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Jüdische Wochenschau · 1962-09-28 · 1979 (28.9.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1979 (28.9.1962)
Date
1962-09-28
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Vient««, ZS de Septiembre de 1962 jüdisch* w o c m e n s c h a u Año XXHI. — No. 197» — 3 Wasser des Lebens Der Professor für Geologie an der Hebräischen Universität in Jerusalem Dr. Jakob Bentor gab unlängst eine sehr beruhigende Erklärung ab: wir haben ge nügend Wasser im Lande, nur die Verteilung ist problematisch. Es ist also mit dem Wasser so ähnlich wie mit dem Geld. Es ist ja auch genügend Geld vorhanden, nur die Verteilung ist das Problem. Ich — zum Beispiel — bin dabei zu kurz gekommen, und es ist nur ein massiger Trost für mich zu wissen, dass ein anderer einige hunderttausend Pfund auf der Bank liegen hat. Für das Nationalvermögen macht das zwar keinen Unterschied, aber für mich ist der Unterschied durchaus bemerkbar. Statistisch sieht ja die Sache noch anders aus: wenn z. B. in einem Raum vier Schnorrer versammelt sind, die ausser einem Loch nichts in der Tasche haben, und ein wohlhabender Herr, der tausend Pfund in der Brieftasche mit sich führt, dann gibt der Statistiker an, dass im Durchschnitt auf jeden Insassen dieses Raumes 200.— IL entfallen, was durchaus zufriedenstellend ist. Also, genau so ist es auch mit dem Wasser: theoretisch ist es vorhanden, praktisch nicht immer. Einige skeptische Mitbürger meinen, wir seien gewarnt, da wir in dem Lande leben, in dem Milch und Honig fliessen, aber eben nicht das Wasser. Der Wasserkontrolleur des Staates Raphael Gurewitsch wird nicht müde, zündende Parolen auszugeben, sofern man das in diesen feuchtunfröhlichen Zusammenhängen sagen kann, wie: , .Spart Wasser. Jeder Tropfen ist wertvoll!“, aber das genügt natürlich nicht. Man sollte den Wassersparsinn des Von SCHALOM BEN - CHORIN Bürgers anregen. So wie es den preisgekrönten vorsichtigen Chauffeur gibt, sollte auch der preisgekrönte Wasserscheue dem Publikum als Musterbürger vorgestellt werden und als Preis etwa eine Flasche Kölnisch Wasser — lozeret Ha'aretz) — erhalten. Wir leben leider vom Wasserkapital, erklärte Prof. Bentor. das derzeit bis zu 90 Prozent ausgenutzt wird. In keinem anderen Land der Erde, das eine geplante Wasserwirtschaft hat (ja. das gibt es offenbar; herkunftsgemäss kannte ich bislang nur Bierwirtschaften) gibt es das, und nur durch Durchführung des Jordan- Wasser-Projekts könnten wir diesen Raubbau an unseren W'asserqueilen beheben und wieder von den Zinsen leben. Was die Verteilung des Wasserkapitals anlangt, so gibt uns das soeben erschienen? Handbuch ..Facts about Israel 1962“. das die Pressestelle der Regierung herausbringt, Auskunft: Regen fällt nur im Winter — teilt uns das offiziell? Handbuch mit; eine Tatsache die mir als Laien schon lange aufgefallen ist. Im Norden des Landes beläuft sich die Regenmenge auf 40 Zoll; im äussersten Süden aber, in Elat, werden nur 15 Zoll gemessen. Die Haifaer sind also sozusagen unsere Wasserprotzen, während die Leute von Elat an chronischer Wasserarmut leiden, obwohl sie andererseits Hektoliter Wasser ausschwitzen. Trotz dieser Schwierigkeiten wurden grosse Bewässe rungsprojekte durchgeführt: im Jahre 1949 waren nur 75.000 Acres unseres Landes bewässert; im Jahre 1931 waren es bereits 340.000. Den egoistischen Bürger, Organización Versicherungen T. E. 33-5276 46 1037 46 1115 MITRE 430, 3er. p. Bme H 156 der unter seiner Dusche steht, die ihn nur anfaucht, aber keinen Tropfen erfrischen Wassers mehr spendet, tröstet diese imponierende Zahl natürlich nicht, denn er sitzt auf dem Trokk^nen. Bedenkt der Bürger aber, dass Israels Städte und Industrien allein pro Jahr 350 Millionen Kubikmeter Wasser verbrauchen, so wird er sich wie ein positiver Wassermann Vorkommen, selbst wenn er mal ungewaschen zu Bette gehen muss, was für manch? Mitbürger kein so gewaltiges Opfer ist. Die Loyalität der Staatsbürger hat eben ganz verschiedene Grade. Die grossen bestehenden Wasserprojekte sind einerseits das West-Galil - und Kischon-Projekt und andererseits das Yarkon-Negew- Projekt. Das dritte, entscheidende aber ist das Jordan-Wasserprcjekt, das das Wasser des heiligen Flusses durch das Land in den Negew leiten will, denn Negew bedeutet .. Trockenheit. Es bedeutet dies philologisch und faktisch. Wir hoffen, dass die erste Phase dieses gewaltigen Projekts im kommenden Jahr komplettiert sein wird. A >er es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Und dem bösen Nachbarn gefällt dieses Projekt garnicht. Er droht: wenn ihr das Wasser fliessen macht, wird Blut fliessen. Moses verwandelte die Wasser des Nils in Blut, nun will Nasser die Wasser des Jordans in Blut verwandeln. Eine etwas späte Revanche .. aber man muss hier auf der Hut sein! Ausser der Wasserbehörde ,,Minhal Hamayim“ des Landwirtschafts - Ministeriums und der Wassergesellschaften ,,Tahal“ und ,,Mekkorot“ haben sich also auch das Sicherheitsministerium und der Generalstab mit Israels Wasserfragen zu befassen. Da Landwirtschaftsminister Mosche Dajan aber ein Ex-Generalstabschef ist und von Sicherheitsfragen sicher mindestens soviel wie von Tomatenzucht versteht, können wir da beruhigt schlafen. Die Wichtigkeit des Jordan-Wasserprojakts wird einem klar, wenn man die Verteilung des Wasserkapitals sich sozusagen im Kontoauszug ansieht: (Million Kubik-Meter) pro MKM Jordan. 500 Quellen, inkl. Yarkon . 430 Grundwas.-r.650 Flusswasser und rückgeleitete Abwässer . 220 Den letzten Posten setzt die Hand nur zögernd aufs Papier, sich d?r aromatischen Mängel voll bewusst werdend: dieses rückgeleitete Abwasser kann natürlich nur zur Bewässerung von Feldern benutzt werden. Es empfiehlt sich z. B. nicht, darin zu baden, wie der Experte versichert. Die Jerusalemer sind Experten in Fragen des Wassermangels. Erst in den letz ten Jahren haben sie wirklich aus dem vollen zu leben begonnen, was das Wasser anlangt. Sie erinnern sich der trockenen Jahre, wo eine Dusche pro Woche ein Luxus war; und der Wochen der Belagerung Jerusalems, in welchen nur noch die städtische Zisterne in Romema mit einem Fassungsvermögen von 20.000 Kubikmetern als einziges einigermassen zulängliches Wasserreservoir bezeichnet werden konnte. Hierzu bemerkt Dow Joseph in seinem Buch ..The faithful City“: ,,Bei norma lern Verbrauch konnte die jüdische Bevölkerung von Jerusalem genau zwei Tage lang damit auskommen.“ Damals kamen die guten al LA SEMANA ISRAELITA BIS EM AM ARIO INDEPENDIENT* St. JtifM - »-»UEYRREDO* 219«. 1* *•*• — *• E- 23. Eiul 5722 28. September 1962 ten Zisternen wieder zu ih- >, rem Recht... was hätte man j ohne sie getan? 10 oder 5 Liter Wasser pro Tag und Kopf . . das war die Frage, die alle damals beherrschte. Aber es war eine uralte Frags. In seinem Aufsatz: ,,Jeru; salem zwischen Krieg und Frieden“ schreibt George Kent in der Monatsschrift ..Christian Iierald“: „Warum die Völker im Altertum — und in der Gegenwart — immer wieder nach dem Besitz Jerusalems gestrebt und ihr Blut dafür v?rgossen haben, ist noch nie ganz geklärt worden. Die Stadt hat praktisch kein Wasser; Kalkstein ist ihr einziger Bcdenschatz.“ Nun ja: die Thora sagt: ..Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ Er lebt offenbar auch nicht vom Wasser allein, sonst wäre Jerusalem nicht dreitausend Jahre als geworden... dies den Telavivern ins Trostbuch, wenn sie nun einmal am nassen Leib die Trockenheit verspüren mussten. Die Tage sind ja nicht so fern, in welchen man kleine Mengen Wasser von Trägern in Jerusalem kaufte, die es Í Fabrica de Ropa de Cuero Gamuzado;. Cabra y Napa K. Zimmerspitz | jj JUNIN 322 — T 47-3762 H 115 », . ■ HEL HELVETIA Cía. Suiza de Seguros contra Incendios Agentes Generales para la Rep. Argentina SIMMONDS & Cía. S. R. L. RECONQUISTA 359 T. E. 46.0776 — 0885 BUENOS A!RES| 1037 — 1115 2366 H l&l ♦ V l VWkWWWWVWVW YW WVWWVVW VWV VVVWWV VWV i Yolksgesundheit in Israel Jerusalem. — 2.000 Israelis sterben jährlich an Krebs, so erklärte Jizchak Rafael, der Vizeminister für Volksgesundheit in einem Aufruf an die Bevölkerung inr'n'halb der staatlichen Kampagne für Krebsbekämpfung, sich rechtzeitig in ärztliche Behandlung zu begeben, um sich gegen dieses furchtbare Leiden zu schützen, Frau Ben Zwi. die an dieser Kamoagne teilnimmt, beglückwünschte die israelischen Forscher, die sich durch ihre Arbeiten eines steigenden internationalen Rufes erfreuen. (ITA) Kurse für Rechtsanwaelte Jerusalem. — Ein Sonderkursus für eimvanderndS Rechtsanwälte, durch den ihnen die Zulassung zu den israelischen Gerichten erleichtert werden soll, ist gemeinsam von der Jewish Agency, dem israelischen Juristenverband1 und der Histadrut geschaffen worden. Der Lehrgang beinhaltet ungefähr die Vorlesungen der letzten zwei Studienjahre an der Rechtsfakultät der Hebräischen Universität. Die eingewanderten Rechtsanwälte. die diesen Kurus r..cht besuchen und sich um Zulas ung bewerben, müssen Fxamen in hebräischer Sprache über Themen wie beispielsweise Ottomanisches Recht und Personenstandsrecht ablegen. Die Teilnahmen an dem neuen Kursus steht allen Juristen, die ihr Studium im Ausland abgeschlo sen haben, unentgclt lieh frei. (ITA) Der Mordprozess gegen Leibbrand Stuttgart. _ Das Stuttgarter Landgericht hat das von der Staatsanwaltschaft beantragte Hauptverfahren gegen den Verkehrsexp rten Pro fesror Dr. Kurt Leibbrand eröffnet. Der Eröffnungsbe- Schluss lautet auf Mord in mindestens 26 Fällen und versuchten Mord in m odestens fiuu Fällen. Leibbrand wird vorgeworfen, im August 1944 in Süd/rankreich als Oberleutnant und Kompagniechef die heimtückische Erschiessung von italienischen „Hilfswilligen“ angeordnet zu haben. (\WZ) L in prallen Ziegenschläuchen heranschatften. Ich sehe sie noch vor mir, diese Wasserträger in Jerusalems treppenreichen Winkelgassen der Altstadt ... und wahrscheinlich betreiben sie auch heute noch ihr uraltes Gewerbe. Nur wer den Wassermangel am eigenen Leib verspürt hat, wie die Jerusalemer früher und die Telaviver heute, wird das archaische Brunnenlied aus dem 21. Kapitel des 4. Buches Moses verstehen: Brunnen, Brunnen, tu dich auf Jubelt, jubelt laut! Herrscher gruben deinen Lauf, Fürsten haben dich erbaut,, Mit dem Zepter, Mit dem Stab. (Nachdichtung von Manfred Sturmann, 1923). Man schätzt nur, was einem nicht selbstverständlich ist. In den wasserreichen Gegenden Europas (wo es ständig regnet!) wäre so ein Lied nicht entstanden. Wir Israelis aber lernen wieder, dass das lebendige Wasser auch das Wasser des Lebens ist. 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