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Jüdische Wochenschau · 1963-03-22 · 2004 (22.3.1963) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2004 (22.3.1963)
Date
1963-03-22
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 — 1? izq. £cu JknvCkHa JähXÄßÜiCL I E. 83-2613 ASfO XXIV BUENOS AIRES, VIERNES 22 DE MARZO DE 1963 No. 2004 Schuldig oder unschuldig? Tel Aviv. — In der vergangenen Woche fand die erste Verhandlung im Prozess gegen Hirsch Biren blat statt, der bis vor kurzem Direktor der israelischen Oper war. Er ist angeklagt. in seiner Eigenschaft als jüdischer Polizist in dem von der Hitler Ar. mee besetzten Polen den Nazis bei der Zusammentreibung von Juden für die Massenausrottung Hilfe geleistet zu haben. In der For mulierung der Anklage wies der Staatsanwalt darauf hin, dass das Gericht als erstes feststellen müsse, ob ein Jude, der als Polizist Befehle der Nazis ausgeführt hat, unter die Bestimmungen des Gesetzes für die Bestrafung von Nazis und ihrer Mittä- WIE ICH ES SEHE' ter fällt und daher als „Mitglied einer feindlichen Or. ganisation“ a'bgeurteilt wer den kann. Es handelt sich um das gleiche Gesetz, nach dem Eichmann prozessiert und hingerichtet wurde. Birenblat war Angehöriger der jüdischen Polizei in Bendzin. Diese Formation war in dem dortigen Ghetto vom Judenrat aufgestellt worden, den die Nazis ernannt hatten. Gegen Birenblat ist Anklage erhoben worden, weil er Juden an die Nazis ausgeliefert, Juden in durch Stacheldraht umzäunten Lagern misshandelt, Juden für die „Auswahl“ zur Vernichtung zusammengetrieben und den Nazis bei der Verfrachtung von 5.000 Juden aus Bendzin sowie beim Abtransport von jüdischen Kindern aus einem Waisenhaus in Todeszügen, deren Bestimmungsort die Vernichtungslager war, geholfen hat. Des weiteren wird er beschuldigt, die Verstecke von 100 Juden, welche aus anderen Orten nach Bendzin geflohen waren, verraten und die Unglücklichen an die Nazis ausgeliefert, sowie Geissein aus Familien genommen zu haben, deren Mitglieder sieh den Nazis nicht zur Zwangsarbeit stellten. Nach Aufzählung der Anklagepunkte stellte der Staatsanwalt fest, dass es aber auch Birenblat gewesen sei, der aus jedem Zug ein oder zwei Juden heraus geholt und ihnen auf diese DER MYTHOS DES UNVERSTANDES von JEHUDA GQTTHEMER In seinem Buch „Mein Kampf“ nimmt Hitler auch zu Fragen der Kirche Stellung. Dieses Buch, das in einer Millionenauflage erschienen ist, war in sehr vielen Punkten der Leitfaden der nationalsozialisti sehen Politik und Taktik auf dem Wege zur Macht und später auf dem für die Menschheit so verhängnisvollen Marsche der Nazis zur Beherrschung der Welt. Es war verpönt, dieses Buch zu lesen, jedenfalls in den Kreisen der Gegner des Nazismus und bei Juden, da es eine U bergrosse Menge unqualifizierbarer Angriffe gegen die höchsten Ideale der Menschheit und gegen viele Vorstellungen enthält, die uns Juden heilig sind. Wahrscheinlich wäre ee klüger gewesen, dieses Buch Hitlers zu -studieren, als über seinen Inhalt zu lächeln oder zur Tagesordnung hinwegzugehen, wie dies meistens der Fall war. Man wird leider heute sagen müssen, es wäre besser gewesen, manche Drohungen ernster zu nehmen. Vielleicht wäre manches Unheil verhütet worden. Dies gilt allerdings nicht nur für Juden, sondern für ' alle Gegner jenes verbrecherischen Systems, da« bereits am Anfang seiner Entwicklung und Verbreitung unter den Massen des deut sehen Volkes in diesem Hitler-Buch die Grundlagen seines späteren Wirkens und seine politischen Absichten klar niedergelegt hat. Aber mit dem menschlich vielleicht verständlich, politisch aber unverzeilichen „Es wird nicht so hgiss geges sen. wie es gekocht ist“ kann die Nachlässigkeit, Gleichgültigkeit und Einfalt weiter Kreise nicht erklärt oder gar entschuldigt werden. Auch gegen die Katholische Kirche — wie gegen alle christlichen Konfessionen — ist Hitler in seinem Buch zu Felde gezogen, wenn er auch versuchte, eine mittlere Linie zu halten, um nicht von vornherein die Gegner Schaft der kirchlichen Kreise auf sich zu lenken. Immer wieder unterstreicht er, dass er nicht die Absicht habe, kirchliche Reformen durchzuführen, sondern dass das Volk, das Land und seine Regierung zu reorganise ren beabsichtige. Bewundernd spricht er von der alten Lew-von-Rom Bewegung, die es einmal in Oesterreich gegeben habe, um anschliessend gegen jene Geistlichen zu wettern, die das deutsche Volkstum vernachlässigten und den Rasoenge danken verkannten. Und dann befindet sich dort der merkwürdige, aber klare Satz: „Wir fordern die Freiheit aller religiösen Bekenntnisse im Staat, soweit sie nicht... gegen das Sittlichiceits- und Moralgefühl der germanischen Rasse verstossen.“ Da er schreibt Russische Juden hingerichtet New York. — Wieder ist ein russischer Jude wegen angeblicher Wirtschaftsverbrechen zum Tode verurteilt worden, wie die sowjetische Zeitung Radinska Bukowina in ihr&r Ausgabe vom 6. Februar berichtete Sieben Beamte der Erziehungsbehörde von Vasch kowitz -in der Nähe von Tschernowitz, wurden ange. klagt, 25.000 Rubel veruntreut zu haben. Der Namen des Buchhalters wurde mit Brelinsky, einem in Russland häufigen jüdischen Familiennamen, angegeben Gegen ihn ist üie Höchststrafe verhängt worden. Die übrigen Angeklagten, deren Namen nicht veröffent licht wurden, erhielten Gefängnisstrafen. In der Nummer vom 10. Februar berichtet dassel be Blatt, der Oberste Sowjet der Ukraine habe die Gnadengesuche einer „Gruppe von Wirtschaftsverbrechern“, die im Oktober 1962 in Tschernowitz zum Tode verurteilt wurden, abgelehnt, und die Urteile seien vollstreckt worden.“ (ITA) dass Judentum keine Relii gion ist, sind hier nur die christlichen Religionen gej meint, was der Klarheit hal-1 ber unterstrichen werden1 soll. j In dieser Formulierung ' liegt bereits ein schwerer, Angriff gegen das Christentum; denn keine Religion j wird es sich sagen lassen, sie könne nur insoweit anerkannt werden, als ihre Prinzipien nicht gegen das Sittlichkeits- und Moralgefühl der germanischen Rasse verstossen würden. Es lohnt gewiss heute nicht mehr, die Einzelheiten dieser hitj leristischen These zu analyj sieren, zumal sich alle, [ auch die Deutßchen. darüber klar sind, dass es eine germanische Rasse garnicht gibt. Dieses nazistische Phantasiegebilde ist wie ein Spuk verflogen. Daßs aber die .germanische Rasse“, offensichtlich repräsentiert durch den Führer, was sich aus „Mein Kampf“ eindeutig ergibt, darüber entscheiden dürfte, was an der christlichen Religion gegen das Sittlichkeits- oder Moralgefühl verßtösst, ist eine Formulierung, die man nur! als eine unerhörte Herausj forderung betrachten kann.! Nicht durch Hitler, sondern! durch einen seiner Getreuen ' wurde dann der Frontalanj griff gegen die Kirche eingeleitet. Nur nebenbei sei bemerkt,! dass die Kirche Hitler ge j gen über zunächst eine Po-; litik betrieb, die sein Treiben ermunterte. Sie schloss ein Konkordat, das damals für die Nazis ein unerwar-! teter und gewiss völlig un- | verdienter Prestige Gewinn! bedeutete, als die Welt durch die nazistischen Ver-j brechen. Verfolgungen, Totj Schlägereien und den Reichs j tagsbrand bereits einen Ein- ■ druck von dem wirklichen , Charakter dieser neuen deut j sehen Regierung erhalten hatte. Hitler hat dieses Konkordat wie jeden anderen von ihm geschlossenen internationalen Vertrag sofort gebrochen, aber es dauerte dennoch einige Jahre, bis Papst Pius XI. 1937 eine Enzyklika erliess, die mit den Worten „Mit brennender Sorge“ begann. Inzwischen waren alle katholischen Ju- Weise das Leben gerettet habe. Er fügte hinzu, das Gericht werde zu befinden haben, ob der Angeklagte um sein eigenes Leben und das einiger weniger zu retten, das Recht hatte, die anderen Verbrechen zu begehen, obzwar er unter Zwang stand, und er bemerkte weiter, dass die Untergrundbewegung einen Versuch unternahm. um Birenblat zu befreien. Nachdem der Angeklagte sich als unschuldig erklärt hatte, wurde der erste Zeu ge, der heute in Israel lebende Isaac Neuman, zur Aussage aufgerufen. Neumann gehörte dem jüdischen Untergrund in Tschenstochowa an und war nach Bendzin geschickt worden, um dort den Widerstand zu organisieren. Er wurde aber festgenommen und Birenblat vorgeführt. Neumann sagte aus, Birenblat habe ihn trotz verschiedentlicher Aufforderun gen in seinem Büro festgehalten. Als er und eine Gruppe anderer Juden von jüdischen Polizisten auf die deutschen Lastwagen getrieben wurden, habe Birenblat laut seinen Namen gerufen, ihn von den übrigen getrennt Ohne Seele und „ohne Sünde” von BORIS SM0LAR New York. — Die Gedank-en, die Eichmann durch den Kopf gingen, als er in seiner Gefängniszelle in R,anle darauf wartete, als an dem Tod von 6 Millionen Juden schuldiger Kriegsverbrecher sein Urteil zu erfahren, sind nunmehr von dem kanadischen Priester William L. Hüll in einem Buch enthüllt worden, welches hier zur Veröffentlichung gelangte. Hüll war der einzige Geistliche. der die Zelle Eichmanns betreten durfte; er ist ein christlicher Missionar und hat 27 Jahre in Palästiaa und Israel gelebt. Vierzehn Mal führte Hüll mit Eichmenn lange Gespräche in der Todeszelle, und er war einer der fünf Männer, welche ein offizielles, in hebräischer Sprache verfasstes Schriftstück als Zeugen Unterzeichneten, dass sie gesehen hätten, wie man die Asche Eichmanns in das Meer streute. Bei seinen „Unterredungen von Mann zu Mann“ mit Eichmann bot sich dem kanadischen Priester die Gelegenheit, dem Häftling zahlreiche Fragen zu stellen, auf die die Welt nach einer Antwort suchte. Die Fragen und Antworten wurden auf Tonband aufgenommen und bilden die Grundlage deg von Hüll geschriebenen Bucnes, dem er den Titel „Der Kampf um eine Seele“ gegeben hat. Die Antworten zeigen, dass Eichmann ein Mensch ohne Seele war und sich von seiner Behauptung, er habe keine Sünde begangen, bis zum Schluss nieht abbringen liess. Hüll, der der Verbrennung der Leiche Eichmanns beiwohnte, beschreibt die Einäscherung in allen Einzelheiten. Er berichtet, da«s Eichmann auf dem offenen Dach eines Gebäudes bei vollem Tageslicht und ungehinderter Sicht des Verkehrs gehängt wufde, der auf der im Osten des Gebäudes vorüberführenden Strasse brandete. Das von Hüll verfasste Buch ißt ein weiteres wertvolles Dokument für die Literatur über Eichmann, denn es liefert den Beweis, dass der Judenmörder Eichmann ein geistig völlig wertloser Mensch war. und ihn unter den Augen der Gestapo-Offiziere freigelassen. Neumann berichtete auch im Zeugenstand, dass die jüdischen Polizisten als letzte auf dem Vernichtungsprogramm standen, aber trotzdem habe er niemals während der Zeit, in der er als polnischer Land, arbeiter verkleidet lebte, beobachten können, dass ein | jüdischer Polizist deportiert worden sei. Die Verhandlung wurde bis zum Monat April vertagt. (ITA) gendverbände in Deutsch land trotz des Konkordats verboten worden, tausende Katholiken, unter ihnen viele Priester, waren schwerster Verbrechen beschuldigt worden, obwohl die Bevölkeruug von der Unrichtigkeit solcher Anklagen überzeugt war; man hatte den Vorsitzenden der Katholischen Ak tion in den Ereignissen deß 30. Juni 1934, umgelegt und zahlreiche andere Willkürakte begangen, die sämtlich nur das Ziel hatten, das Ansehen der Kirche in der Bevölkerung zu .erschüttern. Erst als all dies geschehen war, erklärte der Papst in der zitierten Enzyklika, die Hitler-Regierung habe den geschlcßsenen Vertrag stän dig verletzt, sie würde Misstrauen, Hass und Verleumdung säen und „Christus und seiner Kirche“ geheime und offene Feindseligkeit entgegenbringen. Der Papst fügte hinzu, er sähe am Horizont „die bedrohlichen Sturmwolken verheerender Religiorißkriege heraufzieben, die kein anderes Ziel als... Vernichtung haben würden“ (zitiert nach William L. Shirer). — Man sollte nicht im Angesicht der gewaltigen jüdischen Katastrophe der Hitlerzeit an die Verfolgungen und die Leiden anderer Menschen vergessen, die — mögen sie nun einzelne Märtyrer oder Mitglieder bestimmter von den Nazis verfolgter Gruppen gewesen «ein — von Hitlers Schergen meuchlings niedergemacht oder in die Zuchthäuser und Konzentrationslager geworfen worden sind. Unter die sen Verfolgten befanden sich Mitglieder christlicher Sekten, die durch ihren Heroismus und ihre Menschlichkeit vielen Juden beigestanden und die Menschlichkeit inmitten der Unmenschlichkeit und deß Grauens retteten. Es waren viele christliche Geistliche, die ihrer Ueberzeugung treu geblieben sind. Aber trotzdem es viele gewesen sind, waren es doch nur sehr wenige im Vergleich zu der grossen Masse der Anhänger und der Mitläufer, der Fanatiker und der Leäsetreter, die schwiegen, als der Namen eines Kulturvolkes besudelt wurde. — Solche Verse sangen die Nazis, nachdem der Kardinal Faultaber, einer der we- ] nigen aufrechten Männer während dieser Zeit des Un-! terganges, seine Stimme er- \ hoben hatte: I K«ine Mazzot Jerusalem. — Di« sowjetischen Juden werden auch in diesem Jahr zu Pessach keine Mazzot aus den staatlichen Bäkkereien erhalten, wie aus einem Kabel ersichtlich ist, das aus einer Quelle stammt, deren Nachrichten bisher noch niemals falsch waren. Darin heisst es, dass die Bäkkereien in Moskau keine Mehlrationen für diesen Zweck erhalten haben, und falls nicht die Erlaubnis erteilt wird, das Mehl für die Mazzot aus dem Ausland zu beziehen, wird es auch dies mal zu den Feiertagen für die Juden Russlands keine Mazzot geben — (ITA) der ein erbitterter Gegner von Goebbels, Bormann und Himmler gewesen ist, war wie so viele andere nazistische Grössen aus dem Aus „Du deutsches Volk, sag muss das sein? Dass Dich bespeit das ßchwarze Schwein Wenn nicht, so dresche doch darauf, Dass Funken fliegen hoch hinauf.“ ’— „Deutsche Männer, deutsche Frauen Jetzt ist’s genug mit der Faulhaberei. Haut das ßchwarze Lumpenpack zu Brei.“ „Die Hand dem deutschen Bruder, Der ehrlich zu uns kam. Die Faust in seine Fresse, dem schwarzen Hetzkaplan.“ _ So haben die Nazis Stimmung gegen diejenigen gemacht, die sich ihren Terrormassnahmen nicht beugen oder ihre weltanschaulichen Vorstellungen nicht akzeptieren wollten .. Der Mann, der die nationalsozialistische Weltan. schauung prägte und formte. der Leibphilosoph und Ideologe Hitlers war Alfred Rosenberg, einer der alte sten und treuesten Kampfgenossen des Führers, der ihm lange diese Ergebenheit erwiderte. Rosenberg. land gekommen. Er etamn te aus Reval, war ein Mi sterschüler, wohl aber durc den Ersten Weltkrieg nie! in die richtige Bahn gekon men. So wurde und war < ein .verkommenes Genie einer der ersten Redakteur des „Völkischen Beobaci ters“, Verfasser verschied, ner Schriften, unter ihne des „Mythus des zwanzij sten Jahrhunderts“. Dies« Buch erreichte eine sehr hi he Auflage, und Rosenber (Schluss auf Seite 2) Mahnung an Westdeutschland New York. — Der internationale Ausschuss der Bne Brit richtete eine „dringende Mahnung“ an die deutsche Bundesregierung, den Gesamtbetrag der Ansprüche auf Entschädigung zu begleichen der sich auf das im Jahre 1938 von den Nazis beschlagnahmte Eigentum dieser Organisation bezieht. In einer auf einer zweitägigen Konferenz ange nommenen Pesolution wurde festgestellt, dass djr in einem Abkommen festgesetzte Endtermin für diese Zahlung der 31. März 1962 war. Die Bne Brit beabsichtigt, die Gelder für Zuschüsse zum Wiederaufbau jüdischer Gemeinden und Subventionen an Hitfsverbände für über die ganze Welt verstreute Ueberlebende. der Katastrophe 2U verwenden. (ITA) * '

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