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Jüdische Wochenschau · 1962-11-02 · 1984 (2.11.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1984 (2.11.1962)
Date
1962-11-02
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German, Spanish
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Vient«*, 2 de Nevl*»Hr». ** »**2 SEMANA ISRAELITA Año XXIII. — Ne. 1984 — * Th«o4or PUEYRREDON 21901. St. T. E. §3 - 2613 80. Jahrestag der Bilu-Alija Di« Bilu-Bewegung hat ein glorreiches Kapitel in der Geschichte der jüdischen Erneuerung geschrieben. Es war keine grosse Bewegung, ihre Vorhut zählte nur drei zehn Burschen und ein Mädchen, die vor nunmehr achtzig Jahren in Jaffa landeten. Diese wenigen Pionie re dienten jedoch zahlrei ehen anderen als Vorbild. Worin bestand die Grösse der Biluim? Ihr Name gibt die Antwort auf diese Frage. „Bilu“ ist die Abkürzung der Worte ..Beit Ja‘a kov nelchu veneleha“ (Haus Jakobs, kommt und lasst uns gehen) (Jesaja II, 5). Der Sinn dieser Worte ist „Sel'bstverwirklichung“. Dis jüdischen Studenten, die sich in der südrussischen Stadt Charkow zusammenschlossen, nannten ihre Vereinigung zuerst „Daviu“. die Abkürzung der Worte „Daher el Bnei Jisrael vejissau“ (Sprich zu den Kindern Isra el, auf dass sie ziehen) (Numeri XIV, 25). aber sie kamen zu der Einsicht, dass dieser Name nicht passend sei, denn nicht mit Worten sollten sie ihrem Volke dienen. sondern mit Taten. Sie beschlossen daher, den Weg der Selbstverwirklichung zu gehen und anderen ein Vor bild zu sein. Im Jahre 1882. ein Jahr nach dem Ausbruch der antijüdischen Ausschreitungen in Südrussland, unterzogen viele Juden ihre Lage und Zukunftsaussichten einer eingehenden und schmerzlichen Prüfung. Der erste Schwat 5642 wurde in Char kow, wie in vielen anderen jüdischen Gemeinden Südrusslands, zu einem öffentlichen Fasttag erklärt. Am gleichen Tage kam eine Gruppe jüdischer Studenten zusammen, um über die Lage der Juden Russlands zu beraten. Sie erkannten, dass ihr persönliches Schicksal mit dem ihres Volkes unlöslich verbunden sei und beschlossen, dass Erez Israel ihr Ziel sein müsse. KLEINMUETIGE BLIEBEN ZURUECK Die gesamte Mitgliedschaft der Bilu überstieg 500, und alle waren entschlossen auf zubrechen. Sie stellten jedoch Bedingungen. Vor allem | sollte man eine schriftliche und formelle Bewilligung seitens der türkischen Behörden für die Ansiedlung in Erez Israel erhalten. Ferner sollte eine Gesellschaft mit beträchtlichem Kapital ven S. SCHECKARJA Dm Einwohner erwartet Jerusalem. — Nach einer kürzliehen Meldung von Innenminister Shapiro vor der Knesset rechnet die israeli sehe Regierung mit einem Anwachsen der israelischen Bevölkerung auf drei Millionen Juden und rund 360.000 Araber innerhalb der nächsten zehn Jahre. Pläne für eine entsprechende Verteilung der Be völkerung sind bereits vorbereitet worden. Danach wird in Tel Aviv mit einer Einwohnerzahl von über 900.000 gerechnet, während Haifa einmal 400 000 und Jerusalem 250.000 Einwohner zählen sollen. (ITA) für Bodenankauf und zur Gründung von Siedlungen gebildet werden. Tatsächlich war aber weder eine Bewil ligung vorhanden noch eine Gesellschaft mit beträchtlichem Kapital. Ueberdies trafen in Charkow betrübliche Nachrichten aus Kon gtantinopel ein: die Türken hatten den Juden die Einreise nach Palästina verbo ten. ERSTE AL1JA Hierauf erklärte das Büro der Bilu-Bewegung, deren Sitz nach Konstantinopel verlegt wurde, dass „die Furchtsamen und Kleinmütigen zu Hause bleiben sollen”, während diejenigen, „die sich stark genug fühlen, um sich für ihre erniedrigten. unterdrückten und ausgeplünderten Brüder zu opfern, sich für die sofortige Abreise vorbereiten sollen“. Die Antwort auf diesen Aufruf war die Einwan derung der Vierzehn. Sie blieben nicht allein, denn es folgten ihnen noch einige Gruppen von Biluim, aber es war dieses erste tapfere Häuflein der Vierzehn, das ein neues Blatt in der Geschichte der Einwanderung nach Erez Israel schrieb, die Alija der Biluim, die „Erste Alija“. Die Einwanderung der Biluim muss tatsächlich als die erste Jugendalija ango sehen werden, als die erste Jugendbewegung, die die Idee der Selbstverwirklichung auf ihr Banner schrieb. Die Biluim waren Pioniere, die neue Wege bahnten für diejenigen, die in ihren Fusstapfen folgten, wenn auch nicht unter derselben Fahne. Die Vierzehn beabsichtigten, in Erez Israel eine Siedlung auf kooperativer Grundlage zu errichten. Darüber hinaus stellten sie sich vor, dass die von ihnen gegründete Siedlung später den dort ansässigen Familien übergeben werden sollte, während die Biluim von neuem beginnen und ei ne Siedlung nach der anderen gründen und aufbauen sollten. Etwa sechs Wochen nach der ersten Gruppe der Vier zehn landete in Jaffa eine zweite Gruppe von sieben jungen Menschen, die Auslese der Bilu Vereinigung von Moskau, und nach einem weiteren Monat folgten noch drei Biluim. Später kamen noch andere hinzu, sodass die Gesamtzahl der Bilu-Einwanderer etwa sechzig Men sehen betrug. Die ..Furchtsamen und Kleinmütigen“ waren in der Tat zu Mause geblieben. ENDZIEL Das Endziel der Biluim war. ..ein politisches Zen trum für das jüdische Volk zu schaffen“. Nach ihrer Ankunft in Palästina begannen sie sofort mit der praktischen Arbeit .ohne eine Erlaubnis der türkischen Be hörden. Auch in dieser Hin sicht waren sie bahnbrechend, sie zeigten nämlich, dass man nicht auf günstige politische Situationen warten solle, sondern Tatsa chen schaffen müsse, die als Basis für den künftigen Judenstaat dienen sollten. Einen Tag nach ihrer Ankunft 1 kamen sie nach Mikvve Is rael und boten sich dem Di rektor der Schule, einem französischen Juden namens Hirsch, als landwirtschaftliche Arbeiter an. Sie wurden nur mit Widerstreben und Zögern angenom men. Aber im Laufe der Zeit vermehrten sich ihre Schwierigkeiten noch. Die Biluim liessen aber ihre Hoffnung auf die Verwirklichung ihres Traumes, eine Musiersiedlung zu errichten nicht sinken. Nach der Gründung von Rischon Lezion gingen zwölf Biluim von Mikwe nach Rischon und arbeiteten dort als landwirtschaftliche Arbeiter. Auch dort wurden sie ohne grosse B-egeiste rung aufgenommen. Auch billigten nicht alle Biluim diese Entwicklung der Dinge, denn ihre Arbeit als Lohnempfänger entsprach nicht ihrem ursprünglichen Ideal der Gründung einer Genossenschaftssiedlung. Nachdem Rischon Lezion von der Verwaltung des Barons Edmond de Rothschild übernommen worden war, schwebten die Biluim sozusagen in der Luft; sie wa ren weder Landarbeiter noch selbständige Bauern. GEDERA In einem Augenblick der Niedergeschlagenheit und Verzweiflung kam ihnen Jechiel M. Pines zu Hilfe. Er fühlte sich von den Biluim angezogen und verlangte von den „Choveve Zion“ in Russland, die Biluim auf dem Land anzusiedeln, das er für die Choveve Zion zu erwerben im Begrif war Nach grossen Schwierigkeiten gelang es ihm im Jahre 1885, in der Nähe des Dorfes Qatra 3.300 Dunam Land zu erwerben, und im selben Jahre siedelte sich dort die erste Bilu Gruppe an. Sie bestand aus elf Mitgliedern. Ihr ganzes Hab und Gut, einschliesslich Arbeitsgeräten, brachten sie auf dem Rücken eines armseligen Esels mi{ sich. Von diesem Tage an ist die Geschichte der Biluim mit Gedera verbunden, das in zw’ei Jahren seinen 80. Geburtstag feiern wird. Ehrenbuerger von Jerusalem Bei einer feierlichen Festsitzung überreichte der Jerusalemer Bürgermeister M. Isch-Schalom dem he bräischen Schriftsteller S. J. Agnon den Ehrenbürger brief der Heiligen Stadt Jerusalem, Hauptstadt Israels. In der Ehrenbürger Urkunde wird betont, dass dem Dichter 58 Jahre nach seiner ersten Veröfentlichung und 54 Jahre nach seiner Ankunft im Lande Israel diese Ehre zuteil wird. Die Professoren Dow Sff üan und Kurzweil würdigten Werk und Persönlichkeit Agnons. Der Autor dankte in gerührten Worten. Mini sterpr äsident Ben Gurion hatte einen Brief an den Bürgermeister gerichtet, in welchem er bedauerte, an gemeinsam mit Agnon tue Ehrenbürgerschaft Jerusalems zu besitzen. der Feier nicht teilnehmen zu können, da er selbst ein Ehrendiplom des Technions in Haifa enlgegenzunehmen habe. Ben Gurion betonte, dass er es sich selbst zur hohen Ehre anrechne, un Knesset-Delegation in Brasilien Rio de Janeiro. — Zwei Knesset - Deputierte, David Hacohen von der Mapai und Menachem Bader von der Cherut. trafen hier ein. um an der 51. Versammlung der Interparlamentarischen Uni on teilzunehmen. (ITA) Die Besiedlung des Hege* ‘Tel Aviv. — Premierminister David Ben Gurion lenkte die Aufmerk samkeit seiner Mitbürger auf die Gefahr, die im Zeitalter der Atomraketen in der Konzentrierung der Bevölkerung im Küstengebiet liegt. Er fordert zur- Ansiedlung in den südlichen und nördlichen Landesfeilen auf, die genügend freien Raum bieten. Diese Warnung ist in dem Vorwort enthalten, das Ben Gurion zum I«- raelischen Jahrbuch ver fasste und in dem er sich für ein Wiedererwachen des alten Pioniergeistes einsetzt. (ITA) Die Entwicklung Jerusalems Die Verlegung des Sitzes der Regierung nach Jerusalem zu Ende des Jahres 1949 hat der Entwicklung der Stadt in verschiedener Hinsicht beträchtlichen Antrieb gegeben. Der Hauptfaktor bei der Förderung der industriellen Entwicklung Jerusalems war die Jerusalem Economic Corporation Ltd., die ge nveinsam von der Regie rung. welche den grössten Teil der Aktien besitzt, dem Jüdischen Nationalfonds und der Jewish Agency geschaffen wurde. Die Gesellschaft wurde im April 1948 mit einem bewilligten Aktienkapital von etwa 1 Millionen IL gegründet und besitzt heute ein eingezahltes Aktienkapital von ungefähr 2,5 Millionen IL. Durch die Tätigkeit der Gesellschaft wurden 3.000 Arbeitsplätze für Arbeiter und Angestellte in der Stadt geschaffen. Die Gesellschaft hat die Errichtung einer grossen Zahl von Fabriken und die Erweiterung bestehender Unternehmen gefördert. Darunter befinden sich zwei Spinnereien, drei pharmazeutische Fabriken, eine grosse Schuhfabrik, eine Bleistiftfabrik, eine Plastikfabrik, Stickerei- und Spit zenmanufakturen und ein Mefallstrang-Presswerk. Im ganzen bat sie etwa 72.000 qm industrieller Anlagen gebaut und industrielle Zonen in verschiedenen Teilen Jerusalems angelegt. Sie hat auch die Einrichtung von Werkstätten veranlasst, die hauptsächlich ältere Men sehen und soziale Fälle beschäftigen, und eine eigene Werkstatt für diesen Zweck eröffnet. Die Gesellschaft hat ein prächtiges Gebäude für die Diamantenindustrie erbaut, da Jerusalem zu einem Zentrum dieses Wirtschaftszweiges werden soll. In der Aufteilung der Ar beitskräflo in der Hauptstadj ist eine auffallende von A. FELDER Veränderung vor sich gegangen. Im Jahre 1952 waren 23,2 Prozent der Arbeitskräte Beamte und Büroangestellte (einschliesslich der Polizei), im Jahre 1961 dagegen waren es nur noch 11,6 Prozent. Der Anteil der Angehörigen der freien Berufe wuchs von 9,1 auf 15,4 Prozent. Die Entwicklung der Touristik führte ein Anwachsen der damit verbun denen Wirtschaftszweige (Hotels, Banken, Hauspersonal usw.) von 8.4 auf 17,2 Prozent herbei. Aber die wichtigste Tatsache ist wohl, dass der Prozensatz der vorübergehend Beschäftigten von 13,7 im Jahre 1930 auf 7,3 Prozent im Jahre 1961 gefallen ist. Dies beweist, dass trotz des grossen Anwachsens der Bevölkerung ein viel grösserer Teil endgültig in der Wirtschaft eingeordnet worden ist. Auch die Bautätigkeit ist in Jerusalem, wie in anderen Teilen des Landes, sehr rege, und die Bevölkerungsdichte spiegelt eine deutliche Verbesserung des allge meinen Lebensstandards wider. Während die Bevölkerung der Neustadt Jerusalems zu Ende der Mandats zeit 84.000 Seelen betrug, waren es im Jahre 1961 166.300, d. h. dass sich die Bevölkerung seit der Staatsgründung um 98 Prozent vergrössert hat. Im Jahre 1954 bei einer Bevölkerung von 143.500 Seelen) gab es in Jerusalem 35.916 Wohnungen mit 65.258 Zimmern. Die entsprechenden Zahlen für 1961 sind 45.554 Wohnungen mif 88.666 ■ Zimmern. Dies bedeutet', dass in den sieben Jahren seit 1954 die Durch sebnittszahl von Personen pro Zimmer von 2,19 auf 1,87 gefallen ist. Man nimmt an. dass Jerusalem bei der gegenwärtigen Planung 1970 ein€ Be völkerung von 256.000 Seelen haben wird, und bis dahin sollen 80.000 Zimmer ge baut werden. Dadurch hofft man, die Bevölkerungsdichte auf 1,5 Menschen pro Zimmer vermindern zu können. NATIONALES VER¬ SAMMLUNGSGEB AEUDE Das Gesicht Jerusalems hat sich in den letzten Jahren vollständig verändert und verändert sich auch weiterhin. Veranchlässigt-e Plätze wurden in Anlagen verwandelt, schöne Hotels errichtet, Strassen erweitert und hässliche Viertel durch moderne Bauten ersetzt Eines der grossartigsten neuen Gebäude, das schon fast fertiggestellt ist, ist das nationale Versammlungshaus (Binjane Ha'uma), in dem die Jewish Agency Herzls Traum verwirklicht hat, einen Kongressaal als Symbol fär die Judenheit zu bauen. Bis jetzt hat die Jew ish Agency etwa 5 Millionen IL in diesen Bau investiert, und man nimmt an, dass die gesamten Baukosten etwa 7 Milionen IL be tragen werden. Ein anderer bemerkenswerter Bau. tatsächlich einer der imposantesten in der Hauptstadt, ist Hechal Sehlomo, der Sitz des Oberrabbinats von Israel, das 1958 eröffnet wurde. MEDIZINISCHES ZENTRUM Ein wichtiges Projekt, das beiläufig auch die Ausbrei tung Jerusalems in westlicher Richtung aufzeigt, ist das neue medizinische Zentrum der Hadassa und der Hebräischen Universität, das auf einem Berge oberhalb des alten Dorfes Ein Rarem, am Rande von Jerusalem liegt. Das Zentrum ist ein ganzer medizinischer Komplex und umfasst: ein Univeisitätskrankenhaus mit mit 500 Betten, eine Schwesternschule und vorklini sehe, klinische und For schungs - Laboratorien. Di< Entbindungsabteilung und die medizinischen, zahnärztlichen und pharm akolpgi sehen Fakultäten stehen vor der Vollendung. Die auffallendste Verände. rung in der Landschaft Je rusalems bietet Givat Ram das Gelände der Hebräischen Universität, wo in unglaublich kurzer Zeit öde Felsen und Steine ver schwupden sind und schönen Gebäuden und gepflegten Anlagen und Gärten Platz gemacht haben. DAS KXESSET- GEBAEUDE Aber Jerusalems Gebävde der Zukunft, das die politi sehen Hoffnungen Israels beherbergen wird, ist das neue Knesset Gebäude. Es wird auf einem Hügel errichtet, von dem man das ganze Stadtgebiet überblik ken kann. Vor seinem Eingang wird ein grosser, 90 Meter langer Platz liegen. Der obere Teil des Gebäudes, der mit an Ort und Stelle gebrochenem Stein verkeidet wird, wird den Sitzungssaal der Knesset und einen Raum für Staatsempfänge enthalten. In den anderen Teilen worden sich die Silzungsräume für die Comités, das Büro des Sprechers, Regierungsbüros und andere Dier-sträum? befinden. Sie weiden sich auf drei verschiedenen Niveaus um den Hügel herumziehen und einen herrlichen Blick über die Jerusalemer Berge bieten. Die Errichtung der neuen Knesset wurde durch ein Vermächtnis des verstorbenen James de Rothschild in Höhe von sechs Millionen IL ermöglicht. Zu dieser Summe kamen aus seinem Nachlass noch 1.170.C00 IL hinzu. Das Gebäude soll im Jahre 1963 fertiggestellt werden. r- 309

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