Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2002 (8.3.1963)
- Date
- 1963-03-08
- Page
- [Seite 9] (sequence 9)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Von ihren kühnen und radikalen Ideen erhielt die Bewegung ihren Antrieb, ihren dynamischen Geist und den fanatischen Eifer, der sie über alle Schwierigkeiten hinweg zu unerhörten Siegen führte. Dieser Wesenszug des Zionismus, der in der historischen Perspektive so klar erscheint, wurde aber nicht immer von allen Zionisten, selbst nicht von vielen, die bemerkenswerte Beiträge zu seinem Fortschritt leisteten, begriffen. Der Hang zum Kompromiss wurde oft als eine Tugend ausgelegt und sublimiert. Mit jedem Wiedererwachen des militanten Zionismus jedoch erschienen au sserordentliche, für die Führerschaft prädestinierte Per sönlichkeiten auf der Szene — Menschen von Vision und hoher Spannkraft, begeistert und rebellisch, die den ausgetretenen Pfad und Umweg verschmähten. Einer dieser Männer ist Abba Hillel Silver, der im Jahre 1943 zur Führung berufen wurde, als die Bewegung ihre schwerste Zeit durchmachte. Sie war in eine Flaute geraten, stand einem schreckenerregenden Aufgebot feindlicher Kräfte gegenüber, war politisch hilflos und hatte allen Mut verloren. In London war das Weissbuch das . »berste Gesetz. In Palästina dand der Jischuw faktisch «Hein, den Arabern, den Engländern und fast der ¿anzen Welt gegenüber. Nirgends ein Lichtblick, nirgends ein politischer Hebel, der den toten Punkt hätte überwinden können. Amerika, die einzige Macht, die stark genug gewesen wäre, die Lage zu ändern, war gleichgültig und oft sogar geradezu feindlich. Die Regierung in Washington hatte sich eine besondere, aber erfolgreiche Techink zu rechtgelegt: das Aussenministerium stellte sich voll *nd ganz hinter das britische Kolonialministerium, vährend das Weisse Haue leschwichtigtende Botschaflen ausgab, die voll guten Willens waren, aber nichts besagten. Die nordamerikanischen Juden selbst — einschli vßSlieh der Zionisten — hatten wenig Vertrauen zu ihrer Stärke und Fähigkeit, den Kurs der Politik ihres Landes zu beeinflussen. Wie jedoch die späteren Ereignisse bewiesen und wie Dr. Silver voraußgesehen und mit zunehmender Eindringlichkeit betont hatte, war es die Haltung Amerikas und nicht die Englands, die sich letz ten Endes als entscheidend ei wies. Immer energischer forderte Silver die Konzentrierung aller Bemühungen und die Anwendung aller zur Verfügung stehenden Mittel, um eine Wendung in der Politik der amerikanischen Regierung von offizieller Neutralität und geheimem Einverständnis mit dar engl',-chen Regierung zu einer olfen eingestandenen Sympathie und aktivem Eingreifen zugunsten einer proxio«istischen Lösung des Pa- Zu seinem 70. Geburtstag von Dr. EMANUEL NEUMANN lästinaproblems zu erzwinj gen. \ Diese Linie im Denken | und Handeln, die Dr. Silver I mit der ihm eigenen Zähigkeit verfolgte, brachte ihn in I direkten Konflikt mit den; einflussreichsten Machtfak-; toren im amerikanischen ¡Leben: den Oelintereesen. 1 irregeleiteten Liberalen, dem I Aussen - Ministerium und ' schliesslich sogar dem Wei- | ssen Haus. Diese Spaltung führte bald zu einer bitteren Polemik im amerikanischen Zionismus and einem er verstand auch, dass die Frage nicht lokal in Palästina durch die Bemühungen des Jischuw, ohne Hilfe von außsen, gelöst werden könne. Dr. Silver glaubte, dasß es wesentlich sei, die Initiative zu ergreifen und sie auch durch eine Reihe kühner Aktionen in der Hand zu behalten. Er handelte nach der seinem Charakter gemässen Ueberzeugung, dass eine gerade Linie die kürzeste Ent- : fernung zwischen zwei Punk- ' ten sei. Er bestand darauf, die britischen Politik aus und setzte sieh beim Zionistenkongress im Dezember 1946 energisch für dießen Kurs ein. Daher wurde er als Extremist und Verteidi ger des Terrorismus denunziert. Wiederum gaben ihm die Ereignisse recht. , Als Bevin schliesslich die Sache an die Vereinten Nationen verwieg übernahm Dr. Silver die ungeheure Verantwortung, die jüdischen und projüdischen Kräfte anzuführen, um mit ihrer Hilfe eine günstige Entscheidung zu erzielen. Mit neuem Eifer warf er ' sich in den Kampf. Wiederum betonte er, dass der Schlüssel zur Situation in er : ster Linie in Washington läge. wiederum mobilisierte I er die öffentliche Meinung «fc-v HERZL-FEIER IM MANN AUDITORIM IN TEL AVIV wahrhaft heroischen Kampf zwischen Dr. Silver und sei nen Gegnern, der in der ganzen jüdischen Welt seinen Widerhall fand. Dr. Silver wurde Ende 1944 gezwungen, den Vorsitz des Amerikanischen Zioni- | stischen Notstandßcomitös niederzulegen; es folgte ein atemberaubender Aufklä- : rungsfeldzug in den ganzen Vereinigten Staaten, der schliesslich seine Zuriickru- : fung zur Folge hatte. Seine i Rückkehr wurde durch die ' niederschmetternden Ent-! hüllungen beschleunigt, die i bewiesen, in welchem Ma- : sge die höchsten Kreise der , USA-Regierung bereit waren, ihre feierlichen Ver sprechen zu brechen und die zionistische Sache in ihren geheimen Verhandlungen mit den arabischen Herrschern zum Opfer zu bringen. Es gelang Dr. Silver, den politischen Schauplatz bis zur Unkenntlichkeit umzuwandeln. Er war mehr denn je überzeugt, dass ohne das Eingreifen äuscerer Faktoren Grossbritannien nicht zu einer prozionistischen Poli tik zurückkehren werde. Er sah den Aufstieg Amerikas zur grössten Macht voraus, auf deren Unterstützung Großbritannien immer mehr angewiesen sein würde. Und daßs das ganze zionistische Programm — Palästina als ein Judenstaat — entschieden und unbeirrt eingehalten werde. Er machte den kühnen Vorschlag, Moskau um Unterstützung zu ersu chen. Dieser Vorschlag wirkte wie eine Bombe. Er. der als „Reaktionär“ verschrien war, weil er die Republika ner um Unterstützung anging, wurde jetzt voll Bitter keit alß „unverantwortlich“ gebrandmarkt, weil er die Hilfe Sowjetrusslands suchte. All dies geschah volle zwei Jahre, bevor Andrei Gromyko durch seine prozionistische Rede vor der Vollversammlung der Ver einten Nationen die Welt in Staunen versetzte Er war nicht prinzipiell gegen die Teilung als Kompromhelö; sung, die schlissslich an- ' nehmbar sein würde, aber er war über den groben taki tischen Fehler empört, den letzten Kompromiss — .unser nichtreduzierbares Mini mum“ — einem «o rücksichtslosen Gegner wie Bei vin anzubieten, der seiner ' Ansicht nach nicht durch ei-; ne versöhnliche und be! schwichtigendD Geste ge Wonnen werden könne. Die 1 späteren Ereignisse rechtferj tigten Silvers Meinung. | Abba Hillel Silver ßpraeh sich für politischen und physischen Widerstand gegen und lie?ß alle Beziehungen spielen, um die Trägheit und kaum verhüllte Feindseligkeit, die noch immer im Aussenministerium bestand, zu überwinden. Es ist vielleicht noch zu früh, alles aufzudecken, was sich damals b:ß ganz zum : Ende hinter den Kulissen | abspielte. Wenn man aber; einmal die Geschichte die- | ser Ereignisse erzählen I wird, wird es sich zeigen,; dass, wenn andere zögerten.; Silver niema’ß nachgab und | sich von drohenden Gesten ■ in den verhängnisvollen Ta; gen vor der Ausrufung des! jüdischen Staates nicht eini schüchtern liess. B?n Gurion war in Tel Aviv, über 9.000 km entfernt. Noch m°hr als , die geographische Entf?r nung trennte die beiden 1 Männer. Trotz ihrer gelegentlichen Meinungsver ßchiedenheiten waren sie; vollkommen einig im Geist i und im Streben. Der militan-; te Staatsmann und der ak , tivistische Führer unterstützten sich gegenseitig bei ¡ihren Bemühungen Ihre ver : einte Kühnheit. Festigkeit und Entschlossenheit trugen j den Sieg davon. Der i'idiseho Staat wurde oroklai miert und sofort von den j Vereinigten Staat n und der j Sowjetunion anerkannt Die : poüt.Tche Schlacht war gewonnen. Von der THG in Israel Der Bne Brit-Orden hat seit altersher mit seiner die ganze Welt umfassenden Organisation das Bestreben, für das Wohl des jüdischen Volkes tätig zu sein. Es ist nur natürlich, dass der Or den ir.ßbesondere seit Gründung des jüdischen Staates seine Aktivität auf den Aufbau Israels konzentriert. Sicherlich ist diese prozionistische Einstellung, die heute in diesem Weltorden betont wird, auf die israelische Ordensgruppc zurück zuführen, die gegenwärtig unter der Leitung von Dr. Josef Lamm steht. Dr. Lamm war bekanntlich Abgeordneter der ersten Knesset und neben seiner angesehenen Stellung eines Bezirksrichters wirkt er auf allen den Staat betreffenden Tätigkeitsgebieten mit dem ihm eigenen autoritativen Einfluss. Eine der vornehmßten Logen dieses Ordens in Israel ist die Theodor Herzl Gesellschaft, die in dieser Wahlperiode Meir Marcel Faerber zum Präsidenten wiedergewählt hat. Wir wollen hier angesichts der Bedeutung dieser einflussreichen Institution in Israel sowohl auf den Verband als auch die Theodor Herzl Loge, ebenso wie auf ihren wiedergewählten Präsidenten besonders verweisen. Meir Faerber ist eine in der jüdischen Welt mehr als wohlbekannte publizistische Persönlichkeit, auch schon deshalb, weil er als parlamentarischer Berichterstatter der in Israel erscheinenden grossen und weit verbreiteten Tageszeitung „Jedioth Chadeechoth“ fungiert. Seine Analysen der Gesetzesvorlagen, seine Kritiken. seine Bemerkungen zu den Debatten finden allgemein Anklang. Die Parteiführer aller Schattierungen sind aus guten Gründen an den von Faerber als parlamentarischer Korrespondent geschriebenen Reportagen interessiert. Meir Faerber beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Tagesschriftstellerei. die ihn begreiflicherwe're angesichts der sehr ernsten Obliegenheiten in seinem Milieu vollauf in Anspruch nehmen müsste Faerber weist auf eine Reihe literarischer Werke hin. vor allem BU eher für die Jugend, die jüdische Kinder zu bewussten Bürgern de« aufblühenden und aufstrebenden Staates erziehen sollen. Wir nen- Jtidische Erziehung und Kultur New York. — Der Erfolg unserer Bemühungen zur Errichtung einer kuliurellen Brücke zwischen der USA- Judenheit und Israel ißt die beste Gewähr für die Zu kunft des Judentums, so erklärte Zalman Shazar. Mitglied der Exekutive der lewish Agency und Leiter ihrer Abteilung für Erziehung und Kultur, auf einer Konfe-enz jüdischer Erzieher, welche in New York stattfand Shazar kam nach \ew York, um an der Erzie hungskonferenz der Exekutive der Jewish Agency und an der nächsten Sitzung der Claims Conference sowie an der Weltkonferenz jüdischer Organisationen (COJO) teilzunehmen. (ITA) nen auch seine Satyren und seine Gedichte, die Monographie über den Nestor des tschechischen Judentums, Margulies, die eine ernste Quelle für den künftigen Dubnow darstellen wird. Natürlich ißt sein Buch über das Parlament Israels besonders hervorzuheben, und wer war berufener, über das hohe Haus Ieraels zu schreiben als gerade Meir Faerber. Hier soll auch seine quasi aussenpolitisehe Tätigkeit unterstrichen werden, die in der besonderen Fürsorge liegt, freundschaftliche Beziehungen zwischen dem neuen Oesterreich und dem jungen Israel zu schaffen, eine Aufgabe die er in der Funktion de.; Präsiden^ , ten der Freundschafts-Ver-; einigung beider Staaten durchführt. ' Wenn wir über Meir Marcel Faerber sprechen, so können wir nicht umhin, : auch seiner treuen und mustergültigen Lebensgefahri tin, Sarah Ilana, die als ' Lehrerin tätig ist, zu geden- | ken, die mit ihm zusammen j in der israelischen Gesellßchaft eine zentrale Stellung; einnimmt. Als ihm letzthin zu seiner Wiederwahl zum Präsidenten | der THG das alte studenti-; sehe „vivat. crescat, flo- : reat“ zugerufen wurde, ' schien es, dass er mannhaft j Tränen der Wehmut und der Genugtuung unterdrückte.! Tränen der Wehmut in Er-; innerung an eine sturmbe-; wegte Jugendzeit der zionii stißchen Bewegung, in der , ihm damals nahen jabotynskischen Richtung, für die er 1 sich einsetzte und an seine; persönliche Teilnahme bei der Hilfe für die illegale . Alia nach Israel. Tränen der; Genugtuung, dass es ihm vergönnt ist. a1,, parlamenj tarischer Berichterstatter | der breiten Oeffentlichkeit; über das hohe Forum zu re- ' ferieren.! Ich kann nicht umhin in; diesem Zusammenhang an! jenen stattlichen Mann mit dem patriarchalischen Bart und den scharfblickenden Augen zu denken, der im vorigen Jahrhundert im Palais Bourbon als Vertreter einer grossen deutueh geschriebenen Zeitung über ein fremdes Volk und seine Vertreter zu berichten hatte und dem in einem heiligen Augenblick der Gedanke aufblitzte, dass in fernsten Zeiten im Judenstaat im Namen einer grossen deutschen Zeitung ein Korrespondent über die Tribüne de.-s jüdischen Parlaments schreiben wird. Die Phantasie des grossen Phantasten ist Realität geworden. Den Gedanken jenes Pronheten inkarniert Faerber in der Knesset, und uns?r Wunsch ist. der« er von der Journalistengalerie herab zur Volkstribüne herauf gelangt, um als Abgeordneter sein gewichtiges Wort im Lande zu sagen. Dr. JOSEF EBNER (Tel Aviv' Werbt und werdet Mitglieder der ». H. 6.