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Jüdische Wochenschau · 1963-01-18 · 1995 (18.1.1963) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
1995 (18.1.1963)
Date
1963-01-18
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEVRREDON 219« — 1’ >*»• JûxJètnxiH&^teelitci S î T E. 2 6 13 ANO XXIVr BUENOS AIRES, VIERNES 18 DE ENERO DE l*m N*, ms WIE ICH ES SEHE Die Republik im Sterben von JEHUDA GOTTHEIMER Obwohl die Männer der 1 Deutschen Republik Grosses , geleistet haben, konnten sie; den inneren und äusseren Verfall des von ihnen mühj sam errichteten Gebäudes nicht aulhalten. Die Sturmj flut des Nationalsozialismus j war nicht mehr aufzuhal-; ten. zumal sich die demo ' kratischen Kräfte immer j mehr zersplitterten. Die Rej aktion war übermächtig ge-; worden, deren Ziel die Wie-; dererrichtung des alten, im j Ersten Weltkriege versunke neu Reiches gewesen ist. Ihre treibende Kraft war we- 1 niggr der Willen, das Veri lorene wiederzugewinnen, | als ein unerbittlicher Hass gegen die Idee der Repu blik, in welcher das Volk ■ die tragende und die bestim- : mende Macht sein sollte. Als dann die Reaktion durch das Kabinett der Junker j und Schlotbarone die Regie- | rung übernommen hatte, i stellte sie zu ihrem Schrekken fest, dass ihre Konzepj tion und ihre Spekulationen j fehlgeschlagen waren. Sie; konnten die braune Flut nicht meistern, von der sie; dann sehr schnell hinwegge-; spült werden sollten. | Es war der General Schleij eher, der sich im Herbst j des Jahres 1931 durch Ver | mittlung des ehemaligen Hauptmanns Rohm mit Hit- ' ler getroffen hatte, um diej sem den Weg zum Reichs | Präsidenten von Hindenburg zu öffnen. Denn bisher hat- . te sieh der greise Feldmarschall, dessen Persönlich-; keit bis heute umstritten und dessen Haltung in all i! den entscheidenden Fragen noch nicht geklärt ist, ener- ■ gisch dagegen verwahrt, \ den ..Gefreiten” Hitler zu! empfangen, obwohl dieser! bereits der Führer der! grössten Partei im Lande! geworden war. Rohm war; einer jener Abenteurer, von I denen es so viele nach dem j Ersten Weltkrieg gegeben hat, der den Weg in ein nor j malisiertes bürgerliches Leben nicht gefunden und sein ] organisatorisches Talent in den Dienst einer Landsknechts - Bewegung gestellt 1 hatte, die man SA nannte. | Schleicher verstand es, zu- ' nächst eine Begegnung zwischen dem Reichskanzler Brüning und Hitler zustan; de zu bringen, die im Hause , des Ministers Treviranus stattgefunden hat. Die Zu- . sammenkunft. in der Brii- | ning eine Art Burgfrieden erstrebte, bis die schweren aussenpolitischen und wirt schaftlichen Probleme gelöst seien, verlief jedoch ohne jedes Ergebnis. Daraufhin wurde Hindenburg überredet. Hitler zu empfangen. Am 10. Oktober 1931 sahen Schacht und General von Seekt. den Grafen Kalkreuth und eine ganze Reihe von Vertretern der Schwerindustrie. Sie alle hatten sich zusammengefunden, um die sofortige Abdankung des Reichskanzlers Dr. Briining und der preu ssischen Regierung Braun zu verlangen. Die Bemühungen der Harzburger scheiterten zunächst, Hitler schäumte vor Wut. Er machte sich in einigen ..Offenen Briefen“ an den Reichskanzler Luft. Er kündigte die Massnahmen wieder einmal an, die er selbst zu ergreifen beabsichtige, wenn er erst an die Macht gekommen wäre. Aber die Helfershelfer des Nazismus, die Generale, Junker und Schlotbarone hatten nur ein Lächeln für die Ausfälle Hitlers, so sicher fühlten sie sich ihrer Sache, diesen ungebildeten Agitator zu len keil.“ — Fünf gross-e Wahlschlachten wurden dann bis Ende 1932 geschlagen, die zunächst eine enorme Steigerung der Stimmen für die Unruhe in Tran$j«rdani«n Tel Aviv. — Israelische Beobachter verfolgen die Vorgänge in Transjordanien, wo. nach Sendung des Radio Bei rut. ein Staatsstreich gegen den König Hussein unterdrückt worden ist. In der Altstadt von Jeru salem herrscht grosse Unruhe nach dam Rück •tritt des arabischen Distriktskommissars. Von israelischer Seite würfe, mit Rücksicht auf frühe re ähnliche politische Vorkommnisse in Trans Jordanien, darauf auf merksam gemacht, dass Israel nicht ruhig Zusehen würde, wenn es zu einem Staatsstreich zu gunsten Nassers kommt. Tadel für eine Demokratin Die Landtagsa'bgeor dnete der ..Freien Demokaten“ in Bayern. Frau Hamm-Brücher, die seit langem einen kompromisslosen Kampi gegen die sich immer ungehemmter in der bayrischen Landespartei geltend machenden neonazistischen und antisemitischen Tendenzen führt, ist jetzt von der eigenen Parteispitze desavouiert werden. Diese skandalöse Parteinahme der bayrischen Führungsgremien der F.D.P, für die ..Ultras“ der Partei lieweist, in wie beunruhigendem Masse die Ehemaligen der .unbewältigten Vergangenheit“ in der bayrischen Variante der ..freien Demokraten“ an Boden gewonnen haben. Frau Hamm-Brücher. eine wirkliche Demokratin undleidenschaftliche Gegnerin aller Rassenhetze, hatte kürzlich in der oberbayrischen Wahlkreiskonferenz der F.D.P. die üble antisemitische Haltung gewisser führender Parteifunktionäre mit Schärfe gegeisselt und eine unerbittliche Position gegen diese verhängnisvollen Uebedbleihsel der braunen Diktaturzeit gefordert. Aus Rache dafür hälfe sie die Mehrheit der oberbayrischen F.D.P. bei der Listenaufstellung für die kommenden Landtagswahkm auf einen praktisch hoffnungslosen Platz gesetzt. Der Schlichtungsausschuss der F.D.P. Bayern hat nun in eindeutiger Form zugunsten des neonazistischen Klüngels und gegen die tapfere liberale Abgeordnete Stellung genommen. Er hat in einer Entschliessung das Verhalten der Frau Hamm-Brücher ..scharf missbilligt" (') Auch hier sind wieder einmal nicht die Mörder, sondern die Ermordeten schuldig' Der Bezii ksverband München war sogar noch einen Schrdt weiter gegangen und hatte nicht weniger als den Ausschluss der Frau Hamm Briicher aus der Partei verlangt. Mit dieser grotesken Forderung drang er zwar nicht durch, aber die als ..freie Demokraten“ verkleideten oberbayrischen Neonazis errangen mit dem öffentlichen Tadel dec „Schuldigen“ einen beachtlichen Teilerfolg. , KURT KAISER-BUUETH Ein Koenig besucht Isr Wà sich die beiden zum ersten j Nationalsozialisten brach- FALL GLOBKE Staatssekretär Globke hat gemeinsam mit Kanzler Adenauer einen Beleidigungsprozes gegen den in München lebenden Schriftsteller Rolf Seeliger angestrengt. Globke stellte in Abrede, jemals nazistische Rassengesetze ausgearbeitet noch Hitler den Treueid geleistet zu haben. Das Globke den Schriftsteller Seeliger aufgefordert hat, die aufgestellten Behauptungen zurückzunehmen und sich zu entschulde gen. wofür er dann die Klage zurückzuziehen bereit sei, soll nur nebenbei erwähnt werden, Seeliger wies dieses Ansinnen zurück. Er bemerkte, die ihm zur Verfügung stehenden Beweise, die seine Behauptungen bestätigen werden, können nicht durch Entschuldigungen aus der Welt geschafft werden. — Es wäre interessant zu erfahren, wie Globke als ehemaliger Beamter des Reichs - Aussenministeriums avanzieren konnte, ohne den Treueid auf Hitler zu leisten. Ebenso interessant wäre es zu erfahren, wer denn nun eigentlich die Rassengesetze ausgearbeitet hat. wenn nicht die zuständigen Beamten, zu denen Globke damals gehörte, der wohl nicht bestreiten wird, einen der Kommentare zu dieser Gesetzgebung geschrieben zu haben Mal. Die Berichte, weiche von den Nazis hierüber veröffentlicht wurden, waren auffallend wortkarg. Offen sichtlich hatte Hitler versucht, den alten Herrn durch demagogische Kunststücke zu beeindrucken. In Wirklichkeit hatte er ihn gelangweilt, wie von anderer Seite informiert wurde. Nach einem der Historiker, die sich mit der Geschichte dieser Zeit beschäftigen, soll sich Hindenburg ..brummend geäussert haben. dass Hitler eir. merkwürdiger Mann sei, der niemals einen Reichskanzler, sondern bestenfalls einen Postminister abgeben könne1'. Unmittelbar danach begann die grosse Stunde der deutschen Reaktion. In Harzburg waren die Repräsentanten der verschiedenen Rechtsparteien zusamrnengekommen. Damals hatten sich die Nationalsozialisten dagegen gesträubt, mit diesen Parteien und Interessengruppen in der söge nannten .Harzburger Front“ zusammenzumarschieren. In den eigenen Reihen gab es eine heftige Opposition, die Friek damit zu beschwichtigen bemüht war. dass er darauf hinwies, auch Musso-; lini habe mit einet- Koalition 1 begonnen. Hitler werde ali!e diese Leute, einmal an | der Macht, schnell abschütteln, was dann auch tat-! sächlich eintreten sollte. Damals sassen sie alle.! die Totengräber der Repu-! b!ik an einem Tisch. Hu \ genberg, der Repräsentant I der Deutschnationalen, spielte eine dominierende Rolle.! was ihn zu der Annahme im i Januar 1933 verleitete, er! würde Hitler bald hinausdrängen, die wilden nazisti i sehen Ideen überwinden und 1 einen neuen Kaiserstaat an | die Stelle der Republik setl ihn zen. Auch Seldte und Dü-! sterberg, die Führer des > Stahlhelms, waren erschie! neu. derselbe Düsterberg.! der später wegen seiner jii- ' dischen Abstammung ver- I schwinden muss'e. Unter; den sonstigen Teilnehm -rn j sah man den früheren re publikauiscben Minister Dr j ten. Im ersten Wahlgang 1 zur Reichspräsidentenwahl j erhielt Hitler beinahe eiu i! Drittel aller Stimmen, wäh; I rend Hindenburg nur mit! 0.4 Prozent unter der erfor- , derlicben Stimmenzahl zul! rückblieb, sodass ein weite-! : rer Wahlgang erforderlich wurde. In Berlin wurden da- ,! mais 45 Prozent der Stirn j! men für Hindenburg, 28.7 i Prozent für den kommunisti-! sehen Kandidaten Thälmann : und 23 Prozent für Hitler i abgegeben. j Im zweiten Wahlgang ge-! lang es dann Hitler, weitere 2 Millionen Stimmen zu be- I i kommen, aber die 13 Mi’lio- | j nen für ihn blieben noch i I weit hinter den 19 Millionen für Hindenburg zurück. Dennoch konfe kein Zweifel daran bestehen, dass die für die Nazis abgegebenen Stimmen ein Warnungszeichen waren, das leider von den meisten überhört worden ist. Sie glaubten, dass die braune Flut mit diesen W ahlergebnissen gestoppt worden sei. Inzwischen sammelten sich alle Kräfte, um Brüning zu stürzen. Alle hatten hieibei I ihre Hand im Spiel. Denn j erst der Sturz dieses fähigen i Kanzlers ermöglicht es; sämtlichen Kräften der Re-; aktion, die Lawine ins Rot- | len zu bringen, durch wel-! che allerdings nicht nur die i Reoublik vernichtet werden I sollte. Damals schrieb Goebbels in sein Tagebuch, dass; alles fertig sei um Brüning! zu beseitigen. Wer zunächst , an die Regierung käme, sei | nicht wichtig, die Hauptsache sei, dass es zu Nettwah- ' len komme. Brüning mach- 1 te dem General Schleicher Vorwürfe, dass er durch sei. ne Intrigen den Innen und Reichs wehr minister General Groener zum Rücktritt gezwungen habe: er forderte auf. nun selbst das Reichs wehrminislerium zu übernehmen. Schleicher hatte die Stirn zu erwidern: ..Reichs wehr minist er werd’ ich, aber nicht in Ihrer Re. gierung“. Auch er sollte sei nen Verrat mit seinem Tode durch Hitlers Schergen I»'zahlen. — Die Ernennung von Pa- K.ü.ig Mw.anbutsa von Burundi wurde in Lud vom Staatspräsidenten J. Ben Zwi vom Ministerpräsidenten Ben Gurion und andren hohen Würdenträgern Israels empfangen. peus zum Reichskanzler! war mit Einwilligung Schleij ehers geschehen, der als! der starke Mann galt. Aller : im Volk löste diese Wahl j nur Empörung aus. Man | hatte erwartet, dass es Pa- : pen gelingen werde, das | Zentrum zu einer Rechts , koalitiou zu bewegen. Das! Zentrum, verärgert über die ■ Absetzung Brünings, lehnte , jedoch ab. Die Deutschnaj lionaleu waren enttäuscht, j denn Hugenberg wollte : seihst dieses Amt bekleiden. ■ ““ war auf das nun von Papen berufen war. Nur mit grössten Schwierigkeiten konnte ein Kabinett gebildet werden, in welchem sieben Adli ge sassen. deren Rechtsgesinnuug bekannt war. die aber keinen Einfluss auf die Massen hatten. Von den ..bürgerlichen“ Ministern stand Wirtschaftsminister Professor Warmbolc dem IG-Farben Konzern nahe. Schaffer, der Arbeitsminister. war Direktor bei Krupp und der Justizmini, ster Franz Giirtner war derjenige bayerisch^ Minister gewesen, der Hitler in den zwanziger Jahren immer wieder beharrlich geschiitz! hatte. Giirtner sollte dann auch Hitlers Minister werden und als solcher'all die Reeht.slreugungen mit seinem Namen decken, die Vom nationalsozialistischen Unrechtsstaat begangen worden sind. Die Kanzlerschaft von Papens war von inneren Wir ren erfüllt. Keines der dringenden Probleme konnte gelöst werden. Das Chaos im Lande wuchs. Krawalle und Streiks waren an der Tagesordnung. Die Ziffer der Arbeitslosen, die bereits 5 Millionen überschritten hat te. schwoll an. Am 30. Mai Brüning zuriiekge Ireien. Am 31. Juli fanden wieder Reichstagswahlen statt, nachdem von Papen den Reichstag aufgelöst hatte. Damals erhielten die Nazis 37,,5 Prozent alter Stimmen. während sie im Se[itember 1930, also rund zwei Jahre zuvor, nur 18,3 Prozent Stimmen auf sich vereinigen konnten. Nicht nur die Juden l>eurteiiten diese Wahlerfolge falsch, weil sie die Entwicklung in ihrer bedrohenden Schärfe nicht erkennen wollten. Der britische Botsehaf; Tel Aviv. — Der interimistische Verteidigungsminister Israels, Shinvon Peres, erklärte, dass Israel nicht überrascht wäre, wenn Aegypten eine neue Ko bete abschiessen würde. Wenn Israel auch nicht mit Sicherheit weiss. oh Aegypten die modernsten Mo delle besitzt, so ist es doch bekannt, dass es seit ver schiedenen Jahren auf diesem Gebiet aktiv ist Es sei auch gleichgültig, ab es ägyptische oder ausländische Experten seien, die das Programm zum Bau von Ko beten durchführen. Peres machte ferner darauf aufmerksam, dass sowohl Aegypten, wie Syrien und der Irak in der ietz ten Zeit erhebliche Sendungen der besten Waffensor ien erhalten haben. Aus diesem Grunde ist Israel gezwungen, auch seine Armee mit den moderusfew Flugzeugen und Tanks auszurüsten, um jeden Angriff, besonders voa Seiten Aegyptens, Abwehren zu köti nen.

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