Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1979 (28.9.1962)
- Date
- 1962-09-28
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 28 de Septiembre A» 1962 SEMANA ISRAELITA Año XXIII. — N„. VT 7» 17 Abschied von einem b raven Schiff Abschied nehmen greift ans Herz. Abschied nehmen, wenn es für immer ist, hat etwas Rührendes. Ein Kapitel ist abgeschlossen; aber man denkt zurück: „haju semanim...“ Wir standen im haifaer Hafen, an der Bootsanlegestelle, Offiziere der Marine, Kapitäne, Seebären in Zivil, der nordamerikanische Marineattache und andere. Wir bestiegen das Boot und fuhren zum Wellenbrecher, um dort Abschied zu nehmen von dem ersten ,.Kriegsschiff“ der Kriegsmarine des Staates Israel... Da lag sie, ein abgetakelter Kasten, wie ein gebrechlicher Greis. Würden wir sie aus dem Wasser heben, so würden wir den langen ,,Bart“ sehen, der der ,,Aleph 16“ in langen Jähen gewachsen war. im Wasser, aber unseren Blicken verborgen blieb. Auf Deck standen die Matrosen in Paradeaufstellung. Wer sie nicht kannte, die „Medinat Hajehudim“; wer nichts von ihvoR Dr. H. J. SALOMON rer Geschichte wusste, hätte lachen können, so morsch und verfallen sah die alte Dame aus, ohne Schminke, ohne Kosmetik. AVer aber ihre ilh.stre Geschichte auch nur zum Teil miterlebt hatte, sah „unsere alte Schwester“ — wie Marinekommandant Jochal bin Nun sagte — „ifi diesem Augenblick des Abschieds mit gemischten Gefühlen“, nicht ganz chne Sentiments. Es ist Tradition bei Seeleuten. von einem Schiff wie von einem Menschen zu sprechen. So ist eben ein Schiff niemals sächlich, sondern immer weiblich! Als „Northland“ machte „sie“ stolz ihre Jungfernfahrt, vor 35 Jahren in USA, als Schrott wurde „sie“ nun den Italienern für 50.000 Dollar verkauft, zum zweiten Mal als Schrott. Schon vor 15 Jahren sollte sie verschrottet werden; aber dieser „Schrott“ kam den um die Einwanderung in ihren Zu¬ Dr. MAX FLESCH Berater für Investitionen und Finanzgeschaefte in Israel — Lang- und kurzfristige Anlagen —- Auskünfte jeder Art « } TEL AVIV, Israel — 18, George Elliot Sir. t HOTEL DAPHNE IHR HOTEL IN HAIFA - Israel \ VORHERIGE BESTELLUNGEN RATSAM J HAIFA. Hadar Hakarmel, Nerdaustr. ♦ . t ♦ ♦ ♦ ♦ 4. ♦♦♦♦♦ ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ HOTEL ARMON j ISRAELS SCHOENES TOURISTENHOTEL Die beste Küche Angenehmer Aufenthalt \ Tel Aviv, Jarkcnstr. 90 Tel. 237 M l 4 (Vorherige Zimmerbestellung ist unbedingt $ erforderlich) t kunftsstaat kämpfenden Juden nur gelegen. Die geheime Institution, die als „Alija Bet“ längst keinem ein Geheimnis mehr war, erwarb sie. gerade sie, denn, abgetakelt wi; sie sein mochte, erfüllte sie die Voraussetzungen. die für ihre militante Aufgabe als kämpferischer Bloekadenbrecher erforderlich waren. Mit ihren dicken Stahlplatten W'ar sie einmal als Eisbrecher gebaut worden, w’ar als „US- Coastguard Cutter Northland“ in den Wässern von Alaska gefahren, hatte seit 1940 in Grönland das Eis gebrochen und als erstes nordamerikanisches Schiff in den Krieg 1941 eingegriffen, den ersten Seeknmpf mit den Deutscher, siegreich bestanden und Deutsche gefangen genommen. Es war eine schicksalsschwer« Zeit für den ,,Mossad“ (Alija Bst), damals, als die „Northland“ zum Verkauf angeboten wurde. Die „Exodus“ mit 4.000 Menschen an Bord, war auf Befehl von London mit den Tausenden an Bord nach Europa beordert worden, und wählend sie dort ihren tragisch - dramatischen Kampf weiter ausfocht, sollte der Mandatsmac-ht eine unmissverständliche Antwort erteilt werden; statt der zurückgeschickten sollten 4.000 andere Olim ins Land gebracht werden, auf einem Schiff, das stark genug war, einen Kampf mit den englischen Kriegsschiffen zu bestehen. VON „NORTHLAND“ ZU „MEDINAT HAJEHUDIM“ In Kanada war die „Northland“ 1946 gekauft und zur Ueberholung nach Frankreich gebracht worden. Die Engländer Hessen sich jedoch nicht düpieren. Sie beobachteten das Schiff, die Juden beobachteten Engländer. Um ihnen zu entgehen und, von ihnen ungehindert, Olim aufzunehmen, fuhr die Northland eines Nachts aus, um über Gibraltar in den Atlantik einzufahren. Auf offenem Meer vollzog sich eine neue Schiffstaufe, die „Northland“ wurde zur „Medinat Hajehudim“. Die Eng länder nahmen die Verfolgung auf, und so fuhr das Schiff ins Schwarze Meer, zusammen mit der „Ge’ula“. Diese konnte nicht mehr als 1200 Menschen Platz bieten. So musste auf der „Medina. Hajehudim“, die für Aufnahme von 1.800 Menschen hergerichtet war, gewaltsam Platz für weitere 1.000 geschaffen werden. Es musste sein; es wurde ermöglicht. Dicht gedrängt Industrial & Comercial Bank (ISRAEL - LATIN AMERICA) Ltd. T E L A V I V 65, Allenby Read NEUE BUEROS IN BUENOS AIRES Av. CORRIENTES 1145 T. E. 35-3483 (GALERIA DEL OBELISCO) INC OB INVESTMENT <& TRUST Cia. Av. CORRIENTES 1145 T. E. 35-8586 i sassen oder standen die Menschen, sie konnten sich kaum bewegen. Schwangere Frauen waren unter ihnen. „Hier in diesem Raum“ — sagte der damalige Kapitän, Raw Seren der Marin« Josef Almog zu uns, auf die enge Messe hinweisend, in der er uns die Geschichte noch einmal erzählte — „fanden mehrere Geburten während der abenteuerlichen Fahrt statt.“ In Bulgarien wurden die Olim aus Rumänien an Bord genommen. Genaue Anweisungen wurden für den Kampf mit den Briten gegeben; jeder wusste, dass der Kampf nicht ausbleiben würde. Mit der Order, bei Tel Aviv zu stranden, fuhren die Schiffe aus dem Schwarzen Meer. In einer Entfernung von 200 Meilen verfolgten sie nicht weniger als sieben britische Zerstörer. Zwei folgten der Ge'ula, fünf der alten Northland. 48 Meilen vor der Küste begann der Kampf. Nur 200 blieben „gerüstet“ an Deck, die anderen gingen hinunter in den ' hiffsbauch und I schlossen die Eisentüren. Die Griffe von aussen waren; abmontiert worden. Der Be- | fehl der B ’iten, sich zu er-! geben, wurde ignoriert. Der Angrif begann. Die Engländer warfen Tränengasbamben, schossen schliesslich in die Luft. Nach zwei Stunden Kampf, während der sie das Schiff gerammt hatten, wobei der englische Zerstörer solchen Schaden erlitt, dass er ausser Gefecht gesetzt wurde, erzwangen sich die Engländer den Zugang, stürmten die Kommandobrücke, hätten aber doch nichts ausgerichtet, da im Sehiffsbauch ein Reservesteuer eingebauf war. Als die Briten aber die Maschine ausser Betrieb setzten, war das Schiff nicht mehr manövrierfähig. Es wurde nach Haifa aDgeschleppt. Der Widerstand war sinnlos geworden, nachdem die Engländer mit Schweissapparaten die Türen aufgebrochen hatten. In Haifa wurden die „Illegalen“ auf die „Ocean Vigour“ überführt und nach Zypern gebracht. Dis Schiff selbst, auf dem die Jungen der Hagana Waffen und Material so gut ve -borgen hatten, dass die Engländer nichts finden konnten, wurde den anderen Maapilimschiffen am Wellenbrecher zugesellt. Der von den Briten zum Kommandanten über diese Schiffe eingesetzte Captain Walter Dalimann, heute Sekretär der Seemanns-Union. holte später die Hagana-Leute von Bord. ERSTES SCHIFF DER KRIEGSMARINE Damit endete die Geschichte des Schiffes nicht. Im Ja„re 1947 .rhielt „Kapitän Josef Almog“ man kennt ihn als „Joske“) den Befehl, das Schiff für den Staat auf dem Weg als erstes Schiff der Kriegsmarine herzurichten. Noch war Palästina britisches Mandat. Das hinderte die beherzten Jungen nicht, unter der Nase der Engländer das Schiff auf seine späteren Aufgaben vorzubereiten. Unter der Bezeichnung „Aleph 16“ schlich sich der 1200 Tonner eines Nachts aus dem Hafen, fuhr nach Tel Aviv und wurde dort „bestückt“: eine mit Seilen am Deck befestigte Feldkanone sowie zwei 4-Zoll Kanonen — aus Holz, als Camouflage finden Feind, sowie eine Besatzung von 90 Mann, deren Marinekenntnisse aus Filmen und Schmökern herrührten und die eher mittelalterlichen Piraten als modernen Matrosen glichen, das war die furchterregende Seemacht des jungen Staates Israel. Und wirklich,; STRAFE FUER MB Kl-SCHINBik | Siebeneinhalb Jahre muss der 58jährige ehemalige! SS-Obersturmführer Heinrich Wessel aus Dorfmark im I niedersächsischen Kreis Fallingbostel ins Zuchthaus. Das! Schwurgericht in Verden verurteilte ihn wegen Eeihilfe! zum Mord in 16 Fällen und wegen Beihilfe zum Totschlag! in einem Fall. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm | für fünf Jahre abgesprochen. Die Untersuchungshaft ist angerechnet worden.! Der Staatsanwalt hatte acht Jahre Zuchthaus, der j Verteidiger Freispruch beantragt. Wessel wur.e;ür! schuldig befunden, als Adjutant des Kommandanten des | Konzentrationslagers Sachsenhausen bei der Ermordung von Häftlingen geholfen zu haben, j Nach Ansicht des Schwurgerichts war Wessel, wie es * in der Urteilsbegründung hiess, am Tod von mindestens 149 Häftlingen beteiligt. Die Einzelstrafen betrügen 52 Jahre und sechs Monate Zuchthaus, die zu einer Gesamtstrafe zusammengezogen wurden. Das Schwurgericht 1 :ibe nur in 16 Fällen Beihilfe zum Mord angenommen, weil W*ssel andere Fälle nicht mit Sicherheit nachzuweisen seien. Der Prozess könne unter das Motto „17 Jahre zu spät“ gestellt werden, sagte der Vorsitzende. Ein lückenloser Nachweis über die Bedeutung Wessels als Adjutant und Geheimnisträger habe nicht mehr geführt werden können. Ihm habe nicht nachgewiesen werden können, an den Erhängungen auf dem Lagerplatz teilgenommen zu haben. Wessel habe jedoch die Exekutierung von 27 Häftlingen am 27. Oktober 1944 überwacht und dafür gesorgt, dass die Häftlinge im Genickschussraum zu Tode kamen. ..Diese Tötung war rechtswidrig, es war Mord in heimtückischer Weise“, betonte der Vorsitzende. Sachsenhausen sei auch für Menschen, die nicht Lagerinsassen waren, eine Hinrichtungsstätte gewesen. D ese Häftlinge, die einer „Sonderbehandlung“ des Reic-hssicherheitsamtes unterstanden seien, wie Lederbogen ausführte, im Genickschussraum von einem als Arzt getarnten SS-Mann auf Gold im Gebiss untersucht und dann heimtückisch erschossen worden, während im Lager dazu rauschende Marschmusik ertönte. Hier liege der Tateinsatz W'essels auf der Hand. Als Adjutant habe WTessel über alles Bescheid gewusst. Er sei bereit gewesen, alle Befehle auszuführen und könne sich nicht auf einen Befehlsnotstand berufen. als einmal ein ägyptisches Kriegsschiff in di» Nähe kam und diese israelische „Seemacht“ erblickte, drehte es sofort ab und fuhr mit Volldampf von dannen. Auf einen Kampf m.; „diesem“ Gegner wollten sich die Aegypter nicht einlassen. Die erste Seeschlacht, dis bald danach ausgefochten W'urde, ist ein Heldenstückclien, von dem unsere Jungen noch nach Generationen mit Vergnügen lesen werden: der erste Kampf des ersten „Kriegsschiffes“ mit seinen Kanonen aus Sperrholz, mit zwei lächerlichen Flugzecgcn, die von Sde Dow aufstiegen, bemannt mit zwei Personen; denn mehr Platz war nicht in ihnen. Vom Dach des San Remo- Hotels, dem „Hauptquartier“ der Marine, hatte man vier ägyptische Kriegsschiffe gesichtet, die sich der Küste von Tel Aviv näherten. Die „Elat“ (,vie sie damals hiess) bekam Befehl, dem Feind „mit Volldampf“ (er betrug 5 Knoten) entgegenzufahren. Die erste See schiacht hatte begonnen. Die „Luftwaffe“ wurde zu Hilfe gerufen. Einer navigierte, der andere warf die lächerlichen Bomben mit der Hand aufs Deck der Schiffe und erzielte Volltreffer. Die „Elat“ büsste eine ihrer „Kanonen“ ein. Die „Channa Ser.eseh“ wurde aus Atlit als „Verstärkung" geordert. Sie kam erst am nächsten Tage an. „Elat“, die den F finden „entgegengedamnft“ war, schwenkte ab, auf die Kiiste zu. Glaubten die Gegner an eine Kriegslist? Sie hatten eine „Kanone“., getroffen. Ein israelisches Flugzeug war abgestürzt, und dabei hatte der Sohn des ersten Knesset - Vorsitzenden, des verewigten Josef Sprinzak, seinen Tod gefunden. Was immer der Grund gewesen sein mag, die Aegypter drehten um. Der Kampf war für sie beendet. Die „Elat“ hatte die Feinde abgewehrt, hatte, nach allen Regeln des Krieges, die erste Seeschlacht für Israel entschieden. Noch einige Male griff die „Elat“ in den Krieg ein, beschoss dis libanesische Küste, wurde dann aber ausrangiert, denn Israel konnte wirkliche Kriegsschiffe erwerben und eine Kriegsflotts ausbauen. Seit Jahren lag die „Aleph 16“ am Wellenbrecher, eine schwimmende Kaserne für die Matrosen, bis sie zur endgültigen Verschrottung an die Italiener verkauft wurde. .— ._ Auf dem Deck standen die Matrosen, die Waffe im Arm. Laut und vernehmlich erscholl der Befehl: „ \chtung! Still gestanden!“■ Noch wehte die Fahne Israels am Mast. Der Trompeter stiess in sein Horn Jochai bin Nun, Offiziere und Mannschaft salutierten. Langsam wurde die Fahne ingeholt. Bin Nun sagte: „Sie hat treu und brav gedient. Sie war Symbol unseres Kamofcs, ohne Waffen, ohne Volldampf. Wir nehmen Abschied, mit gemichten Gefühlen...“ Ihre Geschichte wird noch geschrieben werden. Dafür wird Bat.ia Bajar sorgen, die, mit fünf anderen Bachurot. lange Zeit die Sekretärin auf dem Schiff war. Viele werden die Geschichte lesen, die unlöslich verknüpft ist mit der Erstehung des Staates Israel. D:e BARMIZWA unseres Sohnes RÜBEN findet s. G. w. am Sonnabend, den 6. Oktober 1962, um 9 Uhr in der Chaim Weizmann Synagoge, Arcos 2319, statt. DANKO FLEISCHER und Frau JUTTA geb. HERSCHTHAL Kiddusch anschliessend im Salon des Tempels.