Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2005 (29.3.1963)
- Date
- 1963-03-29
- Page
- [Seite 12] (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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a J i y o ao o c «U S 3 j3 «- “ *m s K W ¿3 * a b. 4j < Ü FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Conceson 1629 AÄO XXIV MANA ISRAELITA BUENOS AIRES, VIERNES 29 DE MARZO DE 1963 No. 2005 EL EJEMPLAR Jfl en todo ta República PUEYRREDON 2190 19 bq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Deutsche Techniker in Kairo (Schluss von Seite 1> I Standpunkt, daßs die Regierung Israels sich schon früher hätte an Bonn wenden ' sollen, bevor sie es zugab, | dass sich israelische Ageu teu in verdächtige Machen-* schäften einlaßsen. Der bonner Korrespondent def . Manchester Guardian“ schreibt, die Bundesregierung wisse nicht, wie viele deutsche Techniker in Aegypten am Raketenbau arbeiten. Man gebe zwar ~ii, dass sich eine Anzahl vo.l Nazis nach Kairo geflüclitgG hatten, doch habe man aiM genommen, dass sie sicel 1> (L'ptsächlich mit PrGpagatM da beschäftigen würden. Dii»1 Bundesregierung habe nie-; mals um ihre Auslieferung ersucht. weil sichtlich auf Punkt stehe, es sei besser für Deutschland, die«e Leu te im Ausland zu wissen. Die Lage werde auch dadurch nicht besser, dass Westdeutschland noch keine diplomatischen Beziehungen mit Israel unterhält, . obwohl viele Deutsche meinen, es sei an der Zeit, diese herzc«5 teilen.“ ADENAUER FORDERT BERICHT Bonn. — Das Bundeskabinett befasste sich unter Vorsitz von Vizekanzler Prof. Erhard mit der durch die Tätigkeit deutscher Wissenschaftler in Aegypten entstandenen Kontroverse und billigte folgende Erklärung: Die Bundesregierung hat keinen Anhaltspunkt dafür. dass deutsche Staatsangehörige an der Herstellung atomarischer, biologischer und chemischer Kampfmittel in Aegypten arbeiten. Soweit deutsche Staatsangehörige in Spannungsgebieten bei der Entwicklung und Fabrikation von Waffen mitwirken, wird dies von der Bundesregierung verurteilt. Die Bundesregierung hat von jeher darauf hingewirkt, dass deutsche Staatsangehörige, deren Tätigkeit im Ausland zur Erhöhung politischer Spannungen beitragen kann, in die Bundesrepublik zurückkehren. Die Bundesregierung wird ihre Bemühungen in dieser Richtung forißetzen. Es wird geprüft, ob sich solche Vorgänge durch weitere gesetzliche oder Verwaltungsmassnahmen wirksam verhindern lassen. g bakteriologischen oder chej wurden durch Vermittlung |jnan | mischen Waffen arbeiten. ' einer schweizer Agentur, die dem Stand- | sondern „sie helfen nur“! den Namen MECA trägt und beim Bau von Raketenge-j von einem reichen. 44 Jahre schosoen, und es sei heute | alten, ägyptischen Waffen- Bonn. — Dr. Konrad Bundeskanzler Adenaite* verzweifelhaft, ob „gesetzliche Mittel" vorhanden seien, um hiergegen einzuschreiten. Allerdings, so fügte er hinzu, würde man diese Frage un tersuchen. Er stellte nicht klar, was er unter „gesetzlichen Mitteln“ verstehe. Wie zu erfahren war, wird eine minioterieiie Kommission die Angelegenheit prüfen. Die hamburger Zeitschrift ,Der Spiegel" enthüllte Ein ■»-' 1 ■ ‘ «vz jmm b, » yi nwiitw riiu langte einen umfasset’.tifnpzelbeiten über das ägypti Bericht über die/tfetätigung i sehe Raketenprogramm, die •deutscher WisSenschaft.er, i auf der Ausstellung im Juli die an den äSyptiScfien WÜT : 1962 bekannt wurden. Ae. 1 iennrojekten^'.ai#!>€Üten. Er j gypten erzeugt zwei Rake- |stellte dieses Ersuchen ^ius j ten. Kahir und Safir. Diese Gadenabia in Italien^ tgo er j Raketen, so schreibt dieses seine Ferien verbringt^ | im allgemeinen gutunter- Der Staatssekretär Karl j richtete Blatt, sind von deutvon Hase erklärte, dass die I sehen und österreichischen deutschen Tecnniker in Aej Wissenschaftlern konstru gypten nicht an atomischen, | iert worden. Die Spezialisten händler namens Hassan Sayed Kamil gegründet wurde. nach Aegypten verpflichtet. Nach Aussage des „Spiegel“ besitzt Kamil einen schweizer Pass und ist einer der wichtigsten Agenten des ägyptischen Präsidenten Nasser. Die MECA soll Anstellungsverträge mit rund 250 Deutschen und Oesterreichern abgeschlossen halsen, unter denen sieh 11 Spezialisten aus dem Stuttgarter Raketeninstitut, an ihrer Spitze Prof. Eugen Säuger, befinden. PROTESTE AUS USA Washington. — Zwei Abgeordnete, eine Republikaner und ein Demokrat, forderten eine parlamentarische Untersuchung der Rolle Westdeutschlands in der NA¬ TO, nachdem die Mitarbeit Bericht einer USA-Delegation Eine aus 35 Führern des United Jewish Appeal bestej hende Delegation war kürz-: lieh unter Leitung von Rabbi j Herbert Friedmann in Po | len. Sie besuchte Warschau | und Krakau sowie einige j ehemalige Todeslager und ] hatte auch Konferenzen mit : jüdischen Instanzen und polnischen Behörden. | Von den ehemaligen viej ]en Hunderten von jüdischen \ Gemeinden sind noch 22 übrig gbelieben. Sie sind im Luach aufgeführt, der von den jüdischen Gemeinden herausgegebeu wird und frei verteilt werden kann. Die 25.000 Juden, die den Gemeinden ‘‘angeschlossen sind, erhalten ihn gratis In Polen leben aber noch wei tere 10.000 Juden, die keiner Gemeinde angeschlosseu sind. „Churban Polen“, so war der Eindruck der Delegation, ist fast vollständig. Hier hat Hitler sein Ziel beinahe restloi; erreicht.- Es giht keine Rabbiner und kei ne Jeschiwot. Der Bfesuch der jüdischen Schulen ist gering, ln der Religionsschule dar Warschauer Gemeinde gibt es nur 16 Schüier. Nur wenige von ihnen re chen Jiddisch, die'^^Mmilation macht rcoche schritte. In den nichtrelig^ sen jüdischen Volksschül gibt es 1.500 Schüler. Das Jüdisch - historisch Museum ist eines der wenigen jüdischen Gebäude, die : i noch stehen. Das Jiddische Theater unter Leitung von Ida Kaminska spielte für die Delegation das Stück „Baruch von Amsterdam“, das sich mit Spinoza befasst und einen antireligiösen Inhalt hat- Die Delegation wurde von Stadtpräsiclent General Zarzycki empfangen, der Buchenwald und Auschwitz überlebte. „Der Kampf der jüdischen Aufständischen im Warschauer Ghetto ist ständig in unserem Gedächtnis", erklärte er. Es bestehen keine Schwierigkeiten, die kulturellen Beziehungen mit Is rael zu verstärken. Die jiddische Folköztyme“ erscheint viermal in der Woche. Die Zeitung kann jetzt wieder nach Russland ge schickt werden. Der Stadtpräsident gab die Zusicherung, dass die Regierung alles tue, um den in Palen verbliebenen Juden kulturel le und wirtschz Bliche Hilfe zu bringen. Es bestehe keine Diskrimination gegen Juden. In Regierungsämtern und staatlichen Unternehmen stehe allen Juden die Karriere offen. Rabbi Herjaert Friedmann erwiderte in seiner Ansprache, die Juden Amerikas seinen nicht nur am Andenken der drei Millionen Juden interessiert, sondern auch an den Ueberlebenden. Der Joint werde ihnen weitere Hilfe bringen. Er dankte der Regierung für die Zusammenarbeit mit dem Joint. Ein Empfang fand auch in der religiösen Gemeinde und bei der Leitung der Soziai- und Kulturunion statt, wobei beiderseits der Wunsch ausgedrückt wurde, dass die Verbindung mit den Juden in der Welt und besonders mit den nordamerikanischen Juden verstärkt werde. Mit Hilfe des Joint wird in Warschau ein Altersheim errichtet. In Krakau stellte die Delegation fest, dass hier 2.000 Juden wohnen, von denen 1.300 über 60 Jahre alt sind. In der Religionsschule sind nur zehn Kinder zu finden. Die religiöse Gruppe wird immer kleiner, weü die Jüngeren zur sogenannten „Kulturgruppe“ gehören. Diejenigen, die nach Israel auswandern wollten, haben dies bereits getan; nur noch wenige dürften nunmehr nach Israel kommen. . Im Hof der alten Synagoge befindet sich ein Denkmal für die durch die Nazis erschossenen 30 Polen, die Juden geholfen haben Es ist wohl die einzige Synagoge in der Welt, in der sich ein Denkmal für Nichtjuden befindet. Die Delegation Ivar dann auch in den Lagern von Birkenau und Auschwitz, wo an den Monumenten Blumen niedergelegt wurden. deutscher Fachleute an dem ägyptischen Programm zur Massenproduktion von Vernichtungswaffen gegen Israel bekannt wurde. Leonard Farbstein, Mitglied der Parlaments Kommission für auswärtige Angelegenheiten, stellte fest, die Bundeerepublik versuche. „sich hinter einer fadenscheinigen Legalität zu verstecken“, die ein« peinliche Erinnerung an die Ge setze der Nazizeit wachrufe, als die Deutschen erklärten, nur „ihre Pflicht“ zu tun. Deutschlands moralische Reife müsse in dem Augenblik in Zweifel gestellt werden. so führte er aus, in dem die Deutschen grösseren Einfluss in der NATO und in der Raketenproduktion beanspruchen. „Bonn“, betonte er, .trägt die gleiche moralische Verantwotung. radiologische und bakteriolo gische Waffen nicht in die Hände der Aegypter gelangen zu lassen, wie sie die USA haben, wenn es darum geht zu verhindern, dass ihre Bürger und Industrien ähnliche Hilfe an Kuba leisten, das zufällig gut Freund mit Aegypten ist.“ Der republikanische Deputierte für New York, Seymour Halpern. unterstrich, „Deutschland habe in einer Frage schwerer moralischer Verantwortung versagt, als eß zugab. dass deutsche Bürger Nasser bei der, Verwirklichung seiner Drohung, Israel zu vernichten. Hilfe leisteten." Hier handele es sich nicht um einfe Frage des Gesetzes, fügte er hinzu, sondern „um eine Probe auf das deutsche Gewißsen und Deutschlands fromme Beteuerungen, dass es über den Tod von sechs Millionen Menschen, die nur ihres Glaubens wegen sterben mussten. Reue empfinde.“ Halpern vertrat den Standpunkt, dass „Bonn unschwer imstande gewesen wäre, aut diesen Fall anwendbare Gesetze zu finden und seine Autorität geltend zu machen, um die deutschen Wissenschaftler davon zurückzuhalten, nach Aegypten zu reisen und dort wieder Todfrswaffen zu erzeugen. Es sei immerhin bekannt, dass sich unter den Spezialisten glühende, unverbesserliche Nazis befinden, welche heute mit technischem Personal Zusammenarbeiten, daß von den Sowjets bereitgestellt und außgebildet wurde." KABINETTSSITZUNG IN BONN Bonn. — Wie gemeldet wird, will das bundesdeutsche Kabinett die Frage der Aktivitäten deutscher Wissenschaftler und Techniker untersuchen, die angeblich an der Herstellung von Vernichtungs - Waffen für das Nasserregime arbeiten. Die einzelnen Aspekte wurden in ihrer betreffenden Bezie hung zu den verschiedenen Ministerien in einer interministeriellen Sitzung behandelt. Die sozialdemokratischen Abgeordneten haben die Regierung ersucht, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um den guten Ruf Deutschtandß im Ausland zu wahren. Die hiesigen ausländischen Beobachter zeigen sich dar über besorgt, dass die Bundesregierung das dringliche Ersuchen Israels, der Teil¬ Demokratische Studenten in der Bundesrepublik protestieren dagegen, 'dass immer wieder neue Nazis an führenden Stellen „entdeckt“ werden. Wie mitgeteilt wird, hat die Polizei unter unnötiger Gewaltanwendung de» Demoustrationszug zerstreut. Grosse Teile der studentischen Jugend wenden ihre Kampagne gegen frühere Nazis in amtlichen Stellen fortsetzen. nähme deutscher Staatsangehöriger am Rüstungsprogramm Aegyptens ein Ende zu bereiten, in einer kühlen, formellen und rein gesetzlichen Weiße handhabt, onpe der nazistischen Vergangenheit Deutschlands Bedeutung beizumessen. Es wird darauf hingewiesen, dass der Artikel 26 der deutschen Bundesgesetzgebung eine legale Grundlage für das Unterbleiben einer derartigen technischen Unterstützung anderer Länder bieten wür de. In diesem Paragraphen wird verfügt, dass „Aktivitäten, die darauf hinzielen. Unruhe zu schaffen, oder in der Absicht unternommen werden, die friedlichen Beziehungen zwischen Völkern zu stören, und im besonderen die Vorbereitungen für einen Angriffskrieg uege-; setzlich sind und der Bcßtra- | fung unterliegen.“ Aus deutschen Quellen in Rockwell durfte sprechen Chikago. — Warner A. Wieks, der Dekan der Studenten der Universität von Chikago, rechtfertigte die dem Nazi George Rockwell erteilte Erlaubnis, in einec Versammlung im Auditorium der Hochschule zu sprechen, mit der Erklärung, dass „die Freiheit, deren wir uns rühmen, in Taten und nicht nur in Worten existiert.“ Eine Gruppe von Studenten hatte Rockwell eingeladen. während andere dagegen protestierten. (ITA) Bonn verlautete allerdings, dass die deutschen Gerichte wahrscheinlich Berufungen der Wissenschaftler gegen diese Gesetzgebung stattgeben dürften. Neger hetzen gegen Juden New York. — Die new^oltfcer Zeitung „Amsterdam News“, ein bekannte« Negftrblatt, wurde von ver. schiedenen jüdischen Organisationen sowie vom Protestantischen Rat der Stadt' $Jew York wegen eines kürzlich veröffentlichten Berichtes scharf angegriffen, in dem behauptet wird, eine „streng vertrauliche Untersuchung“ habe ergeben, dass, „die Juden die hohen Aemter der newyorker Stadtverwaltung besetzt halten“. Des weiteren schreibt die« Zeitung, bei der Untersuchung sei fest gestellt worden, dass „53 Prozent der Schlüsselstellungen in der Stadtverwaltung von Juden bekleidet werden, obwohl sie nur 26,4 Prozent der Bevölkerung ausmachen“. In dem betreffenden Artikel yvird nicht mitgeteilt, wer die „vertrauliche Untersuchung“ durchgeführt hat, jedoch angedeutet, sie sei/'von den Protestanten angestellt worden. Protestantische Führer, die den Be rieht gelesen haben, versicherten, „die Negerzeitung habe die Angabe entstellt* und sie in „verzerrter Form interpretiert“. (ITAI Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Impreso eu la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831