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Jüdische Wochenschau · 1962-11-09 · 1985 (9.11.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1985 (9.11.1962)
Date
1962-11-09
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German, Spanish
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2 — Viente«. 9 de Noviembre de 1M2 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Alte Probleme neu aufgelegt Aft< XXIII. _ No. 1985 P (Schluss von Seite J) mas Mann immer noch der Landesverräter, während der Dichter in der freien Welt als der Träger des ,,wahren deutschen Geistes“, Symbol des Anderen Deutschlands gefeiert und verehrt wird. Im Bayern des bundesrepublikanischen Deutschlands aber rührt sich nichts, wenn ein ehemaliger NS-Schreiber den würdigsten Repräsen tanten des deutschen Widerstandes selbst post festum noch angreift. <' Wenn man heute liest, wie man zur Nazizeit Emigranten verspottete, fühlt man einen Ekel aufsteigen. Maiej stellte befriedigt fest, dass Thomas Mann nun endlich doch in einem Konzentrationslager gelandet sei wenn auch in keinem deutschen. Ihm genügte nicht, dass man die Bücher von Thomas Mann verbrannte und ver bannte, er wollte ihn auch physisch vernichten. Trotzdem gibt er heute den .,Ver triebenen-Anzeiger“ heraus. Mindestens ebenso bedenk lieh wie die Tätigkeit des Herrn Maier an sich schon ist, dürfte die Stellungnahme des Bundesvertriebenen-Ministeriums sein, das bekanntlich lange Jahre unter der Leitung des umstrittenen Professors Oberländer stand. Herr Maier, so heisst es dort, ist ein seriöser Journa list mit zuverlässiger demokratischer Gesinnung. Sehen so wirklich die Demokraten aus? Demokrat Maier darf aufgrund seiner zuverlässigen Gesinnung unbeschränkt ge- FREY ABOGADO PUEÏRREDON 219« 1* iiq. nachm. 18—19 Uhr T. E. 83-2613 REAL PEN; Füllhalter * REPARATUREN l Spezialgeschäft * CORRIENTES 569 Î T. E. 49-5850 j Jaime Liebling S. A. SPERRHOELZER HOELZEHj DIAZ VELEZ 5224 1 Tel.: 89-9349. 33-9305 f ..? PROPIEDADES Í? FRANKENBERG berät Sie kostenlos und } | unverbindlich beim Kauf j oder Verkauf von «J 1GESCHAEFTEN 1' WOHNUNGEN < HAEUSERN} Manuela Pedraza 2330 ¿ pl. b. Dp. B } T. E. 70-7244 gen Thomas Mann wettern, dessen „Auffassungen im Hinblick auf sein deutsches Vaterland“ noch heute kritisiert werden. Das Ministerium für die Vertriebenen ist offensichtlich bereit, sein Votum dem Demokraten Maier zu schenken gegen den Genius des Dichters und Weltbürgers Thomas Mann. Das ist ebenso erstaunlich wie bedenklich im Jahre 1962. III. Die Kriegsschuld Den Hintergund dieser empörenden Polemik bildet die Frage der Kriegsschuld. Die Zeiten sind vorbei, wc die Weltmeinung eine eindeutige Antwort auf diese Frage gegeben hat. Heute ist man bereits damit einverstanden, hierüber in eine Debatte mit denen einzutreten, die über diese Brücke wieder an die Macht kommen wollen. Wir werden uns an dieser Diskussion nicht be teiligen. Man muss die Dreistigkeit derjenigen bewundern, die wagen, eine deutsche Kriegsschuld nach al lern, was geschehen ist, in Abrede zu stellen. Wohl selten hat es in der Geschichte einen Fall gegeben, in dem Zweifel daran unmöglich waren’, wer der Schuldige ist. Ob man sich der Mühe unterzieht, Hitlers „Mein Kampf“ zu lesen oder ob man das Blaubuch der briti sehen Regierung studiert, das zu Beginn des Krieges herausgegeben worden ist. immer wird man zwangsweise zu der gleichen Ueberzeugung gelangen müssen, dass es nur einen Schuldigen gab. , . „ . Selten ist auch ein Krieg mit solcher Zielsicherheit und Offenheit vorbereitet worden wie der Zweite Weltkrieg. Zunächst wurde Oe sterreich nach einer totalen Aufrüstung im Dritten Reich annektiert, dann kam die CSR stückweise an die Reihe. Welchen Wert die mit Hitler geschlossenen Verträge hatten, konnte die Welt genauestens beobachten. Soeben gegebene Zusagen waren Tage später überholt. Und dann kommt ein Maier, ehemaliger Redakteur der nationalsozialistischen Zeitung aus dem Sudetenland, der als fünfte Kolonne sicherlich auch seinen Anteil an der Unterhöhlung des tschechoslowakischen Staates hatte, und opponiert ge gen die deutsche Kriegsschuld... Die in einem anderen Kreis aufgestellte Behaup tung — und dies ist nicht die einzige Stelle, die sich zu derartigen Verdächtigungen versteigt, — die Polen seien schuldig, weil sie nicht verhandeln wollten, stellt eine Verfälschung der bistori sehen Vorgänge dar. Die Polen haben auch gewartet ,WW«W-W.".%NWWV :■ JUDITH ä 5 SCHENKOLEWSK!!; t KULTUSSTICKEREIEN? Schabbosdecken - Tallis-} i beute] - Käppchen - Maz- £ S zot-Taschen Hand- und s Maschinensticker« von f Bett und Tischwäsche £ Dr. P. I. RIVERA 2585 } (fr. Bebedero) £ T. E. 73-9153 / Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE; 76-0286 73-1049 ■bis sie zertrümmert wurden. Leider haben sie viel zu lange zugesehen, leider haben die westlichen Alliierten viel zu lange gezaudert, bis es eben zu spät war Und dis Polen waren noch am Verhandeln, als Hitlers Pläne zum Ueberfall längst fertiggestellt waren. Aber wir wollen hier nicht in Einzelheiten eintreten, um Herrn Maier zu widerlegen. Es wäre zu viel Ehre für ihn. Die offiziellen bundesdeutschen Stellen haben solchen Maiers den Weg geebnet nicht nur dadurch, dass sie die Kühnheit besitzen, einem Manne mit dieser Vergan genheit und Gegenwart zu bescheinigen, er sei ein Demokrat mit zuverlässiger Gesinnung. Die zunächst vorsichtig geäusserten Bedenken gegen die deutschen Kriegsverbrecher - Prozesse in Nürnberg haben erstmalig nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches das zerschlagene deutsche Rechtsbewusstsein wieder erschüttert. Die Zweifel an dem Recht der interalliier ten Gerichte, die vor einigen Jahren geäussert wurden, mussten bald ihre bedenklichen Folgen zeigen. Das Wirken eines Maier — und es gibt sicherlich derer viele — sind nur eine Folge hiervon. Wer sollte eigentlich über die deutschen Hauptschuldigen zu Gericht sitzen? Lautz, Schlegelberger, Fränkel, Löllke oder einer der bereits zurückgetretenen Nazirichter? AVer? Es kann für die Bundesrepublik nicht vorteilhaft enden, in eine solche Polemik überhaupt einzutreten. Die alten Wunden sind nicht vernarbt, auch wenn es einige ausländische Fürsprecher geben sollte. Selbst die durch Wirtschaftswunder und den Ost-West Konflikt gebotene Rücksichtnahme der westlichen Alliierten auf ihren Verbündeten in Bonn kann nicht stark genug sein, um wirklich das zu vergessen. was geschehen ist, nur 20 Jahre zurück... IV. Der auslaendische Professor Eine zweite Begebenheit der letzten Zeit, die in diesen Zusammenhang gehört, ist mindestens ebenso bedenklich wie der Zeitungsartikel des Maier aus Reichenbach. Schwere Angriffe sind in Heidelberg in einer Versammlung gegen den Heidelberger Historiker und Universitätsprofessor Dr. Rudolf von Albertini gerichtet worden, weil er nach wie vor von der Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg überzeugt ist. In einem öffentlichen Forum, zu dem der frühere Kandidat der Deutschen Reichspartei in Heidelberg, Gustav Sanft, Í WOHEL N. PLAKSIN Superi 2719 T. E. 76-6784 a. 76-2312 I JACOB LAPIDUS $ •j dipl. Mohel Í Î NEUE ADRESSE } 5; VIAMONTE 2037, 4j. B. »; \ 46-1716 und 48-2134 *. JV.W.VAWAVJVWW Ais ehemaliger Nazi entlarvt Bonn. — Dr. Kar] Hettlage. der kürzlich zum Di rektor des europäischen Wirtschaftsverbandes für Kohle und Stahl ernannt wurde, gab jetzt zu, SS-Mitglied gewesen zu sein. Allerdings behauptete er, es habe sich ..nur um Ehrenmitgliedschaft’’ gehandelt die hohen Beamten der Regierung von Hitler verliehen worden sei. Er leugnete, jemals „aktiv“ für das Naziregime tätig gewesen zu sein, denn er sei nichts als Finanzberater bei der Munizipalität von Berlin gewesen. Hettlage wurde auf Ejm>fehlung der Regierung von Bonn vom Ministerrat ner aus sechs Nationen be stehenden europäischen Gemeinschaft auf den neuen Posten berufen. Er hatte vorher das Amt eines Staatssekretärs für Finanzfragen bei der deutschen Bundesregierung inne. Seine Vergangenheit als SS-Angehöriger wurde vor. der Zeitschrift der belgischen Widerstandsbewegung, „Die Stimme des internationalen Widerstandes“ ent hüllt. Die Zeitschrift behauptet, der jetzt 59jährige Hettlage sei seit 1936 SS-Mitglied gewesen und im Jahre 1938 dem Generalkommando der SS zugeieilt worden. Die Zeitschrift fragt, ob der deutschen Regierung Hettlages Vergangenheit unbekannt ist, oder ob sie ihn in voller Kenntnis seines Vorlebens für das neue Amt empfohlen hat. (ITA) eingeladen hatte, wurde dem Professor vorgeworfen, er habe, ,,zumal als Ausländer“, alle Deutschen beleidigt und gehöre nicht als Hochschullehrer an eine deutsche Universität. Albertini, Schweizer Staatsbürger, hatte in einer Heidelberger Zeitung eine Gegendarstellung veröffentlicht, nachdem der Schriftsteller Frank Thiess ein Buch des amerikanischen Historikers David Hoogan „Dsr erzwungene Krieg“ günstig besprochen hatte In diesem Buch hatte Hoogan die deutsche Alleinschuid am Zweiten Weltkrieg bestritten. Die Einladung zu dem öf fentlicben Forum über die Kriegsschuld - Thesen ging von dem „Diskussionskreis Kriegsursachen — Kriegsschuld“ aus, der offensichtlich der Deutschen Reiehspartei nahesteht und von Mitgliedern des verbotenen „Bundes Nationaler Studenten“ unterstützt wird. Zu der Versammlung waren etwa zweihundert Zuhörer er schienen, darunter viele Jugendliche. Sie zollten den Ausführungen der zahlreichen Redner Beifall. Alle Redner betonten, sie seien keine Nationalsozialisten und hätten nicht im Sinn, das Regime Hitlers reinzuwaschen. Einige der Redner behaupteten, die These der deutschen Kriegsschuld die ne für alles an Deutschland verübte Unrecht. Die Hauptschuld am Zweiten Weltkrieg trage Polen, das sich geweigert habe, sich mit Deutschland zu arrangieren, und England, das unberechtigterweise den Bestand Polens garantiert habe. Zu Beginn der vierstündigen Veranstaltung rief eine Frau mehrmals dazwischen: „Sechs Millionen Ju Dr. J. P. Kreil Bieber INNERE MEDIZIN u. RHEUMATISMUS Arzt am Hoop. Pirovano Mo., Mitt. Frei. 15-20 Uhr 3 de Febrero 2030 76 0266 Privat 52-7/34 Dr. : 6. Schwanz ZAHNARZT ESTOMBA 2283 52 8214 RAYOS X PARADENTOSE TELE F. VORANMELDUNG ♦♦♦«•♦♦♦♦♦♦«♦•♦»♦e BERNARDO STERN Ausfuehrung saemtlicher MALERARBEITEN HELGUERA 1915 T. E. 58-4052 den sind umgebracht wor den.“ Schliesslich wurde sie, so berichteten Augenzeugen, von Saalordnern aus . dem Versammlungsraum gedrängt und draussen verprügelt. Das Geschrei der Frau war bis in den Saal zu hören. Bei diesem Vorkommnis sind alle Elemente nazistischer Taktik enthalten. Der Mann, der es wagt, von einer deutschen Kriegsschuld zu sprechen, wird als Ausländer gebrandmärkt. Er hat sein Recht, an deutschen Universitäten zu lehren, schon deswegen verwirkt, nur weil er aufgrund seiner Forschungen und Erkenntnisse zu der Ueberzeugung gelang} ist, dass es die Deutschen sind, welche die Schuld am Kriege tragen. Der Historiker, der Dinge ausspricht, die den deutschen Chauvinisten nicht zu sagen, wird öffentlich angeprangert. Dann wird von dem an Deutschland begangenen Unrecht gesprochen. Davon, 1« SIMADA ISRAELITA Bísemanario —- aparece .os Martes y Viernes, Editado por Estrellas Editorial Ltda. V 3rantwortlich: Dr. Hardi Swarsensky Paeyrredóo 2190, Io izq. T. E. 83-2613 80-6930 Abono-Preise: Argentinien: $ 100,— pro Quartal Ausland t 600 — jährl dass es die Alliierten waren, die Deutschland wieder aufgebaut haben, wird natürlich kein Wort gesagt. Von dem amerikanischen Dollar- Regen, der das deutsche Wirtschaftswunder produzierte, wird geschwiegen, obwohl gerade diese Kreise wie üblich die Nutzniesser dieses Wirtschaftswunders sind. Nur in einer einzigen Frau wurde die Stimme des Gewissens wach, als sie durch ihre Zwischenrufe an , die Schande des Dritten Reiches, die doch eine Schande aller Deutschen ist, gemahnte: sechs Millionen Juden sind ermordet worden!, schrie diese brave Frau, die dann von den „Saalordnern“ aus der Versammlung gezerrt worden ist und — welch tapfere Recken! — verprügelt worden ist. Versteht gut das Wort Saalordner. So hat auch die SA angefangen. Wiederholt sic-h etwa die Geschichte? Ermittlungen in Erbsehafts- und Enfschatdigungs- Aifgelegenheiten JAMES HIRSCH Berlin-Wilmersdorf Prager Platz 6, Telefon: 87 59 14;5i»ï3aSS*gSiiiBliSlSISiISï3iîîïS*âSEEïSâ*Siî2SiiIlsBIiIl-i«i*g! Dr. BERNARDO GOLDSTEIN I g MEDICO g M m i Cardiología — Hospital Fernández s 53 m S Radio X — Durchleuchtung — Electrocardiogramme g I CUBA 2141 — T. E. 73-8782 u. 73-6817 | ■Ht M « M m ns u Consultas: Montag bis Freitag: 15—18 Ubr g g Sonnabend: 14—16 Uhr Ü g H ^BSïïïïsssïEïïsssisïaîiESBissïsïisiisiïsssïisisasaeissasïïïïSi« Ñ*s*fa»saeí*aiMS*ssfíessi3*ia*33S¥SFíS'BS*s***s3Sss3iisaEassis I VARICES-ULCERAS I i DE U PIERNA — ARTERIOSCLEROSIS ¡! Dr. SAUL UMANSKY I Sarmiento 3116 T. E. 87-1362 Dr. L. KLEIN - Médico Magern und Darmkrankheiten Röntgen-Untersuchungen 8FHBCHSTUNDBN: * < - “Montag. Dienstag, Mittwoch u. Freitag roa 10—1# Ute;; Ea wird gebeten, »ch vorher teldonieeh anaumetden., SANTA FE 7361 T. E. 44-8488 «. 44-7640;; « 7a»s»sfaaaaa3aiai8aaaaaaBiB«H«a«a«~3aia«iaaaaia»—BiiRaaa«i.ra^ aaiaiaaiiiiHaastiaaaeasaiaauaaKiaiixiiaicasccaiiasaEEEsiiBCEK ¡Dr. BENJAMIN LIPNIZKYjj g ZAHNARZT 5 g ROENTGENSTRAHLEN — ZAHNZIEHEN — BE- 5 8 HANDLUNG MIT GASBETAEUBUNG - REGU- - g L, IRRUNG DER ZAHNSTELLUNG B S Sprechstunden: Dienstag — Donnerstag — Sonnabend Sj g nach vorheriger Vereinbarung. g SJOSE HERN ANDEZ 2518 T. E. 70-8*73 und 73-0500» IiiE*^*SJ^SSSlBI!!JÍSäííaíä5E*SE3«tíílSíäSXSSSJEäi^Ma*í3^SlgI5í, j , .rjW-Vy**

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