Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2003 (15.3.1963)
- Date
- 1963-03-15
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9616703-9613667-9613780--2659-9613781- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
PUEÏRREDON 2190 — 1* iza. JfoJkMÆMj&JsAjGü&lUCL T E. 83-2813 ANO XXIV BUENOS AIRES, VIERNES 15 DE MARZO DE 1963 No. 2003 WIE ICH ES SEHE Die braune Weltanschauung von JEHUDA GQTTHEIMER In der nationalsozialistischen Propaganda und Ideologie spielte der Gedanke von frühen Jahren an eine Rolle, dass der Nationalsolialismus eine „Weltanschauung“ sei. Es wird behauptet, dass der Begriff „Weltan schauung“ ein typisch deutscher Begriff sei, jedenfalls aber hauptsächlich in den Landern des deutschen Sprachkreises benutzt, werde. Tatsächlich ist es recht schwierig, diesen Begriff der Weltanschauung zu definieren. Manche meinen, eine Weltanschauung eei eine auf das Ganze des menschlichen Lebens, in der Welt hinzielende Sinndeutung, im Unterschied zum Wissenschaft lieh bedingten .Weltbild1. In allen Religionen ist eine Weltanschauung — nach dieser Begriffsbestimmung — in dogmatisch gebundener Form enthalten. Man kann natürlich den Begriff Weltanschauung als den Ausdruck der Auffassungen. Empfindungen und Wertmasstäbg, der religiösen Ueberzeugungen, ethischen Orientierung und der Erkenntnisse eines Menschen betrachten, der aus all diesen Elementen seine .Anschauung über die Welt“ formt. Es ist auch zutreffend. dass in allen Religionen solche Elemente einer Weltanschauung enthalten sind. Hier beginnt allerdings bereits die Differenzierung zwischen der allgemeinen, normalen Begriffsbestimmung einer Weltanschauung uud den nazistischen „Gedankengängen“. Während also die Religio nen eine bestimmte Weltanschauung einschliessen oder auch zu einer bestimmten Weltanschauung hinüberieiten und sie bedingen, ist dies bei der nationalsozialistischen Weltanschauung nicht der Fall. Sie ißt in keiner Religion enthalten. Ste hen doch alle Religionen — mögen sie viele oder wenige Gläubige zu ihren Anhängern zählen —, übereinstimmend auf dem Standpunkt von der Gleichheit aller Menschen, sind sie doch alle von einer echten Sehnsucht nach Frieden erfüllt und wollen sie doch alle die Menschen miteinander ver brüdern. Ganz anders verhält sieh der Nazismus. Er versucht, sich selbst in die Kategorie einer Religion zu erheben, aus seiner Weltanschauung eine religiöse, mit mystischen Elementen durchsetzte Ordensbewe gung zu schaffen und am Anfang seiner .Verkündung1 sofort das katholische Dogma von der „Unfehlbarkeit des Papstes“ zu verkünden, das in einer infantilen Form auf den braunen Führer projeziert wird. Diese Tendenzen mussten zu einem frühen Zusammen stoss der nationalsozialistischen Bewegung mit den Religionsgemeinschaften führen. Die Juden können wir in diesem Zusammenhang völlig aus unsere* Betrachtungen ausschliessen. da sie eindeutig das Opfer hasserfüllter, hemmungsloser Verfolgungen und Beschimpfun gen waren, ohne daßs jemals eine Möglichkeit zu einer wirklichen Auseinandersetzung oder Diskussion bestanden hätte. Infolge ihrer Prozess gegen Kriegsverbrecher Koblenz. — „Lügen Sie nicht so unverschämt, «eien Sie doch wenigstens ein Mann und machen Sie von Ihrem Recht Gebrauch. die Aussage zu verweigern”, rief der Präsident des Geschworenengerichts einem Zeugen in dem Prozess zu, der gegen Georg Heuser und elf Komplizen wegen der an Juden in Minsk begangenen Massenmorde geführt wird. Der Zeugen sollte sich zu Vorfällen äussern, die kürzlich im sowjetischen. Braunbuch enthüllt wurden. Er zog es jedoch vor zu behaupten, er könne sich nicht mehr erinnern, an den Erschiessungen vor einem vorher ausgehobenen Massengrab teilgenommen zu haben. (ITA) straffen Organisation war selbstverständlich die Katholische Kirche der eigentliehe Gegner und Widerpart, wobei allerdings die .weltanschaulichen1 Auseinandersetzungen von der Seite der Nazis in dem bei diesen Rüpeln üblichen Ton ge führt worden sind, während die Katholische Kirche in Deutschland sich mutig und entschlossen zur Wehr setzte, aber vom Vatikan bei diesen heftigen und bedrohlichen Formen annehmenden Auseinandersetzungen anfangs im Stich gelassen worden ist. Vielleicht wurden nicht die Priester der Katholischen Kirche vom Vatikan exponiert, die Gläu bigen aber wurden aufs schwerste enttäuscht, als der Papst mit Hitler zu ei- Bündnis gegen Israel London. — Die irakischen und syrischen Delegierten. die ihre in Damaskus geführten Verhandlungen über die Errichtung nasserfreundlicher Regierungen in ihren Ländern beendet haben, sind übereingekom men. ihre Aktion gegen Tßraei zu verstärken, wie der „Daily Telegraph“ aus. der svrischen Hauptstadt meldet. Eine in der gleichen Zeitung veröffentlichte Nachricht aus Kairo besagt, dass Nasser einen Pakt zwischen fünf Ländern plant, der das Ziel der Schaffung einer Arabischen Achße verfolgt, die mit russi sehen Unterseebooten und modernsten Kampfflugzeugen ausgestattet sein soll. Nasser wird Oberkommandierender aller arabischen Truppen im Mittelosten sein. Dan Ziel der neuen Achse ist die Unterwerfung Transjordaniens und Saudiarabiens und schliesslich die Vernichtung Israels. (ITA) nem Konkordat gelangte, obwohl die Katholiken verfolgt und beleidigt w'urden. Auf dem sogenannten weltanschaulichen Gebiet haben die Nazis einen Zweifrontenkrieg von Anfang an ge führt: sie haben die Katholische Kirche angegriffen und den Kommunismus attackiert. Sie haben Diener der Kirchen und Kommunisten unter fadenscheinigen Vorwänden vor Gerichte geschleppt oder sie ohne jeden Prozess in Konzentrationsla ger gebracht. Denn auch die kommunistische Weltanschauung, um in diesen Begriffskategorien zu bleioen, prätendiert darauf, alß eine neue Religion anerkannt zu werden, die eine bisher wirtschaftlich oder klassenmä. ssig unterdrückte Menschheit befreien will. Insoweit unterscheidet sich der Kommunismus nicht vom Nationalsozialismus, wie überhaupt diese beiden „Weltanschauungen“ sowohl in ih ren Theorien wie in ihren Praktiken weitgehend übereinstimmen oder erhebliche Aehnlichkeiten aufweisen (Geheimpolizei, Deportationen. Mordaktionen, Verfolgung früherer Anhänger usw. ebenso wie Einparteiensystem, Unfehlbarkeit des Führers oder Diktators, Aßpiration auf den Glauben der Getreuen usf.). Gerade wegen aer gleichen Prinzipien, auf denen f Kommunismus und Nazis- | mus beruhen, und gerade j auch wegen der gleichgelagerten Struktur der Denk-! und Regierungs - Systeme | mussten sich der rote und j der braune Machtßtaat in i einen „ideologischen“ Krieg i stürzen, während sie weni! ge 'Jahre später diesen! Kampf um Worte und Be-: griffe, die mit so grossem Byzantismus und Redeschwall ausgetragene „weltanschauliche“ Auseinander setzung vergassen und einen Pakt miteinander schlossen, um die übrige Menschheit, die dem alten Begriff der Freiheit treu geblieben war, zu unterjochen. Das war die Vorbereitung der letzten Runde, die in jedem Fall kommen und darüber ent scheiden musste, ob die Welt nun braun oder rot werden solle. Dieser mit ideologischen Redensarten verbrämte Disput war im Grunde genommen nur das Präludium des fürchterlichen Vernichtungskrieges. den Hitler gegen Russland begann, weil er sich der Stärkere wähnte und weil er auf die geschickten Täuschungsmanöver Stalins einging. Wenn man diese als ideologische oder die Welt umspannende Auseinandersetzung über vermeintliche Welterlösungsprinzipien betrachtet, wird man erkennen, dr.ss sie sich nicht von der Primivität früherer ähnlich gelagerter Kämpfe unterscheidet. Man darf das in der Augsburgischen Konfession (1555) aufgestellte Prinzip de« „cuius regio, eius religio“ mit den Aspirationen der roten und braunen Machthaber vergleichen, die das Recht für sich in Anspruch genommen haben. den Glauben und das Denken ihrer „Untertanen“ zu bestimmen. Die Verurteilung anderer Auffassungen und Ueberzeugungen una Keine Gnade Washington. — Das State Department teilte den jüdischen Kriegsveteranen mit, dass es von ihrer Besorgnis über ein Gesuch des deutschen Roten Kreuzes zur Frei lassung der drei letzten nazistischen Kriegsverbrecher Kenntnis genommen habe und dass die USA eine Unterstützung des Gnadengesuchs abgelehnt hätten. Es handelt sich um Rudolf Hess, Baldur von Schirach und Albert Speer. Der Beigeordnete Staatssekretär William R. Tyler erklärte dem Kommandanten der jüdischen Kriegsveteranen Morton London, dass nach Berücksichtigung der Haltung dieses Verbandes „nichts in der Sache eines Gnadengesuchs unternommen worden sei.“ (ITA) BUCK IN DIE WELT von HARGLD SCHWARCZ Ein deutsch-französischer Vertrag verdient besondere Aufmerksamkeit, dessen Grundlagen zwischen Adenauer und de Gaulle besprochen wurden. Die nach dem Zweiten Weltkrieg sich anbahnende Freundschaft zwischen diesen beiden Ländern beendet eine Gegnerschatt, die sich über Jahrhunderte erstreckte. — Die Franzosen sind bereit, mit den Brasilianern einen „Krabben-Krieg“ zu führen. Die Lage zwischen den beiden Ländern hatte sich zugespitzt, als die französische Regierung beschloss, Kriegsschiffe zu schicken, welche die französische Krabben-Fischerei in oder in der Nähe von brasilianischen Hoheitsgewässern schützen soll, te . — Die Russen setzten Flugzeuge zur Versorgung von Militärßtationen in Kuba ein. die 8.000 Kilometer ohne Zwischenlandung zurücklegen könnnen. — Die Kurden stellten der neuen irakischen Regierung ein Ultimatum von dessen Erfüllung sie ihre künftige Haltung gegenüber dev Revolutionsregierung des .Marschall1 Alef abhängig machen wollen. Die Kurden verlangen nationale Autonomie. — Aeg-yptische Flugzeuge bombardierten sauditisches Gebiet. En kam zu heftigen Abwehrgefechten, die verhinderten, dass grösserer Schaden angerichtet wurde. — In Deutschland starb Jakob Altmaier, der seit 1949 dem Deutschen Bundestag als Abgeordneter angehört hat Altmaier musste als Jude und wegen seiner sozialdemokratischen Tätigkeit an führender Stelle vor den Nazis flüchten. Er kehrte nach Kriegsende in seine politische Arbeit zurück Altmaier erfreute sich eines hohen Ansehens; er wurde 73 Jahre alt. — Die Genfer Abrüstungskonferenz ist erneut auf einen toten Punkt angelangt, nachdem die Russen sich zurückzogen. Seit Jahren schleppen sich diese Verhandlungen hin, obwohl alle zugeben, dass eine Klärung der Probleme der Rüstung, und vor allem der Abrüstung, von entscheidender Bedeutung für die ganze Welt ist. — Ein Richter in Kiel gab in der Oeffentlichkeit anfcL nemitische Kommentare ab. die grosses Aufsehen erregten. Bisher wurde nicht mitgeteilt, ob und welche Schritte eingeleitet worden sind, um diesem merkwürdigen Richter von Amts wegen Klarheit über seine Aufgaben zu verschaffen. — _ Golda Meir besuchte Afrika llp-K, ¡^ß,. Vor kurzem stattet« Israels Aussenniinister verschiedenen afrikanischen Ländern einer Besuch ab und unterhielt sich mit den Dirigenten der jungen Nationen über dei technischen Beistand, den Israel diesen zu leisten gewillt ist. — Unser Bild zeigt Gol da Metr im Gespräch mit Tom Mboya. dem Arbeitsminister von Kenja, Joino Kenjaba Führer der Befreiungsbewegung Kenjas, und Raschid! Kawawa aus Tanganjika. ' deren brutale Verfolgung ge ■ hören zu den Charakterißti-; ka dieser beiden ,Weltan-1 schauungen1. die nicht nur! auf dem weltlichen Gebiete! zu einem indolenten und1 hemmungslosen Imperialis-1 mus führten, sondern auch den Anspruch auf die aus-! schliessliche Geltung ihrer! Gedanken genannten bruta! len Machtanßprüche gestellt haben. Auf dieser realen Grundlage einer ideologischen Phraseologie, die sich auf die Macht der Bajonette stützt, um ihre, durch die weltanschaulich verkleideten, Macht - Aspirationen durchzusetzen, musste das nazisticche System den gleichen oder ähnlichen Weg gehen, den alle Diktatoren beschreiten, um ihren ausschliesslichen Geltungs- und Machtanspruch durchzuset zen: sie mussten versuchen die geistigen Kräfte zu drosseln und zu ersticken, die ihre natürlichen Gegner waren und die für Recht und Frei, heit eintreten konnten. Wir benutzen hier das Wort .konnten1 durchaus bewusst, denn nur die wenigsten ha ben sich aufgerafft, um diesen geistigen, physisch höchst gefährlichen Widerstand zu leisten. Es wurden von den neuen nazistischen Machthabern und ihren Helfershelfern in der SA eben so wüe an Universitäten, im einfachen Volk wie in den gebildeten Schichten, diejegen Persönlichkeiten angegriffen, physisch wie geistig, die durch ihr Werk und durch ihr Wirken natürliche Feinde jedes Gewaltregimee gewesen sind. Dieser Kampf, der systematisch der Vernichtung aller möglichen Gegner des Regimes dient und zugleich mit dem ge gen „Juden und Juden knechte“ entfachten Fana tismus geführt wurde, un durch Hass nicht nur de: vermeintlichen Gegner eit zuschüchtern, sondern di eigenen Gefolgsleute zu hier dep, ist von den Nazis sc fort aufgenommen worder Dieser Teil dieses Vernicl tungsfeldzuges der Gegne erreichte seinen ersten H( (Schluss auf Seite 2) ISRAEL UND SYRIEN Jerusalem. — Die Mitglieder des Kabinetts besprachen in einer dreistündigen Sitzung mit den hohen Offizieren der Israel-Armee die durch den Staats streich in Syrien geschaffene Lage, die erst kürzlich durch den Regierungswechsel in Irak erschüttert wurde. Wie es heisst, nimmt man an, dass dl« nächste Revolution in Transjordanien ausbrechen diirfre Aus diesem Grunde befürchtet man, dass eine Ausdehnung des Blocks Damaskus-Bagdad einen Vorsloss der Aegypter aus dem Osten nach sich ziehen könnte um den „Geist des israelischen Belagerungszustandes1 zu beleben. Nach der Voraussage eines englischen Berichterstatters m Beirut dürfte Israel sich jetzt einer enger verijundenen arabischen Welt gegen übersehen. (ITA)