Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1979 (28.9.1962)
- Date
- 1962-09-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616703-9612947-9613471--2350-9613472- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
PUEYRRKDON 2190 — l9 »*<1hx Je*na^j[$ACi&¿iÍG, T E. 83-2613 Año XXIII. BUENOS AIRES, VIERNES, 28 DE SEPTIEMBRE DE 1962 No. 1979 DER II. Sw.: — Wieder einmal begehen wir den Anfang eines Neuen jüdischen Jahres in einer schicksalsschweren Stunde, in einem dramatischen Augenblick, m welchem die Hoffnungen aller Menschen und Volker auf den Frieden gerichtet sind. Die Vereinten Nationen, die vor kurzem zu neuen Beratungen zusammengetreten sind, sehen sich den alten, ungelösten Problemen gegenüber. Zum ersten Mal ist sich die lateinamerikanische Judenheif des Ernstes ihrer eigenen Lage bewusst geworden, nachdem Länder, die bisher von den Krankheitssymptomen des Rassen hasses irei waren, im letzten Jahr vom Fieber des Antisemitismus geschüttelt worden sind. Viele glaubten — Juden wie Nichtjuden —, dass dieser glückliche Kontinent von den ebenso bedauerlichen wie erregenden Ereignissen und Entwicklungen weit entfernt liegt und niemals selbst zum Schauplatz schwerer Auseinandersetzungen werden würde. Sie haben die Wucht und Dynamik einer Entwicklung verkannt, -in der von jedem Menschen eine Entscheidung und Stellungnahme verlangt wird, und von der jedes Volk, wo es auch immer auf dieser Erde leben mag, zutiefst ergriffen werden muss. Der Begriff einer bequemen Neutralität, gewiss ein idealer Zustand im Angesicht der aufziehenden Gefahren, verblasst immer mehr; er ist schon zu einer Chimäre geworden. Wer sich in den Träumen seiner eigenen Sicherheit wiegt, ist bereits aufges.cheucht worden. In solchen Augenblicken, denen gerade unser Volk sich so häufig im Laufe seiner langen Geschichte gegenübergesehen hat, müssen vvir vorbereitet sein und unser e eigenen Reihen enger Zusammenschlüssen. Wir sollten mit jener Ruhe und Würde reagieren, die Juden in Gefahren immer ausgezeichnet haben. Jeder Versuch, eine Panikstimmung zu schaffen, muss im eigenen Kreis unterdrückt werden. Einmal mehr können wir beobachten, dass gerade diejenigen, die sich in den Jahren relativer Ru he und eines erfreulichen Wohlstandes am Rande der jüdischen Gemeinschaft bewegten, heute dazu neigen, Alarm zu schlagen, Haben sie doch geglaubt, ihrem eigenen Schicksal entrinnen zu können, indem sie ihre Augen verschliessen und in einer nichtjüdischen Umgebung ..untertaueben“ und ihren eigenen Golus vergessen. Die bevorstehenden Festtage ’geben jedem Gelegenheit, über seine eigenen Probleme wie die der jüdischen Gesamtheit nachzudenken. Wir blicken in die erstaunten Augen unserer Kinder, die in den freien amerikanischen Ländirn nichts von jenen Schattenseiten des Daseins wussten, und müssen ihnen auf ihre LEBEN meist nicht ausgesprochenen Fragen antwor.e.i. Wir haben ihnen zu sagen, dass unser Jahrhundert, das von Kämpfen und Kriegen, den kalten wie den heissen, widerhallt, gewaltige Anforderungen an jeden Menschen stellt, und dass es ihre wie; aller Menschen Aufgabe ist, in dem grossen Ringen der Menschheit um ihre Freiheit ihr eigenes Menschenrecht zu verteidigen. Mitunter hat aber diese Jugend viel besser als die ältere Generation, die bereits müde und saturiert ist, verstanden, dass jeder die Pflicht hat, mit seinen bescheidenen Kräften für Frieden und Fortschritt zu wirken. Die Stunde ist gekommen, wo wir verlangen müssen, dass alle die Kraft aufbringen, über ihren eigenen kleinen Kreis hinaus das Noch haben viele, die heute eine Verantwortung tragen, nicht begriffen, dass die Zeit für Trennungen und Spaltungen wenig angetan ist. Ueber die lokalistischen Interessen hinaus sollte man endlich zur Gemeinschaftsarbeit übergehen, unnötige Aufwendungen vermeiden, um die freiwerdenden Menschen und Mittel den gemeinsamen konstruktiven Aufgaben zuzuleiten. Noch fehlt das Augenmass, Jim das Wesentliche vom Unbedeutenden zu unterscheiden. Warum sollte es nicht möglich sein, die für den Aufbau und für die Erfüllung der uns gesetzten Aufgaben erforderliche Einheitlichkeit der Aktion aus freier Erkenntnis und freiem Antrieb zu erreichen? Warum warten wir, bis unsere alten oder neuen Gegner durch Von Geschlecht zu Geschlecht Ganze zu sehen. Damit, dass sich der einzelne rettet, ist wenig getan. Hier stehen nicht die Probleme einzelner Menschen, sondern einer Gemeinschaft auf der Tagesordnung. Wer heute entkommen kann, wird morgen anderswo dem gleichen Schicksal erliegen. Das hat uns unsere eigene Geschichte, unser eigenes Leben gelehrt. Verstehen wir doch endlich die Lektion, die wir erhalten haben. Begreifen wir doch, dass jeder die Verpflichtung trägt, für die Gesamtheit zu wirken, und dass alle Opfer, die der Gemeinschaft gebracht werden, jedem einzelnen und vor allem dem Opfernden zugute kommen. den von ihnen ausgeübten Druck uns zusammenführen? Weder zu Panik noch zur Verzweiflung ist Anlass gegeben. Gerade in ernsten Stunden, die eintreten können, hat sich der gesunde Lebensmut unseres Volkes immer wieder bewährt. Der Glauben an den endgültigen Sieg der Gerechtigkeit, der in jedem Juden lebendig ist, wird auch dieses Mal stärker sein als alle destruktiven Kräfte, Eine neue jüdische Generation ist ei’standen, die gelernt hat. nicht nur mit Würde zu leiden, sondern ihre Ideale und Rechte mit vollem Einsatz zu vertreten. Neues Leben ist aus alter Erde erwachsen, das jeden Juden mit Stolz, mit Hoffnung und Zuversicht erfüllt. Jedes Volk, und auch wir, braucht in ernsten Zeiten Männer und Frauen, die nicht verzagen, sondern entschlossene Menschen, die durch ihren Mut zum Leben ihre Daseinsberechtigung beweisen. Der Nazismus in Europa London. — Eine dringende Aktion zur Bekämpfung eines internationalen Wiederauflebens nazisti scher, faschistischer und antisemitischer Hetzkampagnen wurde von den Vertretern von acht europäischen Gemeinden gefordert, die der Tagung der europäischen Exekutive des -Jüdischen Weltkongresses beiwohnen. Unter ihnen sind Repräsentanten der jüdi sehen Gemeinden Grossbritanniens, Irlands, Italiens und Schwedens. Ueber die jüngsten nazifaschistischen Zwischenfälle in England berichtete der Direktor iur internationale Fragen des -JWK. A. L. Easterman, der darauf hinwies, dass „das Scheitern der Bemühungen der englischen Demokratie, gegen diese Gefahr wirksam einzuschreiten, den neofaschistischen Kräften in anderen Ländern als Ansporn dient.“ In einer Resolution ersucht die europäische Exekutive des JWK um „dringende Massnahmen zur Ein dämmung dieser Zwischenfälle durch Gesetze, die die Aufreizung zum Rassenhass unter strenge Strafen stellen.“ Ferner wird eine internationale Aktion zur •Bekämpfung jeder Art von Rassenhass. Aufreizung. Diskrimination und Vorurteil im Wege der Vereinten Nationen gefordert, da hier „Verletzungen der Verfügungen über Menschenrechte“ der UN-Charter vor.iegen. Einige Delegierte bemerkten hierzu, dass in ih ren Ländern die Aufreizung zu Rassen- und Religionshass gesetzlich bestraft wird. (ITA) WIE ICH ES SEHE - Ein neues jüdisches Jahr von JEHVDA GOTTHEIM ER Stets von neuen Hoffnun-1 Krise vergangener Jahre gen erfüllt, stehen wir an der Schwelle eines neuen Jahres. Wird dieses Jahr besser sein als die vorangegangenen? — Wie die Natur sich ständig erneuert, so darf als überwunden gelten. Fieiss, Energie und Tatkraft haben allen politischen und ökonomischen Schwierigkeiten zum Trotz zu einer Entwicklung geführt, die oh IUL SIL-Il SLUIUJIS ,-- --- wächst auch eine neue Gene Ueberschwang als gluckneration heran, von dem Wunsche beseelt, es anders, es besser zu machen, so entstehen neue Vorstellungen Uber die Gestaltung des Lebens und den Aufbau einer harmonischen Gesellschaft. Die Verantwortlichen von heute denken an ihre eigenen Träume, die sie verwirklichen wollten und betrachten mit Verständnis und mitunter einem resignierten, ironischen Lächeln die Jugend, die von der gleichen Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Freiheit bestimmt wird, die auch uns vorgeschwebt haben. Aber auch wir. die Alten oder Aelteren, haben den Kampf keineswegs aufgegeben, auch wir suchen nach Fortschritt und Frieden in einer Welt, die von Zwistigkeiten widerhallt und unter dem lastenden Druck ungelöster Probleme seufzt. Wenn wir diesen Gedanken nachhängen und unseren Blick auf das Jahr werfen, Meer der Ewigkeit versinkt, dann werden wir zu der Ueberzeugung gelangen, dass wir einen Lebensabschnitt beendet haben, der voller Erwartungen und Enttäuschungen gewesen ist. Diedas nunmehr im zeitlosen ses Auf und Ab, dieses Für und Wider ist der rechte Reflex jedes menschlichen Tuns und Lebens. Für Israel bedeutet das letzte Jahr einen grossen Fortschritt. Der relative Frieden gestattete eine weitere Festigung des jungen staatlichen Lebens. Die Wirtschaft konsolidierte sich. Nicht mit Unrecht wies man darauf hin, dass die israelischen Anlagen, Aktien und sonstigen Investitionen ihren Wert behielten oder sogar eine Wertsteigerung aufweisen konnten, während selbst bei den festesten Valuten erhebliche Kursverluste eingetreten sind. Die Bemühungen zur Aufnahme in d‘e Europäische Wirtschaftsgemeinschaft konnten zwar noch nicht zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden; die Perspektiven sind jedoch nicht ungünstig. Die schwere wirtschaftliche ¡Rösch Haschanah-Ausgabe 5723 ¡ lieh und erfolgversprechend bezeichnet werden darf. Die aussenpolitische Lage ist weiterhin von der Feindseligkeit der arabischen Nachbarn bestimmt. Die Spannungen und Kämpfe im arabischen Lage haben noch nicht zur Entlastung des Druckes auf die israelischen Grenzen geführt. Auch der letzte, schwere Konflikt in der Arabischen Liga, dieser Pseudo-Aliianz der arabischen Länder, wirkte sich bisher nicht günstig auf Israel aus. Denn nach wie vor ist der einzige gemeinsame Programmpunkt der Araber ihre Gegnerschaft gegen Isral. Dabei darf man durchaus unterstellen, dass einige arabische Nachbarstaaten an der Beseitigung der alten Differenzen interessiert sind und die Nachteile dieser schlechten Beziehungen zu Israel ausschalten wollen. Aber weder Libanon noch ein anderer Araberstaat wagt es, aus der arabischen Reihe zu tanzen. Im arabischen Bruderkampf spieit Israel eine grosse Rolle, ohne hierzu etwas tun oder hiergegen etwas unternehmen zu können. Nasser hat den offenen Kampf gegen eine Reihe arabischer Feudalstaaten aufgenommen. Er greift seine Sozien in der Liga ohne Vorbehalt und Hemmungen vor den Augen der Weltöffentlichkeit mit ungewöhnlicher Schärfe an. Er geisselt die Könige von Transjordanien und Saudi Arabien ebenso wie den Iman vom Yemen als Tyrannen, die ihre Völker schonungslos aussaugen. Er fordert die Völker zur offenen Rebellion auf. Er klagt die Regierung Syriens und die des Irak an. Die Differenzen sind tief, die Spaltungen laufen kreuz und quer. Es gibt noch nicht einmal klare Fronten und Gegnerschaften. Letztlich ist jeder gegen jeden. Nur in dem einen Lied fallen alle in denselben Ton. wenn es sich um verbal? Angriffe gegen Israel handelt. Dann treten die Könige auf und beschimpfen Nasser der Feigheit gegenüber Israel. Er. Nasser, traffe nach dieser Version die Verantwortung dafür, dass Israel seine angebliche Expansionspolitik betreiben und den Tmnerialismus der westlichen Mächte unterstützen würde. Apathisch hört die übrige Welt diesen Hassttraden zu. die Araber gegen Araber ausstossen und die immer wieder gegen den Staat Israel gerichtet sind. Auf die Entwicklung Israels hat diese wirre arabische Politik nur geringen Einfluss. Selbstverständlich wäre das Tempo des Aufbaus ein viel sehneileies, wenn Israel mit seinen arabischen Nachbarn zu einer politischen und wirtschaftlichen Verständigung gelangen könnte. Die natürlichen Absatzmärkte würden sich öffnen, die Einfuhr wichtiger Produkte, die in den Nachbarstaaten erzeugt werden, würden die Importe verbilligen. Grosse Summen, die heute zwangsweise für die Verteidigung und ständige Bereitschaft der Armee ausgegeben werden müssen, könnten konstruktiven Aufgaben zugeführt werden. Die schweren Grenzzwischenfälle, die in früheren Jahren alltäglich waren, wurden stark reduziert. An der ägyptischen Grenze waren nur seiten Zusammenstösse zu verzeichnen, ebenso gehören derartige Schusswechsel mit Transjordanien zu den Ausnahmen. Nur mit Syrien gab es eine Reihe von blutigen Auseinandersetzungen, die sich einige Male am Tiberias-See wiederholten und in einem Fall sogar den Sicherheitsrat der UN beschäftigt haben. Die schweren Unruhen und ständigen Revolutionen in Syrien, die schliesslich zu einem Abfall von Nasser und einer Separierung von der Vereinigten Arabische« Republik (VAR) geführt haben. suchten einen Ausgleich und eine Ablenkung von den inneren Problemen ganz offensichtlich in einem Disput mit Israel, um in der Oeffentlichkeit legalisiert zu werden. Für den Staat Israel bedeuteten diese Zusammenstösse den Beweis für das Erfordernis ständiger und höchster Bereitschaft. In einer Epoche der Entwicklung. in welcher Israel dringend alle Kräfte dazu gebraucht. um zu bauen und zu arbeiten, stellt die Freistellung der arbeitsfähigen Jugend zu militärischen Aufgaben eine starke Belastung dar. Denn die Armee spielt im Leben des jungen israelisch-en Staates noch imm^r die dominierende Roll? und sie muss sie spielen, da das Problem der Sicherheit aus all den genannten Gründen auch jetjt noch im Vordergrund der staatlichen Notwendigkeiten steht. Eine grosse Einwanderung legte dem Staat im abgelaufenen Jahr eine Fülle (Schluss auf Seite 2> u&J f t^vTTí;*. ‘í,r' ' Y'