Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 1999 (15.2.1963)
- Date
- 1963-02-15
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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a 3 ai TS *• a u ¿ FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 AÑO XXIV ISRAELITA BUENOS AIRES, VIERNES 15 DE FEBRERO DE 1963 No. 1999 EL EJEalPLAR 1j| en toda la República PUEYRREDON 2190 l? iaq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Keiner traute dem anderen In einem der Kriegsver frecher - Prozesse, die zur Zeit in Deutschland durehgeführt werden, war ein heute 59jähriger Mann angeklagt, der zugab. bei „5 Aktionen“ sechs Menschen ge tötet zu haben. Er erklärte daun weiter, er sei insgesamt bei der Vernichtung von etwa 5.000 Menschen „als Werkzeug eingesetzt“ worden. Die kurzen Berner, kangen beleuchten die Mentalität dieser Menschen, die „als Werkzeuge eingesetzt“ worden sind, um andere in Massen zu töten. Sie haben sich als Werkzeuge nur allj 7.n willig gebrauchen lassen j und vermeinen, dass sie sich | dadurch ihrer Verantwor | tung entziehen könnten. Während dieser Angeklagte zugibt, sechs Menschen erschossen und bei der Liquidierung von 5.000 als Werkzeug eingesetzt worden zu sein, spricht die Anklagetaehörde von Mord in 24.413 Fällen' — Nur wenige Auszüge aus der Verteidigung dieses Angeklagten: „Ich war SS Obersturmführer, aber nicht von JAKOB KÄTZ-R0GASEN Matzot für die russischen Juden Washington. — Die sowjetischen Juden werden die Erlaubnis erhalten, in diesem Jahr Mazzot zu rtacken, wie ein Beamter der Sowjet-Botschaft Ver tretern von orthodoxen Gemeinden mitteilte. Botschafts-Sekretär Genary Gawrikow beantwortete die Anfrage einer Delegation, dass „die Juden in Russland da« Recht haben, ihre religiösen Gebräuche ebenso frei zu beobachten und auszuüben wie jede andere Nationalität in der Sowjet- I union, was sich auch auf die Bereitung von Mazzot beziehe. (ITA) judenfeiodlieh“. Diese Formulierung hat man selten gehört. Immerhin nahm er als Werkzeug an Massen. Exekutionen teil, immerhin gibt er zu, sechs Menschen (Juden) ermordet zu haben. So tief liegt auch noch heute die Moral dieser Menscheu. dass sie im alten Jargon weitersprechen. Die Sprache ist aber stets zu einem guten Teil der Reflex der inneren Empfindungen und des Denkens. Die wenigsten dieser Mörder zeigen Reue. Die Exekutionen, so sagte dieser Angeklagte, seien entsetzlich gewesen. Natürlich habe er an den Saufgelagen der SS teilgenommen, die nach diesen Massenhinrichtungen abgehalten worden sind. Warum haben sie da mals niemandem ihrer Kameraden gesagt, dass sie die Exekutionen für entsetzlich halten, will der Gerichtsvorsitzende wissen. Die Antwort ist erstaunlich, aber auch bezeichnend: „Einer traute dem anderen nicht“. Wenn einer „nicht mitgemacht hätte, wäre er einem NS Betriebsunfall zum Opfer gefallen . “ Dann wird ein Angeklagter vernommen, dem 1920 Morde zur Last ge'egt werden. Er aber erklärt, dass er niemals einen Juden erschossen habe. Einer der Mitangeklagten widerspricht; er habe ihn schiessend an der ,Grube* gesehen. Die Grube war das Massengrab, das vorher meist von den Opfern ausgehoben werden musste. Da steht ein anderer Angeklagter vor seinen Richtern, heute 61 Jahre alt, von Beruf Arbeiter. Er gesteht, Juden durch Genickschüsse .erledigt* zu haben. Er habe auch Juden mit seiner langen Pferdepeitsche verprügelt. Er habe u. a. einen jüdischen Friseur erschlagen. Eigentlich wollte er ihn nicht ermorden, er wollte ihn ..nur* zusammenhauen, weil er „wütend gewesen sei, dass dieser Mann keinen Judenstern zu tragen brauchte (mit höherer Erlaubnis) und deutsche Frauen frisierte“. Die Primitivität und bestialische Erziehung dieser Leute gibt auch heute noch zu denken. Nichts ist diesem Mann damals ge schehen, obwohl er doch ganz offensichtlich einen Menschen brutal tot geschlagen hat. An der Sachlage wird wenig dadurch geändert, dass der Angeklagte heute erklärt, sich der Tat zu schämen. Dann wieder erscheint ein ehemaliger Lehrer vor seinen Richtern, des 3.900fachen Mordes angeklagt. Hemmungslos haben sie alle an dem grossen Morden teilgenommen, die einfachen Arbeiter und Biirogehilfen, aber ebenso die gebildeten Schichten der Be völkerung. Während aber Menschen aus einfachen Kreisen nicht selten zu ihrer Tat stehen und ein Bekenntnis ihrer Schuld ablegen, versuchen die anderen, die Verantwortung von sich abzuwälzen, Führerbefehle vorzuschieben und die Schuld Dritten aufzubürden. — Jedenfalls wird in diesen Prozessen noch immer neues Material des Schreckens vorgetragen. Dies ist aber nicht der einzige Beitrag, der zur Geschichte des Na tionalsozialismus auf diesem Wege geliefert wird. Immer entsetzlicher hebt sich die Verworfenheit des Systems und seiner Diener ab. Massen moeraiair vor Gericht Hannover. — Hier läuft der Prozess gegen den Nazi- Offizier Oskar Waltke, der beschuldigt wird, teilweise für die Massenmorde in Lemberg zwischen 1942 und 1944 verantwortlich zu sein. Er wird für die Erschiessung von 1000 in Lemberg ankommenden Juden, für die Ermordung jüdischer Gefangener und für die Massenmorde im Ghetto verantwortlich gemacht. Eine Million Dollar für Israel New York. — Eine Million Dolar in barem Gelde wurde in der ersten Phase der Histadrut-Kampagne im Hotel Commodore für Israel gesammelt. Als Redner traten zwei Vertreter der Histadrut auf, der Bürgermeister von Etat, Joseph Levy, und der Journalist und Mitglied der ersten Knesset Dow Bamir. Levy teilte mit, Elat werde in den nächsten vier Jahren seine Einwohnerschaft von 8.500 auf 25.000 verdreifache« und nicht nur ein grosses Touristenzentrum sondern auch ein wichtiger Seehafen für die Verbindung zwischen dem Fernen Osten und Westafrika sein, der den Umweg über den Suezkanal ersparen werde. Barmir lenkte die Aufmerksamkeit der USA-Juden auf den Umstand, dass die entscheidende Rolle der Histadrut für den Aufbau Israels nicht hoch genug eingeschätzt werden könne, denn ohne diese Gewerkschaft gäibe es im Lande weder Ackerbau, noch Industrie oder Selbstverteidigung, da es den Pionieren zu verdanken sei, wenn Israel heute kein unterentwickeltes Land ist. (ITA) OIE FLUECHTLINGE von BORIS SM0LAR die Vergangenheit tabu? Der Oberbürgermeister von Würzburg, Dr. Helmuth Zimmermann, hat gegen die „Nürnberger Nachrichten“ Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Das Blatt hatte neulich aus der 1936 von Dr. Zimmermann eingereichten Doktorarbeit „Rasse, Staatsangehörigkeit. Reichsbürgerschaft — ein Beitrag zum völkischen Staatsbegriff“ eine Anzahl Zitate gebracht, die die tiefbraunen Ansichten des wackeren Stadtoberhauptes in den tausend Jahren wahrhaft hakenkreuzbengaliseh beleuchteten. Dr. Zimmermann ist indessen unzufrieden. Er erklärt. dass das Blatt die Zitate einseitig ausgewählt ha be. Im übrigen habe es sieh bei seiner Doktorarbeit nicht um seine eigenen Gedanken, sondern um ein Referieren über die damals gültigen Gesetze gehandelt. Die Erklärung des Dr. Zimmermann scheint reich, lieh lendenlahm. Niemand hat ihn wohl 1936 verpflichtet, sich in seiner Doktorarbeit ausgerechnet mit Hitlers völkischen Haesausbrüchen zu befassen, und er hätte sich ohne Schwierigkeiten ein neutraleres Thema au^suchen können. Aber es lag ihm offenbar daran, sich bei den herrschenden Nazis und ihren diversen Globkes lieh Kind zu machen. Das Absurde und fast Klinische an der Sache aber ist, dass dieser Oberbürgermeister einer grossen deut sehen Stadt es wagt. Strafantrag gegen eine Zeitung zu stellen, weil sie eg sich erlaubt hat. auf einen braunen, sehr hässlichen Schmutzflecken auf seiner Weste aufmerksam zu machen. Ist es nicht bezeichnend für den ¿echt beunruhigenden Geisteszustand gewisser Kreise der Bundesrepublik, dass die Mitläufer und Stiefelputzer der Bonzen von früher, heute die Beleidigten spielen, wenn man erklärt, dass zwei mal zwei noch immer vier ist?! Sie stellen Strafantrag gegen die Unbequemen, obwohl sie doch heilfroh sein sollten, da?« man vergass, gegen sie selbst zu gegebener Zeit Strafantrag zu stellen. KURT KAISER-BLUETH London. — Die russische Nachrichtenagentur ■ Nowostihizo verbreitete eine gemeinsame Erklärung der jüdischen und muselmanischen Geistlichkeit, in der die Nachricht über Pogrome in zwei uzbekitsianischen Städten dementiert wird, wie aus Moskau verlautete. Die Erklärung nimmt keinen Bezug auf die kürzlich von der Bne Brit auf einer Pressekonferenz gemachte Mitteilung, dass infolge der verleumderischen Behauptung, die Juden hätten Ritualverbrechen begangen in Taschkent und Margelan in den Jahren 1961 und 1962 Juden durch die mohammedanische Bevölkerung misshandelt worden seien. Hierzu heis«t es nur, es seien „Gerüchte über angebliche Zusammenstösse zwischen Juden und Mohammedanern“ in Umlauf, deren Ursprung auf „irgendein Missverständnis aus religiösen Motiven“ zurückgehe Diese Gerüchte werden in der gemeinsamen Erklärung als „absolut irrig und erfunden“ bezeichnet. Die Verlautbarung enthält die Frage: „Was geschah in Margelan?“ und gibt hierauf folgende Antwort: „Ein Urteil bestätigt Rom. — Das Berufungsgericht hat das erstinstanzliche Urteil gegen den italie niseben Richter Giovanni Durando aus Asti bestätigt, der während des Eichmann- Pro&esses öffentlich erklärt hatte, dass die Juden ein Volk ohne Moral seien und kein Recht hätten, über Nichtjuden zu Gericht zu sitzen. (ITA) Dementi kleines uzbequistanisehes Mädchen hatte sich verlang fen. Die Eltern gerieten in panische Angst. Die Behörden nahmen die Suche nach dem Kind auf. Tagelang konnten sie da« Kind nicht finden. Schliesslich ergab sich, dass die Kleine von einer uzbekistanischen Frau aus Andijan entführt w'orden war, die selbst kinderlos war und deswegen an einer Geistesstörung litt. Ist dieser Zwischenfall vielleicht dazu angetan. religiöse Kämpfe auszulösen? Natürlich nicht.“ Ueber Taschkent hatte die Bne Brit berichtet, die Juden dort seien am 9. Mai 1962 überfallen worden, nachdem ein Gerücht aufkam, dass der 70jährige Jude Abigai Bengiewa. der Inhaber eine« kleinen Geschäftes, einem kleinen muselmanischen Mädchen Blut aus dem Ohr abzapfte, um es in der Pessachnacht zu trinken. Zu diesem Fall heisst es in der gemeinsamen Erklärung, am 9. Mai 1962 «ei zwischen einem Uzbekistaner und seinen Nachbarn. drei bucharischen Juden, ein Streit ausgebro chen. „Dies ist gewiss bedauerlich, doch was kann man dafür? Obwohl der Staat und wir, die Geistlichkeit, alles tun, damit die Menschen sich nicht betrinken und schlagen, kommt es von Zeit zu Zeit zu solchen Zwischenfällen“, wird in der Erklärung festgestellt. „Gewisse Leute schmücken die se Vorfälle aus und bauschen sie auf, damit sie wie religiöse Streitigkeiten erscheinen, und dann bedienen sie sich ihrer, um zu beweisen. dass ein Religionskampf zwischen Juden und Muslemanen tobt.“ (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Seit Israels Aussenmini ster Golda Meir im vergangenen Monat mit dem Präs! denten Kennedy zusammentraf, kommen die Gerüchte über einen angeblichen Plan der USA-Regierung »für die Lösung des Problems der arabischen Flüchtlinge nicht zum Schweigen. Den Tatsachen entspricht, dass Kennedy vielleicht Frau Meir keinen definitiven Vorschlag gemacht hat, aber jedenfalls entschlossen ist, in den nächsten Wochen eine Lösung dieser Frage durchzusetzen. weil dies anscheinend seiner Meinung nach immer schwieriger werden dürfte. Mit Sicherheit ist anzunehmen, dass Kennedy in seinem Gespräch mit Israels Aussenminister Verständnis dafür gezeigt hat, dass Israel ausserstande ist, arabische Flüchtlinge in Massen aufzunehmen. Aude. rerseits besteht ein« fundamentale Meinungsverschie denheit zwischen dem Präsidenten und Frau Meir über die Art und Weise, wie dieses Problem in naher Zukunft gelöst werden sollte. Die Auffassung Kennedys wurde von Frau Meir in einer Sondersitzung des Kabi netts im einzelnen mitgeteilt. Ferner erstattete sie in einer geschlossenen Sitzung der Knessetkommission für auswärtige Angelegenheiten hierüber Bericht. Alle Anzeichen deuten dar auf hin, dass die israelische Regierung jetzt das Flücvhtlingsproblem ernsthaft in Betracht ziehen und konkrete Vorschläge formulieren muss, wenn es nicht in die Defensive geraten will, da die USA entschlossen scheinen. diese autssenpoiitische Frage dynamisch zu behandeln. Präsident Kennedy ist Is rael sehr freundlich gesinnt, aber er unterhält auch engen Kontakt mit Nasser. Die Verbindung, die heute noch besteht, scheint den Präsidenten in dem Glauben zu bestärken, dass es ihm gelingen könnte, diese brenzliche Frage einer Lösung zuzuführen. Der. Rücktritt des Dr. Johnson von seinem Amt als Sondergesandter der UNSchlichtungs Kommission für Palästina gibt dem Präsidenten die Möglichkeit, einen Emissär nach Israel und in die Araberstaaten zu entsenden, der versuchen könnte. das Problem auf einem anderen Wege zu bereinigen. Dr. Johnson hat den Präsidenten aufgesucht, um sich von ihm in seiner Eigenschaft als UN-Schlichter für Palästina zu verabschieden. bevor er wieder auf sein Amt als Leiter der Carnegie-Stiftung für den Frieden zuriiekkehrt. Bei dieser Gelegenheit äusserte Kennedy, er habe sich vorgenommen, den Versuch zur Be; legung de« Flüchtlingspto blems zu machen.. Nachricht aus Birobidschan London. — Eine Strasse in Birobidschan, der jüdischen Republik in der Sowjetunion in Sibirien, erhielt den Namen des verstorbenen jüdischen Schriftstellers Emanuel Kazakiewitsch. Diese Nachricht wurde in der Zeitung „Folkstimme“ veröffentlicht, die in Warschau in jiddischer Sprache erscheint. Kazakiewitsch lebte und schrieb die letzten drei Jahre seines Lebens in Birobidschan. (ITA) Ke re ft Hajessod-Tagang in Paris Paris. — Die Jahreskonferenz des Keren Hajessod schloss mit einer Reihe von Resolutionen, die die französische Judenheit auffordern, ihre Sammeltätigkeit für Israel zu verstärken. Präsident Raymond Wallier wies darauf hin' dass die halbe Million französischer Juden weniger als die 20.000 schweizer Juden für das Aufbauwerk Israels beisteuern. Die Hauptredner auf dieser-Tagung waren Abba Eban, Mosche Shärett und Botschafter Walter Eytan. Senator André Monteil überbrachte die Grüsse der nichtjiidischen Freunde Israels. Er nannte Israel ein Bindeglied zwischen Orient und Okzident und ein Beispiel für die ganze Menschheit. Eytan unterstrich die ausgezeichneten franzosicch-israelischen Beziehungen sowie die beiderseitigen Bemühungen, in Frankreich das Interesse für die Alija zu fördern. (ITA) t