Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1979 (28.9.1962)
- Date
- 1962-09-28
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Año XXIII. — No. Viernes, 28 de Septiembre de 1962 U 5722 ISRAEL-SONDERBEILAGE 5723 Wer hätte das von dreizehn Jahren, im Jahre 1962, gedacht, dass Israel im Jahre 1975 bereits vier Millionen Juden zu seinen Einwohnern zählen werde? Damals hatten die Minister mehr aus Optimismus und Vision als aus wirklicher Berechnung und irgendeiner Begründung ihrer Hoffnung davon gesprochen, dass im Jahresdurchschnitt 100.000 Juden einwandern würden. Jetzt, im Jahre 1975, würde es in Israel, wenn sich die Pläne der Regierung und der Zionistischen Organisation verwirklicht hätten, noch nicht einmal drei Millionen Juden geben, aber ,erstens kommt es anders und zweitens als man denkt'. Tatsächlich entwickelte sich die Einwanderung bis zum Jahre 1964 ungefähr in den Ausmassen, die vorausgesehen werden konnten, im Jahre 1962 gab es nur etwa zwei Millionen Juden im Lande, und niemand dachte damals daran, dass die Einwanderung zwei Jahre später mit solch gewaltigem Schwung einsetzen werde, denn die Juden aus Algerien und Marokko strömten vornehmlich nach Frankreich und in andere Länder, die Judenheit Nordamerikas betonte, dass die USA keine Galut sondern höchstens eine Diaspora seien und das Leben in den Vereinigten Staaten auch vom jüdischen Gesichtspunkt dem in Israel gleichzuachten sei. Die Juden Südamerikas konnten sich materiell nicht leisten, ihre Geschäfte in ihren Wohnländern zu liquidieren, da ihre Mittel meist nicht ausgereicht hätten, in Israel neu zu beginnen, und die Juden, der kommunistischen Länder waren von der übrigen Welt abgeschnitten. Der Umschwung kam für alle überraschend, als die Sowjetunion eines Tages im Jahre 1964 begann, die Gesuche der Juden um Auswanderungserlaubnis nach Israel zu bewilligen. Bis heute sind die eigentlichen Beweggründe für diese Entscheidung nicht aufgeklärt. War es die Einsicht, dass sich die Judenfrage in den kommunistischen Staaten nicht lösen lasse, und der Wille, dieses nicht assimilierbare Volk loszuwerden? War es die Verärgerung darüber, dass alle Hoffnungen scheiterten, durch anti-israelische Politik die arabischen Staaten zu treuen Satelliten der Sowjetunion zu machen, als sich die Araber in den UN dem neutralen Block anschlossen, der seine eigene Politik treibt und sich vom Ostblock immer wieder so deutlich distanziert? War es die Absicht, durch Transferierung von hunderttausenden russischen Kommunisten Israel auf friedliche Weise zu erobern? Niemand kann diese Fragen wirklich überzeugend beantworten. Vielleicht sind alle diese Gedanken nebeneinander begründet. Jedenfalls zog nach einigen Jahren die Regierung der USA aus dem Massenzuzug kommunistischer Einwanderer aus Russland und den ande ren Oststaaten die Konse quenz, dass der in der israelischen Politik daraufhin entstandene Linksruck für Nordamerika bedenklich sein müsse, denn der Grossteil der Einwanderer blieb dem kommunistischen Gedanken auch im Judenstaat treu und Mapam und die Kommunistische Partei drohten bereits, in den Wahlen zur- Knesset das Uebergewicht zu gewinnen. Die Ressentiments, die in der Landesbevölkerung gegen die Sowjetunion und gegen die Kommunisten wegen der Ali- Vier Millionen Juden in Israel Vorschau auf das Jahr 1975 jasperre und der Waffenlieferungen an Aegypten und Syrien bestanden hatten, verloren sich nämlich sehr schnell, als die Moskauer Regierung ihre Politik so grundlegend änderte. Da die USA gegen die neue Sachlage nichts Unmittelbares unternehmen konnten, lernten sie von Moskau und schlugen schliesslich den gleichen Weg ein: Sie gingen dazu über, die Auswanderung ihrer Juden nach Israel tatkräftig zu fördern und nahmen auch auf diesem Gebiet — wie auf dem Gebiet der Kernwaffenforvou MFAti VAERBER für hunderttausend Einwan-1 gawatt gesteigert werde. In derer jährlich noch genügt Dimor.a besuchen wir auch hatten. die neue Abteilung des gro- Damals pflegte man 20.000 I ssen Atomreaktors, die das bis 25.000 Wohnungen jährj Rohmaterial für die Metalllich für die Einwanderer zu industrie liefert. Ja, dieses bauen und einen Landesdi- Werk ist eine Sehenswürstrikt nach dem anderen in digkeit auch für Besucher jeweiligen Fünfjahres - Pläaus den fortschrittlichsten nen mit Dörfern und Klein- Staaten. Hier werden durch den Fabriken geleitet wird so dass man auf das teure Petroleum verzichten kann. Wir überfliegen Mizpe-Ramon und landen erst in Beerot Oded, um uns die riesige hydroponische Farm anzusehen. Am Eingang der Farmanlage, wo wir auf dem Flugplatz gelandet sind, kommen wir an dem Denkmal vorbei, das hier für den Pionier der Hydroponics in Israel, Dr. S. E. Soskin, aus Granit errichtet wurde, der aus dem Granitbruch südlich von Elat stammt, und wandern zwischen den ausgedehnten .Feldern' dahin, ysüss-. - t ■ 5U-V* Kägft PRAESIDENT D. JIZCHAK BEN ZWI BEI UEBUNG EN DES ISRAELISCHEN VEL TEIDIGUNGSHEERES schung und der Raumschifffahrt — den Wettlauf mit den Russen auf. So strömten nun nicht nur aus Osteuropa, sondern auch aus der westlichen Hemisphäre die Einwanderer nach Isra: el, russische und amerikanische Fachleute wetteiferten darin, Israel zu entwickeln, um Arbeitsmöglichkeiten für die Einwanderer zu schaffen, Städte zu bauen und die Wirtschaft zu fördern. Die Million amerikanischer Einwanderer schuf innenpolitisch das Gegengewicht gegen die Million kommunistischer Einwanderer, so dass es der Mapai gelang, ihre Herrschaft im Staate wieder zu festigen, da mit Wiederherstellung des Gleichgewichts der Linksruck ausgeglichen werden konnte. Wer das Land heute in einer kleinen Rundfahrt durehstädten zu besiedeln. Vollendung der Landes- Rohrleitung, die lebensspendendes Wasser aus dem Norden in den Negew befördert, brachte den ersten grossen Sprung in die schwunghafte Entwicklung, aber den revolutionierenden Einfluss hatten doch erst die Ausnützung der neuesten Erfindungen, denen allein die wirtschaftliche Einordnung der zwei Millionen Einwanderer der letzten sieben Jahre und die gleichzeitige Hebung des Lebenshaltungs-Standards zu verdanken ist. Um uns ein Bild der schwunghaften Entwicklung zu machen, begeben wir uns von Beer Schewa aus mit der Einschienenbahn, der Monorail, in das genau auf halber Strecke nach Aschkelon, also in 30 km Entfernung liegende Städtchen Netiwot, das mit seinen 35.000 Einwohnern ein Distrikts¬ Die | Nuklearenergie die verschie-! denen Metalle und Legierunj gen hergestellt. Aus Sodom : gelangen die endlosen Züge j von Aluminium hierher, das; im Reaktor zu einer Metall-! Legierung veredelt wird, di» | verblüffend leicht und dabei gleichzeitig auch sowohl vom chemischen wie vom physikalischen Standpunkt aus ungeheuer widerstandsfähig ist und die israelische Metallindustrie mit dem ausgezeichdie aus Betonwannen bestehen, in denen Gemüse aller Art binnen 2 bis 3 Monaten zu einer Grösse und Schönheit heranreift, wie sie vor einem Jahrzehnt noch nicht erträumt worden waren. Die Agronomen und Landwirt schafts-Chemiker Farm leiten, dosieren die Chemikalien der Nährlösungen, aus denen die Pflanzenwurzeln saugen, derart, dass sie Grösse. Farbe. Nährwert Unweit von diesem grandiosen Musterbetrieb besuchen wir die Milchfarm, die aus drei Teilen besteht. Im ersten Teil befindet sich die grosse Wasser-Entsalzungsanlage, der zweite besteht aus unabsehbar grossen Kleefeldern, und der dritte macht den Eindruck einer gewaltigen chemischen Fabrik, in der aus dem Klee Milch hergestellt wird. Ja, es ist den Nahrungsmittel- Chemikern gelungen, die Kühe auszuschalten. Früher wurden der Klee und die Gräser den Kühen zu fressen gegeben, und die Kühe verarbeiteten in natürlichem Vorgang das Grünfutter zu Milch. Jetzt ist die-! se primitive Methode über- I wunden und in den riesigen! Kesseln und Anlagen ver- I wandelt man das ,Futter' di- I rekt in Milch, ohne dazu Küj he zu brauchen.! Auf dem Rückweg stellen | wir uns bei unseren Freunj den in Rechowot ein, wo in j der Stadt der Wissenschaft an den nächsten Erfindunj gen, besonders auf biologi- I schem Gebiet, gearbeitet; wird. In dieser Welt der Zui kunft erscheinen die Fort- | schritte des letzten Jahr-; zehnts, so sehr sie uns auch I beeindruckt haben mögen, 1 als geringfügig, denn hier in | den Laboratorien und den; Vortragssälen spricht und , träumt und diskutiert man I von einer baldigen Zukunft, ■ in der es überhaupt keine i Krankheiten mehr geben! wird, in der dem Lande das Klima diktiert werden kann, I in der auf telepathischem Wege direkt von Mensch zu Mensch über grösste Entfer-; nungen hinweg Gedanken und Nachrichten übermittelt werden können, ohne dass I man dafür öffentliche Kommunikationsmittel wie Telefon oder Fernschreiber brauchen würde, einer Zukunft. da die Kürpergrösse -! des Menschen während seiner Kindheit von seinen Eltern reguliert werden kann und dergleichen mehr. Haben wir uns in den Wassergärten der Gemüsepflanzungen und in den Kernenergie Anlagen zur Not noch ausgekannt, so gehen die Erklärungen der Wissenschaftler in Rechowot denn doch über unser Verständnis, denn als wir vor Jahrzehnten noch systematisch “rfipep I in unseren Schulen lernten, 1 da galt all .das, was hier bearbeitet und erarbeitet wird, als Utopie für kommende Jahrtausende oder mindestens Jahrhunderte. Wir sind in der Zeit des Anfangs des neten Rohmaterial versieht, j und Geschmack der Gemü- ~ aer . s Anfangs des das ihren Produkten in aller se vorausbestimmen können, I TTTT^ „ geboren Welt guten Absatz sichert. so dass die hier gezogenen! haben die Fortschritte Ueberall im Lande befinden sich Sonnenenergie-Stationen, in denen aus der hier reichlich strahlenden Sonne Energie gewonnen wird, die noch billiger ist als die Atomenergie und das Erdgas, das in Rohren von Chelez und Rosch Sohar aus zu gezogenen Gemüse sättigender und nahrhafter sind als im Erdreich mühevoll gezogenen, ganz abgesehen davon, dass die Ernten ein Vielfaches der alt-traditionellen Landwirtschaft betragen. Exportware geht von hier aus in die halbe Welt. reist und seine Bevölkerung beobachtet, der braucht' i Zentrum bildet. In diesem manche helfende Erklärung, ' Gebiet zwischen Beer Scheue sich im Geiste die Ent-! wa und Aschkelon leben viewicklung zu rekonstruieren, | le Einwanderer aus Süd die im letzten Jahrzehnt so j amerika, die noch vor der rasante Fortschritte ge- I russischen Einwandererwelmacht hat. Die grösste Uej le hergekommen sind meist berraschung. nicht nur für i junge Leute, deren Eltern in Israel und den Touristen, \ Argentinien und Brasilien sondern auch für die Entj blieben. Wicklungsfachleute der gro- Von hier aus nehmen wir ssen Welt, war die grujidle- ■ das Helikoptertaxi, um erst gende Veränderung, die die | einmal das grosse Kraft- |f:§fft#f bis zur Farbfilmtelevision | erlebt.-Das ist wohl genug : für eine Generation, und man kann nicht gut von uns 1 verlangen, dass wir auch noch den Plänen der Ent- | Wicklung für di° nächsten j Jahrzehnte mit Verständnis! für die Einzelheiten folgen ' sollen. letzten zehn Jahre im Ne gew hervorgerufen haben. Als die Einwanderung um die Mitte der sechziger Jahre so sprunghaft zunahm, war klar, dass die Zionistische Organisation und die Regierung mit den Routine- Massnahmon nicht mehr auskommeu konnten, die werk bei Dimona, das für den halben Negew Energie spendet, zu besichtigen. Dieses Kraftwerk liefert heute bereits 250 Megawatt und soll demnächst durch ein weiteres bei Mizpe-Ramon ergänzt werden, damit die Kapazität der Atom-Kraftwerke im Lande auf 400 Me: i ft T > '•* -i Berufe* usbiMung der Jugend durch ORT-Schulen