Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1985 (9.11.1962)
- Date
- 1962-11-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUF, YRRE DON 2190 — 19 izq. Ana XXIII. £cl JkmjawciJshjcuzUJta BUENOS AIRES, VIERNES 9 DE NOVIEMBRE DE 1902 I E 822613 No. 1935 Israel und die Kuba-Krise Tel Aviv. — Wie verlautet, ist Israel eines der Länder, auf die die Vereinigten Staaten einen Druck ausüben, um zu erreichen, dass sie sich klar und öffentlich zu der kubanischen Krise äussern. Die Vereinigten Staaten, so wurde enthüllt, legen be sonderen Wert auf die israelische Stellungnahme, weil man weiss, dass Israel einen grossen Einfluss auf verschiedene afrikanische Länder besitzt. Israels Unterstützung der nordameri kanischen Position wäre für Washington von grossem Wert, falls es innerhalb der UN zu einer Abstimmung über diesen Fall kommen sollte. Der USA-Botschafter Walworth Barbour traf in Jerusalem mit Aussenminister Golda Meir zusammen und besprach mit ihr anschei nend diese Angelegenheit. Die Beamten des Aussenministeriums bewahrten hierüber Schweigen, aber es sikkerte durch, dass kein anderes Thema zur Diskussion stand. Es ist ebenfalls bekannt, dass Kennedys Adjutant Meyer Feldman, der sich in Israel befindet, um an den Gedenkleiern für Dr. Chaim Weizmann teilzunehmen, mit hohen israelischen Beamten über den Kuoa Konflikt konferieren und versuchen dürfte, einen Regierungsbeschluss durchzusetzen. Bekanntlich ent. schied sich das israelische Kabinett in der vorigen Wo che, vor. jeglicher offiziellen und öffentlichen Erkläiung in dieser Krise Abstand zu nehmen, doch ist angesichts des steigenden Druckes anzunehmen, dass dieser Punkt auf der nächsten Ministersitzung zur Sprache kommen wird. FUEHLUNGNAHME Tel Aviv. — Walworth Barbour, Nordamerikas Bot- Die verpasste Gelegenheit London. — Hier wurde gemeldet, dass König Hussein von Transjordanien einen Aufruf, an alle Staaten im Mittelosten richtete, in dem es heisst, „der Bru derzwist bringe die Araber um die Gelegenheit, die kubanische Krise zur Zerstörung Israels auszunutzen.“ Hussein -wies darauf hin, dass die Welt in den letzten Tagen eine Krise durchmachte, die „beinahe zu den Schrecken eines Vernichtungskrieges geführt häPe.“ „Wir haben uns in diesen Tagen erinnert“, führte Hussein aus, „wieviele Male wir früher gesagt haben, dass wir nur dann einen Fortschritt in der Palästina frage erzielen können, wenn sich uns eine günstige Gelegenheit bietet. Die Kuba-Krise ist diese Gelegenheit. Dies ist die einzige Chance eines ganzen Lebens für ein Volk, das das Recht auf sein geraubtes Vaterland wiedergewinnen will. Unser Volk hätte in die sem Augenblick handeln können, wenn unsere Geschicke nicht von gewissen Politikern bestimmt würden.“ Diese letzte Bemerkung des^Königs ist eine Anspielung auf Nasser, der die Rebellion in Jemen unterstützt hat und hierdurch die Reaktion der Könige von Transjordanien und Saudi Arabien auslöste. (ITA) WIE ICH ES SEHE- Alte Probleme neu aufgelegt von JEHVDA GOTTHEMER Wenn wir uns an dieser Stelle mit der Kriegsschuldfrage auseinandersetzen, so hat dies einfach seinen Grund darin, dass die tatsächlich Verantwortlichen oder ihre getreuen Nachfolger und Imitatoren kurzerhand die Juden für den Ausbruch des Krieges schuldig sprechen in der sicheren Annahme, mit dieser simplen Formel Anhängerschaft zu gewinnen. Als der Erste Weltkrieg von Deutschland verloren wurde, meldeten sich als bald Stimmen, die sich nicht lange um die Klärung der Ursachen und Verantwortlichkeiten für den Krieg bemühten, sondern sofort in den Juden diejenigen fanden. denen man ungestraft und mit Aussicht auf po.iti sehe Erfolge die Schuld zuschieben konnte. Jahre hindurch wurde in der von der. Rechtsextremisten vergifteten Atmopsäre der Weima rer Republik über die Kriegsschuldfrage debattiert, die eines der ständigen Themen gewesen ist, um die Massen zu täuschen und zu fanatisieren. Ohne behaupten zu wollen, dass heute die gleiche Gefahr besteht, darf man doch nicht übersehen, dass bedrohliche Versuche unternommen werden, mit alten Rezepten, die sich ne währten, zu neuen Erfolgen zu gelangen. Hierbei sei auf zwei Erscheinungen hingewiesen, die allgemeine Aufmerksamkeit hervorgerufen haben und diese auch verdienen. I. Mann oder Maier Die nachstehend wiedergegebene Polemik beleuchtet recht krass die augenblickliche Situation und stimmt nachdenklich: Der in München erschei nende „Vertriebenen-Anzei ger“ ritt eine heftige Attak- Gedenkfeier für Chaim Weizmann Tel Aviv. — Ueber 5.000 Israelis und Gäste aus dem Ausland versammelten sich aut dem Chaim Weizmann-Platz in Rechowot, um das Andenken des ersten Staatspräsidenten Israels anlässlich seines 10. Todestages zu ehren. Der Hauptredner bei dieser Feier war Präsident Jizchak Ben Zwi, der auf die Bedeutung der Veran ätaltung verwies, die nicht darin läge, dass 10 Jahre seit Weizmanns Tod verflossen seien, sondern dass ,.wir weiter für die Ideale Chaim Weizmanns leben und heute noch unter seinem Einfluss stehen“. Dr. Nachuni Goldmann, der die Veranstaltung präsidierte, würdigte die Verdienste Weizmanns als Staatsmann und als Politiker. Der nordamerikanische Sänger Jan Peerce sang mit Begleitung des israelischen Philharmonischen Orchesters das El Male Rachamim. Für die 10 vergangenen Jahre wurden 10 Fackeln auf dem Platz entzündet. Nach der Feier setzte sich eine feierliche Prozession zum Grabe Weizmanns in Bewegung, an deren Spitze Frau Vera Weiz mann, Familienmitglieder und Freunde des verstorbenen Präsidenten schritten. (ITA) ke gegen den Historiker Prof. Golo Mann und bezieh tigte ihn des Landesverrats. Golo Mann, Sohn des Dichters Thomas Mann, erregte den Zorn des Blattes, weil er in dem kürzlich erschienenen Buch „Bestandaufnahme“ für eine Anerken nung der Oder-Neisse-Grenze plädiert hatte. Früher oder später müsse der Preis für den verlorenen Hitfer Krieg bezahlt werden, meinte Mann. Es sei 'besser, bereits heute die Ostgrenze zu akzeptieren, als weiterhin die Wirklichkeit zu negieren. Der „Vertriebenen Anzeiger“ warf dem Historiker vor, die Auffassungen Thomas Manns „im Hinblick auf sein deutsches Vaterland“ zu vertreten. Verantwortlich für die Polemik gegen Golo Mann ist ein gewisser Erich Maler der sich als ehemaliger Re dakteur des sudetendeutschen NSDAP-Organs „Die Zeit“ damals ebenso hasserfüllt gegen den Emigranten Thomas Mann wandte, wie er heute in seiner Eigen schaft als Chefredakteur des „Vertriebenen - Anzeigers“ gegen Prof.. Golo Mann zu Felde zieht. Im November 1939 schrieb Maier in der „Zeit“ über die vorübergehende Internierung Thomas Manns in Grossbritannien: „Nun ist er endlich dort, wohin er schon lange gehört hat. Herr Thomas Mann: im Konzentrationslager. Zwar nicht in einem deutschen, sondern... in einem engli sehen. Als tschechischer Staatsbürger wurde er nach englischen Presseberichten ohne Federlesens dorthin gesteckt. Er ist-sehr böse darüber, aber er sitzt... Die Geschichte liess aus dem Tscheehoslowakeu Maua ei schafter in Israel, und Mey er Feldman, der Adjutant des Präsidenten Kennedy, unterhielten sich mit den höchsten israelischen Staatsbeamten über verschiedene Fragen, darunter über die kubanische Krise und die arabischen Flüchtlinge, wie ein Sprecher der Regierung bekanntgab. Barbour konfe rierte 20 Minuten mit Golda Meir und setzte sie von den letzten internationalen Er eignissen Kuba betreffend in Kenntnis. Feldman, der zu einem „privaten Besuch“ in Israel weilt, suchte zuerst Premierminister Ben Gurion und hierauf Frau Golda Meir auf. Er brachte an er ster Stelle die Kubafrage und ausserdem das Problem der arabischen Flüchtlinge zur Sprache, das jetzt in einer UN-Kommission zur Debatte gestellt wird. ZWEI BOTSCHAFTER Jerusalem. — Michail Bo drow. der sowjetische Botschafter in Israel, und Walworth Barbour, der USA- Botschafter, konferierten ge trennt mit Aussenminister Golda Meir. Wie man weiss legte eine jeder der beiden Diplomaten Frau Meir srnne Ansichten .über die Kuba- Krise und die Rolle dar die der Stellvertretende Generalsekretär der UN, U Thant. als Vermittler übernommen hat. Beide Unterre düngen werden als Routine- Besprechungen innerhalb der dinlomatis’ehen Gepflogenheiten betrachtet, nach denen die Reoräsentanten ausländischer Regierungen dritte Regierungen von wichtigen Ereignissen informieren. (ITA) neu Protektoratsangehör'gen Mann werden, und als solcher ging er ins englische Konzentrationslager ein. Ei nem KZ wollte er entwei eben, nun hat er doch he;m gefunden.“ Und in der sleichen „Zeit“ verstieg sich Maier zwei Wochen nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges, am 16 September 1939 zu der tri umphierenden Feststellung: „Juda hat seine letzten Karten im Kampf gegen Deutschland ausgespielt Seine Interessen werden aber diesmal scheitern, wüe die Angriffe der von ihm ver hetzten Völker auf den West wall scheitern werden. Wir werden nicht wieder kaoitulieren. Juda führt diesmal einen aussichtslosen Kampf.“ Mann Gegner Maier kaoitnlierfe in der Tat nicht Als ihn die Tschechen 1945 aus den Redaktionsstuben der nafionalsozialistisehen .Zeit1 in Reichenbach vertrieben.!iess er sich in München nieder. um fortan „Freiheit und Demokratie“ zu xerfeidieen Wie antwortete doch das Bundesvertrieberen - Ministerium unlängst auf die An frage eines besorgten Demokraten? Die Antwort lautete überzeugend: „Herr Maier ist ein seriöser Journalist mit zuve-Fis siger demokratischer Gesinnung“. ir. Bedenkliche Symptome Nur weil es sich bereits gezeigt hat, dass diese Polemik des Herrn Maier durchaus nicht isoliert steht, muss Entschaedigung für Nazis Dr. W.: — Der in Düsseldorf erscheinenden „Attge-. meinen Wochenzeitung der Juden“ entnehmen wir die folgende Meldung: „Der ehemalige Münchner NS-Oberbürgermeistec Karl Fi eh ler erhält von der Stadt München die Pen.-k>a eines städtischen Obersekretärs. Diesen Posten bekleidete der .ßlutordensträger“, ehe er am 20. März 1933 voii den nationalsozialistischen Machthabern zum Oberbürgermeister der ..Hauptstadt der Bewegung“ ernannt wurde „Der Münchner Stadtrat hatte den Pensionsantrag Fiehlers zunächst abgelehnt. Das Verwaltungsgericht entschied auf Klage Fiehlers jedoch, dass ihm zumindest die Pension eines Obersekretärs zugestanden werdet» müsse. , . k „Die genaue Pension Fiehlers muss noch errechnet werden. Sie wird zwischen 350 und 550 Mark liegen. Eia Sprecher der Münchner Stadtverwaltung betonte, die Stadt erfülle mit der Zuerkennung der Pension „lediglich eine Reehtspflieht“.“ — Warum übergibt man die Entschädigungsangelegenheiten der Juden in München nicht diesem Verwaltutigsgericht, das doch offensichtlich viel entschädigungs- und zahlungsfreudiger als das Bayerische Entschädigungsamt ist, das nur nach Gründen für eine Ablehnung sucht? Oder werden in Bayern nur die Opfer der Nazis so schlecht behandelt, die Nazis aber selbst erhalten ihre Pensionen, sogar Herr Fiehler. * Wer war eigentlich dieser Mann, der nun wenigstens 350 bis 550 DM monatliche Pension erhält, während man den kranken Opfern der Verfolgung — wenn überhaupt — kleinste Renten zubilligt. Nach der Schilderung, die wir oben wiedergegeben haben, will man uns erzählen, dass Fiehler ein kleiner Mann gewesen sei, der 1933 nur städtischer Obersekretär gewesen ist. Dieser Mann gehörte aber zur obersten Nazi-Fiihrerschicht. Sicherlich hat er als kleiner Stadtsekretär alles getan, um die repulikanischen Autoritäten zu unterhöhlen, denen er Treue geschworen und die er verraten hatte. Fiehler war bereits am Hitler-Putsch 1923 beteiligt, war hoher SS Führer, Oberbürgermeister von München, Präsident des Deutschen Städtetages, Leiter des kommunalpolitischen Amtes der NSDAP und einer der engstea Vertrauten seines Führers. Er sass auch in der Parteileitung. Dass er an den Massenmorden beteiligt war. ist nicht bekannt, dass e.r hiervon als hoher SS-Führer gewusst hat, ist sicher. Wegen seiner hohen Verdienste vtu den Untergang Deutschlands und die Ermordung der Juden war er auch Mitglied der hitleristischen „Akademie für Deutsches Recht“. SS-Obergruppenführer Fiehler erhält nun wenigstens seine Pension, dank des Verwaltungsgerichts 'aber auch dank des grossen Schweigens^ das solche Entscheidungen gestattet. hierzu Stellung genommen werden. Wir köuneii es nicht als unsere Aufgabe betrach ten, zum Problem der Oder Neisse-Grenze Stellung zu nehmen. Aber alle Neceu und Begleiterscheinungen der Attacke, die von Maier gegen den Professor Golo Mann geritten wird, sind Klänge aus einer versunken geglaubten Epoche. Zunächst einmal muss es als erstaunlich bezeichnet werden, dass ein ehemaliger NS- Redakteur unbehindert seine publizistische Tätigkeit wei ter ausüben kann. Die Kostprobe seiner früheren Schreibereien dürften zur Genüge beweisen, dass er für ein demokratisches Land untragbar ist. Nach ebenfalls bewährter Methode pflegen sich alle Faschisten auf die Segnungen der Demokratie zu berufen, um diese zu unterhöhlen und schliesslich zu zerstören. Hierzu gehört auch die Pressefreiheit. Die 'an gen Erfahrungen während der Weimarer Republik sollten ausreichen, um vor Wiederholungen nicht nur zu warnen, sondern um energi sehe Sehutzmassnahmen zu treffen, die derartige Ma chenschaften vereiteln, Keine Freiheit darf dazu benutzt werden, um die Freiheit zu vernichten. Eine fal sehe Langmut hat zum Untergang des Weimarer Siaa tes geführt, der seine demokratischen Wohltaten bewusst dazu missbrauchen Hess, um die Republik zu beseitigen. Die Folgen der in Woimar gemachten Felder England ernennt Botschafter London. — England hat die 58jährige Barbara - Salt zum Botschafter in Israel ernannt. Frau Salt wird der erste weiblicfie Botschafter Grossbritanniens sein. Sie war der englischer. Botschaft in Tel Aviv von 1957 bis 1960 als Botschaftsrat zugeteilt. Frau Salt, die die Nachfolgerin von Botschatter Patrick Mancoek ist, war zuletzt die Repräsentantin Englands im Wirtsehafts- und Sozialrat der UN und bekleidete diplomatische Aemter in Washington und Moskau. (ITA) ' konnten bis heute nicht eliminiert werden.! Die antisemitische Spritz« fehlt in den Ausführungen des NS-Maier gegen Thomas Mann nicht. Im nazistischen Arsenal korinte man in keirem Artikel hierauf verzichten. Das war populär Damit hielt man das Volk in Spannung. Die Juden Mitte’europas, in Deutschland, Oesterreich und der Tschechoslowakei, waren bereits ausgeplündert. als Maier den zitierten Artikel geschrieben hat.Maier triumphierte. Jetzt hat er nun seinen Sitz von Reichenbach nach München verlegt. Er schickt sich erneut an, zunächst schriftstellerische Triumphe zu feiern. Für ihn ist Tho- (Schluss auf Seite 2) Sie wollten nur „Spass" machen Florida — Fünf Studenten wurden von einem hie Kluh" ¡?Tchtf danU ,verui'teiltdk von ihnen in einem t dtT ,staatlic,iei1 Universität von Florida aagerichteten Schaden zu beseitigen, abzuwaschen und zu reparieren, nachdem sie gestanden hatten verschiedene Molotow-CoektaiIs in diesen Klub geschleudert ni^f^tc0’0 fUnf Attentäter und ein sechster, der „ i fT'-f!1 wurde. sk’d f'r ein halbes Jahr von der Universität verwiesen worden Die sechs Strolche hatten den Sitz der jüdischen Studentenverbindung Epsilon Phi überfallen, doch gelang es den Universitätsbehörden und der Polizei >hrer habhaft zu werden. Die Attentäter behaupteten sie hatten sich nur einen „Spass" machen wollen Die sechs sind zwischen 17 und 19 Jahre alt und stammen sämtlich aus dem Süden. (ITA) •m