Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1978 (21.9.1962)
- Date
- 1962-09-21
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Ane XXHL — Ne. 1978 — 9 Viernes. 21 «T- Septiembre de 1962 EMANA ISRAELITA FUEYRREDON 21901. St. T. E. 33 - 2613 VS Die Idee, dass der jüdische Staat den in Entwicklung begriffenen Ländern helfen solle, ist so alt wie der politische Zionismus selbst. Es war Theodor Herzi, der Gründer der Zio nistischen Weltorganisation, der diesen Gedanken bereits zu Ende des 19. Jahrhunderts fasste. Im Frühling 3896, als die Zahl seiner Anhänger noch sehr klein, die der Gegner und Spötter jedoch beträchtlich war, machte Herzi folgende Eintragung in sein Tagebuch: ' „ .. für die erste Einrichtung1: ... eine grosse medizinische Fakultät, zu der ganz Asien strömen wird und wo zugleich die Sanier ung des Orients vorbereitet wird." ALTNEULAND Diese Idee erscheint später immer wieder und in verschiedenen Formen in Herzls Schriften und Reden. Er arbeitete sie dann in seinem Zukunftsroman „Altneuland" aus. Seine Helden. Friedrich Lcewenberg und Kingscourt, die zwanzig Jahre aut einer einsamen Insel gelebt und nicht gewusst hatten, was sich inzwischen in der Weit ereignete, kamen im Jahre 1923 nach Haifa und erfuhren dort unter anderem, dass in Jerusalem die grösste Augenklinik der Welf bestehe. „Dort ist schon vielen Menschen das Augenlicht gerettet oder wiedergegeben worden. Es war eine ungeheure Wohltat ,Ur die orientalischen Länder. Patienten kommen aus ganz Asien und Nordafrika. Der Segen, der von unseren Heilanstalten wie ein Strom nusgegangen ist, hat uns \>eruu *d?lasfina und in den Nachbariandern noch mehr Freunde gemacht, als alle unsere technischen und induslnellen Einrichtungen “ Mitneuland, Zweites Buch- Haifa, 1923). Diese Worte beweisen dass Herzi diese Hilfe für eine humanitäre Tat von -Wert hieIt «nd auch für einen Faktor, der cem Judenstaat viele Freunde gewinnen könnte. Herzi besonderen Nachdruck i RarzLliche Hilfe’abev j* p^eSiih.reibung technischen Fortschritts in ..Alfneuland" von einer Erklärung im ven MOSCHE SCHERF folgenden Sinne begleitet: „Ebenso wie der Judenstaat von allen Ländern der Welt gelernt hat, lernen jetzt andere von uns.“ Hierbei muss man sich vor Augen halten, dass Herzi sich der Macht der modernen Technik bewusst war und im technischen Fortschritt die Lösung der sozialen Frage suchte. Es w^r daher nur natürlich, dass der auf technischen Fortschritt gegründete Juden Staat seine technischen Kenntnisse anderen zur Verfügung stellen wer de. MALARIABEKAEMPFUNG hassf und verachtet auf, weil sie eine andersfarbige Haut, hatten. Ich schäme mich nicht, es zu sagen, wenn man mich auch lächerlich finden mag: nachdem ich die Rückkehr der Juden miterlebt habe, möchte ich auch noch die Rückkehr der Neger vorbereiten helfen.“ „Sie irren“, sagte Kingscourt, „ich lache nicht, im Gegenteil, ich finde es sogar gressartig!“ „Darum arbeite ich an der Erschliessung Afrikas. Alle Menschen sollen eine Heimat haben. Dann werden sie gegeneinander gütiger sein. Dann werden sich die Menschen besser lieben und verstehen.“ — (Altneuland: Drittes Buch). Kehren wir nun zu unseren beiden Helden, Friedrich Löwenberg und Kingscourt, zurück. Sie kommen in Tiberias an und treffen! VISION UND dort Professor Steineck bei j IV1RLICHKEIT seiner Arbeit in einem modernen, geräumigen Laboratorium; er will den Err eger j der Malaria und ein Heilj mittel gegen sie entdecken, j um auf diese Weise zur Lüj sung der ^legerfrage beizu- | tragen. Das Glaubensbekenntnis des Professors — das auch das Herzls ist — lautet folgendermassen:- „Hier arbeite ich an der Erschliessung Afrikas!“ — Kingscourt wiederholte: „Sie sagen an der Erschliessung Afrikas?" — „Jawohl, Mr. Kingscourt. Ich hoffe nämlich, das Mittel gegen die Malaria1 herauszuhringen. Hier in Palästina sind wir mit der Malaria ziemlich fertig geworden, dank unseren Entsumpfungsarbritsn, Kanalisationen und den Eukalyptuspflanzungen. Aber die Verhältnisse sind anders in Afrika. Afrika wird für die Kultur erst dann eröffnet sein, wenn die Malaria unschädlich gemacht ist. „Es gibt noch eine ungelöste Frage des Völkerunglücks, die nur ein Jude in ihrer ganzen schmerzlichen Tiefe ermessen kann — das ist die Negerfrage. Lachen Sie nicht, Mr. Kingscourt! Denken Sie an die haarsträubenden Grausamkeiten des Sklavenhandels! Menschen, wenn auch schwarze Menschen, wurden wie Tiere geraubt, fortgeführt und verkauft.. Ihre Nachkommen wuchsen in der Fremde, ger 0 0 0 Herzls Vision wurde verwirklicht. Der Judensaat erstand. und bereits wenige Jahre nach seiner Gründung begann er, in einem verhältnismässig grossen Massstab den in Entwicklung begriffenen Ländern in Asien und Afrika Hilfe zu gewähren. Ein grosser Teil der israelischen Hilfe besteht in Anleitung und Unterricht und Gewährung von Ausbildungsmöglichkeiten für junge Menschen aus d?n Entwicklungsländern. Die Völker, die in diesen beiden Erdteilen — und besonders in Afrika — vor kurzem ihre Selbständigkeit erlangt haben, sehen Israel als ein Vorbild für den Aufbau eines modernen Staates an. Viele von ihnen ziehen es den grossen Weltmächten vor, nicht nur, weil es weniger als eine Kolonialmacht verdächtigt werden kann.' sondern auch — und sogar hauptsächlich — weil Israel bereits in den meisten sie beschäftigenden Problemen eigene Erfahrungen gesammelt hat. ZWEIWEG VERKEHR Die israelischen Fachleute, die in die Entwicklungsländer gehen, Aerzte Landwirte. Ingenieure, Erzieher. Sozialarbeiter usw., bringen nicht nur Fachkenntnisse und Lehvfähigkeit mit, sondern auch etwas vom Pioniergeist und den neuen, für IsraÄ typischen Gesellschaftsformen. Die Israelis betrachten sich nicht als den „Eingeborenen“ überlegen, sondern leben und arbeiten mit ihnen zusammen. Die jungen Männer und Frauen aus Asien und Afri ka lernen an israelischen Fachschulen und höheren Lehranstalten, oder sie arbeiten in Fabriken und auf dem Lande, um sieb Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen, die für die Entwicklung ihrer Länder und den Aufbau einer modernen, gutfundierten Gesellschaft wesentlich sind. Sie lernen auch Hebräisch und schlossen in Israel viele Freund schäften, sodass sie nach der Rückkehr in ihre K-ri-! mal dort als freiwillige Gesandte Israels arbeiten. DIE KONFERENZ VON RECHOWOT Im Jahre 1960 wurde die „Internationale Konferenz für die Aufgaben der Wissenschaft in den Entwicklungsländern" in Rechowot abgehalten. An dieser „Reehowot-Konferenz“ nahmen Staatsmänner und Wissenschaftler aus vielen Ländern und von allen Enden der Welt teil. Dan Mittelpunkt ihrer Beratungen bildete das Problem, den Lebensstandard der neuen Staaten zu heben und ihre Schwierigkeiten zu lösen. Israel zieht aus dieser engen Zusamenarbeit keinen grossen materiellen Nutzen, aber es gewinnt die Freundschaft der Länder, denen, seine Hiife zugute kommt. Sie ist von grösstem Wert für den jüdischen S‘aat und gibt das Gefühl, dass die Schlussworte von „Altneuland“ Wahrheit geworden sind: „Die Welt wird durch unsere Freiheit befreit, durch unseren'Reichtum bereichert und durch unsere Grösse vergrösserf. Und was wir dort nur für unser eigenes Gedeihen versuchen, wirkt machtvoll und beglükkend zum Wohle aller Menschen.“ „Unendlich wie das Meer ist unser Schmerz". Mit diesen Worten aus dem Buche der Klagelieder könnte man die Empfindungen all der vielen Menschen umreissen, die unserem teuren Chawer Walter Wind am vergangenen Sonntag das letzte Geleit gaben und derjenigen zahlreichen Bekannten und Freunden, die infolge der Kürze der Zeit hierzu nicht mehr in der Lage waren und sich im Trauerhause einfanden. Oft in diesen mehr als sechzehn Jahren, seit eine Herzerkrankung Walter Wind heimsuchte, fürchteten seine Angehörigen und Freunde, dass sein Leiden einmal ein plötzliches Ende finden könnte. Doch sorgsame Betreuung und ein unbändiger starker Lebenswille* Daseinsfreude und Vertrauen in die Zukunft vermochten immer wieder, die Krankheit zu überwinden. Im vergangenen Jahre, am 20. August, konnte er das 70. Lebensjahr vollenden, geehrt und geachtet von der ganzen Kollektivität. In dieser jüdischen Gemeinschaft fühlte der Verewigte sich heimisch. In ihr und ganz besonders im Kreise der zionistisch denkenden Chawerim arbeitete er mit, ¡ soweit ihm dies gesundheitlich möglich war. Bis vor drei Jahren ist er noch der ehrenamtliche Sekretär der Theodor llerzl Gesellschaft gewesen, an deren Gründung er teilgenommen hatte, und in deren Aktivität er die Weiterfiihrung, wenn auch unter anderen Bedingungen, der zionistischen Arbeit von Mitteleuropa sah. Wie stark dieses Gefühl für sein jüdisches Volk, üir Erez Israel und di? nationale Kultur war. zeigt nichts so deutlich wie seine Bemühung, durch immer grössere Vollendung in der künstlerischen Gestaltung seiner Porträts und Aquarellzeichnungen, die mit Vorliebe jüdische, biblisch? Motive benutzten, zugleich der grossen Sache des Judentums zu dienen, für dessen nationale und religiöse Ideale er sich begeistert einsetzte. Auch in dem Gottesdienst, den die „Theodor Herzi Gesellschaft“ Jahr um Jahr an den heiligsten Tagen des Jahres durchführt, erblickte Walter Wind einen sehr bedeutsamen Beitrag zur Jüdischkeq unserer Menschen im allgemeinen. Sie auch bei einer, solchen Gelegenheit gefühls- und verstandesmässig zu erlassen, ihre Zion-liebe zu wecken und ihre jüdische Treue erneut wachzurufen, erschien ihm als eine ech4? Aufgabe jüdisch-verantwortlicher Führung. Hieran aktiv mitgewirkt zu haben, erfüllte ihn mit Stolz. Doch der zionistische Streiter für die Verwirklichung der Ziele war auch ein wahrhaft gu4er Mensch im alltäglichen Leben, in den kleinen Dingen, aus denen sich das Leben zusammensetzt, herzlich und aufrichtig. Treue mit Treue vergeltend, erfüllt von Pflichtbewusstsein und echter Menschenliebe. So schied er von uns, viel zu früh für die Seinen und den grossen Freundeskreis, eine Lükke hinterlassend, die sich niemals ganz ■ schliessen Wird. Sein Andenken wird lebendig blei'ben in der Gemeinschaft. CURT WILK ZIONISTEN- MITGLIEDE 0 0 0 0 0 0 0 0 niüiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Man erwartet von mi, dass wir die ersten sind, die ihre Pflicht gegenüber der Einheilskampagne erfüllen! XT' 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 J NACHRICHTEN AUS ISRAEL WERKSTAETTEN Im Zentrum von Karkur w-erden von der Gemeindeverwaltung in Bälde 15 Werkstätten für Neueinwanderer errichtet werden. Jede Einheit kostet 5.000 1L. Der Mieter trägt nur die Hälfte dieser Investition. Der Gemeinderat und andere öffentliche Institutionen werden den Handwerkern auch bei der Beschaffung von Krediten behilflich «ein KIRIAT GAT WIRD YERGKOESSERT Während der letzten vier Monate hat Kiriat Gat 400 Einwanderer aufgenommen. Bekanntlich bildet K.riat Gat das städtische Zentrum der Lachisch-Region, die erst vor 7 Jahren besiedelt wurde, und deren Bewohner — insgesamt 10.000 Seelen — zum allergrössten Teil Neueinwanderer sind. Laut Plan soll die Einwohnerzahl von Kiriat Gat bis Ende 1963 bis auf 20 000 steigen. Der erste Schritt zu dieser Yergrüss:rung wurde vor kurzem mit dem Bau von 1500 Wohneinheiten getan. BAUREKORD Mizpe Ramon, fast ausschliesslich von Neueinwanderern bewohnt, kann einen Baurekord autweisen. In den letzten Monaten wurde mit dem Bau weiterer 309 Wohneinheiten begonnen, sodass sich dort heute insgesamt 500 Wohnungen im Bau befinden. Diese Zahl ist doppelt so gross, wie die aller während des 6jährigen Bestehens dieses Ortes dort fertiggesfeilten Wohnungen JEWISH AGENCY UND BAUBEWEGUNG Die Jewish Agency wird ihren Anteil an der Finanzierung des Wohnungsbaus für Neurinwanderer um 50 Millionen IL aus den Einnahmen der Israel - Aksion des Keren Hajessod vergrössern. Insgesamt, wird für den Bau von zusätzlichen Wohneinheiten für N-sueinwandercr der Betrag von 100 Millionen IL zur Verfügung stehen, da auch die Regierung ihren Beitrag um 50 Millionen IL vergrösserf. Das Anschwellen des Einwanderungsstromes warf alle früheren Berechnungen über den Haufen und erfordert-? diese Mehrausgabe. VERSFAEKKTE BAU- TAETJGKE1T IM NEGEW In den städtischen Siedlungen des Negew ist wie im ganzen Land eine verstärkte Bautätigkeit zu verzeichnen. In Kfar J-erucham werden dieses Jahr 450 Wohnungen für Neueinwanderer fertiggestellt werden; in Beer Schewa 1200; in Elat 150, in Dimona 350; in Netiwot 100 und in Ofakim 250. 71TRUSPFLANZUNGEN Das Amt für landwirtehaftliehe Planung b?sch!oss, in den nächsten Jahre . weitere ■Zitruspfla;.zungen auf einer Fläche von 400.000 Dunam anziile een.