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Jüdische Wochenschau · 1962-12-21 · 1991 (21.12.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1991 (21.12.1962)
Date
1962-12-21
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German, Spanish
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Vietw» ii d* Wtjtmbrf i« 19H2 J «»IS CHE WOCHENSCHAU Abc XXIII. — Nc. 1991 — 9 Thöodor Herzl PUEYRREDON 21901. St. * * * T.E. 83-2613 Kürzlich hat der Sicherheitsrat dem Ansuchen von Uganda um Aufnahme in die UN Raum gegeben. Dieser jüngste Negerstaat war seit 1872 englische Kolonie, die offiziell „Britisches Frotek loiat“ hiess. Die Zahl der Eingeborenen beläuft sich auf etwa 7 Millionen, wählend der Umfang 243.000 Quadratkilometer — das Zehnfach des Staates Israel — beträgt. Heute können sich w'ohl nur wenige erinnern, dass vor ungefähr sechs Jahrzehnten die zionistische Organisation sich ernstlich mit dem Plan befasste, Uganda zu kolonisieren. Dieses Vorhaben bildete einen Stein des Anstosses innerhalb der zionistischen Bewegung, der die Gemüter derart erregte, dass es fast zu einer Spal inng kam. Zu Beginn des Jahrhunderts, etwa vier bis fünf Jahre nach dem ersten Zionistenkongress stand die zionistische Leitung vor fast unüberwindlichen Schwierigkeiten. Herzl musste sich eingestehen, dass es nicht möglich sein werde, mit dem Sultan Abdul Hamid, diesem typisch orientali sehen Gewaltherrschaft in absehbarer Zeit zu einem Abkommen zu gelangen. Andererseits verschlimmerte sich die Lage der osteuropäischen Juden immer mehr und es galt doch, vor allem diesen zu helfen. Man hatte das Gefühl, dass sich die Bewegung in einer Sackgasse befinde. Da tauchte in Einst ein Judenstaats-Pro jekt der Leitung der Plan auf. dem Kongress eine provisorische Lösung vorzuschlagen. Die Vorstellung war, am Endziel Palästina festzuhalten, aber bis zu dessen Erreichung in der Zwischenzeit ein anderes Gebiet autonom zu kolonisieren. Zunächst dachte man an Zypern, ging aber davon ab. da im Laufe des 19. Jahrhunderts verschiedene Versuche. dort Juden anzusiedeln. fehlschlugen. Nachher wurde El Arisch, in der nordöstlichen Ecke der Sinai-Halbinsel. an der paläj stinensischen Grenze in Betracht gezogen, und Theodor Herzl gelang es, den Kolonialminister Joseph Cham* beriain für den Plan zu gewinnen, dem auch der ägyptische Generalgouverneur Lord Cromer zustimmte. Man entsandte eine Studienkommission, die günstig berichtete, dann lehnte plötzlich die ägyptische Regierung unter einem Vorwand ihre Zustimmung ab. Dies geschah im Frühjahr 1003, als die Nachricht über die Kisehinewer Pogrome die ganze jüdische Welt er sehütterte. Theodor Herzl befand sich damals zwecks Verhandlungen mit der englischen Regierung in London, und da bof ihm Chamberlain ein j anderes Gebiet, an, das sich | seiner Meinung nach für ei- / ne jüdische Masseneinwan von Dr. YOMTOV LiDWYG DATO derung sehr gut eignete. Gemeint war ein Landstrich in Uganda, zu dessen Auswahl die Jüdische Kolonialbank und die englische Regierung eine Kommission entsenden sollten. Beabsichtigt war sodann: „die Gewährung eines ansehnlichen Stück Landes, die Ernennung eines jüdischen Beamten zum Oberhaupt der örtlicnen Verwaltung. Munizipaige setzgebung und Ordnung der religiösen und ausschliesslich inneren Angelegenheiten. Die Oberaufsicht müsse j natürlich die britische Regierung behalten.“ Wie immer sich die Zionisten dazu stellten, allen war eines klar: Herzl hatte es in knappen sechs Jahren zustande gebracht, dass eine der mächtigsten Regierungen der Welt mit dem jüdischen Volk, das als politischer Begriff bis zu Herzl gar nicht existiert hatte, als Vertragspartner verhandelte und der Zionistischen Organisation die Fähigkeit zutraute, ein Land in grossem Stil zu kolonisieren und au fonom zu verwalten. Der sechste Zionistenkongress, der über das Angebot der englischen Regierung zu entscheiden hatte, wurde für den 23. August 1903 nach Basel einberufen. Herzl hielt die Sache vorläu¬ Altersheime in Israel Israel trägt mit seinem Heer alter und körperlich behinderter Leute, verwahr loster und rückständiger Kinder, kränklicher und not leidender Einwanderer, die während der letzten zwanzig Jahre ins Land strömten, eine schwere soziale Verantwortung auf seinen Schultern. Doch trotz all seiner sozialen Probleme ist dir Kindersterblichkeit in stetem Pallen, während die Lebenserwartung ständig »nsteigt, 'Die Ziffern stehen gegenwärtig auf 73,5 für Frauen und 70,7 für Männer, verglichen mit 72,7 für Flauen und 66,6 für Männer in den Vereinigten Staaten). Demnach beginnt das Problem der Versorgung alter, gesunder und für leichte Arbeit noch geeigneten Menschen die offiziellen Stellen in steigendem Masse zu beschäftigen. Unmittelbar nach der Siaatsgründung schuf die Ankunft bejahrter Ueberlebender aus den Konzentra. tionslagern. alleinstehender Menschen, deren Familien in Europa umgekommen waren. und später der Flüchtlinge aus den orientalischen Ländern viele dringende Fragen, für die eine schnelle Lösung gefunden werden musste, wenn das giösste Elend vermieden werden sollte. Es mussten Heime errichtet werden, nicht die üblichen Altersheime im orientalischen Stil, sondern saubere und gut ge führte Institutionen. Damals gründete Malben zusammen mit dem American Joint Distribution Commit tee derartige Anstalten, deren Zahl mittlerweile auf 17 angewachset isi. Hier werden alte Leute auf genommen, die ohne Mittel dastehen oder von ihren Angehörigen keine Zuwendung erhalten. Frauen im Alter von 60 Jahren und darüber, und Männer im Alter von 65 und darüber können Aufnahme finden. Im Laufe der Jahre sind Zehntausende von alten Leuten durch die Malben-Heime gegangen. Eine besonders glückliche Lösung in der Frage der Altersversorgung stellt die Gründung von vier Dörfern dar, die von den Bewohnern selbst verwaltet werden, natürlich mit Hille von Pflege- und administrativem Personal und Instruk teuren. Hier führen sie ein Sohr glückliches Leben: die Dörfer besitzen ein Post amt, eine Bibliothek, Werkstätten und Gemeinschaftsküchen. Hier soll auch die Tätigkeit der lOME erwähnt werden. Diese Organisation kümmert sich um die Ein Wanderer aus den Ländern Mitteleuropas und besitzt eine besondere Abteilung für die Altersversorgung. In diesen „Elternheimen“, wie sie genannt werden, leben die bejahrten Menschen in angenehmer Umgebung und haben Klubräume, Bibliotheken und Werkstätten zu ihrer Verfügung, wo sie ihre geistigen und künstlerischen Fähigkeiten pflegen können. Eine andere Form der IOME Institution stellen die sogen. Wohnheime dar, in denen ältere Leute mit be scheidenen Mitteln Aufnahme finden. Sie können hier selbständig wirtschaften und ihre Unabhängigkeit, solange sie sich kräftig fühlen wahren. Dabei sind sie nicht einsam und der Unsicherheit und Sorge für eine Mietswohnung überlassen; eine Haushälterin ist leicht er reichbar für eventuelle Hil fe und Pflege bei Krankheiten. Der Andrang zu dieser Art von Institutionen ist gross und in stetem Wachsen. Das israelische Arbeitsministerium hat kürzlich zusammen mit Malben und der Histadrut einen Plan zum Bau von tausend Wohnungen für alte Leute in 12 Orten des Landes ausgear beitet, wobei individuelle Lebensweise mit der Anwesenheit eines Verwalters in jedem Gebäude kombiniert werden soll, der bei schwerer Arbeit und anderen Diensten behilflich ist In den vergangenen Jahren kamen zahlreiche Anfragen wegen Aufnahme in diesen Heimen von älteren Leuten im Ausland, deren Familien in Israel leben und die ein bescheidenes Ein kommen besitzen, das sie in Israel verbrauchen moch. ten. Zum Schluss sei ein neues Projekt für bequemen Ruhestand, der sogenannte „Neve Awiw“ - Club, erwähnt, der von der Gesell Schaft RASSCO lanciert wird. Er ist eine Kombination von Hotel, Klub und Heim und soll in Kfar Schmarjahu in der Saron Ebene gegründet werden. Hier erhalten ältere Leute bequeme Kleinwohnungen bei voller Verpflegung, ärztlicher Aufsicht und andere Vergünstigungen und nehmen an gemeinsamen kulturellen Veranstaltungen |; teil. 1 „ , HANNAH PETOR 1 fig geheim, da der offizielle Brief des britischen Kolonialamtes erst zwei Wochen vor dem Kongress abgeschickt worden war. Das englische Angebot wirkte wie eine Bombe auf den Kongress. Herzl erstattete einen ausführlichen Be rieht über den grossen diplomatischen Erfolg und legte die Frage der ostafri kanischen Kolonisation zur Entscheidung vor. Gleichzeitig betonte er aber, dass das jüdische Volk keine an deres Endziel als Palästina haben könne. Das ostafrikanische Projekt brachte die Gemüter in ungeheure Erregung. Die leidenschaftliche Debatte auf dem Kongress drente sich um die Frage, ob in Anbetracht der furchtbaren Not der jüdischen Massen, die sie veranlasste, in Amerika eine neue Heimat zu suchen. und der der Kolonisation in Palästina entgegenslehenden grossen Schwierigkeiten das „Naehtsyl“ — so nannte Nordau Uganda — in Erwägung gezogen werden dürfe oder aber von vorneherein abzulehnen sei. Die russischen Delegier ten waren vom Angebot derart niedergeschmettert, dass sie vor der Abstimmung unter Führung von Dr. Tschlenow den Saal verliessen, wepei viele das Schluchzen nicht unterdrücken konnten. Unter grossen Aufregungen begann nun die Abstimmung über den Antrag der Leitung, die Organisation möge das Angebot der englischen Regierung in Erwägung ziehen und eine aus Fachleu' ten bestehende Kommission nach Uganda entsenden. Von den 600 Delegierten stimmten 298 mit Ja und 178 mit Nein. Die russischen Delegierten enthielten sich der Stimme. Unter den Gegnern gab es auch solche, die keine emotionellen Gründe ins Treffen führten und sachlich darauf hinwiesen, dass die Vorbereitung der Kolonisation in Uganda sehr viel Zeit in Anspruch nehmen würde, so dass von einer Himenkung des Auswandererstromes keine Rede sein könne, ferner dass die zionistischen Mittel (Bank und KKL) nicht für Ostafrika verausgabt werden dürften, dass die Siedlungsarbeit alle Kräfte der Zionisten in Ansprach nehmen würde und das Endziel dann ausser Sicht kommen müsste. In seinem Schlusswort betonte Herzl nochmals, dass „in keiner Sekunde und mit keinem Gedanken das Basler Programm verlassen worden ist“ und gelobte feierlich mit den Worten des Psalmisten: „Wenn ich dein vergesse. Jerusalem, verdorre meine Rechte“. Damit hat der 6. Zionisten kongress seine Arbeiten beendet, die Gemüter waren aber noch nicht beruhigt. Nach zwei Monaten traten die russischen Mitglieder des Aktions-Comitös unter Leitung von Ussischkin in Charkow 2u einer Beratung zusammen, die beschloss, von Herzl in ultimativer Form zu verlangen, iass der Uganda Plan fallen gelassen werde. Herzl war durch das Vorgehen der russischen Zioni sten zutiefst verwundet. Er war zu jener Zeit schon schwer krank und seine nervöse Reizbarkeit sehr gesteigert. Im April 1904 trat in Wien das Aktions-Comite der Zionistischen Organisation zu sammen. Auf dieser Tagung gab Theodor Herzl nach endlos scheinenden Debatten eine Erklärung ab, die diesmal wirklich beruhigend wirkte. Drei Monate später, am 3. Juli, hauchte er seine edle Seele aus. Mit ihm fand auch der vielumstrittene Uganda-Plan sein jähes I Ende. i Inzwischen wurde eine! Dreierkommission vom Ak | tions-Comite nach Uganda entsandt. Die Meinungen! der Mitglieder gingen ausj einander, aber selbst nach | dem Gutachten des optimii stischen englischen Kolorial-! experten Gibbons hätte man j auf dem angebotenen Gebiet höchstens 20.000 Ackerbau- I ern ansiedeln können, während die anderen zwei Mitglieder. der Afrikaner Kaiser und Ing. Wilbuschewitz, das Territorium für sehr ungeeignet hielten. Damit fiel das Projekt, und der 7. Kon gress, der im Juli 1905 zusammentrat. beschloss, sich mit dem englischen Angebot nicht mehr weder zu befassen. ★ Jetzt, da Uganda als Mitgliedsstaat in die UN angenommen wurde, wird vielleicht so mancher die Fra" ge aufwerfen, was wäre wohl geworden, wenn der 7. Kongress beschlossen hätte, eine jüdische Massensiedlung in Uganda ins Werk zu setzen. Da es sich hierbei um eine rein theoretische Frage handelt lässt sieh keine ganze Antwort geben. Es ist aber wahrscheinlich, dass es zwischen den als Europäern geltenden jüdischen Siedlern und den Eingebore* nen sehr bald zu Reibungen oder gar Kämpfen gekrmmen wäre. In den letzten Jahren hätte sich die Lage vielleicht so verschärft, dass die jüdischen Kolonisten — ähnlich wie dies den französischen Siedlern in Algerien widerfuhr — gezwungen gewesen wären, das Land zu verlassen und alles aufzugehen, was sie in jahrzehntelanger schwerer Arbejf schufen. Der Ablauf der Geschichte. der Kampf der zionisti’ sehen Bewegung um Erez Israel und schliesslich die Errichtung des Staates Israel bilden einen schlagenden Beweis dafür, dass der Beschluss des 7. Kongresses, den Plan der ostafrikanischen Massensiedlung fallen zu lassen, richtig war. NACHRICHTEN AUS ISRAEL Hotclpreise für das Jahr 1963 In der Hochsaison zwischen dem 1. März und 31. Mai 1963 werden die Hotelpreise in Israel um ca. 15 Prozent erhöht. Die Preise für die Zeit vom 1. Juni bis 31. Oktober 1963 und für die ] Wintersaison (1. November , 1983 bis 28. Februar 19641 l bleiben jedoch wie im Jahre 1962 unverändert. I Israel-Pavillon in Lagos Jerusalem. — Israels Pa- ' vilon auf der Internationa! len Messe in Lagos, der j Hauptstadt Nigerias, wurde I durch Gouverneur Dr. 4zi" kiw'e und Ministerpräsident Sir Baiewa eröffnet. Auf 900 Qudaratmetern steilen über hundert Exporteure u. a. landwirtschaftliche Maschinen, Stahl. Autoreifen, Zement, Farben und pharmazeutische Produkte aus. Ei ne besondere Attraktion bildet das Model] einer Hühnerfarm mit Eintagsküken, j < AWZ) : Millionster Passagier! del EL AL | Tel Aviv. — Ein 38jährii ger Student der Jerusalemer Jesehiwa, Abraham Eisenbuch, wurde unlängst als millionster Passagier der EL AL von der israeliscnen Luftfahrtgesellschaft mit einer in Silber gebundenen Bibel beschenkt. Eisenoaeh flog mit seinem an Kinderlähmung erkrankten 14jäh rigen Sohn von Tel Aviv nach New York. (ITA) Israelische Verkaufswoche Toronto. — ln Winn peg ine mittleren Kanada fand vor kurzem eine israelische Verkaufswoche statt, die durch den israelischen Wirtschaftsdelegierten in den USA, Arie Manor, eröffnet wurde. Ueber 400 Gäste waren bei der Eröffnung anwesend. Der Höhepunkt der Zeremonie w'ar eine Modenschau der israelischen Ge Seilschaft „Maskit“. Rund" funk und Fernsehen sowie die kanadische Presse berichteten ausführlich iiber die Verkaufswoche. (AWZ) Israels Entwlcklungsslsedte im Lande gibt es 24 Entwicklungsstädte und zwar: Elat, Ofakim. Aschkexn, Aschdot Jam, Or Akiba <Cäsarea), Bet Sehmesch (Har Tuw). Beer Schewa Dimona, Bet Schean. Chazor. Tiberias, Jawne. Jerueham. Migdal Haemek. Oberstadt Nazareth. Netijot, Maaiot, Afule, Safed, Kiriat Gat. Kiriat Malachi. K'riat Schmone. Sehderot, Schlo mi, Di« Gesamtbewohnerzahl dieser Entwicklungsstädte beträgt 206.403. Zwei Frachter bestellt Tel Aviv. — Die israelische Schiffahrtsgesellscnaft ZIM in Haifa hat bei der italienischen Werft Can-'eri Navali Navalmeccanica Ca~ stellamare di Stabia zwei Massengutfrachter zu je rund 33.500 Tonnen Tragfähigkeit bestellt, di« eise Geschwindigkeit von etwa 15 Knoten haben sollen. Die Schiffe sollen Anfang 1964 geliefert werden. Die gleiche Reederei nat kürzlich bei niederländischen Werften zwei Fraehtmotorsehiffe von rund 3.300 Tonnen Tragf äh'gkrit bestellt. die ebenfalls im Jahre 1964 oeliefert werden so!. len. (AWZ)

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