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Jüdische Wochenschau · 1962-09-21 · 1978 (21.9.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1978 (21.9.1962)
Date
1962-09-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYKREDOX 2190 — 1» iz<lfsx Jewtatta JshjCLßüic, T E. 832613 Afto XXIII. BUENOS AIRES, VIERNES 21 OE SEPTIEMBRE DE 1962 No. 1978 Bis heute Oberinspektor von JAKOB KATZ-ROGASEN State Department und Israel Die Beamten des State Department finden es immer schwieriger, eine Erklärung dafür zu geben, warum die USA - Regierung es heute noch ablehnt, einem antikommunistischen Staat wie Israel Verteidigungswaffen zu liefern, obwohl seine Sicherheit von Nassers „neutralem“ Aegypten, das von Sowjetrussland mit ferngelenkten Geschossen und den modernsten Bombenflugzeugen ausgerüstet wird, aufs schwerste bedroht ist. Israel ist anscheinend das einzige antikommunistische Land in der Welt, dem es so schwer gemacht wird, die Hilfe der Amerikaner zu erlangen, um sich gegen eine feindliche Armee zu rüsten, die mit sowjetischen Waffen beliefert und von sowjetischen Instrukteuren ausgebildet wird. Di« USA schicken Waffen an Transjodanien, Libanon von MILTON FRIEDMAN und andere Araberstaaten, und Russland bewaffnet die übrigen Araber. Würde nun Amerika Israel helfen, sich zu bewaffnen, so käme dies — nach Aussage des State Department — einem Rüstungswettlauf gleich. Jedes lateinamerikanische Land kann leicht Waffen von Nordamerika bekommen, wenn es sieh auf seine Angst vor Kuba beruft. Doch Castros Truppen besitzen viel weniger sowjetische Bomber als Aegypten, im ägyptischen Heer gibt es weit mehr sowjetische Experten und Instrukteure und eine ungleich grössere Anzahl ägyptischer Offiziere werden in der Sowjetunion ausgebildet. Castro konnte bislang auch noch keine Raketengeschose abfeuern, wie Nasser dies getan hat. Israel hat zu horrenden Preisen etwas Kriegsmaterial von Frankreich kaufen können. Aber die sowjetischen Waffen, mit denen Aegypten versorgt wird, stellen die letzten Errungenschaften auf dem Gebiet der Rüstungsindustrie dar, so dass die französische Produktion nicht mit ihnen konkurrieren kann. Die USA-Behörden loben den „neuen“ Nasser für seine Beteuerungen, Frieden und Fortschritt zu erstreben. Seine offenen Bedrohungen Israels, den prahlerischen Abschuss von Raketengeschossen, seine sowjetischen Ueberschall-Flugzeuge und seine kriegerischen Reden übergehen sie mit Stillschweigen. WIE ICH ES SEHE Die neue Generalversammlung von JEHUDA GOTTHEMER In. diesem Jahr wird die Generalversammlung der Vereinten Nationen nicht den Glanz und die Bedeutung erhalten, die sie vor zwei oder drei Jahren gehabt hat. als einige der Persönlichkeiten teilnahmen, die im Mittelpunkt des Weltgeschehens stehen, unter ihnen vor allem der rote Zar, Nikita Krutschew. Wenn man eine Analyse der internationalen Situation unternimmt, wird man zwei Haupttendenzen beobachten müssen: die Problematik hat sich in den letzten Jahren nur in einem geringen Umfang geändert, und die Gegensätze haben sich trotz aller gegenteiligen Versprechungen verschärft. Es wäre jedoch falsch, wollte man in einem allgemeinen Pessimisus verharren und die Dinge nun treiben lassen. Die sozusagen persönliche Krise der UN dürfte als mehr oder weniger überwunden angesehen werden. Das Vertrauen der Völker in diese oberste internationale Institution ist gestiegen. Das Ansehen der UN wurde gefestigt. Die Frage des Generalsekretärs dürfte als gelöst bezeichnet werden, da Russland seine ursprünglichen Bedenken gegen U Thant — jedenfalls vorübergehend — zurückgestellt hat. Der ums Leben gekommene frühere Generalsekretär der Vereinten Nationen. Dag Hammarskjold, der eine gew'iss interessante und als Politiker bedeutsame Persönlichkeit gewesen ist, war bald nach seiner Amtsübernahme zum Mittelpunkt heftiger Angriffe geworden. Sein Naehfol ger hat es verstanden, allen Mitgliedern ein Gefühl grösseren Vertrauens einzuflössen. Ohne dass man heute bereits in der Lage wäre, ein endgültiges Urteil abzugeben, darf man bei aller gebotenen Vorsicht doch sagen, dass U Thant im Gegensatz zu Hammarskjold weniger seinen eigenen Auf fassungen Gültigkeit verschaffen will, als ständig den Versuch unternimmt, die Gegensätze auszugleichen. Unter diesem Motto stand seine letzte Reise, die ihn auch nach Moskau geführt hat. Ob es ihm dort gelungen ist, das volle Vertrauen Krutschews zu gewinnen, bleibt abzuwarten. Es ist auch auffallend, dass sich die Kongo-Krise trotz aller bedrohlicher Vorzeichen nicht weiter verschärfte, was nicht zuletzt auf die Beschwichtigungen des jetzigen Generalsekretärs zurückzuführen sein dürfte Trotzdem sind die Perspektiven der politischen Entwicklung nicht günstige. Von Jahr zu Jahr hofft die Menschheit, die verantwortlichen Staatsmänner würden einsichtiger werden und! statt des Krieges den Frieden vorbereiten. Wir wollen uns hier nicht in die alte Diskussion einlassen, ob derjenige, der den Frieden will, den Krieg präparieren müsset si vis pacem. para bellumt. Sicherlich ist in dieser alten römischen Weisheit ein Fünkchen Wahrheit enthalten. Wenn dieser Satz aber in seinem vollen Inhalt richtig wäre, dann hätte es in den letzten 50 Jahren keine Kriege geben dürfen. Zumindest die letzten Generationen haben die traurige Erfahrung machen müssen, dass der hemmungslose Rüstungswettlauf direkt zum internationalen Konflikt, zur Vernichtung und zum Tod führt. Die Fronten zwischen Ost und West haben sich weiter erhärtet. Die Versuche gegenseitiger Verständigung sind geringer geworden. An zwei Stellen stossen nicht nur die wirtschaftlichen Interessen, sondern die ideologischen und geistigen Auseinandersetzungen mit besonderer Schärfe zusammen: in Berlin und in Kuba. Das sind aber nicht die brden einzigen, mit Spannung und Elektrizität geladenen Schnittpunkte zwischen den feindlichen Erdhälften. Im fernen wie im nahen Asien, in Afrika, eigentlich und genau genom men überall wird der bedrückende Ost-West-Konclikt bemerkbar. Kein Land, kein Volk, keine Wirtschaft, keine schöpferische Leistung, die nicht im Zeichen dieser im wahrsten Sinne die Erde umspannenden Auseinandersetzung steht. Die amerikanische Politik hat in der Berlin-Frage seit Anfang an eine überraschend starke Politik geführt. Dulles hat Jahre Hindurch keinen Zweifel daran gelassen, dass die Berlin- Frage die Entscheidung über Krieg und Frieden bedeuten kann. Bisher haben auch die Kennedy Politiker nicht nachgegeben. Allerdings ist in der letzten Zeit eine Aenderung im Status von Berlin durch die Amerikaner hingenommen worT den. mit der sich Dulles niemals einverstanden erklärt haben würde: die russischen Die USA-Beamten versichern, Nassers Drohungen seien nichts als Propaganda für den Hausgebrauch, und obwohl sowjetische Techniker in den ägyptischen Waffenfabriken arbeiten, so unterliess es das State Department zu protestieren, als Westdeutschland elektronisches Material für die ägyptischen Raketen nach Kairo schickte. Deutsche und Rus-1 sen sind in Aegypten anj scheinend durch keine Ber- | liner Mauer getrennt und arj beiten einträchtig an der j Herstellung der ferngelenkten Geschossen zusammen, | die auf die Israelis abgefeuj ert werden sollen. Würde Westdeutschland Material für den Bau strategischer Raketen nach Kuba verschiffen, so geriete ganz Washington in die grösste Aufregung. Aber „die neue Grenze“ wurde anscheinend ebenso willkürlich gezogen wie die früheren Grenzen... I Erst vor zwei Jahren haben i beide politischen Parteien 1 die „traditionellen“ Wahl- | Versicherungen abgegeben! und versprochen. Israels Sij cherheit zu schützen. j Kürzlich erst hat das Sta- 1 te Department empfohlen, 1 Nasser verstärkte Hilfe und j Kredite zu gewähren, wiih- I rend es sich weiter weigert, | an Israel nennenswerte Waf-! fenlieferungen durchzufüh-! ren. j Natürlich gibt es immer Leute, die alles entschuldigen. Diese werden behaup- I ten, dass Washington sieh | auch heute noch an die ] Dreiererklärung aus dem! Jahre 1950 hält und im Fall I eines Angriffs auf Israel wahrscheinlich im Weg der Vereinten Nationen einschreiten würde. Sie vergessen aber dabei, dass die Sowjetunion durch ihr Velo gegen eine Aktion der Vereinten Nationen diesen Weg versperren kann. Andererseits ist ein Angriff mit Raketen und Jet-Flugzeugen eine Angelegenheit weniger In Frankfurt am Main wurde ein Adolf Pesch ver-; haftet der in vergangenen Jahren der Gestapo angehort , Üat Difser Mann glstand plötzlich, nicht weniger als j 7.000 Juden mit eigenen Händen ei mordet zu habe : und weitere drei Mitglieder des SD, des Sic^el.^,ei.ts*| stes einer Spezialabteilung der Gestapo, sind jetzt S*; fest’gemacht worden, weil sie an Ausrottungsaktionen m ■ grossem Umfang beteiligt gewesen sind. Ausser dem genannten Adolf Pesch wurden Joseph Kurn, bisher Generalinspektor bei der Frankfurter Polizei Rudolf Ekkert, erster Kommissar in Hamburg, und Heinrich Plan- . tiu.s, städtischer Angestellter in Frankfurt in Haft genommen. Genaue Untersuchungen gegen weitere Mitglieder dieser Gruppe sind im Gange, wie der Staatsanwalt berichtet hat. Es handelt sich um Mitglieder des früheren Polizei- Bataillons 306, das in Minsk stationiert war Auf direkten Befehl des Chefs der Gestapo. Heinrich Himmler, wurde das Ghetto von Minsk im Jahre 1942 aufgelost und zerstört. Hiermit wurde die Polizeigruppe 306 beauftragt. Die Vernichtung des Ghetto wurde nach dem bekannten Muster ausgeführt. Tausende Juden, unter ihnen Männer Frauen und Kinder, wurden an einen Platz vor der Stadt geführt, wo bereits jüdische Arbeitskolonnen gezwungen worden waren, Massengräber auszuheben Dann mussten die Unglücklichen ihre Kleider ablegen und wurden 'mit dem Rücken zum Massengrab von den Schergen Hitlers nie der geknallt .. . , . Millionen dieser Schand- und Mordtaten sind immer noch nicht gesühnt. Die Mörder laufen frei herum Die Einzelheiten, die zur Verhaftung der SD-Gruppe 306 führten sind bisher nicht bekannt. Es dürfte wohl ein Zufall gewesen sein. Die bundesdeutschen Behörden zeigten sieh wieder einmal äusserst schlecht informiert. Sie wussten nichts davon, dass der Frankfurter Polizei-Ober- oder Generalinspektor ein Massenmörder ist. Sie wussten auch nichts von all den anderen, von denen einer allein die Ermordung von 7.000 Juden mit eigenen Händen sofort zugegeben bat. An diesen wje vielen anderen Beispielen kann man beobachten, dass die Beteiligung des Volkes an den schrecklichen Verbrechen der Nazis doch wohl weit umfangreicher gewesen ist, als man allgemein _ und vor allem in deutschen Kreisen — anzunehmen bereit ist. — Stunden, und das Schicksal; Israels könnte in einem ein- : zigen tragischen Tag besie- . gelt werden. j Es bleibt nur die traurige; Feststellung übrig, dass das j State Department völlig versäumt hat, seine Auffassung J von einem „reuen“ Nasser j zu präzisieren, da es sieh | nicht seiner Kenntnis ent j ziehen dürfte, dass die gan* j ze Militärmaschine Aegyp- | teils heute von der Roten; Armee, der Roten Flotte und; der Roten Flugwaffe in Betrieb gehalten und mit Ausrüstungen, Ersatzteilen etc. versorgt wird. Die ägyptische Armee, deren Quader von sowjetischen Instrukteuren ausgebildet sind, hat einen Punkt erreicht, von dem aus sie nur noch in völliger Abhängigkeit von Moskau zu operieren imstande ist. Auch die Tatsache, dass Aegypten heute seine Mittel zur Anschaffung sowjetischer Waffen verbraucht, scheint den Herren in Washington noch nicht aufgegangen zu sein. Die Haltung Frankreichs Paris. — Frankreichs Aussenminister Maurice Couve de Murville setzte dem Israel-Botschafter Wal ter Eytan die Gründe auseinander, warum" Frankreich sich in letzter Zeit bei den Abstimmungen in der UN Generalversammlung über direkte Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Arabern der Stimme enthalten hat. Unter dem Vorsitz von Aussenminister Golda Meir ist ein Treffen der israelischen Botschafter in der Schweiz geplant, und es war Eytan nahegelegt worden, sich um Informationen über die französische Position bei der 18. UN Generalversammlung zu memühen, um der Botschafter-Konferenz hierüber Bericht zu erstatten. GTA» Besatzungstruppen haben sich, wenigstens formell, aus Berlin - Ost zurückgezogen und den deutschen Kommunisten die Regierung überlassen. Durch diese russische Politik sollte unterstrichen werden, dass Ostdeutschland ein selbständiger Staat, ist, der von allen Mächten anerkannt werden müsse. Der Streit um Kuba, in welchem die kubanische Regierung schon nicht mehr die erste Geige spielt, hat sich in den letzten Wochen erheblich zugespitzt. Angeblich sollen neue Bestrebungen im Gange sein, Kuba zu besezten, um Castro zu stürzen. Nach der russischen Version werden diese Bemühungen von der amerikanischen Regierung gefördert. Demgegenüber werfen die Amerikaner den Russen vor. Waffen und Munition in grossen Mengen nach Kuba zu schleusen, um dort eine strategische militärische Basis gegen den amerikanischen Kontinent zu errichten. Der Vergleich zwischen Kuba und Berlin ist in mancher Hinsicht verständlich und berechtigt. Kuba ist eine rote Insel im westlichen Meer, während das westli- Berlin für die kommunistische Welt einen Dorn j im Fleisch bedeutet. Berlin j und damit Ostdeutschland ist der Zankapfel der deutschen Zwistigkeiten; Kuba bedeutet den Anlass für alle interamerikanischen Diskussionen und Divergenzen. Die Kr.sen, die man in den letzten Monaten in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern, nicht nur Mittelamerikas, beobachten musste, waren politisch beinahe stets durch den Fidelismus he? vorgerufen. Man hat gemeint, dass die von den kommunistischen Leitern in Berlin errichtete Mauer zur Abschirmung gegen den Westen ein Symbol für den kommunistischen Zwang sei. Die Mauer ist überhaupt das traurigste Wahrzeichen einer Zeit, die im Banner der Freiheit alles dafür tut, um die Sklaverei vorzubereiten. Mauern zwischen Menschen und Völkern sind nicht von den Kommunisten erfunden worden. Die Menschheit hat diese Trennungslinien, sichtbar oder unsichtbar, zu allen Zeiten gezogen. Engstirnigkeit, Intoleranz, geistige Beschränktheit und törichte Ueberheblichkeiten sind die Ursachen für die Zersplitterung der Völker und Gesellschaften in Rassen, Klassen, Stände und Schichten. Aus dieser Wurzel stammen alle Appell an die UN Vereinte Nationen. — Die israelischen Behörden haben sich mit dem Ersuchen um Hilfe an das UN-Sekretariat gewandt, um den Zwischen fällen längs der syrischen Grenze ein Ende zu bereiten. Dieses Ersuchen erging, wie eingeweihte diplomatische Kreise enthüllen, schon vor einigen Tagen, nachdem es am Ostufer des Tiberias - Sees verschiedentlich zu Zusammenstössen zwischen syrischen und israelischen Truppen kam. Wie es heisst, hat Israels ständiger Delegierter vor den UN. Michael Comay, mit Generalsekretär U Thant und ho hen UN-Beamten konferiert. Die israelische Regierung soll die UN ge beten haben, mit syrischen Diplomaten und den Behörden in Damaskus zu verhandeln. (ITA) Unterschiede, die mit pseudo - wissenschaftlicher Begründung zu allen Zeiten und Orten gemacht worden sind, damit ein Mensch den anderen, eine Gruppe die andere, ein Volk das andere beherrschen und ausplüodern kann. Die Nazis waren nicht die ersten, die mit ihrer Theorie von der „Herrenrasse“ ihre Verbrechen zu rechtfertigen suphlen und damit einen Rückfall in die Barbarei von ungeahntem Ausmass vollzogen. Heute muss man leider zu der Ueberzeugung kommen, dass die Nazis auch nicht die letzten gewesen sind, die mit diesen primitiven Mitteln zur Weltherrschaft. zur Ausplünderung der Nationen und zur Unterdrückung der Massen eelangen wollten. Die blutigen Erfahrungen der drelssiger und vierziger Jahre haben offensichtlich noch rieh! dazu ausgereicht, um die Menschen auf ein höheres N:ve?u zu heben oder vor der Wiederholung der Peinigungen zu bewahren, deren Opfer letztlich und ausnahmslos alle Völker gewesen sind. Vorallen totalitären Regimen, ob sie rot, braun oder schwarz gefärbt sein mögen, CSchluss auf Seite 2) j! I

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