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Jüdische Wochenschau · 1963-02-22 · 2000 (22.2.1963) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2000 (22.2.1963)
Date
1963-02-22
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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i U M C i v C u FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 ISRAELITA AÑO XXIV BUENOS AIRES, VIERNES 22 DE FEBRERO DE 1963 No. 2000 EL EJEMPLAR 10en toda la República PUEYRREDON 2190 K izq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Ein Massenmoerder wurde freigelassen BLICK IN DIE WELT Staatsanwalt Ulrich Plath hatte gegen den früheren SS - Sturmbannführer Martin Fellenz lebenslängliche Zuchthausstrafe beantragt. Wochen -hindurch war der Prozess gegen diesen Massenmörder, der heute 53 Jahre alt ist, vor dem Flens burger Schwurgericht abgewickelt. Der Staatsanwalt erklärte den Angeklagten für schuldig, an der Ermordung von 40.000 Juden (in Buchstaben: vierzigtausend!) bei vier „Aussied lungen“, d. h. auf deutsch: bei vier organisierten Mordaktionen. mitgewirkt zu haben und beteiligt gewesen zu sein. Ausserdem habe die Beweisaufnahme nach der Auffassung des Staatsanwalts einwandfrei ergeben, dass der Angeklagte 4 Juden selbst ermordet habe. Demgegenüber fiel das Urteil mager aus: Das Schwurgericht verurteilte den Fellenz wegen Beihilfe zum Mord an zwei Juden zu vier Jahren Zuchthaus. Fellenz ist kein Massenmörder mehr, denn er wurde am Tode von ,nur‘ zwei Menschen schuldig befunden. Warum heisst es in der Berichterstattung übriget'n „von zwei Juden“, und nicht Menschen? Diese Frage sei aber nur nebenbei gestellt. von JAKOB KATZ-R0GASEN ter noch nicht vorliegt. Dennoch müssen wir schon heute zu zwei Fragen eine Erklärung abgeben. Unteri stellen wir. dass man dem Angeklagten wirklich nur die Beihilfe zum Mord in | sagen sie es? Welche Be-! währungßfrist soll man diej sem Verurteilten einräuj men? Will man abwarten, | ober er1 wieder Gelegenheit; haben oder nehmen wird, 1 Juden totzuschlagen? Oder zwei Fällen naehweisen i will man einmal zuschauen, konnte, so muss trotzdem das Urteil als ungewöhnlich milde angesehen werden. Denn die Beihilfe zum Mord ist dem Mord gleichgestellt. Auf Mord stand zu dem Zeitpunkt, als die Straftat | seinem Plädoyer bereits Beob er einen anderen Menschen ermordet? Bewährungsfristen für Mörder sind sicherlich sehr selten zugestanden worden... Der Staatsanwalt hatte bei begangen wurde, die Todesstrafe. Wäre dieser Mann „nur“ in zwei — und nicht in 40.000 Fällen — schuldig, so hätte er seinen Kopf dop pelt verwirkt. Für die Be gehung des Kapitalverbrechens aber ganze vier Jah- | re zu diktieren .erscheint bei | aller Distanzierung von bil-! liger Kritik untragbar und! deswegen sehr bedenklich.! Das ist keine Wiederher- 1 Stellung des Rechtes und i des Rechtsbewr.sstseins ei-! nes Volkes, die durch die | verspätet durchgaführten Kriegsverbrecher - Prozesse! erreicht werden soll. : Dieser Eindruck wird : durch die Tatsache verj schärft, drss dem Angaklag-; ten, der doch vom Gericht als Mörder angesehen und Gegen das Urteil wurde von i bestraft wurde, die Untervielen Seiten protestiert. | suchungshaft angerechnet | wird. Noch unverständlicher i wird dieses Urteil aller- Auch der Zentralrat der Ju den in Deutschland wandte sich gegen ein Urteil, das die Gefahr der Bagateilisierung der Massenmorde herauf beßchwört. — Abschliessend kann zu einem Urteil nicht Stellung genommen werden, dessen Begründung in ihren Einzelheiten dem Berichterstatdings. wenn man erfährt, dass dieser Mann wegen Arnsicht auf Bewährungsfrist auf freien Fuss gesetzt worden ist. Mörder leben unter uns, können die Deutschen wieder, durch einen solchen Fall bereichert, unruigen Herzens sagen. Aber Kirchenfürst besucht Amerika von SM0LAR merkungen gemacht, die eine Möglichkeit zur Freisprechung oder zu einer unerwarteten Milde eröffneten. Er meinte, die Haupttäter wären ja nicht die Fellenz und Konsorten, sondern Hitler, Himmler und der Polizeiführer im ehemaligen Generalgouvernement, Krüger, die auf der Anklagebank fehlten, weil sie tot seien. Das dürfe allerdings nicht dazu führen, die Mitarbeiter dieser drei Männer für unschuldig zu halten. Ohne die Mitarbeit von Deuten wie Fellenz wäre der Massenmord unmöglich ge wesen. AüfS welchem Grunde auf die .Hauptverantwortlichen' hingewiesen wurde, ist nicht bekannt. Sollte dadurch das Mass der Schuld, das Leute wie Fellenz auf sich geladen haben, herabgesetzt werden? Ohne dies* vielen tausend Mitglieder und Verbrecher konnten nicht Millionenmorde begangen werden. Die Anstifter werden bestraft wie die Täter. Aber durch die Anstifter wird die Schuld der Täter niemals aufgehoben. Es kann nur als bedauerlich angesehen werden, dass juristisch einfache und klare Tatbestände aus politischen Erwägungen kompliziert werden. Was von diesem Angeklagten und tau senden anderen Mithelfern während des Krieges begangen wurde, ist Mord. Hieran zu zweifeln, bedeutet die Weltordnung umzudrehen. Hieran zu zweifeln, bedeutet das nazistische Unrechtssystem zu akzeptieren. Kein Befehl und keine staatliche Anweisung kann aus Unrecht Recht machen. Kein Mensch kann sich bei der Ausführung eineß Mordes darauf berufen, er habe von seinem Vorgesetzten oder von seinem .Führer“ den entsprechenden Befehl erhalten. Man soll also an diesen Grundprinzipien jeder Rechtsordnung fcßthalten New York. — Kardinal Augustin Bea. der im Auftrag von Papst Johannes XXIII. die Vorbereitung an für daß Oekumenische KonzJ getroffen hat, welches Ende des Jahres seine Beratungen erneut aufzunehmen beabsichtigt, wird im Monat Marz die Vereinigten Staaten besuchen. Sein Aufenthalt ist nur auf vier Tage bemessen und dient hauptsächlich dem Zweck, in der Universität Harvard Vorlesungen zu halten. Da die Zeit des Kardinals äußserst beschränkt sein wird, so ist es höchst zweifelhaft, ob sich irgendeinem der Führer der grossen jüdischen Organisationen in USA die Möglichkeit bieten wird, von dem Kardinal empfangen zu werden. Augustin Bea ist ein aufrichtiger Freund der Juden, Er hat vor und während des Kirclienkonzils verschiedent lieh jüdischen Persönlichkeiten aiß Amerika eine Audienz in der Vatikanstadt gewährt. Ihm überreichten die jüdischen Organisationen die Memoranden, in denen sie der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass das Konzil positive Schritte unternimmt, um den Antisemitismus mit der Wurzel auszurotten und die Juden von dem Stigma des Gottesmordes zu befreien. Obwohl zu den jüj und die einfachen Erkenntdischen Vorschlägen auf der letzten Tagung des Konzils i nisse, auf der jede sittliche keine Stellung genommen wurde, so dürfte dies voraussichtlich bei der zweiten Tagung geschehen, ja, e< herrscht ein Gefühl der Gewissheit, dass das Kirchen konzil den Antisemitismus verurteilen wird. Das Oekumenische Konzil wird es sich angelegen sein lassen, die Solidarität der römisch katholischen Kirche mit den anderen christlichen Bekentnisßen in dieser Frage zu erhärten. Einflussreiche katholische Kreise haben zur Kenntnis genommen, dass der Weltkirchenrat auf seiner jüngsten Konferenz in New Delhi eine Resolution gebilligt hat, die den Antisemitismus „als völlig unvereinbar mit der Bekennung und Ausübung des christlichen Glaubens“ brandmarkt. Die Resolution forderte die Kirchen auf, ihr Aeusserstes zu tun. um jede Art von Antisemitismus zu bekämpfen, ln einer anderen in New Delhi angenommenen Rer,olution heisst es. dass „die histori sehen Ereignisse, die zur Kreuzigung Christi führten in der christlichen Lehre nicht in einer Form dargestelU werden dürfen, die dem jüdischen Volk von J^utedie L*st einer Verantwortung aufburdet, welche die ganze Menschheit und nicht eine Rasse oder Gemeinschaft trägt.“ es sei gleichgültig, wie der Mörder vorgegangen ist, denn in jedem Fall sei der Ermordete tot. Auch die Umstände, unter denen diese Morde an diesen Juden verübt worden sind, hätten bei der Urteilsfällung Berücksichtigung finden sollen, was offensichtlich aber nicht geschehen ist, da Fellenz inzwischen entlassen wurde. In Bonn läuft jetzt der sogen. Kulmhof Prozess ab. Ein Ueberlebender sagte über ßein Schicksal aus und berichtete, dass er als Todeskandidat ausgewählt worden sei, dann aber im letzten Augenblick weggeschickt wurde. Dieser Zeuge schilderte das Schicksal eines Leidenßgenossen, der sich nach den grausamen Erlebnissen beim Verbrennungskommando zur Flucht entschlossen habe. „Letzter Anstoss hierzu war der an ihn ergangenen Befehl, mit eigenen Händen seine vergaste Schwester zu verbrennen“. Unterbrechen wir die Aussage. Ueberlegen wir die Roheit des Befehls an einen KZ-Häftling, der ausge hungert und entkräftet den satt gegessenen und schwer bewaffneten SS-Leutten gegenubersteht. Und solcher Vorfall ißt noch nicht das schlimmste und grausamste Vorkommen gewesen, wie es in den Vernichtungs lagern alltäglich war. Hören wir den Zeugen, was er weiter berichtete: Im Januar 1945 sei der Polizeimeister L. gekommen und habe be fohlen „Fünf Mann ,raustreten“. Er, der Zeuge, war bei den ersten fünf. Und dann wörtlich: „Wir mußsten uns auf den Boden le gen. Der Polizeimeister schoss auf uns. Mich traf die erste Kugel, aber ich merkte, dass ich noch lebte. Ich stellte mich tot. Ieh hörte weitere Schüsse. Dann rief jemand, ee sei ein Häftling entflohen. Die Wachtposten suchten ihn. Diese Gelegenheit benutzte ich, um davonzulaufen.“ — Diese Schilderung erläutert die Vorgänge. Wer auch nur an zwei Fällen schuldig wurde, dürfte wohl kaum einer Bewährungsfrist wert sein... von HAROLD SCHWARCZ Am vergangenen Wochende wurde gegen den starken Mann Europas, den französischen Presidenten, General Charles de Gaulle, ein neues Attentat verübt. Der Präsident blieb unverletzt. — Mit einem neuen russischen Veto wurde der Kalte Krieg fortgesetzt. Immer noch nicht konnten sich die Weltmächte über Rüstungsbeochränkungen und das Verbot der atomaren Waffen verständigen. — Der Rif-Kabylenführer, Abdel Krim, der in den zwanziger Jahren die europäischen Mächte durch seinen Aufstand in Atem gehalten hatte, ist im Alter von 83 Jahren im Exil in Kairo gestorben. Damals hatte Abdel Krim über die Spanier siegen können, wurde allerdings dann später von den Franzosen zur Kapitulation gezwungen. Nach der Ermordung deß irakischen Ministerpräsi denten Abdel Kassem konnte bisher die Ruhe nicht wiederhergestellt werden. Jetzt leisten angeblich die Kommunisten den letzten Widerstand. — Zum Nachfolger des britischen Chefs der Opposition, des jüngst verßtorbenen Hugh Gaitskell, wurde der Abgeordnete Harold E. Wilson gewählt, der auf eine lange politische und gewerkschaftliche Laufbahn zurückbiieken kann. Wilson ist Autor verschiedener Werke, in denen er sich mit politischen, wirtschaftlichen und sozialpolitischen Problemen beschäftigt hat. — Gegner des venezolanischen Präsidenten Betancourt machten sich die Methode des portugiesischen Rebelten Galvao zu eigen und bemächtigten sich eines venezola nischen Schiffes auf hoher See, über desßen Verbleiben lange Tage völlige Ungewissheit bestand. — In Paraguay wurde der, Präsident, General Stoessner, der letzte Diktator auf lateinamerikanischem Boden, wenn man einmal von Castro absieht, wiedergewählt. Die demokratische Presse, vor allem in Uruguay, übarbot sieh in scharfen Angriffe gegen die „Methoden des Tyrannen“, während Stoessner selbst seinen Sieg in „einwandfreien demokratischen Wahlen“ verkünden Kess. Debatte über Menschenrechte Ordnung beruht, nicht durch Dramatisierung komplizieren, wie dies in dem ebenso nichtssagenden wie über flüssigen Hinweis auf die Schuld der Hitler und Konsorten geschehen ist. Dass Hitlers Schuld grösser ist als die, welche Fellenz auf sich geladen hat, wird niemand bestreiten. Aber die Schuld von Fellenz genügt, um ihn als Mörder zu bestrafen. — Nur noch eine Bemerkung soll darüber gemacht werden, was hinter den Worten „Beihilfe an der Ermordung von zwei Juden“ steckt. Man kann sich nicht ein fach auf den Standpunkt stellen, Mord ist Mord, und Protest der Studenten Berlin. — Die berliner Studenten haben gegen die Ernennung von Prof. Karl- Heinz Pfeffer protestiert, der auf den Lehrstuhl für Soziologie der unterentwikkelten Ländern berufen wurde.— Der Verband der Studenten erklärt. Pfeffer habe nicht nur die Nazis unterstützt. sondern sei noch in den Nachkriegsjahren für nazistische Ideologien eingetreten. Sie verlangten die Wiedererwägung der Wahl. USA-Hilfe für Nasser Washington. — Das USA- Büro für internationale Entwicklung hat der VAR eine Anleihe von 30.600.000 Dol lar zugesprochen, die zum Bau eines elektrischen Kraftwerkes für die Umgebung von Kairo dienen-soll, wie hier verlautete. (ITA) In den Vereinten Nationen wurde unlängst gegen die Sowjetunion die Anklage erhoben, dass sie die Rechte nicht anerkenne, welche einem jeden Bürger irgendei nes Landes als Individuum zustehen. Der nordamerikanische Delegierte der Subkommission der UN für die Verhütung von Diskriminierung und den Schutz der Minaerheiten, Morris B. Abram, bezichtigte die sowjcluche Regierung, auf ihrer Behauptung zu beharren, dass es „zwischen den Interessen und Rechten des Staates und denen der Presse“ keinen Konflikt geben könne. Abram hielt seine Rede auf der Schlusß-Sitzung der Subkommission, bei welcher über das Projekt einer Resolution debaii._ft wurde, durch die russische Diskrimination in allen Formen 'verboten und das Recht eines jeden Bürgers erklärt werden soll, sein Land zu betreten und zu verlassen. In den Vereinigten Staaten, so betonte Abram, stehen in Uebereinstimmung mit dem westlichen demokratischen Denken und in offenem Gegensatz zum totalitären Gesichtspunkt „das Individuum und seine Grund rechte an erster Stelle“ und „der Staat existiert, um dem Individuum zu dienen und die Rechte und Bestrebungen seiner Bürger in sozialer und politischer Hinsicht bis zum. äussersten zu wahren“. An dieser Stelle bezog sich der Redner auf die Schliessung von Synagogen, in denen rund 30.000 Juden ihren Gottesdienst ab hielten, sowie auf die Lage der Sekte der christlichen Evangelisten, denen anscheinend das Recht verweigert wird, Russland zu verlassen, um Beispiele aus letzter Zeit für die dort geübte' Diskrimination gegen die Menschenrechte anzuführen. „Ich bin bereit zuzugeben“, setzte Abram hinzu, „dass sich auch die nordamerikanische Gesellschaft häufig von dem idealen Zustand auf dem Gebiet der guten menschlichen Beziehungen entfernt, obwohl ich gern auf die in dieser Hinsicht erzielten Fortschritte hin weise.“ Nachdem der Referent sich zu den Behauptungen seines sowjetischen Kollegen, dass es in Russland keine Diskrimination gäbe, im einzelnen geäussert hatte, stellte er abschliessend fest, dass die ßowjetische Auffassung dieses Themas beweise, dass die Sowjetunion das Schwergewicht auf die Rechte der Regierung legt. Morris B. Abram steht an der Spitze der Exekutive des American Jewish Committee, obzwar er in den Vereinten Nationen nicht in dieser Eigenschaft auftrat. Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 ISRAELISCHE BANKKONTEN Jerusalem. — Das israelische Schatzamt teil te den Banken im Lande mit, dass es von dem ihm aufgrund des Einkommensteuergesetzes zustehenden Recht Gebrauch zu machen beabsichtigt, um in Fällen eines Verdachts der Steuerhinterziehung Aufklärung über gewisse Bankkonten zu erhalten. Der Finanzminister sagte zu. dass er versuchen werde, die Ersuchen um derartige Informationen auf ein Minimum zu beschränken. Die Ankündigung des Ministeriums erfolgte nach längeren Verhandlungen mit den Banken. (ITA) W A.

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