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Jüdische Wochenschau · 1963-02-01 · 1997 (1.2.1963) · p. [Seite 12]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
1997 (1.2.1963)
Date
1963-02-01
Page
[Seite 12] (sequence 12)
Language
German, Spanish
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V FRANQUEO PAGADO Concesión 948 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 ASO XXIV ISRAELITA BUENOS AIRES. VIERNES 1? DE FEBRERO DE 1963 N*. 1997 EL ¡EJEMPLAR en toda 1* República PUEYRREDON 219« 19 taq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Der Gegensatz ist ZU schroff! Vom Schlussgesetz! Eine ausführliche Berichterstattung über die zur Zeit in Deutschland durchgefiihrten Prozesse gegen die Kriegsverbrecher ist garnicht möglich. Sie müsste Seiten jeder Zeitung ausfiillen. Man findet auch nur kurze Auszüge in der führenden Presse, aus denen sich jeder ein Bild von dem Grauen machen kann, das in jenen Jahren der Verfolgung und der Schrecken herrschte. In dem Prozess in Koblenz gegen den ehemaligen Chef des Landeskriminalamtes Rhein von JAKOB KATZ-ROGASEN! Zeuge sagte, die Scheiteri häufen für die Leichen hät-! ten drei Monate lang Tag i und Nacht gebrannt Er habe 1 miterlebt, wie Harder hun- : dert russische Juden habe i vergasen lassen, die sieh ge i weigert hätten, die toten | Glaubensgenossen aus ihren | j Ruhestätten zu holen. Nach |! diesem Vorfall seien aus j i schliesslich nichtjiidische i Russen hiit dieser Aufgabe j betraut worden, die später ' ebenfalls vergast worden , ' seien. land-Pfalz, Georg Heuser — . , , , der es in der Bundesrepui K.”Voli'g nfc^ wurden äechs ..ui, „,.t _ _ r>„ 1 bis acht Juden, es waren Männer und Frauen, paarweise gefesselt an einen etwa drei Meter hohen Holzstoss herangeführt“. Auf dem Scheiterhaufen habe der Mitangeklagte Arthur Harder gestanden. Die Juden hätten sich auf dem mit Tannenreisig abgedeckten Holzstoss hinlegen müssen. Dann habe Harder eine Jüdin an einem etwa drei Meterhohen Pfahl gefesselt, der inmitteri des Scheiterhaufens eingerammt worden sei. ..Harder nahm einen Benzinkanister und entleerte den Inhalt auf die Liegenden. Das Feuer wollte auf Anhieb aber nicht anblik auf diesen hohen Po sten gebracht hatte, — wurde ein Mitangeklagter, der ehemalige SS - Hauptsturmführer Artur Harder von einem Zeugen schwer belastet. Der Zeuge berichtete u.a. dem Schwurgericht, dass Harder hundert russische Juden habe vergasen lassen. Auch habe er mitgeholfen, ein jüdisches Mädchen und mehrere Männer bei lebendigem Leibe zu verbrennen. Diese „Aktion“ soll von dem Hauptangeklagten Georg Heuser beaufsichtigt worden sein. Der 66 Jahre alte ehemalige Kriminalbeamte Adolf Rübe aus Karlsruhe wurde zum zweiten Male vom Koblenzer Schwurgericht vernommen. vor dem sich insgesamt zwölf ehemalige Angehörige der Sicherheitspolizei in dem von den Deutschen besetzten Minsk wegen Massenmordes zu verantworten haben. Rübe hatte in Minsk die Polizeiaufsicht über das Ghetto, wurde nach dem Kriege zu einer | hohen Freiheitsstrafe verurj teilt und im Sommer die-! ses Jahres auf dem Gnaden-! weg entlassen. Er berichtete | vor allem über die Tätigj keit des deutschen ,.Enterdungs - Kommandos“, dem Harder angehört hatte. Aufgabe dieses „Kommandos 1005’’ war es, 1943 im besetzten Polen und Russland die Leichen der von Sonderkommandos und Einsatzgruppen ermordeten Juden aus Massengräbern herauszuholen und zu verbrennen, um die Spuren der Massenmorde zu vernichten. Der fer. Minuten dauerte der Todeskampf der Frau am Marterpfahl, bis sie in sich zusammensackte.“ Der Hauptangeklagte Heuser habe die sem grausigen Geschehen beigewohnt, ergänzte Rübe seine Aussage. Harder sagte zu dieser Aussage nur: „Bewusst fal- | sehe Aussage.“ j Hier haben wir also den! nicht seltenen Fall, dass ein 1 SS - Mörder einen alten | Spiessgesellen belastet ini dem er weiter nichts als die Wahrheit mitteilt. Die Aussagen des Zeugen waren präzis; diese grauenvolle Szene konnte er schwerlich ersonnen haben. Die Leugnung war zu primitiv, um geglaubt zu werden. Aber so sind sie, die wehrlose Männer, Frauen und Kinder misshandelten, quälten, sadistisch marterten und kaltblütig ermordeten. — In Bonn rollt ein anderer Prozess ab; zwölf frühere SSLeute, Mitglieder der Schutzpolizei, sind wegen der Ermordung von 180.000 Juden im Lager Kulmhof in der früheren Provinz Posen angeklagt. „Ich war human, ich war nicht brutal. brennen. Da riss sich plötz-! Ich habe mich stets dagegen lieh die an die Stange gefesselte Jüdin los. Sie sprang vom Holzstoss, wurde aber sofort wieder eingefaugen. Erneut schaffte das Absperrkommando die gellend schreiende Frau nach oben. Erneut band Harder sie fest. Wieder goss er den Benzinkanister aus. Dann loderten die Flammen prasselnd auf. Brüllende Schreie der Op- , gewehrt, dass die wehrlosen j Häftlinge geschlagen wer- ■ den.“ Dies beteuerte der j jetzt 69jährige Angeklagte I Alois Hä feie, der dort Leiter eines jüdischen Arbeitskommandos gewesen ist, das zum Strassenbau eingesetzt war und Gepäck und Kleidungsstücke der ermordeten Häftlinge sortieren musste. Er bestritt energisch, jemals jüdische Häftlinge mit Peitschen geschlagen zu haben. Als „Greuelmärchen“ be zeichnete Häfele den Vorwurf der Anklage, dass er vier jüdische Häftlinge erschossen habe. „Es ist mir ein Rätsel, wie das von mir gesagt werden kann. Meine ganze Tätigkeit in Kulmhof war darauf ausgerichtet keinem Menschen etwas zu tun“, beteuerte der Ange klagte. Kameraden gegenüber soll Häfele nach der Anklage ge äussert haben, im Kulmhof würden ..Männlein. Weiblein und Kinder wie die Käfer zertreten“. Auch das bestritt er vor Gericht. Er habe le diglich gesagt: „Wenn wir den Krieg verlieren, dann können wir uns alle aufhän gen. Die Aktionen gegen die Juden sind ein grosses Un recht.“ So weit geht ein Angeklag. ter, der Kommandant eines Arbeitskommandos gewesen ist. Er habe seine Tätigkeit darin gesehen, keinem Men sehen „etwas zu tun“ Der Gegensatz zwischen Anklage und den Darstellungen des Angeklagten ist zu schroff, um auch nur eine Möglichkeit der Diskussion zu öffnen. Offensichtlich spekulieren sie alle, die da mals als Henker und Peini ger unschuldiger Menschen eine Macht über Leben und Tod ausübten, damit, dass sich nach so vielen Jahren keine Zeugen ihrer Verbrechen mehr finden. Haben sie doch gründliche Arbeit ge leistet und alle, die gegen sie aufstehen .liquidiert“, wie der entsetzliche nazisti sehe Fachausdruek für den gemeinsten Mord lautete. VOR 30 JAHREN Berlin. — Des Tages der Machtergreifung Hitlers wurde in ganz Deutschland durch die Abhaltung von Antinazi- Versammlungen gedacht. In Westberlin veranstaltete die Jüdische Gemeinde eine feierliche Trauerkundgebung, welche von der Sozialdemokratischen Partei organisiert wurde. Der Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, warnte die Deutschen,' „auf der Hut zu sein, damit die Vergangenheit nicht zur Zukunft werde.“ * Im gleichen Sinne äusserten sich die Redner auf einem in Frankfurt veranstalteten Meeting, das von den ehemaligen Widerstands - Kämpfern und überlebenden Opfern der Deportationen abgehalten wurde. (ITA) Vorbild für tropische Laender Die Milchwirtschaft in tropischen Ländern könnte vollkommen revolutioniert werden, wenn die Ratschläge eines israelischen Wissenschaftlers Gehör fänden. In einem Beitrag zu dem vor kurzem veröffentlichten Buch „Medizin und biologische Forschung in Israel“ schreibt Professor Saud Ad ler, F. R. B„ ein Bakteriologe von Weltruf, der den Israel - Preis für Wissenschaft und unlängst den! Tschernikowsky - Preis für seine hebräische Ueberset zung von Darwins „Die Entstehung der Arten“‘ erhielt, wie folgt: „Man darf hoffen, dass die in Israel gewonnenen Erfahrungen nicht von den Behörden in tropischen Ländern übersehen werden, die vor umfangreichen Versuchen mit den besten europäischen Viehrassen zuruckschrecken.“ Israel ist ein kleines Land, doch finden sich in seinem Gebiet drei klimatische Zonen — die subtropische, tropische und die Mittelmeer- Zone. In dem tropischen Klima des Jordantals ist es den Landwirten gelungen, gesunde Herden von friesischem Vieh zu züchten, die einen sehr hohen Milchertrag liefern. Israels Erfolg bei der Aufzucht europäischen Viehs im Jordantal ging ein langwieriger Meinungsstreit zwivon B. BARSHAI sehen europäischen Fachleuten und den tierärztlichen Behörden in Erez Israel voraus. Die ersteren behaupteten, dass sich europäische Milchkühe niemals im Lande akklimatisieren würden und es sinnlos sei, die Versuche fortzusetzen. Die einheimischen Fachleute dagegen waren der Mel nung, dass die Hauptschwierigkeit nicht in der Akklimatisierung, sondern in der Bekämpfung der Viehseuchen bestehe, besonders in den von Zecken übertrage nen Krankheiten, die ausgemerzt werden könnten. Die Tatsache, dass heute friesische Kühe im Jordantal gezüchtet werden, rechtfertigt diese Behauptung. Die israelischen Viehzüchter haben bewiesen, dass alle Viehrassen sich leicht im Lande akklimatisieren, wenn sie geimpft worden sind. Die in Israel gewonnene Erfahrung zeigt, dass das Hauptproblem nicht in der Akklimatisierung, sondern in der Immunisierung gegen Krankheiten*besteht. Professor Adler hat seinerzeit eine Methode zur Impfung europäischer Viehrassen gegen Rinderpest ausgearbeitet. Zu Beginn der dreissiger Jahre dieses Jahrhunderts bestand die Gefahr*, dass diese Kraukheit alle Herden in Israel vernichten würde. Profes sor Adler widmete sich, zusammen mit einer Gruppe von Tierärzten, dem Studi um dieses Problems und entwickelte ein Serum zur Impfung von Jungvieh. Das Ergebnis war überraschend. Seine Arbeit auf diesem Gebiet verhinderte das Aussterben der Milchkühe im Lande und förderte die rasche Entwicklung der israelischen Milchwirtschaft. AKKLIMATISIERUNG DER MENSCHEN Ebenso wichtig sind die durch die jüdische Ansied lung gewonnenen Erfahrungen bei der Akklimatisierung von Europäern in tropischen Ländern. In den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts beschäftigte viele Behörden die Frage, ob Europäer sich für die Dauer in tropischen Gebieten niederlassen, eine ihrem Niveau entsprechende geistige und körperliche Tätigkeit leisten und Familien gründen könnten. Eine Richtung vertrat die Meinung, dass dies unmöglich sei und dass europäische Kinder niemals ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten in tropischem Klima voll entwickeln könnten. Eine andere Gruppe war jedoch der Ansicht, dass dies hauptsächlich eine Dr. W.: — Eigentlich sollte dieses Gesetz mit dem latrgen Namen .Entschädigungsschlussgesetz“ schon vor sechs Monaten erscheinen, wenn nicht gar in Kraft treten. Nach den jetzigen Informationen liegt bisher aber der Gesetzentwurf noch nicht einmal vor. Es ist auch nicht abschliessend diskutiert und beraten worden. Im grossen, modernen Gebäude des Deutschen Bundestages zu Bonn an den Ufern des Rheins, der an dieser Stelle besonders breit ist, gibt es eine kaum übersehbare Zimmerflucht. Die vielen an den Korridoren gelegenen Türen erinnern ein wenig an ein Krankenhaus oder ein Finanzamt. Auch das Berliner Entschädigungsamt ist ein solches Gebäude mit Türen, Türen. Türen. Im Gebäude des Bundestages sind alle die vielen Kommissionen untergebracht, die bestimmte Arbeitsgebiete zu beraten, Entscheidungen ^orzubereiten und Gesetze zu entwerfen haben. Eine dieser Kommissionen beschäftigt sich nur mit den Fragen der Wiedergutmachung in all ihren Aspekten, Entschädigung, Riickerstaflung, Lastenausgleich usw. f Der „Wi&ergutmachungsausschuss“ war immer eine Domäne der Sozialdemokraten. In unserer schneliebigen Zeit wird bald vergessen, was gewesen ist, mitunter auch gern absichtlich. Deswegen sei daran erinnert, dass es die Sozialdemokratie war, die schliesslich die Annahme der Wiedergutmaehungsgesetzgebung im Deutschen Bundestag durchgesetzt hat, wenn auch die Lorbeeren hierfür einseitig dem Kanzler Adenauer zugekommen sind. Die Vorsitzenden der verschiedenen Wiedergutmachungsausschüsse, die es bisher gab, waren auch stets Sozialdemokraten. Der derzeitige Vorsitzende ist der Ko- •burger Rechtsanwalt Martin Hirsch, der während des Zweiten Weltkrieges als Gegner des Regimes einen untergeordneten Posten in der Justiz bekleidete. Der heute sehr angesehene Parlamentarier, der kein Jude ist, berichtete bereitwillig über die Pläne für das Sehlussgesete, über die Möglichkeiten, die vorhanden sind, zusätzliche, das heisst bis heute nicht berücksichtigte, Verfolgten- Gruppen in das neue Gesetz einzusehliessen und spraoh auch über die grossen Schwierigkeiten, die sich der Novelle entgegenstellen. Diese Schwierigkeiten, die erst überwunden sein müssen, wenn es zum Erlass des Schlussgesetzes kommen soll, bestehen vor allem in finanziellen Erwägungen. Manche deutschen Politiker behaupten, die Zeiten des Wirtschaftswunders seien vorüber, aus diesem Grunde könne die Bundesrepublik nicht mehr in der gleichen. Weise über ihre Entschädigungszahlungen disponieren wie bisher. Dieses Argument, das in der einen oder anderen Form. d. h. entweder vornehm umschrieben oder rücksichtslos klar ausgedrückt wird, muss näher untersucht werden. Man kann das Problem auch anders formulieren: die Bundesdeutschen sind bereit, Entschädigungen zu zahlen, wenn genug Geld vorhanden ist. Was heisst das, .genug Geld“? Es wird auf das deutsche Wirtschaftswunder verwiesen: als noch die unbegrenzten Wunderquellen flössen, da konnte man .grosszügig“ sein und Entschädigungen zahlen. Aber heute ist das anders geworden. Es gibt Probleme. Es gibt Lohnforderungen, denen man naehkommen muss, es gibt neue Steuern, es gibt Oppositionelle, die vielleicht erneute Entschädigungsverpflichtungen politisch gegen die Regierung auswerten könnten. Es gibt auch noch viele andere Probleme politischer, wirtschaftlicher, finanzieller und sonstiger Art, die berücksichtigt werden müssen. Ja. es gibt noch ein schweres Problem. Und das ist die deutsche Wiederaufrüstung, die astronomisch grosse Beträge verschlingt. Hier begegnen wir einer deutschalliierten .Notwendigkeit“, wie die regierenden Kreise der westlichen Mächte behaupten. Hier greift die Wiedergutmachung in das Gebiet der Wiederaufrüstung über, und umgekehrt. Man kann unschwer erkennen, dass es nicht nur der Wiedergutmachungsausschuss des Bundestages ist, der über die Wiedergutmachung entscheidet. (Das hier angeschnittene Problem wird in einem weiteren Artikel „Wiedergutmachung und Aufrüstung“ behandelt werden.) Menachem Begin wieder<?ewaehlt Tel Aviv. — Auf der Schlussitzung der 7. Nationalkonvention der Cherut wurde Menachem Begin einstimmig zum Führer der Partei wiedergewählt. (ITA) Frage der Bekämpfung von Krankheiten sei. Als die medizinischen und physiologischen Probleme der Ansiedlung von Europäern in tropischen Gebieten zuerst auftauchten, beschränkte sich die Erfahrung nur auf eine kleine Anzahl von Beamten der Kolonial Verwaltung und von europäischen Missionaren, die in diesen Gebieten lebten. Die jüdische Besiedlung Israels lieferte einen wichtigen Beitrag zur Lösung dieses Problerns. Heute arbeiten viele aus Europa stammende Manschen als Bergleute im Negew. als Seeleute im tropischen Klima des Hafens von Elat und leisten alle Arten schwerer körperlicher Arbeit am Ufer des Toten Meeres und im | schaftiicher Jordantal. Daher ist Israels | Bezirks haben. Beitrag auf dem Gebiete menschlicher Physiologie von grosser Wichtigkeit.''“: Umfassende Forschungsarbeit auf diesem Gebiet wird im Institut für Negew- Forschung. das vor einigen Jahren in Beer Schewa oröffnet wurde, durchgeführ-. Die Ergebnisse werden grossen Einfluss auf die Lösung praktischer und wirt- Probleme des Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 8ol

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