Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2001 (1.3.1963)
- Date
- 1963-03-01
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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O «A FRANQUEO PAGADO s5# Concesión 908 ¡- S « fe ÿ *5 <5 S| <0 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 AÑO XXIV BUENOS AIRES, VIERNES 1? DE MARZO DE 1903 No. 2901 EL EJEMPLAR 10en toda la República IV, PUEYRREDON 2190 1? izo. T. E. 83 2613 Buenos Aires Wie er dem Tode entkam Im Kulmhofer-Prozess, der in Bonn abläuft, und über den wir bereits wieoerholte Male berichteten, sagte ein Zeuge aus, der die Schtekken dises Lagers als einer der wenigen überlebt hat. Max Zurawski. heute 52 Jahre alt. lebt in Israel. Die sem Zeugen war die Flucht in der vorletzten Nacht vor dem Fnnmarsch der russischen Truppen in Kulmhof gelungen. Die Nazis haben alle Juden, deren sie habhaft wurden, vorher erschossen, um die Zeugen ihrer Verbrechen wie alle anderen Spuren zu beseitigen. Hier liegt der entscheidende Grund, warum es manches mal nicht einfach ist, die Mörder, die feige leugnen, ihrer Tat zu überführen. Die Aussage des Zurawski bestätigte und ergänzte die Schilderung, die ein anderer Zeuge, der ebenfalls heute in Israel lebende Srebrnik, tags zuvor dem Gericht gegeben hatte, worüber bereits an dieser Stelle berichtet worden ist. Es müsse, so sagte der Zeuge, in der Nacht zum 18. Januar 1945 gewesen sein, da hätten plötzlich Angehörige der SS Wachmannschaft die Bavon JAKOB KÂTZ-R0GASEN rackentiir zum Unterkunft«- raum aufgerissen und fünf Mann herausgeholt. Kurze Zeit darauf habe man fünf Schüsse gehört. Das habe sich dreimal wiederholt. „Dann habe ich ein verstecktes Messer hervorgeholt. habe dem SS-Mann Lenz Taschenlampe und Pistole aue der Hand geschla gen und bin davongelaufen.“ Die Angehörigen der Wachmannschaft hätten hinter ihm hergeschossen und ihm einen — allerdings nicht gefährlichen — Schuss be gebracht. Von fern hätte er beobachten können, wie die Baracken des Lagers lichterloh gebrannt hätten. Mit blutenden Füssen habe er nach langem Nachtmarsch in ei- | nem polnischen Bauernhaus i haltgemaeht. Mit einem; Lappen habe er sich notdürftig die Füsse verbunden i und im Heu versteckt. Am [ nächsten Tag sei die Bäue- ' rin gekommen und habe die i Hühner gefüttert. Als sie | sich und ihrem Junge» Kaf-; fee bereitet habe, habe er; angeklopft. Die Bäuerin ha- I be ihm warmes Wasser und Schuhe gegeben. Erst zwei Tage später habe er sich, nachdem russische Patrouillen in der Nähe aufgetaucht waren, als Häftling vom Kulmhof zu erkennen gegeben. Zwei Nächte habe ihn die Bäuerin zusammen mit einem erwachsenen Sohn unter höchster Lebensgefahr versteckt. , Von dem Bauernhof aus sei er dann ins mittlerweile ausgebrannte Lager zurückgekehrt und habe seinen Leidensgenossen, den damals vierzehnjährigen Srebrnik durch Genickschüsse schwer verletzt, aufgefunden und dafür gesorgt, dass ihm ärztliche Hilfe zuteil wurde. Ein sowjetischer Arzt habe ihm wenig Hoffnung gemacht. Alle übrigen Juden seien ermordet worden. v Zurawski berichtete, er sei Anfang 1944 aus dem Ghetto Lodz, zusammen mit anderen tausend Juden nach Kulmhof gebracht worden. Auf der Fahrt seien schon viele gestorben. In Kulmhof seien „sechs starke Männer“ gesucht worden, die, DEBATTE IN DER KNESSET Jerusalem. — Ein Antrag zur Abschaffung der Militärregierung in den von Arabern bewohnten Zonen Isra rael und ein arabischer Deputierter. Die Polizei hatte rund um die Knesset strenge Sicherheitsmassnahmen eis ist nach einer leidenj getroffen, schaftlichen Debatte in der I Bevor es zur Abstimmung Knesset mit einer Mehrheit! kam, hielt Ben Gurion eine von einer Stimme abgelehnt | einstiindige Rede, in der er worden. Die Abstimmung j das Militärregime energisch ergab 57:56. Die Abgeordj verteidigte. Er verwies auf neten der Liberalen, Cherut, Mapam, Achdut Avoda und der kommunistischen Partei stellten insgesamt fünf Anträge, in denen ein radikaler Wandel oder die Ab Schaffung des Militärregimes gefordert wurde. Die Parteien hatten alle ihre Deputierten mobilisiert, und es kam zu Demonntrationen vonseiten der jüdischen und israelisch - arabischen Studenten. Ein Abgeordneter war z. B. vom Krankenbett aufgestanden, und ein ande rer kam eiligst per Flugzeug von einer Auslandsreise zurück. Fünf Abgeordnete enthielten sich der Stimme, vier von der Agudat Isdas „einzigartige“ Sicherheitsproblem Israels, welche« das einzige Land in der Welt sei, das von allen Seiten von Staaten umgeben ist. die täglich, durch Presse und Radio, hetzen und seine Existenz bedrohen. Er kündigte an, er werde sich j an das Volk wenden, wenn die Abstimung negativ ausfallen solle. Die einzigen israelischen Bürger, die nicht von der Spannung ergriffen schienen, waren die Araber selbst, die in den betreffenden Landesteilen ruhig ihrer Arbeit nachgingen, während die Studenten in der Hauptstadt demonstrierten. Verschiedene Deputierte ver- Steigerung der Ausfuhr Jerusalem. — Israels Ausfuhr im Jahre 1962 belief sich auf insgesamt 280 Millionen Dollar und lag 13 Prozent über dem Export des Vorjahres, wie Han de.te- und Industrieminister Pinchas Sapir niitteilte, Der Export für 1963 wird auf 341 Millionen Dollar geschätzt, was eine Steigerung von 22 Prozent gegenüber 1962 bedeuten würde. Der Minister hob hervor, es wäre möglich gewesen, für 50 Millionen Dollar mehr auszuführen, wenn die lokale Nachfrage nicht diese Güter konsumiert haben würde. Der Hauptgrund für den erhöhten lokalen Verbrauch ist die grossangelegte Umwandlung von Devisen, die als Entsehädigungs- und Wiedergutmaehungsgelder in israelischer Währung ins Land flössen. Nordamerika war der bedeutendste Kunde Israels im vergangenen Jahr, da sich die israelischen Exporte na'ch den USA auf insgesamt 42.500.000 Dollar beliefen. Dann folgt Grossbritannien mit 37 Millionen und Deutschland mit 27 Millionen Dollar. Andere Länder, die viel von Israel kaufen, sind in der Reihen!'Age der Höhe ihrer israelischen Importe Belgien, Holland, Jugoslawien und die Türkei. (ITA) suchten, die Araber dazu zu bewegen, an den Demonstrationen teilzunehmen, doch sie fanden wenig Echo. Ben Gurion führte aus, „für die Araber in den Grenzzonen, die täglich der Propaganda aus den Nachbarländern ausgeßetzt sind, sei die Militärregierung ebenso notwendig wie für Israel selbst.“ Er gab zu, dass es unter den 250.000 israelischen Arabern, Mohammedanern und Christen, viele gäbe, die sich bemühen, treue Bürger zu ßein, doch ebenso unbestreitbar sei es, dass unter ihnen auch viele „geschworene Feinde“ Israels leben. Hier verwies er auf die in den arabischen Schulen getriebene antiisraelische Propaganda. Er fügte hinzu, die Bewohner der militärißch verwalteten Gebiete könnten sich in ganz Israel frei bewegen und nur rund zweitausend, deren Machinationen den Behörden bekannt sind, seien gehalten. sich Passierscheine zu besorgen, wenn sie sich von ihrem Wohnort entfernen wollen. Der Ministerpräßident wies die Beschuldigung ungebührlicher Härte in der Behandlung der arabischen Minorität zurück, deren „einmalige Beschaffenheit man berücksichtigen müsse. Diese israelischen Araber sprächen die gleiche Sprache wie die Araber der Nachbarländer, mit denen sie durch Sippe und Gefühl verbunden sind. Solange eß kein Zeichen von Annäherung zwischen diesen arabischen Staaten und Israel gäbe, „sei Vorsicht längs der unsicheren Grenzen geboten.“ Ben Gurion fügte jedoch hinzu, „man werde in dem Mass um Erleichterungen bemüht sein, in dem die Gegebenheiten dieß gestatten.“ (ITA) so betonte der Zeuge, Ersatz für soeben sechs getötete andere Juden des Arbeitskommandos gewesen seien. Er habe in verschiedenen Kommandos gearbeitet: beim Holzfällen, beim Säubern der Gaswagen und beim Leichenverbrennen. Die Gaswagen hätten gesäubert werden müssen, „weil die Nächsten nicht erkennen sollten, was mit ihnen geschieht“. Viele vergaste Juden hätten noch gelebt, als sie in die Verbrennungsöfen geschoben worden seien. Oft hätten die Halberstickten bei der Berührung mit dem Feuer wieder das Bewusstsein erlangt; sie hätten furchtbar geschrien. Ein SS Mann habe dann einfach mit der Pistole so lange in den Ofen geschoßsen, bis es still geworden sei. Sein Kamerad, der zusammen mit ihm beim Leiciienkommando an den Verbrennungsöfen eingesetzt war, sei erschossen worden, als er nicht mehr die Kraft zu seiner Arbeit gehabt habe. Als die russische Armee Kulmhof nähergekommen sei habe man die Spuren der Mordmaschinerie verwischen wollen. Einen wesentlichen Teil der Vormittagsverhandlung hat die Fortsetzung der Vernehmung Srebrniks beansprucht. Er war Putzer bei Häfele, den er in der letzten Verhandlung erheblich belastet hatte. Von diesem sei er in die Baracke geschickt worden, wo die von den Opfern hinterlaßsenen Kostbarkeiten und Schmuckstücke aufbewahrt worden seien. Häfele habe Schmuck für seine Frau gewollt. Er habe auch beobachtet, wie er ihn verpackt und nach Karlsruhe verschickt habe. Dazu hätten auch Wertsachen aus der Hinterlassenschaft seiner — Srebnik — ermordeten Mutter gehört Auf die Frage des Staatßanwalts, wie lange ei' Srebrnik, in Kulmhof gewesen sei. antwortete er: „Es muss zwei Jahre gewesen sein, wir hatten keinen Kalender. Oft habe ich daß Gefühl gehabt, als sei ich schon siebzig.“ Der Angeklagte Walter Burmeister, mit dem Srebrnik die hinterlassenen Wertsachen sortiert hat, ist mit der letzten Ausßage dieses Zeugen persönlich belastet worden. Unter der Hinterlassenschaft der Opfer, so teilte Srebrnik mit, habe er ein zahnärztliches Besteck gefunden und dies Burmeister gegeben. Burmeister Gefaehrlicher Praezedenzfall Rom. — In jüdischen Kreisen wurde mit Ueberraschung und Besorgnis von dem Beschluss des Staatsanwalts von Bologna Kenntnis genommen, keinen Einspruch gegen die Ablehnung des westdeutschen Be gehrens nach Auslieferung ehemaliger SS-Offiziere zu erheben. Es handelt sich um den Fall Erhard Kroeger, der von den deutschen Behörden gesucht wird, weil er im Jahre 1941 die Ermordung von 2.000 Juden in der Nähe von Lemberg befohlen hatte. Kroeger kam als Tourist nach Italien und. wurde im August vergangenen Jahres verhaftet. Die Einstellung des italienischen Staatsanwalts macht ihn wieder zu ei nem freien Mann. Die jüdischen Kommentare betonen, es sei unverständlich, wie da« Gericht von Bologna einen unter einem derartigen Verdacht stehenden Menschen als „politischen Verbrecher“ betrachten könne. Man fragt, warum der Staatsanwalt, welcher das Auslieferungsbegehren unterstützt hatte, von seinem Einspruchsrecht keinen Gebrauch machte. Eß wird auf die dringende Notwendigkeit einer öffentlichen Debatte über diesen Fall verwiesen, weil der Bschluss von Bologna bedeutet, dass Verbrechen, die allgemein als schwerwiegender als Mord betrachtet werden, aus dem einfachen Grunde, daeä der Angeklagte eine Grenze überschritten hat, ungesühnt bleiben würden. Im Fall des Vorhandenseins einer Lücke in der italienischen Gesetzgebung, müsse das betreffende Gesetz abgeändert werden, damit Italien sich nicht in ein Zufluchtsparadie« für Nazis verwandele, das weit bequemer sei als z. B. die viel entlegeneren südamerikanischen Länder. (iTA) Krutschew an Lord Russel London. — Krutschew hat in einem Schreiben an den englischen Philosophen Lord Rusell behauptet, dass die Klagen über den Antisemitißmus in der Sowjetunion „eine böswillige Verleumdung des russischen Volkes und der sowjetischen Regierung“ seien. An anderer Stelle seines Schreibens, das in Außziigen zur Veröffentlichung gelangte, versichert Krutschew kategorisch, dass es in der Sowjetupion keine antisemitische Politik gäbe und niemals geben werde, „weil unser sozialistischer Staat auß vielen Nationen Deutscher Richter angeklagt Kiel. — Das Justizministerium von Schleswig- Holstein gab bekannt, dass der Bezirksrichter Heinrich Krause sich in einem Disziplinarverfahren zu verantworten haben wird. Krauee ist angeklagt, in der Oeffentlichkeit antisemitische Kommentare gemacht zu haben. Der kieler Staatsanwalt hat zu entscheiden, ob Krause gerichtlich zur Verantwortung gezogen werden soll. — (ITA) habe die Zangen herausgenommen ünd eich bei ihm, Srebrnik, sofort als Zahnarzt erprobt. Dabei habe er ihm einig« Zähne abgebro chen. Als er geschrien habe, habe sich Burmeister einen neuen Versuchspatienten gesucht. Burmeister erklärte dazu, er habe zahnkranken Angehörigen des Arbeitskommandos helfen wollen. Srebrnik wiee dies zurück und sagte: „Wir haben es gar nich* gewagt, uns krank zu melden. Das wäre unser sicheres Ende gewesen.“ Sonst, so sagte Srebrnik, habe er vor Burmeißter nicht solche Angst gehabt wie vor den anderen SS-Männern. Burmeister habe mehrfach zu ihm gesagt: „Spinnefix. wenn der Krieg aus ist, nehme ich dich mit nach Hause.“ Soweit sei der Bericht wiedergegeben. Die Abscheu erregende Grausamkeit, mit der die Nazis vorgegangen sind, tritt aus diesen Ausßagen hervor. So war es. Hier gibt es nichts zu deuteln. Hier werden Namen genannt und Fakten aufgezählt. Nun, wie diese Verbre6her sich verantworten sollen, weichen sie aas, leugnen sie, versuchen, die Verantwortungen zu verlagern. Und noch finden sich Gerichte, die bemerkenswert lasche Urteile fällen und Mördern Bewährungsfristen konzedie ren. besteht, was die Möglichkeit einer solchen Politik ausschliesst. Unsere Verfassung verkündet die Gleichheit aller Nationalitäten und Rassen und fordert die nationale oder rassische Gleichheit.“ Der Brief Krutschews an Rüssel ist die Antwort auf einen schriftlichen Protest des Philosophen wegen der zahlreichen Todesurteile, die in letzter Zeit in Russland gegen Juden verhängt wurden, welche wegen „Wirtschaftsverbrechen“ vor Gericht standen. Lord Rüssel hatte um Milde für die Angeklagten ersucht. Krutschew gab zu, dass es unter den Verurteilten „auch einige Juden“ gegeben habe, doch seien auch „Russen. Weissrussen, Georgier und Ukrainer“ zum Tode verurteilt worden. „Wir schätzen Ihre humanitären Gesichtspunkte“, so schreibt Krutschew abschliessend, „aber ohne Gerechtigkeit gibt es keine Menschheit.“ SCHLIESSUNG EINER SYNAGOGE New York. — Die sowjetischen Behörden haben in der urkrainischen Stadt Tschernowsky, in der schätzungsweise 40.000 Juden leben, die Schliessung der Synagoge-verfügt. Anscheinend handelt es sich um das letzte jüdische Gotteshaus in dieser Stadt, die vor dem Kriege Tschernowitz hiess und die Hauptstadt der rumänischen Bukowina war. Wie .es in dem Bericht heisst, ißt die Synagoge auf Ersuchen der jüdischen Gemeinschaft geschlossen worden. Angeblich wurde der Beschluss bei einer Versammlung des Verband;« der Atheisten gefasst, die Klage darüber führten, dass israelische Diplomaten die Synagoge verschiedentlich besuchten und durch ihre Aeusserungen die sowjetischen Ideale beleidigten. Die frommen Juden behaupteten, die Atheisten hätten gegen die Haltung der Diplomaten protestiert. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831