Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1980 (5.10.1962)
- Date
- 1962-10-05
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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T’.'-' 5 de Octubre de 19*2 SEMANA ISRAELI TA Ab« XXIII. — Ne. 198« — 9 Th«o4or PUEYRREDON 21901. St. T. E. 83 - 2613 Sechzig Jahre Minsker Konferenz „Der russische Zionistenhongress“, wie die zionistische Konferenz von Minsk auch genannt wurde, fand vom 2. bis 8. Elut 5662 <4. bis 10. September 1902) statt und war die erste — und einzige — zionistische Tagung, die mit offizieller Bewegung der zaristischen Behörden abgehalten wurde. An ihr nahmen über 500 Delegierte teil, die zionistische Vereine in ganz Russland vertraten, darunter fünfzig Rabbiner, hundert Schriftsteller und etwa zweihundert Akademiker. Trotz der hef tigen Opposition extrem-or thodoxer Elemente war der religiöse Zionismus durch über hundert Delegierte des Misrachi vertreten. Die Assimilanten in St. Petersburg und der „Bund“ behaupte- ten, dass der Zionismus in Russland wenig Anhänger habe, und sagten eine geringe Beteiligung an der Konferenz voraus, doch sie hatten Unrecht. Ueberraschenderweise sandten grosse russische Zeitungen ihre Korrespondenten und veröffentlichten dann nicht nur genaue Berichte über den Verlauf der Tagung, sondern brachten auch Artikel über die zionistische Bewegung im allgemeinen und erklärten ausführlich das zionistische Programm, wobei auf das Hauptziel des Zionismus, die Wiederherstellung des jüdischen Staates in Palästina, besonderer Nachdruck gelegt wurde. UMFANGREICHE TAGESORDNUNG Die Tagesordnung der Minsker Konferenz W'ar sehr umfangreich. Dr. Baruch gab in seiner Eröffnungs rede eine Uebersicht über die Lage der zionistischen Bewegung auf der ganzen Welt, wobei er ein Anwachsen in allen Ländern der Diaspora feststelte. Mit grossem Beifall wurde eine Begrüssungs - Ansprache des Schriftstellers M. L. Lilienblum im Namen des Odessaer Comités der Chowewe Zion aufgenommen, die auf diese Weise endlich die Zionistische Weltorganisation anerkannten. Auf kulturellem Gebiet waren grosse Leistungen aufzuweisen, wie die Errichtung vieler „Chadarim Mefukanim“ (reformierte jüdische Volksschulen), Bibliovon Dr. N. Mi. GELBER theken und Vereine zur Verbreitung der hebräischen Sprache. Die Delegierten erfuhren auch von Wirtschaftsunternehmen, die im Rahmen der Zionistischen Organisation gegründet wurden, wie Kreditgenossenschaften und Werkstätten. Aus der Debatte ging klar die Differenzierung hervor, die im Laufe der letzten zwei Jahre infolge der Gründung von Parteien in der zionistischen Bewegung stattgefunden hatte. Einerseits gab es den Misrachi unter der Führung von Rabbiner Reines, andererseits die „Demokratische Fraktion“, deren Hauptsprecher Leo Motzkin und Chaim Weizmann waren. Das Auftreten dipser beiden Parteien hatte zur Folge, dass die Struktur der Zionistischen Organisation zu einer brennenden Frage wurde. Us sischkin behauptete, dass die Spaltungen Parteien die Existenz der Bewegung gefährden müsse und verlangte. dass keine Partei innerhalb der Zionistischen Orga nisation offiziell anerkannt w'erden solle. Nach einer langwierigen Debatte, in der weitgehende Vorschläge zu einer organisatorischen Reform vorgelegt und abgelehnt wurden, fasste man schliesslich den Beschluss, die bestehende Struktur der zionistischen Bewegung, die auf den Vereinen als Grundzellen basierte, unverändert zu lassen. KULTUR UND ERZIEHUNG Die Frage von Erziehung und Kultur nahm auf der Tagesordnung viel Raum ein. Die Höhepunkte waren Ansprachen von Achad ITaam und Nachum Sokolow über dieses Thema, das seit dem dritten Kongress ein Stein des AnstossCs und eine Streitfrage in der zionistischen Bewegung geworden war. In seiner Ansprache. die später in Form ei ner Broschüre herausgegeben wurde, sagte Achad Haam. dass nicht nur eine politische und wirtschaftliche, sondern auch eine kulturelle Wiedergeburt erforderlich sei. Auch die Chowewe^Zion hätten die Wichtigkeit des kulturellen Aspektes eingesehen und in Erez Israel zusammen mit landwirtschaftlichen Siedlungen Musterschulen errichtet und einen Verlag in Warschau gegründet Die jüdische Kultur könne auch ohne Zionismus weiterbeste hen, während ein Zionismus ohne Kultur den schwersten Gefahren ausgesetzt sei. Er analysierte das Wesen unserer nationalen Kultur und erklärte, dass unsere kulturellen Bestrebungen besonders in der Pflege der uns' von unseren Vätern überlieferten Werte und in der Hebung des kulturellen Niveaus der jüdischen Massen ihren Ausdruck finden sollen. Erez Israel solle ein Zentrum jüdischer Kultur werden. Nach Achad Haaras Meinung wäre eine hebräi sehe Universität oder Akademie in Jerusalem wichtiger als hundert neue land wirtschaftliche Siedlungen. Achad Haam machte zwei Vorschläge: 1. eine parailele Organisation für kulturelle Angelegenheit zu schaffen, die mit der Zionistischen Weltorganisation ständigen und engen Kontakt unterhalten solle, und 2. zwei Kulturkommissionen zu bilden, die eine für Erziehung im Geiste der Tradition, die an der« für weltliche Erziehung. Der erste Vorschlag wurde sogar von vielen Anhängern Achad Haams, wie Weizmann und Motzkin, abgelehnt, da sie fürchteten, dass eine solche parallele Organisation von Nichtzionisten beherrscht werden würde. Sie waren auch der Ueberzeugung, dass sich ih re Gründung nachteilig auf die politische Grundlage des Zionismus auswirken werde. Hingegen wurde der zweite Vorschlag Achad Haams einstimmig angenommen und als Ausweg aus einer schwierigen Situation angesehen, als eine Lösung, die geeignet war, einerseits einen .Kulturkampf zu verhüten und anderer seits Möglichkeiten für praktische Arbeit zu bieten. Nachum Sokolow teilte Achad Haams Anschauungen über die Beziehungen des Zionismus zur jüdischen Kultur nicht, beschränkte sich aber auf praktische NACHRICHTEN AUS ISRAEL ZIONISTEN¬ MITGLIEDER DER 11lllllllllllllllllllllllll!l WIR ERWARTEN EURE MITARBEIT IN DER EINHEITSKAMPAGNE t Vorschläge, wie die Grün düng einer hebräischen Uni versität. die Verpflichtung jedes Zionisten, hebräisch zu lernen usw. Au| Ersuchen des Misrachi erhielt auch Rabbiner Reines das Wort und sprach sich gegen die Resolution über Kultur aus, da sie seines Erachtens die Einheit des Volkes zu zerstören drohte. WIRTSCHAFTSFRAGEN Probleme wirtschaftlicher Natur wurden von Dr. H D Horowitz, einem Mitglied der Demokratischen Fraktion, in einer gründlichen. I mit statistischem Material reich belegten Rede behandelt. Er beschrieb die Ver | drängung der Juden aus j wirtschaftlichen Positionen und ihre Verarmung und schlug vor. die wirtschaftliche Lage der Massen durch Gründung von genossenschaftlichen Werkstätten. Banken und gewerblichen Fortbildungsschulen zu heben. Der Kangress nahm ei ne allgemein gehaltene Resolution an, die besagte, dass in Anbetracht des komplizierten und mannigfaltigen Charakters der Wirtschaftsprobleme der Kongress von einer verbindlichen Resolution absehe und es den zionistischen Verei nen überlasse, geeignete In strumente für wirtschaftliche Tätigkeit zu schaffen. Die Minsker Konferenz bewies die Stärke und Vitalität der Zionistischen Bewegung in Russland. Die Delegierten und Gäste be tonten, dass sie ein voller Erfolg gewesen sei. Viele behaupteten jedoch, dass ihr praktischer Inhalt und ihre Ergebnisse enttäuscht hätten. Diese Enttäuschung und Kritik waren hauptsächlich dem Umstand zuzuschreiben, dass viele Zionisten auf die Minsker Konferenz zu grosse Hoffnungen gesetzt hatten. Sie war ein Zionistenkongress in kleinerem Masstab. mit seinem Ueber fluss an Reden, seinen De batten und Verhandlungen hinter den Kulissen. Trotz all dieser Mängel war der Geist der Konferenz hervorragend und echt zionistisch. Die Minsker Konferenz hatte einen nachteiligen Einfluss auf die Einstellung der russischen Behörden zur zio nistischen Bewegung. Sie hatten geglaubt, dass der Zionismus einzig und allein eine Bewegung für die Förderung der Auswanderung der Juden aus Russland sei, und mussten feststellen! dass er auch andere Ziele verfolgte, wie die Organisation der Juden in ihren Wohnländern. Als eine Folge der Minsker Konferenz gab der russische Innenmi nister Plehwe Anweisung, die zionistische Tätigkeit zu verbieten. Schulen für Einwandererkinder Jerusalem. — Sonderkurse und zusätzliche Schulstunden für 20.000 Kinder von Neueinwanderern werden im kommenden Schuljahr abgehalten werden, um im ganzen Land diese Kinder instand zu setzen, an dem Unterricht für die übrigen Schüler teilnehmen zu können. UTA) AUSFUHR VON AGRARPRODUKTEN Der Export von Kartoffeln ist in diesem Jahre beträchtlich gestiegen und hat 14.000 Tonnen erreicht, d:e 2 Millionen Dollar einbrachten. Aus verschiedenen Ländern sind Aufträge für Karotten, grünen Pfeifer und andere Gemüse eingelroffen. Die Zahl der ausgeführten Gladiolen-Zwiebeln hat im Jahre 5722 eine Rekordhöhe erreicht, nämlich 16.500.000 Stück, gegenüber 6 Millionen im vorhergehenden Jahr. Die Exportsaison für ungeschält« Erdnüsse hat Mitte Juni ihr Ende erreicht. Mangels an Arbeitskräften, gelang es den Chawerim von Sde Boker in mustergültiger Hingabe eine wohlentwickeite Wirtschaft mit schönen Obstplanzungen, Samenzucht. Schafherden, Geflügelzucht ur.d auch einigen bewässerten Feldern aufzubauen. In der letzten Zeit hat sich Sde Boker eine ¡Gruppe von Zofim (Pfadfinidern) angeschlo-sen, die den Mitgliederstand der Siedj lung ergänzen sollen. j WASSERLEITUNG j Anfang Juli wurde die; zweite Etappe des Baus der ¡Wasserleitung vom Kinneiretsee nach Untergaliläa, Einer der peuen Petroleumtürme, die kürzlich im Gebiet von Cheletz aufgestellt wurden. j Die Ausfuhr dieses Produk-! tes hat etwa 2 Millionen Do!-- | lar eingebracht. Hierzu kom- ] men noch 300.00C Dollar geschält« Erdnüsse. Der erste Posten Trauben von drei Tonnen wurde Mitte Juli .uf dem Luftweg von Lud nach Europa zum Versand gebracht. Gleichzei tig erfolgte auch die Expedition von drei Tonnen Pflaumen. Die Exportsaison für Zwiebeln hat Mitte Juni mit der Abfertigung der ersten Be Stellungen nach Europa begonnen. Der englische Markt ist der Hauptabnehmer. Die Ausfuhr «»on Avocado ist ständig im Steigen begriffen. Der für die im Jahre 1961 ausgeführte Baumwolle erzielte Preis w/»r 2,5 Mil honen Dollar. ZEHN JAHRE SDE BOKER In der Geschichte der Besiedlung des Negew, die mit so grossen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, ist ein freu diges Ereignis zu verzeichnen. Sde Boker hat jetzt sein zehnjähriges Griin- I dungsjubiläum gefeiert. Trotz eines chronischen mit dem Anschluss der Hauptleitung an das Verteilungsnetz der Jawniel-Ebene und der erfolgreichen Inbetriebnahme der Leitung, zum Abschluss gebracht. Sofort danach wurde dieses Gebiet zum ersten Mal mit Bewässerungs - Wasser aus dem Kinneretsee beliefert. So ist ein schwieriges Problem, das den Bewohnern der Jawniel-Ebene viel zu schaffen gemacht hat, endlich gelöst worden. NEUE GERSTENSORTE Eine neue Gerstensorte, genannt „Jisraelit 264", mit der ein Jahr hindurch im Kibbuz Gat, im Süden ces Landes, Versuche angesteht, wurden, hat einen Ertrag von 150 kg pro Dun am ergeben. Diese Sorte wurde unter den vielen, von deu Beduinen im Lauf von hun derten Jahren angebauten durch die Fachleute der landwirtschaftlichen Versuchsstation ausgewähb. Ihrer Meinung nach, ist diese Sorte geeignet, die Dürregrenze im Negew um einige Dutzend Kilometer nach Süden zu verlegen. 1