Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1982 (19.10.1962)
- Date
- 1962-10-19
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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gca a S £ S ä FRANQUEO PAGADO Concesión 908 fc z o i — r® bé s w s- TARIFA REDUCIDA <u Concesión 1629 SEMANA ISRAELITA An® XXIII. BUENOS AIRES, VIERNES 19 DE OCTUBRE DE 1962 No. 1982 EL EJEMPLAR en toda la República PUEVRREDON 2190 1* teq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Der Panarabismus zerbricht Die Bewegung des Panarabismus gebar zwei Gruppen, aie in den meisten arabi sehen Ländern Fuss fassen und die Idee der Zusammengehörigkeit der Araber verfechten konnten. Die Moslemischen Brüder verfochten die Idee der Einheit, gestützt auf eine radikale religiöse Haltung. Im Ge gensatz zu ihnen stand die Partei „Baat“, die nationalarabische und demokratischsozialistisch sein wo.He. Im Gegensatz zu vielen anderen arabischen Richtungen konnte die Baat Partei in den meisten arabischen Staaten Anhänger gewinnen In Syrien, ihrem Stainmland. waren Akram Haurani, der ehemalige syrische Aussenminister Zaleh Bitar und der Parteiideologe Miche. Aflaq ihre Führer. Im Königreich Transjorda nien war die Baa'-Partei zeitweise so stark, dass König Hussein den Baat-Anhän ger Suleiman Nabülsi zum Ministerpräsidenten ernennen musste, der seinerseits einen linken Mann, Abdalla Rimawi zum Aussenminister berief. Im Irak schliesslich trat nach der Juli-Revolution von 1953 Colonel Aref als der anerkannte Führer des Baat auf. VOX SYRIEN GING DIE IDEE AUS Als Nassers Regime erstarkte und der ägyptische Präsident sich zum Herold der arabischen Einigung machte, begannen die Baat Führer, ihn zu unterstützen, und wollten die Idee des Panarabismus und des So zialismus in Gemeinschaft mit dem neuen Stern verwirkliche». In Syrien selbst hatte die Baat-Partei vor einigen Jahren beachtliche Erfolge bei den Parlaments wählen erringen können. Sie musste jedoch sehen, dass in der syrischen Arbeiterschaft in Aleppo und in anderen Orten Radikalisierungs Tendenzen um sich griffen, und dass die Kommunisten bei den Arbeitern und in den Gewerkschaften leichte Erfolge erzielen konnten. Die Baat-Führer wollten Syrien nicht an die Kommunisten und ihren Fiih rer Haled ßakdasch auslie fern, und daher wurden sie die Wortführer der Vereinigung mit Aegypten. Das Weitere ist bekannt Die Union Aegypten Syrien kam zustande, und Akram Haurani, der Führer Jer sv rischen Baat-Partei wurde Vizepräsident der Vereinig Neue Prozesse in Russland London. — Fünfzehn Personen, vierzehn hiervon mit jüdischen Namen, wurden in der Ukraine wegen „Gold und Devisenschiebungen" vor Gericht gestellt, wie hier aus Moskau eingelaufene Berichte besagen. Der Namen des fünfzehnten Angeklagten wurde nicht angegeben. „Prawda Ukrainy“ meldet, dass der Prozess „vor einigen Tagen“ in Tschernobil, einer ukrainischen Stadt mit grosser jüdischer Einwohnerschaft, begonnen habe. Er ist der letzte einer Reihe von Prozessen, die seit Mitte des laufenden Jahres geführt werden und bei denen die Namen von Juden in der sowjetischen Presse veröffentlicht wurden. Die Zeitung behauptet, dass Brillianten, 25 Kilo Goldbarren, sowjetisches Geld und Devisen, .sogar ein Scheck zahlbar auf die Bank von England11 im Besitz der Mitglieder dieser „Bande“ gefunden worden seien. Ferner heisst es, die Juden ven Tschernobil hätten viele Verwandte im Ausland und dieser Umstand sei den Angeklagten bei ihren angeblichen Manipulationen zustat ten gekommen. Die vorerwähnte Zeitung berichtet im einzelnen über die Anklagen gegen sechs in fiese Affäre verwickelte Juden, während bei den übrigen Beschuldigten nur kurz der Name genannt wird. Unter den ersteren wird der 81jährige Alter Bronstein erwähnt, der sich als Bettler ausgegeben und altes Brot gesammelt habe, während er einen Gürtel mit Goldstücken, tausende Rubel, Dollar und Franken, umgebunden trug. Bronstein, so heisst es in dem Artikel, habe sich aus Geiz niemals verheiratet, weil er sein Vermögen mit niemandem teilen wollte. Di° Anklage gegen ihn lautet auf verbotene Devisengeschäfte in Hohe von über 100.000 Dollar in den letzten Jahren. Jefim Margosehes, ein Eisenbahninspektor, steht un ter der Anklage, Verbindungen mit Spekulanten in Moskau, Lwow, Kiew und Brest' unterhalten zu haben. In al len diesen Städten wohnen viele Juden. Die Zeitung beschuldigt Margosehes, sich als Käufer und Wiederver käufer von Waren zu kurzfristigen Bedingungen im Wert von über 170.000 Rubeln betätigt zu haben, und fügt hinzu, im Augenblick seiner Verhaftung seien bei ihm sie ben Sparkassenbücher gefunden worden. Ein anderer Angeklagter, Mosche Meir Zayta, der als „breitschultriger Mann in einem alten blauen Anzug“ beschrieben wird wurde verhaftet, weil er „mit allen nur möglichen Artikeln“ angefangen von Damenstrümpfen bis Gold für rund 130.000 Rubeln in den letzten drei Jahren spekuliert hat. Im weiteren berichtet „Prawda Ukrainy“ von Ilersch Sehternberg, der als Buchhalter in Hner Fabrik arbeitete und im Jahre 1946 zu spekulieren anfing, und dass der Vater des Genann'en in eine Schiebung von 180.000 Ru beln in Auslandswährung verwickelt sei. „Aufgrund unsere Informationen, die weit davor entfernt sind, vollständig zu sein“, schreibt das Blatt weiter, „war ein anderer der Verhafteten, Schrul Zimilewich, der Einkäufer einer Volkskooperative, bei seiner Festnahme im Besitz von 929 Goldstücken, russischem Geld. Schecks. Coldwa ren Edelsteinen und 150 Persianer!ilien.“ (ITA) ten Arabischen Republik Auch ein anderer Bat-Fiihrer, der syrische Aussenminister Zaleh Bitar, erhielt einen hohen Posten in Kairo, wenn er auch nicht — wie er es erträumt hatte — zum Aussenminister der Vereinigten Republik gemacht wurde. Die Freude über die Vereinigung hielt jedoch nicht lange vor. Die Baat-Führer hatten gehofft, dass sie in Syrien die Vollstrecker der Einheit werden und prak tisch allein — im Aufträge Nassers — in Damaskus regieren würden. Nasser Hess sich jedoch auf dieses System einer Autonomie nicht ein, sondern wollte seine Herrschaft in Syrien selbst ausüben. Nicht die Baat- Führer wurden als seine Vertreter in Syrien einge setzt, sondern Männer wie Hamid Serradj, die von den Baat-Anhängern bitter gehasst wurden. Akram Haurani und Saleh Bitai sehie den nach einiger Zeit aus der Regierung aus. und praktisch waren die enttäuschten Baat-Leute in die Opposition libergegangen, wenn man auch oppositionelle Neigungen unter dem diktatorischen Regime Nas sers nicht spüren konnte. AKRAM HAURANI GEGEN NASSER Nach der Revolution im September 1960 und dem Ausscheiden Syriens aus der Union mit Kairo bekannte ein Teil der Baat-Führer sieh offen zum neuen Staat und trat gegen Nasser und seine VAR auf. Hier ist in erster Linie Akram Haurani zu nennen, der wegen seiner Enttäuschung und Zurücksetzung von Kairo nichts mehr wissen wollte. Die Aegvpter begannen ihn daraufhin in Presse und Rundfunk heftig anzugreifen. Eine Zeit lang schwieg Haurani. dann veröffentlichte er eine Serie von Artikeln, in denen er schwerste Vorwürfe gegen Nasser erhob. Haurani, der besonders scharf anti-israelisch ist, führte aus, er habe sich für die Union mit Kairo eingesetzt, um Israel vom Golf von Akaba zu vertreiben und an der Verwirklichung des Jordan Projekts zu hin¬ Verhaftungen in New York New York. — Zwei Jugendliche wurden von der r.ewyorker Polizei verhaftet, die schon einige Tage zuvor einen Halbwüchsigen festgenommen hatte, der an der Schau düng des jüdischen Friedhofs in Maspeth Queen beteiligt war. Die drei 14- bis 15-Jährigen sind Mitglieder eines „Nazi Klubs“, in dem, nach Angaben der Polizei Bilder von Hitler und Eichrtiann. Hakenkreuze und Nachbildungen der Gaskammern gefunden wur den. Auf dem Friedhof wurden rund 200 Grabsteine zerstört. Die angerichteten Schäden werden mit 100.000 Dollar beziffert. (ITA) dern. Nasser habe dagegen diese Aufgaben nicht ernst genommen, und nach Hauranis Darstellung wäre Nasser schon bereit gewesen, dem Kompromissplan des Amerikaners Johnston für die Ausnutzung des Jordan zuzustimmen. Nur Syrien verhinderte dies. Dieser von Haurani gerügte Vorgang spielte vor der Vereinigung Syrien-Aegypten, aber dies I hinderte die Baat Leute spä-! ter nicht, für die Union mit j Nasser einzutreten. DER GEHEIM-KONGRESS Während Haurani Nasser j scharf angriif und für Selbständigkeit Syriens plädier-1 te, vertraten andere Baat Führer entgegengesetzte Meinungen. Saleh Bitar empfahl nach den Enttäuschungen der Vergangenheit eine föderative Union mit Aegypten, weil „das Volk für Vereinigung sei“. Der Par taiideologe M. Aflaq blieb dagegen radikaler Panarabi$t wie einst und forderte die sofortige Wiederherstellung der Vereinigten Arabischen Republik. Die verschiedenen Auffas sungen prallten auf einem Parteikongress der Baat- Partei aufeinander, der unter Ausschuss dar Oeffentlichkeit in Beirut abgehalten wurde. Die Oeffentliehkeit wurde ausgeschlossen, weil auch Baat Anhänger aus Transjordanien, dem Irak und den Oelfürstentiimern teilnahmen, wo die Baat- Partei verboten ist. Ueber das Resultat dieser Parteikonferenz wurde zunächst offiziell nichts pubii ziert, aber kürzlich zeigte sich, dass sie mit einer Spaltung geendet hatte. Akram Haurani veröfient lichte einen Aufruf, in dem er zur Formierung der „echten Baat-Partei“ aufrief Und sich gegen jede erneute Vereinigung mit Kairo aussprach. Die Anhänger der Richtung Aflaq antworteten mit einer scharfen Erklä rung, in der sie feststellten, dass die Leute der Haurani- Gruppe nichts mehr mit der Baat-Partei zu tun hätten. Ein scharfer Richtungskampf ist nunmehr im Gan ge, und die früher bedeut same arabische Partei ist damit zerfallen. Da die Baat-Partei sozialistische Parolen auf ihre Fahne geschrieben hatte, versuchten zeitweise europäische Sozialisten, mit ihc Fühlung aufzunehmen. Der britische Linkssozialist Fen ner Brockway hatte lange Gespräche mit Aflaq. Seitdem jedoch die Baat-Partei sich zur Union mit Nasser und damit zur Diktatur bekannt hatte, waren diese Verbindungen abgerissen. Die Spaltung der Partei zeigte, dass die sozialisti sehe Basis des Baat alles andere als fest begründet ist, und dass momentane Erwägungen für ihre Parteiführer ausschlaggebend sind. Haurani hält es fetzt mit den Militärs und der Regierung ei Azmeh in Damaskus. hofft er doch, der kommende Führer in Syrien zu werden, wenn wie der einmal Wahlen stattfin den und eine parlamentarische Regierung gebildet werden kann. Syrischer Feuerangriff Tel Aviv. — Die syrische Artillerie richtete ihr« Kanonen auf die am südöstlichen Ufer des Tlberias- Sees gelegene israelische Kolonie Tel Katzir. Mehrere Stallungen gerieten in Brand, doch waren keine Opfer zu beklagen. Die israelischen Grenztruppen sa hen sich gezwungen, das Feuer zu erwidern, um den Angriff abzuschlagen. Die Bewohner des Kibbuz waren die ganze folgende Nacht mit der Lösung des Brandes beschäftigt Freiwillige eilten herbei, und aus den benachbarten Kibbuzim wurden Feuerwehrwagen geschickt. Während des Bombardements schlugen Flammen aus einigen Getreidesehuppen, und einige Kühe wurden ge tötet. Ein Bewohner von Tel Katzir wurde bei der Bekämpfung des Feuers von einer Kugel getroffen, nahm jedoch seinen Platz wieder ein, nachdem er verbunden woren war. Ein Lastwagen mit Heu. ein Geschenk von Freunden aus Tel Adaschim, den man in einem Schuppen gelassen hatte, wurde ein Rauh der Flammen. Die Syrer hatten das Feuer durch Schüsse gegen einen gepanzerten Traktor eröffnet. Als der Chauffeur unter dem Kugelregen seine Arbeit fortsetzte, richteten sie ihre Kanonen auf die Ortschaft. (ITA) Gefaengnis für englische Nazis London. — Colin Jordan, der Führer der englischen Nazis, erklärte sich vor den Richtern schuldig, ein Antisemit zu sein, denn „ich liebe mein Land und hasse die Juden für das. was sie getan haben.“ Jordan und drei andere Nazis sind der Verletzung der öffentlichen Ord nung angeklagt, die Organisationen verbietet, welche ihre Ziele durch die Gewalt zu erreichen versuchen. Jordan sagte ferner aus. er habe niemals Terrorakte geplant, noch habe er gegen irgend jemanden Gewalt angewandt, und er habe auch nicht die Absicht, durch Gewalt zur Macht zu gelangen. Colin Jordan und seine drei Adjutanten wurden von den Richtern in zwei Fällen der vier Punkte umfassen den Anklage für schuldig befunden, die öffentliche Ordnung verletzt zu haben. Jordan wurde zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Rieh ter Barry wies seinen Antrag auf Freilassung gegen Kaution bis zur Verhandlung der Berufung ab. Jorden und seine drei Mitangeklagten kündigten an, sie würden Berufung gegen das Urteil einlegen, wozu sie innerhalb der nächsten vierzehn Tage berechtigt sind. Jordans Genossen sind der 26jährige John Tyndall. Sekretär der englischen Natio nalsozialistischen Partei, der sechs Monate Gefängnis erhielt, und der 42jährige Kerr Ritchie und Denis Pirie. die beide zu je drei Monaten Ge¬ ISRAELISCHE WAFFEN Tel Aviv. — Die Ziffern über die Fabrikation von Waffen in Israel ergeben dass die diesjährige Produktion die des Vorjahres um 25 Prozent über steigt. Zwar werden keine Einzelheiten über die Verkäufe an das Ausland mitgeteilt, aber es wurde verlautbart, dass 45 Prozent dieser Waffen für den Export bestimmt sind. Die Produktions- Steigerung ist in erster Reihe auf Aufträge aus dem Ausland zurückzuführen. (ITA) fängnis verurteilt wurden. Die vier erklärten sich für unschuldig. Sie waren der versuchten Gründung einer Organisation angeklagt, die sieh „Spearhead“ (Lanzeuspitze) nennt und deren Mitglieder zu dem Zweck ausgebildet werden sollten, um durch Gewaltanwendung politische Ziele zu erreichen. Bei der Urteilsverkündung unterstrich Richter Barry, die verhängten Strafen seien „sehr milde“ und ob zwar die Angeklagten nur für zwei von den vier gegen sie erhobenen Beschuldigungen verurteilt worden seien, so stellten die anderen zwei Auklagepunkte auch „ernste Uebei'tretungen des Gesetzes“ dar. Bevor Colin Jordan abge* führt wurde, erklärte er. er übertrage die Leitung dei Weltverbandes der Nationalsozialisten dem Führer der „Amerikanischen Nazipartei“, George Lincoln Rockwell. solange er selbst im Gefängnis sitze. Einer seiner Anhänger äusserte hiarzu: „Wir werden jetzt den Befehlen Rockwells folgen.“ ANZEIGE GEGEN ROCKWELL Washington. — Die jüdischen Kriegsveteranen kündigten an, sie würden weitere Schritte gegen Rock well unternehmen und beim Justizministerium die Eintragung des amerikanischen Nazifiihrers als ausländischer Agent beantragen. Der Verband jüdischer Kriegsveteranen wurde beim Justizministerium vorstellig und verlangte diese Massnahme aufgrund der Tatsa che, dass Rockwell Mitglied des Weltverbandes der Nationalsozialisten ist und somit automatisch zu einem ausländischen Agenten wird. Die neue Eingabe gründet sich auf die Tatsache, dass Colin Jordan, der Führer dieser Organisation. Rockwell zu seinem Stellvertreter ernannt hat, während er selbst seine 9monatige Ge fängnisstrafe verbüsst. Manimmt an. dass Rockwell die Absicht hat, den nationalsozialistischen Welt verband vom Sitz seiner Partei in Arlington aus zu leiten. (ITA! Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831