Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1991 (21.12.1962)
- Date
- 1962-12-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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PUEYRREDO.N 2199 — Ia izq. Lu JfewtfMt&DkáúJ&UíCL Aim XXm. RUENOS AIRES, VIERNES 21 DE í> ICI F. ¡VIBRE DE 1SS2 Ni». 1WM Bekenntnis and Glauben I. Eia moderner jüdischer Gelehrter sagte, „der Ciialakter eines Volkes oitenhart sich in der Art. wie es seine Feste feiert, insbesondere wie es eine Siegesfeier begeht. Ln diesem Sinn ist Chanukka .. ein ganz spezi fisehes jüdisches Fest. Es ist das Denkmal tür den Triumph eines friedlienen Bauernvolkes, das Jahrhunderte lang ungestört seine Scholle bebaut und sich des Gebrauchs der Waffen entwöhnt hatte, gegen einen kriegsgeübten, an Zahl vielfach überlegenen Feind ‘ Auch das offizielle jüdische Schrifttum berichtet nichts von den Schlachten und Siegen, es nennt noch nicht einmal den Namen des heldenhaften Führers ln diesem Kampfe. Nichts erinnert in einem jüdischen Hause oder in der Synagoge an jene Siege als ..ein Lichtchen, das sich acht Tage täglich um eines vermehrt, und eine stille Feier im Frieden des Hauses.“ — Feiern wir doch im Cha nukkafest nicht die Siege der Makkabäer, sondern die Wiederaufnahme des Tempeldienstes, das Anzünüen der Menora. Dieses Chat ukka-L'icht symbolisiert nur die Bedeutung des Sieges und weist uns auf das Mittel, mit dem er errungen wurde, und auf das Geheim j nis hin, das den Sieg umg-bt und in dem Wort des Propheten seinen Ausdruck findet: „Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr der Heerscharen.“ II. Ohne Zweifel sind alle Erscheinungsformen unseres Lebens gewissen Wandlungs- Prozessen unterworfen. Auch die Betonung der Grundelemente des Chanukka-Festes hat eine Aenderung erfahren. die allerdings den Charakter dieser Erinnerungstage nicht berührt hat. Das Wunder des Chanukka, der Triumph des Judentums über den Versuch, den Juden einen anderen Glauben, andere Lebensformen oder eine andere, fremde Kudur aufzuzwingen, erstrahlt in dem kleinen Licht, erstrahlt i« den Kerzen der Menora mit ungebrochener KraP. Auch unsere Zeit stand y«n JEHUOA GOTTHEMER vor der Gefahr der Aufgabe jüdischen Denkens "iid Glaubens, der Verwässerung unserer Ideenwelt, oes Untergehens in andeen, fremden Kulturen. Wiederum war es die Besinnung auf die eigenen Werte, auf die eigene Kraft, auf die alle Zeiten überdauernden Grundlagen unseres Juden tums. wiederum war es die Rückkehr zu den Fundamenten unseres Glaubens, durch welche das neue Chanukka - Wunder geschehen ist, indem das alte sieh wiej derholte. j Als durch die Preisgabe! eines wesentlichen Bestand- . feiles unserer Tradition po-1 litische Rechte erkämpft; wurden, waren es die beiden Künder einer neuen Zeit, waren es Dr. Leon Pinsker und Dr. Theodor Herzl. die beinahe gleichzeitig, aber unabhängig voneinander in ihren Aufrufen zur Umkehr von einem gefährlichen Weg den Geist erstehen liessen. der einst die Makkabäer oeseelt hat. Sowohl in Plnskers „Autoemanzipation“ wie in Herzls „Der Juden Staat“ wird das Beispiel der ] heldenhaften Makkabäer i zum Beweis dafür waehge- ¡ rufen, in welcher Form, mit j welchen Gedanken mit wel- ] eher Hingabe und bedin* ¡ gungslosen Treue einst Ju '! den für ihre wahre, für ihre geistige Freiheit gerungen 1 gen haben.! Pinsker beklagt die Rolfe.! die von den Juden des uus- I gehenden 19. Jahrhunderts! gespielt worden ist. Er ruft 1 aus: „Welche klägliche Figur machen wir doch! Wir zählen nicht als Nation in der Reihe der anderen Nationen und haben keine Stimme im Rate der Völker, auch nicht in Dingen, die uns selbst angehen. Wel che verächtliche Rolle für ein Volk, das einst seine Makkabäer hatte!“ Herzl gibt bereits eine positivere Antwort in seiner grandiosen politischen Vision, in welcher er zur Selbstbesinnung und Scnaffung eines jüdischen Staates aufruft, um endlich aas Elend und die Demütigungen zu überwinden, denen die Juden seit Jahrhunder ten unterworfen waren. Unbestechlich und unbeirrbar in seinem Urteil gewinnen seine Worte die K‘ aft der prophetischen Sprache: „Darum glaube ich, dass ein Geschlecht wunderbarer Juden aus der E -de wachsen wird. Die Maskabäer werden wieder auferstehen.“ — Uns bleibt heute nur die beglückende Feststellung, die wir mit Stolz sagen dür-! fen: Sie sind auferstannen.! Herzls Vision hat sich er- I füllt. Der jüdische Staat ist Wirklichkeit geworden. I I In der Festesfreude des Chanukka wurde in den Zeij ten der Angleichung an die j Kulturen der Umwelt, vor; allem in Mittel- und West- 1 i europa. der klare nationale; j Charakter des Chanukka!; meist übergangen, weil die;! Juden von dem Bestreuen beseelt waren .ihre nationale Besonderheit zu verwesj sen oder vergessen zu machen, und nur als eine G auj bens oder Religionsgenvnni Schaft gelten woliten. ‘.Vir 1 werden in keine Polemik 1 1 über Tendenzen einer unterj 1 gegangenen Epoche eintre-! ten. Gegen diese Zeitslrö- 1; mungen heute anzugehen,! 1 ist nicht erforderlich. Wir ) i können uns hierfür gej ■ trost auf die Zeugnisse gro- , : sser jüdischer Denker und , I Schriftsteller, auf die Reden! der jüdischen Politiker, vor j 1 allem auf die Wegbereiter j! eines wiedererstehend in Volj i kes, auf Herzh Nord au. |; Weizmann, Jabotinskv, Kurt i j Biumenfeld und viele andej 1 re beziehen. | | > i Bitter war die politische I Freiheit im westlichen Eu-! ropa erkämpft worden. Es j war ein aufreibendes, mit* I unter entwürdigendes Ringen um die Rechte als Bürger und als Menschen. Viei lc. die im Herzen Juden j blieben, verliessen ihre Gemeinschaft, weil sie sich Jas ‘ Entreebillet in die europäische Kultur erkaufen wall- [ ten. Sehr viele vollzogen i’en : Schritt der Taufe und wur-; den nur noch gelegent’ich von rücksichtslosen AnUse j naiten an ihre Herkunft erinj nert. Die dem Judentum; treu blieben, versuchten durch Aufgabe wesentlicher : Bestandteile ihrer „Jiidischkeit“ sich den neuen, harten, unfreundlichen Berlin-! gungen anzupassen, indem sie keinesfalls nur den na-! tionalen Charakter des jüdi- : sehen Volkes leugneten und; an seine Stelle eine ganz j eigenartige neue Ideologie j setzten, indem sie vielmehr auch das jüdische Gesetz oder wichtige Teile dieses j Rechts- und Glaubenskodex 1 aufgaben. Es wurde nicht mir der jüdische ..Ritus“ j korrigiert oder moderni-1 Neutrale tagen in Kolombo Scharfe Protest« in den UN UN. — Neuseeland „identifizierte sich" entschieden mit der kurz vorher von Dänemark vertretenen Position und verurteilte sehr energisch die von den arabi sehen Delegierten gegen Israel geführten antisemitischen Angriffe, Der neuseeländische Delegierte, der vor der Politischen Kommission zur Fjüchtlingsfrage Stellung nahm, erklärte am Anfang seiner Rede, seine Regierung „identifiziere sich völlig mit den Ausführungen des däni sehen Delegierten ü beiden Nazismus“. Er fügte hinzu, als Land, das „viele - Opfer der Naziverfolgungen" aufgenommen habb. wisse Neuseeland, was der Nazismus ist. < ITA » Die neutralistischen Mach- : te, oder besser gesagt, die- : jenigen, die sich selbst so , bezeichnen, ohne es allerj dings zu sein, haben in Koi lombo getagt, um den in- ] disch-chinesischen Frieden 1 herzustellen. Sie beriefen : die Konferenz allerdings! erst in dem Augenblick, als die Chinesen sich diesmal j noch freiwillig und auf ei-! nen leichten russisenen j Druck hin zum Rückzug aus! dem von ihnen eroberten ln-; disehen Gebiet entschlossen! hatten. Wie die ganz Gro* j ssen, so haben auch die \ Neutralen ihre strengen dij plomatischen Regeln. Da die | Landespräsidenten nicht er-! scheinen konnten. wurde diese Tagung von den M:ni \ sterpräsidenten oder Au-! ssenministern beschickt.! Für das Resultat dieser Be-! sprechungen war in der all- | gemeinen Oeffentlielikeit wenig Interesse vorhanden, ' zumal die wirklichen Ent* | Scheidungen nicht auf dieser! Konferenz getroffen worden; sind. | Dass sich einige asiatij sehe Länder wie Ceylon,! Burma oder auch Indonej sien für die Entwicklungen der Beziehungen zwischen i anderen asiatischem Länj dern interessieren, in die-; sem Fall Indien und Ch'na. j ist bei der dominierenden ‘ Bedeutung dieses Problems | durchaus verständlich. Ihre Intervention oder ihre Be I m Übungen zur Friedensschlichtung sind angebracht. I auch wenn sie — wie in nie. sem konkreten Fall — nur j einen demonstrativen oder! dekorativen Charakter haj ben. Was dagegen Ghana und Aegypten auf dieser! Konferenz zu suchen hatten, 1 von li. U. SAMUEL ist nur aus der spezifischen Situation dieser beiden Länder zu erklären. Nekrü ma wie Nasser sind gewiss zwei begabte, wenn auch nicht immer erfolgreiche Po'iti ker, die an die Stelle wirklicher Leistungen eine effektvolle Grosspropaganda zu setzen verstehen. Man kann sich auf den Standpunkt stellen, jeder Versuch zur Schlichtung oder Beilegung eines Konflikts ist zu begrüssen. Denn über alle Formalitäten hin weg muss man den Frieden selbst setzen. Aber im Prinzip. sollte man doch daran festhalten, dass im internationalen Leben klare Normen bestehen, die alle Vertragspartner einhalten miissen, wobei das Gewicht auf das Wort Vertragspartner gerade deshalb gelegt wird, weil Rotchina, das Land mit der grössten Bevölkerunesziffer der Erde, nicht Mitglied der Vereinten Nationen ist. Rotchina ist an die Regeln der UN nicht gebunden. wohl aber die Konferenzstaaten von Kolombo, die nur dann ein wirkliches Recht zur Intervention haben würden, wenn sie einen entsprechenden Auftrag von den UN erhalten hatten. Die IColombo-Tagung hat ihren Akteuren nicht den erhofften Wertzuwachs gebracht. Nasser ist es nicht gelungen, durch dieses neueste Manöver die Aufmerksamkeit von den gewaltigen Schwierigkeiten innerhalb der arabischen Welt aozulenken. Nachdem es dem ägyptischen Diktator nach vielen Jahren vorbereitender Wühlarbeiten gelungen ist, die yernenitische Königsfamilie zu stürzen und das Land in einen Bürgerkrieg zu treiben, lauert er auf die kommenden Ereignisse, denn der Mittlere Osten befindet sieh wieder einmal in Aufruhr. Die Lage im Yemen bleibt ungeklärt. Beide Parteien haben noch Hoffnungen, als Sieger aus diesem blutigen Gemetzel hervorzugehen. Unterdessen meldete das Radio Mekka (Saudi Arabien), dass 101 Offiziere und Soldaten der Vereinigten Arabischen Republik (lies Aegypten) sowie 40 yenv. nitische Rebelen von Angehörigen yemenitischer Tribus. die köiiigstreu sind, nieder gemacht worden seien. Der Kommandant dieser Trappen abteilung, ein ägyptisoner Offizier, habe auch den 'lod gefunden. Auch an andeien Fronten haben die königstreuen Kräfte Erfolge gemeldet. Wie das yemeniti sehe Radio mitteiit, werden weitere ägyptische Truppen eingesetzt. In seiner Not hat sich der Ministerpräsident der königstreuen Regierung icle graphisch an Kennedy gewandt. er solle das weitere Eindringen ägyptischer Truppen und die Einmischung Nassers in den yemenitischen Konflikt v?r hindern. Natürlich solle Kennedy nicht auch noch Truppen in den Yemen schicken. Nein, seine guten Dienste möge er auf wenden, um die Aegypter zur Raison zu bringen. Die yemenitische Front ist für Nasser wichtig, da er dort trotz der yemenitisehen Aiarmmeldungen noch die leichtesten Erfolge erzielen kann. Schwieriger ist die Lage gegenüber seinen näheren Nachbarn. Saudi Ara bien und Transjordanien begünstigen einseitig und bisher ohne Vorbehalt die königstreue Partei im Yemen. Die drei morgenländischen Könige stehen in einer einheitlichen Abwehrfront gegen Nasser. Dass auf diezer Front grosse Ereignisse für den Augenblick zu erwarten sind, wird nicht angenimmen. Niemals ist in der Politik der Faktor „Uebeira schung“ ganz auszuschlie. ssen. Dagegen spitzen sich die Verhältnisse an der syrisch-israelischen Front zu. Abgesehen davon, dass je der kriegerische Konflikt Leid über ein Land und seine Familien bringt die normale Entwicklung stört ind grosse Mittel erfordert, die sonst friedlichen Aufgaben zugeführt werden könnten, wäre ein solcher Zusammenstoss für Israels L ige durchaus nicht zweckmässig. Denn hierdurch würden die Differenzen im arabischen Lager verschwinden oder verringert werden, woran Israel nach den Ge setzen der Logik, die in diesem Fall mit denen der Politik zusammenfallen, nicht interessiert sein kann. Die arabischen Länder wissen, dass Ben Gurion Keine leeren Drohungen ausstüsst. Wenn Ben Guiion warnt, liegt auch ein ernster Grund hierfür vor. Der UN-Schlichter, der bisher keine sehr glückliche Hand gezeigt hat, obwohl er zweifellos auch dazu beitrüg, einen schweren Konflikt zu vermeiden, hat mit den be siert, sondern auch Glaubenssätze wurden geändert, aus Gebeien gestrichen und preisgegeben. Hier ist ein Hinweis auf die Makkabäer Zeit angebracht, in weicher die Juden selbstverständlich nationale Juden und nichts anderes als dies waren, mit Rücksicht auf Zeitströmungen jedoch ihren Glauben „.reformierten“, indem sie hellenistisches Gedankengut — in einer nach unseren heutigen Vorstellungen un möglichen Form — mit heidnischen Ideen und R ten mischten. Es ist in!eressant zu beobachten, dass diejenigen. die heule die nationale Seite des Chanukkafestes bewusst in den Hintergrund treten lassen, um den religiösen Aspekt umso schär fer hervorzuheben, zugleich auch diejenigen sind, die au immer neue Reformen denken, um auf diesem W^ge (Schluss auf Seite 2> teiligfen Mächten verhaudelt. Dies aber kann selbst dann nicht als ausreichend .bezeichnet werden, wenu grössere als die erziehen Erfolge hätten erreicht wer den können. Denn die Ze;ten sind gekommen, wo es nicht nur auf das Schlichten alter und schwerer Kontlikte, sondern auf die Herstellung des Friedens ankommt. Warum bemüht sich die UN also nicht um den Frieden, den viele Nationen wollen? Nach Kolombo schickt Nasser seinen Minister, um Erfolge auf der Tribüne der Zeitgeschichte und den Bei fall der zuschauenden Weltöffentlichkeit zu erheischen. Dort in Kolombo werden Friedenfanfaren arge stimmt, aber Nasser weiss selbst, dass er auf die wirkliche Entwicklung keinen Einfluss hat. Dort aber, wo sein Wort mitentscheijen wii rde. verhindert er j'den Versuch einer Verständigung. Wie lange wird die Welt einen Schauspieler dulden. der sich in solche Widersprüche verfängt. Kennedy, von den kön.gs treuen Yemeniten um seine freundliche Intervention gebeten, sollte alle d-ese Herrschaften an die UN verweisen und von allen arabischen Ländern, Parteien. Regierungen und Gege u-e. gierungen verlangen, dass sie Ordnung. Ruhe und Frieden im Mittleren Osten nerstellen, und dass der Frie densvertrag mit Israel endlich unterzeichnet wird. Im übrigen sollen die Amerikaner Waffenlieferungen an arabische Länder einstehen, die nur zur Friedensstörung und zum Bürgerkrieg benutzt werden, und den kriegerischen Sinn der Wüst.u. söhne stärken. Jedenfalls wird im Augenblick reichlich viel mit dem Feuer gespielt, das zu entzünden leichter ist als zu löschen.