Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1983 (26.10.1962)
- Date
- 1962-10-26
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/9616703-9612947-9613535--2420-9613542- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
^denkiich T"n Wer oble:n. das r in Israel "Deutung 'OG der grie huf Aristo- Kunst die Realität ”. griechid'ese Auf- Kartig bedie Sage den Nach- König von nbar ein auer war. stik einer u, dass er íes Kunst d Zeus an. île zu bele wurde erlr gewann Die mich auf die ieehischer Hieben ge. Weintrau 'aube war gestaltet, B&IS-CHORIN düs Schwalben das Bild anf%n und mit ihren Sch nabet nach den Beeren picktet. so dass der Künstler ■♦»Werk durch einen Vor hang schützen musste. Hier haben wir, in zwei Kunst-Sagen, das Ideal des Arisoteles demonstriert: die Kunst als Nachbiidnerin der Katar, wobei die Natur in ihrer vollendeten Schönheit Iwgehalfen wurde, denn nur das Schöne war der Verewigung würdig. Dagegen erhebt sich das strenge Bildverbot des Deltalog, das zweite Gebot: •Du sollst dir kein Bildnis wachen und keinerlei Ge stak dessen, was im Himmel oben und was auf der Erde unten und was im Wasser unter der Erde ist.“ Hier stehen sich zwei Auffassungen hart gegenüber: die bildfreudige der Helleuen und die bildfeindliche der Hebräer. Selbslverständ ¡ichist dieses Problem aber nicht unter nur-ästhetisehen Gesichtspunkten zu sehen, sondern primär unter kultisch-religiösen. Das Bildver bot der Hebräer war ja ein ' JERUSALEM iTHAN (Jemsalim ) g sein. Prophe- „Brechet nal, ihr halapms, der F.wi set Yeru-;rzen der der jüdieben den al weltbelie Kraft, eiten und en hlstomederzueinde zu Yirfflifabu s seines 51 ket aus der >n und Yeti,auf i“ 'und seif •ser Bf £ ■ute *¡ed,fr en ta in de" li¡,' irer »« der it den’ die .«sen: ge wie vor i«i Snkk°f Wall' fahrtsfestes. das wiederum Zehatausende jüdischer Pilger aus dem Lande Israel selbst und den Ländern, in denen sonst unsere Brüder und Schwestern die heilige Stadt vielmals nur in ihren Gebeten erwähnen, den Zi onsberg bestiegen, haben alle diese Zitate einen ganz anderen Inhalt, als es noch vor fünfzehn Jahren üblich war. Heute kann der Pilger nicht nur die Stadt mit einem tröstendem Gefühl der al! zu fernen Verwirklichufig der vielen Propheiungemehen. sondern sich nun wirklich von dem ersten Augenblick seines Besuches an ais ein Mitglied der privilegierten Generation, diese Verwirklichung mit eigenen Augen sehen zu können, bet rachen. Die geschichtliche Perio de.fe zwischen dem ersten Königtum unter der Errichtungdes Staates in unseren Tag«, dem Beginn der messianhehen Periode, wie wir esiiunseren neuen Gebeten bezeichnen, liegt, ist zu einer üstorisehen Einheit ge worden. Der innere Drang all unsere Brüder und Schwestern in den Mauern jenralems willkommen zu heisn. ist nicht eine Touri- -.teodfvise, sondern ein Vfujsch. der von einer historischen Verantwortung beseeltist. Es ist mehr als ei ue Fahrt im Autobus, die die Gräber Davids und Herds verbindet. In der nächsten Umgebung beider Griber sind Denkmäler den Märtyrern unserer Generation errichtet. Die Stadt bietet heute den Anblick einer jnitttcren Hauptstadt, aber eben mit dem Unterschied des Bewusstseins, das sich rnit den Stadtgrenzen eirsewänken lässt. Alle sind vojider Hoffnung beseelt, (jassdie Tage wie vormals r-riwert werden und alle, ja „re,“-ich hier als Bürger ¡isdPitJs^r treffen und gemeinsam an der Zukunft Je-;s>»ii-ni!s einen arbeitsvollen Atik'i haben können. lftadim Lsimeha. Cha t,* U'st-manin) Lssa.>ssori! Verbot des Götzendienstes und die Bildbejahung der Hellenen drückte sich in ihrer Anbetung der Statuen aus. die als ..Silz der Götter“ gedacht wurden. Das strenge Bildverbot der Hebräer hat sich übri gens nie radikal durchgesetzt. Die Bibel selbst kennt Durchbrechungen des Bildverbotes: die Anfertigung der ehernen Schlange tNechusehthan) durch Moses und die Verfertigung der Cherubim über der Bundes lade im Stiftszelt. Der salomonische Tempel war reich an bildlichen Darstellungen: Stiere, die das Eherne Meer trugen und Granatäpfel (Rimonim). welche die Säulen schmückten. Man verengte das Bildverbot mehr und mehr auf die Darstellung von Menschen, aber auch dieses Verbot wurde durchbrochen. wie die Fresken in antiken Synagogen zur Ge niige erweisen. Der Gestaltungsdrang des künstlerischen Menschen war offenbar nie ganz einzuengen. Bis heute schmücken Lö wen — entgegen dem strengen Verbot — die Heilige Lade in den meisten Synagogen. und die Wappentiere der zwölf Stämme Israels griissen von den Wänden auch orthodoxer Synagogen. Dennoch lässt sich sagen: das Bildverbot des Dekalogs iiess eine eigenständige hebräische Kunst der Antike offenbar nicht aufkommen. Nun aber spricht Professor Angeio Procopiou einen ganz neuen Gedanken aus. wenn er — in seiner Eröffnungsrede — darauf hinwies, dass die Hebräer durch ihr Bildverbot sozusagen die Urheber der abstrakten Kunst wurden. ABSTRAKTE KUNST. Die Abstrakten dominieren. Auch in dieser grieehi sehen Ausstellung, in der sie mehr als drei Viertel der Bilder und der wenigen Plastiken stellen. Und hier liegt — die Enttäuschung und das Problem. Wo ist das gewaltige Erbe der Griechen geblieben, wo das Vermächtnis auch von Byzanz? — fragt der Besucher ratlos. Abstrakte Gebilde blikken uns — nicht an. Sie verharren blicklos in sieh selbst. Losgelöst von jedem Mutterboden sind sie Ausdruck einer Zeit, die alle Masstäbe verloren hat und — sich dem chaotischen Angstgefühl der Bindungslosigkeit überlässt. Zu gleicher Zeit stellten Kiipstein & Kornfeld. Bern, 16 Earb-Lithographien des Amerikaners Sam Francis aus: dieselbe abstrakte Bodenlosigkeit. Traditionsiosigkeit. das Bangen des Ausgeliefertseins des glaubenslosen. des ins Nichts, geschleuderten Menschen, der im Grauen vor der Atombombe zittert! Tatsächlich nennt ein griechischer Pia stiker Georges Zongolopulos seine Eisenkonstruktion ..Hiroshima“. Kein Erbe des Praxiteles ist unter den Skulpturen, kein Maler, der Vögel in Versuchung führen könnte, unter den neugriechischen Künstlern. Das Abstrakte regiert — in Athen und Paris. in New York und Rom. in Mexiko und in Israel. Früher konnte man eir.cn Italiener von einem Niederländer mit Leichtigkeit un terscheiden. ein griechisches Kunstwerk von einem ägyptischen. Jedes Land hatte seine bodenständige Kunst, inig seines Eigenes bei zur Kunst der Menschheit, Ress Neue Bücher lija Ehrenburg: Menschen — Jahrs — Leben. Autobiographie, verlegt ‘bei Kinokr, München. — liia Ehrenburg ist eine der sehillernsten und umstrittensten Persönlichkeiten unserer Zeit, ein Mann, der ein bewegtes Leben hinter sich hat. das ihn in Verbindung mit fast allen Grössen unserer Zeit brachte. 1891 in Moskau geboren, führte ihn der Weg durch viele europäische Länder, in erster Li nie nach Paris, aber auch nach Deutschland, wo nach dem Ersten Weitkrieg in Berlin ein Zentrum'des lite- ) arischen Russlands entstanden war. Schriftsteller und Journalist hatte Ehrenburg schon früh beachtete Bücher veröffentlicht. Noch stärker aber trat er mit seinen Artikeln in den Vordergrund, die von der ganzen Welt in allen Sprachen gelesen wer den. Ehrenburg hat alle kommunistischen Zaren über standen, was gewiss eine Leistung ist, die festgehalten werden muss. Ein Mann von europäischer Kultur ist Ehrenburg heute einer der wenigen Russen, der in sich die Einheit Europas \erkörpern könnte und über die politischen Trennungen hinweg das geistige Erbe des alten Kontinents in sich repräsentiert. Seine Autobiographie, in der er beinahe alle führenden Persönlichkeiten der letzten Jahrzehnte aufmarschieren lässt, ist glänzend geschrieben und darf als ein Stück Zeitgeschichte, wenn auch aus einem einseitigen Blickwinkel, betrachtet werden. Die Veröffentlichung des Buches durch einen deutschen Verlag führte zu heiligen Debatten in der Bundesrepublik, da Ehrenburg äussersf scharf gegen die Deutschen im Angesicht der von ihnen verübten Greuel in Osteuropa und Massenmorde an den Juden gesprochen, geschrieben und gedacht hat. Eigentlich bedeutet diese Debatte kein Ruhmesblatt. da Ehrenburgs Urteil nicht von irgendwo] chen Zvveckmä ssig keitert beschattet wird. Dass solche Bücher in Deutsch land aus diesen Gründen diskutiert werden, ist bedenklich. Umso grössere Anerkennung gebührt dem Ver lag Kindler. der Ehrenburgs Buch «immerhin mehr als 800 Druckseiten! trotz aller Widerstände herausgebracht hat. (p. k.) in Farbe und Stein sein Lied erschallen unter den ..Stimmen -der Völker. Nichts von alledem findet sich mehr in diesem Ozean von Abstraktheiten. Vielleicht ist das eine Folge der Technik: die Photographie. die Farbphotogra phie zumal hat sich der Aufgabe der Imitation der Wirklichkeit bemächtigt. Der rasende Düsenfiug hat die Ent fernungen aufgehoben, so dass offenbar dadurch das Eigenständige der Kunst im Schwinden begriffen ist. 'Aber warum malt kein Moderner die Welt des Fluges, die Wolkengebirg?. die keines Menschen Auge von oben erblickt hat bis zu unserer Zeit!!. Film. Radio. Television tun das Ihrige zur Nivellierung. So schwin riet alles ins Wesenlose hin Und das Wesenlose beherrscht die abstrakte Kuns; von heute . all-überall! EIN NEUHEBRAER VOR NEU-GRIKCIJEN S-c friedlich sind wir einr.’d-r schon lange nicht iv.ehr begegnet: Hebiäer ur.d Griechen. Wir hatten ja zar Zeit der Makkabäer ein unangenenmes Rencontre. Unsere- Jugend ist bis heule ein Trauma davon ver b.jshe i. So erzählte mir jüngst ein Vater, wie er- Hebraeischer UñteYticht -n 33ni “mn»rrnön*?ö3 .d^ss 33*7 crem nx nriQV? 10333 oipinn p-nnxi /nav»? 3Ç9 ,0-nwwn onix o^a^a an /•ao» iDo-rra *733 a^nan DH 1J3 *73' ^033 ,ns*,*?j? rrm3S?3 nnwB? *733 *]X - DH3 D'313 D’TD^nn .njroisrr "dw nx d-d^d antfaan “ID0-T133 DfniS1? . v ** *■ T : .ntrçnrrpxa ^xi loten x'ühn 33311 nitöa T “ ana can .apin nix3 □^*7" 3T*?im ninstzto 33171 t : : t : ■ 1 " .D^xna (jr'a’rw imav ma nsswa) * t »»• » * i * mx p'|7 Di'3 nnio fiaría ¡7iwn niü.3C3 nxn n¡rm?ír riT nma .*732 ,T”*?S7 v V“: - TT •*: - t : * pj3*7 “Dia d'(7¡i*7 inix nniy HT3 “)3iz? Xin .D'Tliïn T ” T : T H33 1DDX2 nai .D'3m? ams c^“*7,, -j : t : ,n*7nn*7 x^ ician dü nie? (31 ) nnxi a^*?^ “3D*7i nx3n rsan nx Toian D'pn '110 HT.p3aa .Di*7^n'3 i*?ttf >13 3333 mao ,“13*7 ,rnri3i7 v-nn ,np33-rr3 -nt?3 mm -aVix X*7 312? .inix f]"p3 ]21 ,D'¡7 -inn? ddíü*7 mmpn ^*7x3 .*7130 X*?'m TJ13H X*7*7 3Í3 .3l2¡73 313*71 7]32113*73p )X3 n ' I* M ia «M Jr i I I I fv4i3 n3X*73 D"13i*7 D"332; D3H2 333* - “ T ,'3*7^33^ T27H *727 * T ■Hirr ms? BLINDE LERNEN EIN HANDWERK (Rechte Spalte) An einem Sommertag ging NathuriT Natanson, ein Jerusalemer Kaufmann, durch die Gässchen des Marktes der Altstadt und sah, wie ein blinder Jude durch ein Kamel verletzt wurde. Dies Schauspiel veranlasste «li ihn. ein Blindenheim zu gründen. Er mietete eine Kellerwohnung, in der einige verlassene jüdische Kinder aufgenommen (2) wurden. Der Ruf der Institution wurde rühmlich bekannt, und vor 31 Jahren errichtete das Heim sein schönes Gebäude in Jerusalem. In diesem (Gebäude) gibt es Schuizimmer, eine Brailebibliothek. eine Synagoge. Arbeitsräume, Musiksäle, Spielzimmer, und ein Garten umgibt das Gan ze (3). Die Blinden brauchten nicht weiter in den Strassen ohne Erziehung und ohne Pflege herumzulungern. Hier bekamen sie (ihre) Erziehung und lernten ein Handwerk. (Linke Spalte’ Im Befreiungskrieg gaben die Musiker unter den Blinden Konzerte vor verw undeten Soldaten. Die Zöglinge lernen im Heim die he bräische Braiiesehrift. und danach erhalten sie dieselben Unterrichts-Stunden, die in jeder Volksschule üblich sind. Ausserdem werden sie in Flechtarbeit unterwiesen, und viele von ihnen auch in allen Sparten der Musik. Die begabten Schüler setzen ihre Studien in Mittelschulen und auch in der Universität fort. Während der Jahr« seiner Existenz hat das Heim Hunderte von Zöglingen entlassen. Viele von ihnen gründeten Familien, denen gesunde Kinder beschert wurden (4>. 1) Wörtlich: erweckte 2) „ ein gesammelt 3) ,, es (das Haus) 4) „ und zeugten gesunde Kinder CIEGOS ESTUDIAN UN OFICIO (Columna derecha) En un día de verano, Nachum Natanson. un comerciante jerusalemiía. paseó por las callejuelas del mercado de la vieja ciudad, y vio como un judío ciego fué herido por un camello. Este espectáculo lo impulsó a fundar una institución para ciegos. Alquiló un departamento en un sótano y en el se reunieron unos cuantos niños ciegos abandonados. El renombre de la institución adquirió fama, y hace 31 años, la institución construyó su hermoso edificio en Jerusalén. En este edificio hay salas de estudios, una biblioteca Braile. una sinagoga, salas de trabajo, una sala de conciertos y de recreación además de un hermoso jardín que lo rodea. De este modo los ci? gos no se ven más precisados a vagar por las calles sin instrucción, y estudian un oficio. (Columna izquierda) Durante la guerra de liberación los mtisicos entre los ciegos ofrecieron conciertos a los soldados heridos. Los alumnos de esta institución estudian escritura Braile en hebreo y luego reciben la misma instrucción come .en cualquier colegio primario. Además reciben clase de trenzado y muchos de ellos también en todas las ramas de la música. Los más capacitados prosiguen sus estudios en colegios secundarios y también en la universidad. Durante los años de su existencia, muchos alumnos han egresado de esta institueicn. Muchos de ellos formaron sus familias y tuvieron hijos sanos. schrocken sein Junge war, als er ein griechisches Schiff im Hafen von Elat bemerkte. Der Fünfjährige war der Ansicht, dass Juda Makkabi die „Griechen“ auf immer aus den Grenzen Israels verscheucht habe. Man muss da vorsichtig sein, muss erklären, dass es sich eigentlich garnicht um Grie chen handelte, und dass sich die Zeiten und die Yöikerverhältnisse ändern ... Nun also: friedlich begegnen wir einander: ich, der Enke] der Makkabäer, und sie. die Enke] des Perikies. Aber sie sind ebensowenig als Enkel des klassischen Altertums zu erkennen, wir ivh als Enkel der liammersehwhngemlen Goitesst reifer s. Hier liegt das Frobltm: das Gemeinsame! Die modernen griechischen Künstler haben es offenbar aufgegeben. sich ihres überwältigenden Erbes bewmsst zu bleiben. Es würde sie wahrscheinlich erdrücken. Es würde sie zu ewigen Epigonen machen. Das goldene Zeitalter liegt, hinter ihnen. Unerreichbar, unberiihrbar . . . fern, lern! L’ns bietet sich das Prolöem nicht in der bildenden Kunst, sondern in der Literatur. ln der bildenden Kunst haben wir kein eigenwüchsiges klassisches Altertum aufzuweisen. Das Feisemvorl vom Sinai ha* es zertrümmert. Aber im Wort liegt unser Goldenes Zeitalter. das biblische, hinter uns, und wir suchen, tastend in der Nacht, den Anschluss. Gelingt es uns? Kann unser Weltgefühl, das nicht mehr theozentrisch ist. an das der Bibel schöpferisch ansebiie ssen, oder droht uns ein Neokiassizismus in hebräischem Gewand? Sollen wir, wie die Griechen, die Suche und die Sache aufgeben und uns ganz der westlichen Weltlichkeit der Abstraktion verschreiben? (So deutet es der Professor aus Athen an) Alhen verpflichtet nicht minder als Jerusalem. Muss Jerusalem dieselben Konsequenzen ziehen wie das moderne Athen? Das sind die Fragen, die den Besucher bestürmen, der nicht als Kunstkritiker, sondern als nachdenklicher Zeitgenosse das gemalte und modellierte Chaos auf sich einwirken lässt.