Marokko er klarte hier, es bestehe kein Widerspruch zwischen der Haltung, die Marokko als Mitglied der Arabischen Liga zu Israel einnimmt, und der Politik der Gleichberechtigung für die marokkanischen Juden. Der König sprach bei einem ihm zu Ehren im Klub der Lieber seepresse veranstalteten Bankett. Er führte aus, die marokkanischen Juden hätten die gleichen Rechte und Pflichten wie alle Marokkaner Allerdings könnten sie. falls sie keine marokka nischen Staatsbürger seien, die Rechte und Privilegien deren sie heute teilhaftig sind, nicht gemessen. Er betonte dass-Marokko Mitglied des afro-asiatiscUen Blocks in den UN ist und seine Position als Mitglied der Arabischen Liga ebenfall« klar Umrissen se!. Hierbei hob er. hervor, dass zwischen Marokkos Einstellung zu Israel und. seiner der jüdischen Geme:nschaft m Marokko gegenüber verfolgten Politik kein Widerspruch herrsche. (ITA)