Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1980 (5.10.1962)
- Date
- 1962-10-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREDON 2190 — 1? izq. Jûz Jkwuuta JsSuxelila T. E. 83-2613 Ano XXIII. BUENOS AIRES, VIERNES 3 DE OCTUBRE DE 1962 No. 1980 DAS „GLUECKLICHE ARABIEN“ Die Ereignisse in Yemen haben die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich gelenkt. Durch eine ,,Revolution" wurde der Imam ermordet und das Königshaus entrechtet. Eine Republik wurde proklamiert. Manche Meldungen spra chen auch von einer freien Volksrepublik. Offensichtlich sollte die Richtung angegeben werden, aus welcher der Wind im Yemen bläst. Eini ge russische Kriegsschiffe sollen vor dem Hafen von j Hodeida (Yemen) liegen. 19 \ sowjetische Transporter sol-! len ebenfalls bereits in Hoj deida eingelaufen sein und j Waffen nach dem Yemen bringen. Die Läge ist verworren. Bereits nach 24 Stunden meldete sich die Gegenrevolution zur Stelle, j die von verschiedenen Prin | zen des Königshauses angej führt wird. Die Lage ist konfus. Aus : den vielen und sich wi-j dersprechenden Meldungen 1 kann man nur entnehmen, j dass blutige Orgien gefeiert i und zahlreiche Racheakte j verübt werden. D?r starke Mann ist Abdulla, der Ober befehlshaber des Heeres, I von B. B, SAMVEL der inzwischen eine ganze Reihe früher führender Persönlichkeiten hat liquidieren lassen, unter ihnen Mitglieder des Königshauses, Mini ster, Gouverneure und andere hohe Staatsbeamte. Aus anderen Quollen erfährt man, dass die Rebel lion der Armee gescheitert sein soll. Das Volk würde zum Königshaus halten. Der englische Gesandte im Yemen meldete, dass den Diplomaten persönliche Garan tien gegeben worden seien. Ueber die Lage des Landes wurde nichts verlautbart. In diesem Chaos der Ereignisse und der Berichte ist es natürlich nicht einfach, sich eine Meinung über eine Entwicklung zu bilden, die für Israel wie für die gesamte arabische Welt von einer entscheidenden Bedeutung sein oder werden kann. Wer schliesslich die Rebellen sein werden, wer in dioser Revolution unterliegt, das ist beinahe gleichgültig. We sentlich ist die Erkenntnis, wer hinter allen diesen Begebenheiten und Rebellionen steht, wer die Revolutionen entfacht, wer die Unruhe schürt und dafür sorgt, dass die arabischen Länder nicht zu einer normalen Entfaltung ihrer Kräfte gelangen, sondern der Herd ständiger Umwälzungen bleiben. Radio Kairo war in diesen Tagen ausserordentlich ak tiv. War doch Yemen einer der drei Mitgliedstaaten der inzwischen auseinandergefallenen Vereinigten Arabischen Republik, deren Präsident Nasser war. Hatte doch auch der Imam vom Yemen sein Land aus der Nasserschen Zange gelöst, nachdem die Syrer die pronasseristisehen Offiziere verjagt und eine eigene Nationalregierung gebildet hatten. Dann war der grosse Gegenstoss Nassers erfolgt. In einer hemmungslosen Attacke beschimpfte er mit niedrigen Worten die Könige des Yemen und Saudi Arabiens, die er als Menschenschinder und Sklavenhalter bezeichnete. Wenige Wochen oder Monate nach dieser öffentli chen Demonstration arabi- WIE ICH ES SEHE Israel bahnt sich den Weg von JEHUDA GOTTHEIMER Die letzten Tage des alten jüdischen Jahres brachten eine Fülle von Ereignissen, die für Israel wie für das ganze jüdische Volk von erheblicher Bedeutung sind und unser künftiges Schicksal gestaltend beeinflussen können. Eine Analyse der augenblicklichen Lage zeigt, dass die bestehenden Schwie rigkeiten vorerst nicht behoben sind, dass sich aber neue Möglichkeiten und Hoffnungen erschliessen, die uns mit Zuversicht auf das kom mend-e Jahr blicken lassen. I. Vor den UN Man muss damit rechnen, dass die israelische Posi-1 tion in den Vereinten Nationen während der diesjähri-i gen Generalversammlung' von denselben Problemen' bestimmt wird, die eigent! lieh seit der Schaffung des \ jüdischen Staates regelmä-j ssig debattiert worden sind.! Die internationale Situation, der an Schärfe zunehmende j Kampf des garnicht mehr so j kalten Krieges, muss den I Ausgangspunkt jeder Be- Jüdische Kandidaten Rio de Janeiro. — Bei den jetzt stattfindenden Wahlen für den National kongress und die Provinzbehörden in Brasilien wurden 21 jüdische Kandidaten aufgestellt Von diesen 21 Juden figuriert einer für das Amt eines Nationalsenators, zwei als Nationaldeputierte zwei als Bürgermeister und 16 als Provinzdeputierte. In Brasilien gibt es schätzungsweise rund 45.000 jüdische Wähler. ' ITA) trachtung bilden, die sich mit den Sorgen und Hoff nungen Israels beschäftigt. Die antiisraelische Einstellung des Ostblocks ist ,,an sich“ durch keine konkreten Faktoren als selbstverständlich anzusehen. Denn direk te Streitfragen gibt es weder zwischen Israel und Russland noch mit dessen Satelliten. An zwei wichtigen Schnittpunkten der jüngsten jüdischen Geschichte waren es die Mächte des Ostblocks, di3 rettend und helfend für die bedrängten jüdischen Massen wie für die Existenz Israels eingetreten sind. Es waren im wesentlichen die Truppen der Roten Armee, die bei ihrem Vormarsch gegen das hitleristische Deutschland die Verfolgten befreit haben. und es waren die unter kommunistischem Einfluss stehenden Länder, die dem von sieben arabischen Staa ten überfallenen Israel Waffen gaben, um sich siegreich zu verteidigen. Erst die fortschreitende Auseinandersetzung zwischen den beiden grossen Blockmächten brachte einen — für Israel ungünstigen — Frontenwechsel, nachdem sich Moskau entschlossen hatte, einseitig die Sache der arabischen Nationalisten zu unterstüt zen. Im Schatten dieser russischen Protektion .kultivieren* die chauvinistischen Führer der arabischen Staaten den Rachegedanken ge gen Israel, wiegeln zur nächsten Runde auf, betreiben eine oftmals hemmungslose Hetze und rüsten, um eines Tages einen neuen Krieg gegen Israel beginnen zu können. In den letzten Jahren haben die arabischen Politiker die Generalver Sammlungen der UN dazu missbraucht, um von dieser höchsten internationalen Tribüne einen Hass- und Propa gandafeldzug gegen Israel zu entfachen, ohne dass man ihnen mit der notwendigen Klarheit entgegengetreten wäre. Jedenfalls haben sich nur wenige Sprecher gefunden. die gegen diese arabischen Machenschaften auf getreten sind, um zu verhindern, dass an derjenigen Stelle, deren Aufgabe die Stiftung des Friedens unter den Völkern ist, die aufreizende Stimme der Völkerverhetzung erklingt. Bekanntlich hat in den Jahren nach dem israelischen Verteidigungskrieg im Sinai eine relative Ruhe an den bis dahin stets unruhigen Grenzen des jüdischen Staates geherrscht, die nur durch die wiederholten Feuerwechsel am Tiberiassee unterbrochen worden ist. Offensichtlich konnten die Syrer, deren Land von permanenten Rebellionen erschüttert wird, auf dieses für ihre Innenpolitik wichtige Ab lenkungsmanöver nicht Verzicht leisten. Im Angesicht dieser ständigen Bedrohungen hat sich Israel an die UN mit der Bitte gewandt, für die Einhaltung der Bestimmungen des Waffenstill Standes Sorge zu tragen. Israels Botschafter bei den UN, Michael Comay. hatte eine Unterredung mit dem Generalsekretär U Thant dem Nachfolger Hammarskjölds, deren Ergebnisse abgewartet werden müssen. Die sogenannte Palästina- Frage wird ohnehin von den arabischen Sprechern ange schnitten werden, di« formell auch auf eine Lösung des Problems der arabischen Palästina-Flüchtlinge drängen werden, in Wirk lichkeit aber die einzigen sind, von denen die Beseitigung dieses Flüchtlingsproscher Bruderschaft die durch die heftigin Debatten in der Arabischen Liga ergänzt worden war, fiel dann der Imam vom Yemen den Häschern zum Opfer. Dabei muss man wissen, dass dieser Imam und König, der erst einige Tage vor seinem Sturz den Thron bestiegen hatte, ausgedehnte Reisen nach dem Osten, n; ch China und nach Russ land gemacht hat. Umfangreiche Waffenlieferungen aus der Sowjetunion und der CSR sorgten für eine moderne Aufrüstung des Heeres nach östlichem Muster. Die yemenitische Bürgerkriegsarmee hat den jungen Kö nig nun mit den Waffen ..liquidiert“, wie sich der Chef der Revolution ausdrückte, die er selbst eingekauft hatte. Dann finden wir noch ein Kabel. Radio Kairo stiess eine Reihe wüster Drohungen aus. Die nächsten würden die Könige von Transjordanien und Saudi Arabien sein. Auch die heutigen Herren über Syrien sollten sich nicht sicher fühlen. Andere Radio - Stationen, die den gleichen Einflüssen unterli« gen, stimmten in die gleiche Melodie ein. Unwillkürlich wird man an das Dichterwort erinnert: ..Das ist Teils Geschoss“ und an die Antwort: „Du kennst den Schützen, suche keinen anderen.“ Diesen internationalen Unruhestiftern kommt es zunächst .nur' darauf an. die allgemeine Verwirrung, besonders unter c^r einfachen, rückständigen Sdevölk-rung weiter Länder zu steigern. Solche Aufstände und ..Reinigungsaktionen“ sind das rechte Klima für die nächste Etappe: die Vorberei tung der kommunistischen Revolution, deren Sendboten schon sichtbar werden. Zufällig — so sagt man — liegen russische Sehife vor den Ufern d?s Yemen. Sie können warfen. Die revolutionären Oberkommandie renden, die nach ihren Angaben* den Kommunismus bekämofen. sind dort dessen eigentliche Wegbereiter. Im Altertum bestanden auf dem Gebiet des heutigen Yemen zivilisierte und wohlhabende Reiche. Man nannblems verhindert wird. Bei der heutigen Konstellation in den UN mit ihren vielen neuen und jungen Mitgliedern kann man vorher sehr schwer Voraussagen, zu welchem Ergebnis Abstimmungen führen, weil hinter all diesen Auseinandersetzungen immer der grosse Kampf zwischen Ost und West steht. Man wird deswegen mit grosser Aufmerksamkeit den weiteren Verlauf dieser Auseinandersetzungen verfolgen müssen. II. Stellungswechsel Eine Entscheidung von transzendentaler Wirkung wurde von den Vereinigten Staaten von Nordamerika getroffen. Das State Department gab seine Bereitwilligkeit bekannt, Raketen-Ab wehrgesehosse an Israel zu liefern. Damit findet eine harte Diskussion ihren vorläufigen Abschluss, die für Israel mit einer langen Serie schwerer Enttäuschen gen verbunden gewesen ist. Wichtige Erklaerungen Dr. W.: — Zum Beginn des neuen jüdischen Jahres erliess der Präsident der Republik, Dr. José Maria Guido» eine Botschaft an die jüdische Bevölkerung des Landes. Dort heisst es: „Als Präsident einer Nation, die traditionsgemäss die menschliche Würde respektiert, was .jede Art von Rissen-, Sozial- oder Religionshass ausschliesst, sende ich den jüdischen Argentiniern meinen herzlichen Gruss zum Beginn eines Neuen Jahres. Ich wähle als den besten Uebermittler meiner Griisse die DAIA, die eine Gemeinschaft repräsentiert, die mit ihren noblen und zähen Anstrengungen zum Fortschritt der Nation beiträgt.“ — Die Juden können mit Genugtuung die Wo> te des Präsidenten aufnehmen, aus denen ein aufrichtiges Gefühl der Sympathie spricht, aber auch der Wunsch ersichtlich wird, der Wahrheit zu dienen. Denn es entspricht den Tatsachen, dass die Juden des Landes mit treuer Ergebenheit und Dankbarkeit an dem Fortschritt zu bauen bestrebt sind. Wenn dieser Fortschritt nicht sichtbar wird, dann ist es ganz gewiss nicht die Schuld dieser Kollektivität. Der grosse Beitrag, den die zentraleuropäische jüdische Einwanderung für die Entwicklung Argentiniens geleistet hat. soll in diesem Zusammenhang nicht im einzelnen hervorgehoben werden. Wir können auch mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen. dass die DAIA als die einzige und authentische Repräsentanz der argentinischen Judenheit von höchster Stelle anerkannt wird. Hierauf besonders hinzuweisen, besteht Veranlassung, wenn man an verschiedene Vorfälle der letzten Monate zuröckdenkt. Wenige Tage zuvor hat der interimistische Innenminister und” ständige Wirtschaftsminister Argentiniens, Ing. Alvaro Alsogaray, in einer längeren Deklaration auch einige Worte über einen „angeblichen Antisemitismus“ gesprochen. Es sei eine irrtümliche Vorstellung, die man sich im Ausland mache, wenn man von Schwieren antisemitischen Vorfällen sprechen würde. Man hai>e auch behauptet, die Regierung würde hiergegen nicht einschreiten. sagte Alsogaray. Das sei falsch. Die Nachrichten seien deutlich übertrieben und die Vorkommnisse in Wirklichkeit ohne jede Bedeutung. Diese Darstellung des Ministers kann nicht unwidersprochen bleiben. Bei allem Optimismus dürften die Begebenheiten der letzten Monate, die ständigen Ueberfälle auf Gebäude jüdischer Vereinigungen, auf jüdische Kinder und Schüler, auf Synagogen und Studenten, dürften die Schmierereien an den Häuserwänden der Bundeshauptstadt und die vielen Pamphlete wohl kaum mit c’er Bemerkung „unbedeutende Zwischenfälle“ abgetan werden können. So sehr wir gegen jede Form von Uebertreibung sind, so wenig können wir uns mit der Bagafcelüsierung des Geschehenen einverstanden erklären. Minister Alsogaray versprach energisches Einschreiten. falls sich ein antisemitischer Zwischenfall ereignen sollte: „In jedem Fall, so sagte er wörtlich, will ich in meiner Eigenschaft als . interimistischer Innenminister mit aller Bestimmtheit garantieren, dass jede Tat dieser Art, die sich ereignen könnte, mit grösster Energie verfolgt wird.“ — Hierzu dürfte bereits jetzt Gelegenheit sein. Aus Bahia Bianca wird gemeldet, dass unbekannte Täter eine Bombe an ein jüdisches Haus gelegt und dessen Wände mit Hakenkreuzen und antijüdischen Spruchbändern beschmiert haben. Es wäre erfreulich, wenn mit dem antisemitischen Spuk endlich aufgeräumt wird, und wenn sowohl die jugendlichen Täter wie ihre Hintermänner einmal energisch auf das Verbrecherische ihres Tuns hingewiesen werden würden. te dieses Land „Arabia Fe lix“, das glückliche Arabien. Das war einmal. Heute ist es der Tummelplatz entfesselter Leidenschaften geworden, ein Land des Rückschritts und des Despo tisrnus, Spielbali der politischen Ambitionen der führenden Mächte, Opfer hoch fahrender panarabischer Kombinationen Nassers und derer, die hinter ihm stehen. — Noch einige Informationen seien hinzugefügt: Im 7. Die Amerikaner haben sich Jahre hindurch geweigert, an Israel die für seine Verteidigung erforderlichen Waffen zur Verfügung zu stellen, obwohl auch das State Department die ständig wachsende Bedrohung Israels durch die arabischen Staaten, vor allem durch Aegypten, nicht in Abrede stel len konnte. Jahre hindurch ist Aegypten von den Sowjets mit gewaltigen Mengen modernster Waffen aufgerüstet wor den. Die Aegypter haben auch kaum einen Zweifel daran gestattet, welchem Zweck diese Wafen dienen sollen. Die israelische Verteidigungsarmee hat bei ihrem Vormarsch auf der Sinai Halbinsel Waffenarsenale grössten Ausmasses und russisch-tschechischen Ursprungs aufgedeckt. Aber es mussten weitere Jahre vergehen, bis sich die Amerikaner mit dieser Realität auseinandergesetzt haben. Die von dem verstorbenen (Schluss auf Seite 2) Jahrhundert wurde das Land islamisch. Es isolierte sich völlig von seiner Umwrelt, w'odurch die Bevölkerung in einem Zustand verharrte, der dem frühen Mittelalter entsprach. Das kennte die jüdische Welt vor einigen Jahren erleben, als durch die wunderbare Aktion ..Der fliegende Teppich“ die yemenitischen Juden in ihrer Gesamtheit nach Israel gebracht worden sind. Sie ka men von einem fernen Zeitalter in die Moderne, übersprangen Jahrhunderte und ordneten sich glänzend in das. Leben des jüdischen Landes ein, das sie trotz mehrtausendjähriger Galut in ihrem Herzen als lebendige Sehnsucht bewahrt hatten. — Seit dem 9. Jahrhundert regiert eine Dynastie im Yemen. die ihren Stammbaum auf Mohammed zoriiekführt. Yemen war eine Theokratie, in der der jeweilige Herrscher zugleich der König und der „Imam“, der Vorbeter. das geistliche Oberhaupt ist. Später fiel Yemen in türkische Hand, konnte sich dann wieder befreien und in unserem Jahrhundert erfolgreich dank britischer Intervention die Machtgelüste des grossen Eroberers Ibn Saud abwehren. Die Engländer wollten Ibn Saud nicht als Nachbarn in Aden haben: sie zogen ein s«lh ständiges Yemen dem Sauditischen Riesenreich vor. Dieser Status ist bis heute beibehalten. Die Versuche Nassers, Yemen in eine grössere arabische Rt-mtonorganisafion cinzuctiedern, scheiterten bisher Di« weitere Entwicklung muss abgewartet werden. —