Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1978 (21.9.1962)
- Date
- 1962-09-21
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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o as S _?- - * FRANQUEO PAGADO Cancesioa 908 < O TARIFA REDUCIDA Cncesion 1029 Año XXIII. BUENOS AIRES. VIERNES 21 DE SEPTIEMBRE DE 1962 No. 1978 ISRAELITA un EL EJEMPLAR en toda la República 10 PUEYRREDON 2190 1« izq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Jüdischer Beobachter in Rom Es steht nun fest, dass zum ersten Mal in der Ge schichte ein Vertreter des Jüdischen Weltkongresses an der Welttagung der katholischen Kirche, dem Oe kumenischen Kongress, am Vatikan teilnehmen wird. Es wurde amtlich verlautbart, dass zu diesem Zweck Dr. Chaim Vardi für zwei Jahre von seiner Aufgabe als Berater des Religionsministeriums für christliche Angelegenheiten beurlaubt wurde, damit er als semioffizietler Beobachter bei dieser wichtigen katholischen Kirchentagung im Vatikan funum den Erwartungen der Juden angesichts des bevorstehenden katholischen Weltkongresses im Vatikan Ausdruck zu geben. Ein Sprecher des Vatikans erklärte, Dr. Vardi würde nicht als Vertreter des israelischen Religionsministeliums am Vatikan auftreten, wie gewisse fremde Quellen irrtümlich bekanntgaben. Vielmehr wird Dr. Vardi im Auftrag des Jüdischen Weltkongresses bei der Kirchentagung ein Auge auf alle die Juden betreffenden Belange und Probleme haben, die dort zur Sprache kommen te streng geheimgehalten ¡ Bekanntlich hat der New' gieren kann. Die Angelegen könnten. Da er keine christ heit hat grosses Interesse in christlichen und jüdischen Kreisen Italiens erweckt. Sie hat aber auch eine Kettenreaktion irreführender Nachrichten. Missverständnisse und Unw'illen in jüdischen und christlichen Krei sen Italiens verursacht. Verlässliche Quellen im Vatikan bestätigten, dass Dr. Goldmann bei seiner Durchreise im Juni in Rom den Kardinal Bea, Chef der ökumenischen Sekretariatskanzlei besuchte. Kardinal Bea ist nicht nur für die interkonfessionellen christlichen Beziehungen verantwortlich, sondern seine Kanzlei befasst sich auch mit jüdischen Angelegenheiten. Man war der Meinung liehe Körperschaft vertritt, kann Dr. Vardi keine offizielle Stellung oder Aufgabe bei dieser Tagung inneha ben. Sein Titel wird nicht | „Observator Delegatus“ lau- * ten, eine Bezeichnung, die | man den offiziel'en protej stantisehen und griechisch- I orthodoxen Beobachtern ge j ben wird. Er kann nicht ein-! mal „offiziell als inoffizieli 1er Beobachter bezeichnet; w'erden.“ ] Jüdische Kreise in Rom j nehmen an. dass Dr. Vardi! die Vorgänge beim Kon- I gress als „Gast des Sekre- [ tariats von Kardinal Bea“ i beobachten wird. Unter diei se Kategorie fallen christli- I die und nicht-christliche I Persönlichkeiten. — und darunter angesehene Theolo wird. wurde sofort und ohne Gegenstimme von der vorbereitenden Kommission bestätigt. Man glaubt, dass es sich um eine Verurteilung des Antisemitismus gleichzeitig mit dem Atheismus, Kommunismus etc. handelt. Die römische Korrespondentin einer israelischen Abendzeitung meldet, es sei nach ihrem Wissen zum ersten Male in Italien von kompetenter katholischer Seite eine Reaktion auf den Eichmann-Prozess und die Hinrichtung des Massenmörders erfolgt. Bisher hatten sich die katholischen Zeitungen und darunter auch das offizielle Organ des Vatikans, der „Osservatore Romano“, mit der Aufzählung von Tatsachen und der Veröffentlichung der offiziellen Verlautbarungen der israelischen Behörden begnügt. Unlängst erschien ein Auf Yorker Rat der Rabbiner gegen eine Aufführung des „Kaufmann von Venedig“ im Zentralpark — mit TV- Uebertragung — protestiert. Wie „Time“ berichtet, fand der Rabiner-Rat, mit der Darstellung des Shylock habe Shakespeare eine Verzerrung und Diffamierung unseres Volkes und unseres Glaubens“ auf sein Gewissen geladen. Die Fernseh Zuschauer seien ein Massenpublikum. „das leicht beeinflussbare junge Leute umfasst, und auch viele der Erwachsenen könnten keine intellektuelle Reif« aufweisen.“ Auf sie könnte das Drama verheerend wirken, da es „ohne jeden Zweifel als Brutzentrum für jene destruktiven Kräfte dient, die alle die Katastrophen der dreissiger und vierziger Jahre heraufbeschworen.“ Trotzdem hat sich der Produzent des Shakespearesatz unter dem Titel „Der | Dramas nicht abschrecken i Tod Eichmanns und die Ver-! lasscn- Laut “Tlme handelt urteilung der Ideologie“ in i es sich — um einen orthoder offiziellen Zeitschrift der i dox erzogenen Juden namens Joseph Papp, der den Bau des Amphitheaters im Zentralpark von Manhattan dass im Gespräch von Karj g€n> Schriftgelehrte und Exdinal Bea mit Dr. Goldmann die Aenderungen in der katholischen Liturgie (Gebetsordnung) zur Sprache kamen, um „Missverständnisse antisemitischer Natur zu vermeiden und das gegenseitige Verständnis zwischen den verschiedenen Religionen zu stärken.“ Diesen Quellen zufolge ist der Besuch von Dr. Gold mann bei Kardinal Bea als Teil der Initiative anzusehen. die jüdische Persönlichkeiten und Kreise in den letzten Monaten ergriffen, italienischen Jesuiten. „Cij vilita Cattolica“. Der Verfasser berichtet über die; ... ... , .! Worte des Pastors Hüll, i ^L,4®0.?00 D°l!a.IL“f* dass „Eichmann seelisch weniger denn ja auf eine Begegnung mit seinem Schöpfer vorbereitet gewesen sei.“ Der Autor fügt hinzu: Arabische Grenzgaenger Tel Avb'. — Bei dem Versuch. illega nach Israel einzudrngen, wurden an der Grenze zum Gazastreifen zwei Araber von Angehörigen einer israelischen Streife überrascht und beim Widerst indsversuch erschossen. (AWZ) perten für Religionsfragen die nicht Mitglieder irgendeiner religiösen Organisation sind und auch keine religiöse Gemeinde repräsentieren. Als Gast des Sekretariats des Kardinales Bea kann Dr. Vardi aber nicht nur die Plenarsitzungen der Wetttagung verfolgen, sondern kann auch an den Sitzungen der Sonderausschüsse teilnehmen, die über für die ■ Juden interessante Fragen | beraten werden. | Nach den Erklärungen veri lässlicher Informationsquel-! len in Rom soll im Juni die i siebte — und wahrscheinlich setzt hat — auf einem städtischen Grundstück und zum Grossteil mit städtischen Geldern. Papp hatte eine ungew'öhnilche Idee: er will Gratis-Vorstellungen geben und seine Produktionen nur „Diese tragischen Worte sind \ durch die TV Uebertragun der Ausdruck der schreckgen finanzieren, liehen seelischen Erbschaft j dieses Menschen. Eichmann ' war kein Ungeheuer, das aus Rachsucht oder Blutdurst mordete. Er liess sich von unmoralischen, vermessenen Staatstheorien beeinflussen. Die Verurteilung Eichmanns muss der Welt als Lehre dienen und die Erinnerung an das grauenhafte Blutbad während der Nazizeit wachhalten, um so mehr, da die Welt heute in der Furcht vor der Möglichkeit eines neuen, noch schrecklicheren Blutbades lebt, durch den Wahnsinn letzte — Sitzung des vorbe- anderer Ideologien fd. h. des reitenden Comités stattge- Kommunismus), funden haben. In einer Konj ferenz unter Vorsitz des ■ Papsies wurde über einen; Text beraten, den Kardinal; Bea mif Bezugnahme auf ] Trotz des lauten Protestes der Rabiner gegen den „Kaufmann von Venedig“, den Papp zur Eröffnung seines neuen Theaters wählte, hat sich der ambitiöse Theatermann nicht abschrecken lassen. Nicht einmal als Rabbi L. I. New'man von der Kanzel einer Synagoge seine verdammenden Worte gegen die unheimlichen Einflüsse des Shakespeare- Stückes donnerte, w'urde der Produzent unsicher Unglücklicherweise, berichtet „Time“, ist aber die Vorstellung trotz hervorragenden Leistungen von George C. Scott als Shylock und Christen und jedes Gläubi gen zu beten, dass Eich- ] mann vor Gott jene Gnade j , findet, die er selbst nicht jüdische Probleme vorge egt j hatte, als ein böses, un- „Es ist die Pflicht jedes j *an Martin als Porzia nicht hatte. Dieses Dokument, das wie alle auf die WePtagung bezüglichen Dokumen- Gewerkschaften protestieren New York. — Die kürzliehen Ausbrüche eines ge walttätigen Antisemitismus in Argentinien und Uruguay waren Gegenstand einer scharfen Kritik durch die beiden grossen nordamerikanischen Arbciterge werkschaften. Die in der Zweigstelle von New York zur Jahreskonvention versammelten Delegierten forderten die Regierungen dieser beiden Länder auf „energische Massnahmen“ zu verfügen, um eins Wie derholung dieser Zwüschenfälle zu verhindern, bei de nen es zu tätlichen Angriffen gegen Juden, zu Schie ssereien auf Juden gehörende Geschäfte kam und Ha kenkreuze an die Häuserw'ände geschmiert wurden. Io einer Resolution drückte die Versammlung ihre „grosse Besorgnis und Empörung“ über das Ausmass der nazistischen Hetze und die Vorkommnisse der letzten Monate in Argentinien und Uruguay aus. „vVii betrachten diese Ausbrücke von Gewalt als eine Be drohung der Freiheit und Wohlfahrt der beiden Na tionen“, heisst es darin.' Die Resolution verurteilte ferner „die Haltung derjenigen Behörden in Argentinien und Uruguay, die die Gefahr bagatellisiert una die für dies-e schändlichen Attentate verantwortlichen Organisationen sogar noch verteidigt haben. (ITA) gerechtes Gesetz ihm den Mord von sechs Millionen Juden auftrug: jene Gnade, die er vor der menschlichen Justiz nicht fand, als man beshloss, das Todesur teil zu vollslrecken. Gott sieht in das Herz, in das Gewissen von Eichmann wie in das Gewissen der anderen Verantwortlichen für Verbrechen gegen die Menschheit. Ueberlassen wir Gott die Verurteilung oder den Freispruch. Aber wir können nicht schweigen ange sichls einer Ideologie oder eines Staatsapparates, die unter Verneinung des Vorhandensein seines Oberen (d. h. göttlichen) Gesetzes zu solchen Abweichungen führen, wie sie bei Eichmann zum Ausdruck kamen.“ Während der Vatikan also in jüdischen Fragen ein gewisses „Tauwetter“ an den Tag legt, wird aus New York eine „Verschärfung des Kampfes Rabbiner contra Shakespeare“ gemeldet. vom üblichen „Paop-Standard gewesen“. Aber Joe Papp Ist nicht von Papoe: „nicht einmal 200 Kritiker und 100.000 Rabbiner könnten ihn jetzt aus seiner Festung treiben. schreibt das amerikanische Nachrichtenmagazin. Kandidat alter Parteien Rio de Janeiro. — D.r einzigartige Zusammenschluss aller politischen Parteien für die Wahl eines einzigen Kandidaten wurde aus der in der Nähe Rio de Jane:ros gelegenen Ortschaft Barra Do Piraj gemeldet, wo sämtliche Parteien die Kandidatur eines jüdischen Industriellen für das Bürgermeister-Amt unterstützen. Der Kandidat ist Meliej Cukier, ein seit einigen Jah ren naturalisierter Brasilianer. der aus Polen auwanderte und in Barra Do Piraj so geachtet ist. dass alle Parteien übereingekommen sind, ihn in diesem Jahr zum Bürgermeister zu wählen. (ITA) Kundgebung des Hasses Dr. W.: _ Vor wenigen Tagen fand in Buenos Aires eine Kundgebung gegen den Kommunismus statt. Man kann zw'ar darüber streiten, ob der Kommunismus mit Kundgebungen zu bekämpfen ist oder nicht, aber für solche Demonstrationen w'erden auch wir immer Interesse zeigen, wenn sie ernst gemeint sind. Denn die Juden als Gemeinschaft stehen in der ersten Linie derjenigen. die sieh gegen die Herrschaft der kommunistisehen Doktrinen wehren und die den Kommunismus als Weltanschauung ablehnen. Mitunter jedoch wird der an gebiiehe Kampf gegen den Kommunismus als Vorw-and für die Durchsetzung anderer Zielsetzungen benutzt. Hinter dieser Parole verbirgt sich der r.aekte Faschismus, um einem erschrockenen Bürgertum noch mehr Angst einzujagen und die Nichtsahnenden in die Front der faschistischen Internationale einzureihen. Die bonaerenser Kundgebung der Feinde des Kommunismus zu Ehren der Opfer des Kommunismus war von den Kommunistengegnern aus mehr als 20 Ländern besucht. Es ist durchaus möglich, dass sich unter diesen Antikommunisten auch einige Verbände befunden haben, die gleichzeitig auch antifaschistisch sind. Die Mehrheit aber dürfte entweder aus heutigen oder ehemaligen Na zis bestanden haben. Die Kundgebung war, wie die „Freie Presse“ mit Bedauern und entschuldigend mitteiit, infolge der Feuchtigkeit (wörtlich!: nicht so gut besucht, wie es sich die „Freie Presse“ offensichtlich vorgestellt hatte. Mancher, der selbst physisch oder psychisch unter der Brutalität des roten Totaliarismus gelitten hätte, wäre wahrscheinlich durch die zitierte Luft feuchtigkeit am Erscheinen verhindert worden, schreibt die „Freie Presse“. — Dass sich dort die Faschisten aller Schattierungen ein Stelldichein gegeben haben, — auch wenn einige Antifaschisten dabei gewesen sein sollten, — bewies die Teilnahme einiger argentinischer Gruppen, die sieh während der letzten antisemitischen Kundgebungen hierzulande besonders hervorgetan haben. Das Auftreten der irregeführten Jugendlichen dieser Verbände liess auch keinen Zweifel, welchen Charakter sie der antikommunistischen Kundgebung geben wollten. Nur das starke Polizeiaufgebot verhinderte Weiterungen, die durch den Streit im eigenen Hause entstanden waren, als Serben und Kroaten sich zu schlagen begannen. Die argentinische Oelfentlichkeit, die bisher wenige Erfahrungen mit dieser Technik von Kundgebungen hat, blieb beinahe gleichgültig dieser eigenartigen Demonstration der „Ausländer“ gegenüber, die jedoch mit diesem Vorgehen den argentinischen faschistischen Splittergruppen Gelegenheit gaben, eine Politik des Hasses zu betreiben und sich in der Bürgerkriegstaktik zu üben. Man darf nicht übersehen — und muss die argentinische Oeffentlichkeit mit Nachdruck hierauf aufmerksam machen, dass die faschistische Politik die eindeutige und beste Wegbereiterin des Kommunismus gewesen und geblieben ist. Ohne Hitler und den braunen Fa schismus wären die Russen heute nicht im Herzen Europas. Ohne Hitler, der den Pakt mit Stalin abgeschlossen hat, um die westliche Welt und das Christentum zu vernichten, wäre der Kommunismus niemals so stark, w'ie er es heute tatsächlich ist. Ebenso hätte es niemals ein kommunistisches Russland ohne den preussisehen Generalstab und Ludendorff gegeben, die Lenin im verschlossenen Eisenbahnwagen nach Petersburg geschleust haben, damit er dort gegen den Zaren revolutioniere. Das sind feststehende historische Fakten. Mit der gleichen Sicherheit bereiten die weissrussischen, kroatischen, ungarischen, deutschen und sonstigen Nazis das Terrain für den Kommunismus in Lateinamerika vor. wie sie es in ihren eigenen Ländern getan haben. Aus diesen Gründen kann man nur wünschen, dass sich die argentinischen Behörden rechtzeitig der Gefahr bewusst werden, die gerade von der „antikommunistischon“ Front droht, die durch ihre Politik die Bahn des Kommunismus ebnet, wie wir es in zahlreichen Ländern Europas gesehen haben. — Israels Delegation vor den UN Vereinte Nationen. — Israels Aussenminister Golds Meii wird an der Spi.ze der israelischen Delegatica stehen. Sie traf mit einem Flugzeug aus Zürich in New York eir, flog jedoch sofort nach Pittsburgh weiter, um dort auf der 48. Jahreskonvention der Hadassa zu sprechen. Die Wahl für das Amt des Präsidenten der UN- Generalversammlung fiel auf den Kandidaten Sir Mu hameef Zafrula Khan aus Pakistan. Obwohl die Abstimmung geheim ist, so verlautete doch, dass Israel für den Kandidaten der Minderheit, Prof. G. P. Malalasker.-- aus Ceylon gestimmt hatte. Der gewählte Präsident Zafrula hat in seiner Eigenschaft als Repräsentant eir.es mohammedanischen Landes wiederholt be* allen Gelegenheiten seine antiisraelische Haltung bekundet. Er erhielt 72 Stimmen, während 27 Stirn men für den Gegenkandidaten abgegeben wurden. — (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831