Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1973 (18.8.1962)
- Date
- 1962-08-18
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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*>r*?cr;r y <= a e .a £ C 2 £ n £ ,C M C W < w FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concision 1829 Año XXIII. BUENOS AIRES. SABADO 18 DE AGOSTO DE 1962 No. 1973 EL EJEJIPLAR 1|J _ en toda la República PUEYRREDON 2190 1? i/q. T. E. 83 2813 Buenos Aires Die Internationale des Hasses °““S“líeJuta Mit allem Nachdruck wurde gerade von dieser Stelle aus darauf hingewiesen, dass wir uns einer Internationale des Hasses gegenüberbefinden, die seit Jahren c'en Versuch unternimmt, den Frieden in der Welt zu stören, die Völker nicht zur Ruhe kommen zu lassen und die Menschen gegeneinander zu hetzen. Das Dritte Reich hatte den Anfang gemacht. überall in der Welt antijüdische Gefühle wachzurufen. antisemitische Strömungen zu schüren, in bestimmte Richtungen zu lenken und die Kräfte zusammenzuschliessen, die unter nazistischer Führung Hasspropaganda entfalten mussten. um den Interessen der braunen Machthaber zu dienen. Als das Dritte Reich sein verdientes Ende fand hofften die demokratischen Völker, dass eine neue Epoche anbrechen werde, frei von Hass, frei von Angst, frei von Furcht * vor neuen Auseinandersetzungen, vor Hunger und Krieg. Dies jedenfalls war die Sehnsucht einer Jugend, die in den ,,fünf Freiheiten'“ ihren Ausdruck fand, die vom nordamerikanischen Präsidenten Franklin Delano Roosevelt formuliert worden waren. Aber den Alliierten war es ,.nur'“ gelungen, den Krieg, nicht aber den Frieden zu gewinnen. Langsam erhob die Hydra wiede^ihr Haupt. Ueberall und selbst in höchsten Stellen fanden sich Handlanger und Freunde, die Morgenluft witterten. Die schlimmsten Nazis vermochten sich in Sicherheit zu bringen. Allmählich bildeten sich neue Gruppierunvon B. B. SAMUEL gen, die ihre ersten tastenden Versuche unternahmen, um neues Gift nach alten Methoden zu spritzen. Eines dieser neuen Zentren bildete sich in Argentinien, wohin einstige Nazigrössen flüchteten, unter ihnen der berüchtigte ..Professor“ Leers, der inzwischen das Weite suchte, bei Nasser Unterschlupf fand und Mohammedaner geworden ist. Auch das nazistische Flieger-Ass Rudel fand sich in Argentinien ein, wo er sogar eine staatliche Position bekleiden konnte. Diese beiden und andere Gleichgesinnte gaben Jahre hindurch die Zeitschrift ,.Der Weg“ heraus, die in wüstem Nazijargon Monat für Monat die Instinkte aufzupeitschen versuchte. Weder Leers noch Rudel noch andere konnten aber die erhofften Lorbeeren erringen. Dennoch hatten sie einen gewissen Erfolg, weil es gelang, mit diesen absurden Ideen in argentinische und andere südamerikanische Kreise einzudringen, die naiv genug waren. um die alten nazistischen Lügen zu glauben. In einer verhältnismässig kurzen Zeit konnten jedenfalls von den Nazis die alten Fäden aufgenommen und nette- Verbindungen angeknüpft werden. Das Prinzip der „Fiinfien Kolonne“ hatte sich bei den Ilitleristen bewährt. Warum sollte man nicht wieder auf die gleiche Weise versuchen, einen internationalen Zusammenhang der faschistischen Bewegungen herzustelleln. [Da war Aberg in Schweden,! der seine schmutzige Hetz- 1 Propaganda durch die Post; willkürlich an Adressen j,n aller Herren Länder schickt, da sind die alten SS- und sonstigen Verbände der Ehemaligen in Deutschland, aber auch und vor allem in Oesterreich, Belgien, Holi land und anderenorts, wo es Quislinge gab, da sind die neuen antisemitischen Quertreiber in Südamerika und : sogar in den Vereinigten! Staaten, die alle gemeinsam ■ jene mehr oder weniger i sichtbare ..Faschistische Internationale' bilden, ohne , dass diesen Friedensstörern I das Handwerk gelegt werden würde. i Von dieser Zentrale und j ihren allzu zahlreichen Fii lialen wurden seinerzeit die j grosse Schmier - Kampag- | ne in verschiedenen Ländern | durchgeführt, die ebenso j überraschend begann wie ' aufhörte. Jetzt war die Hinrichtung des ehemaligen SS- ' Offiziers Adolf Eichmann j der neuerliche, aber recht 1 äusserliche Anlass für den | Beginn einer neuen antise- ' mitischen Aktion. Eichmann! war wegen verschiedener i Verbrechen hingerichtet worden. Dass es Menschen gab, die sich berufen fühlten, die! von den Nazis begangenen,; ungeheuerlichen, abscheulichen Verbrechen zu rechti fertigen, beweist nur, dass ' die braune Pest noch Kranki heittspuren hinterlassen hat, die nicht überwunden wurj den. Auffallend hierbei ist, dass in Deutschland selbst 'niemand auch nur den ge- DER FALL LAMMERDING Der Name Lammerdlngs ist mit den deutschen Greueln in den französischen Ortschaften Tülle und Oradour eng verbunden. Erst vor kurzem verlangte eine französische Delegation, die nach AVestdeutschland gekommen war, die Auslieferung des ehemaligen SS Generals Hein B. Lammerding. Die Delegation vertrat das ,,Koordinations - Ccmite von Tülle und Oradour für de Auslieferung Lammerdings“, das von allen Organisationen der Kriegsveteranen und Opfer des Krieges in Frankreich gegründet worden ist. Der frühere SS-General I.ammerding, der heute als Bauunternehmer in Düsseldorf lebt, wird als Kommandeur der SS-Division ,,Das Reich“ für die Massaker von Tülle und Oradour“ verantwortlicl gemacht. In Tülle wurden am 9. Juni 1944 von dieser SS-Divisioff 99 junge Männer an Fleischerhaken aufgehängt und 25 Strassenwä.rter erschossen. Tags daraiif wurde das Dorf Oradour vollständig zerstört. 642 Einwohner. Frauen, Kinder und Männer, wurden getötet. Im Januar 1951 wurde General Lammerding für diese Greueltaten vom Militärgericht in Bordeaux schuldig befunden und in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Die wenigen SS-Soldaten vor einem anderen Ivlilitärge- 1 rieht in Bordea..x 1953 ent- : schuldigten sich damit, dass , sie auf Befehl ihrer Vorge- I setzten und ihres Divisiinskommandeurs gehandelt hätten. Die französische Delegation sprach im Düsseldoner Rathaus vor und wurde am; gleichen Tage im Dortmun- ' der Landgericht" von Oberstaatsanwalt Karl - Heinz Pottgiesser empfangen. Dieser Staatsanwalt leitet eine! nordrhein-westfälische Zen-! tralstelle zur Aufdeckung I und Verfolgung von Krlegs-! verbrechen, die im Ausland ' begangen wurden. Zwei De- : legations - Mitglieder, Ma-! dame Lacour, deren 24jühri- | ger Soi.n in Tülle von der! SS erhängt wurde, und Jol seph Beaubreul, der als ci- I ner der wenigen das Morden : in Oradour überlebte und! heute in Saint-Junien lebt, .gaben dem Staatsanwalt ih- : re furchtbaren Erlebnisse zu | Protokoll. | Ueber verschiedene Aspek- | te dieses Falles, die ge- ' machten Anstrengungen zur I Auslieferung und die dabei von deutsche . Behörden unjternommenen Schritte bei richteten die Franzosen auf | einer internationalen Pres-; sek-iiferenz in Düsseldorf, auf der es zu einem beschii- I inenden Vorfall kam. Eine Korrespondentin protestierte i gegen die Anwesenheit eines j Reporters des Deutschlandi senders und verliess mit eij nigen Kollegen den Konferenzraum. Als Pfarrer Kar-; wähl (Düsseldorf), der die : Konferenz leitete, zu einem! späteren Zeitpunkt die An- ' Wesenheit der von den Fran- 1 zosen nicht eingeladenen Po- | litischen Polizei bemängelte; und in diesem Zusammeni hang von einem Polizeistaat sprach, erkühnte sich ein I Polizeibeamter dazu, den ' Pfarrer zu ,,verwarnen“. Was er darunter verstand, ist nicht gesagt worden. Diese beiden „Zwischenfälle“ zeigen, dass in der Bundesrepublik auch vieles nicht „in Ordnung“ ist. Den Gipfelpunk“ der Herausforderung erlaubten sich aber die SS-Verbände selbst. Ausgerechnet an dem Tag, an dem die Verbrechen von Oradour begangen worden sind, veranstalteten die SS- Verbände der Ehemaligen lein Grenzlandtreffen mit | Mitgliedern der ehemaligen; holländischen, belgischen; und französischen SS. All das ist gewiss äusserst bedauerlich. Peinlich jedoch ist die Tatsache, dass die verantwortlichen Stellen dazu schweigen... Durch Schweigen aber hat das deutsche Volk schon einmal eine furchtbare Schuld auf sich geladen. | längsten Zweifel an der Schuld Eichmanns hegt; alle sind sich der Verbrechen be- ' wusst, die von ihnen in der I Zeit des Dritten Reiches ge-; duldet oder begangen worj den sind. Nur im Ausland, i nur in aüsserdeutschen Län- I dern, können Demagogen es! wagen, in nazistischem Stil , nazistische Proaganda zu! machen! Wahrscheinlich ist es kein ■ Zufall, dass die antisemitischen Phrasen unter dem Deckmantel eines zum Chauvinismus hypertrophierten Nationalismus besonders in> Kreisen der akademischen Jugend und der sogenannten besseren Gesellschaft Eini gangen finden. Ueberra- ■ sehend ist nur, dass diese , Kreise nicht aus der Ver-! gangenheit zu lernen bereit sind, die ihnen den Ablauf der faschistischen Entwicklung und des brüsken Zerfalls deutlich genug zeigt. Mit dem Bürgerkrieg hat es überall angefangen. Dann kam die Diktatur. Dannfolg-; te der Zusammenbruch. Das I ist der Kreislauf. Aus die- | sem circulus vitiosus gibt es 1 kein Entrinnen. | Das Land, das mit der ■ grössten Erbitterung gegen j den Nazifaschismus ge- I kämpft hat, sind die USA. j Auch sie haben heute eine! Nazipartei. Hierin kann man ' nur ein trauriges Paradoxon! unserer Zeit erblicken. Die! USA-Regierung hielt es bis- | her auch nicht für erforder- | lieh, gegen diese Partei und : ihr Unwesen einzusehreiten. Man sieht in dieser Gruppe | keine Gefahr. Als ob ein i Verbrechen dadurch gerin- I ger werden würde, dass es; nur von einer verhältnismä-! ssig kleinen Anzahl von Ue- | beltätern begangen wird. i Die Nachrichten über ei- ■ nen internationalen Antisemitenkongress in England; haben den Beweis erbracht, j dass die Unruhestifter aller ' Länder sich von Zeit zu Zeit! treffen, um ihre „Arbeit“ zu j koordinieren und neue Kam- 1 pagnen vorzubereiten. Die | Engländer suchen nach gej setzlichen Mitteln, um diej se Krankheitserscheinungen; zu überwinden. Das ist iiberj flüssig, denn die bestehenden Paragraphen genügen, .wenn die Menschen nur bereit sind, gegen alle, die gegen die öffentliche Ordnung verstossen, mit der erforlicben Energie einzusehreiten. Es fehlt nicht an Gesetzen,; die von den englischen Ju- I den angeregt worden sind, und die gewiss hichts scha- ■ den können. Es fehlt an der . Entschlossenheit der Verant- | wörtlichen, mit den Antise- ' miten, dem Antisemitismus : und dem Faschismus ein | Ende zu machen. | Demgegenüber kann man mit Genugtuung feststellen, dass — mögen auch dje Regierungsstellen nicht entschieden sein —, die Juden gewillt sind, aus ihrer traurigen Vergangenheit zu lernen. Es ist der Erfolg des ¡gewaltigen Prozesses jüdi- | scher Renaissance durch die | zionistische Bewegung, dass Juden sich nicht einfach abfiihren und in Massen umj bringen lassen werden. Die; jüdischen Kriegsveteraren! in England haben deutlich! gesprochen. Die Nazis halben sich aufs Land verkrovon SCHL0M0 S. TANGER Was geht nun wirklich hinter den Kulissen der jüdischen Organisationen im Zusammenhang mit dem Oekumenischen Konzil vor, das im Oktober in Rom zusammentreten wird? Diese Frage stellen viele Juden, seit man weiss, dass kein jüdischer Beobachter zu den Beratungen des Konzils entsandt werden wird. Die Antwort hieraus ist, dass die Angelegenheit recht heikel ist und nicht nur grösste Klugheit vonseiten der jüdischen Organisationen erfordert sondern auch in der jüdischen Presse nicht offen in allen ihren Aspekten diskutiert werden kann. Mehrere jüdische Gruppen haben dem Konzil ernsthafte Ersuchen zur Diskussion unterbreitet. Aber ob diese Vorschläge zu konkreten Ergebnissen führen werden, hängt von den verschiedensten Faktoren ab. Wie schon heute festgestellt werden kann, haben sich unter den 3.000 hohen Geistlichen, die an dem-Konzil teilnehmen werden, zwei Strömungen gebildet. Eine Partei, die aus „Verfechtern der Tradition um jeden Preis“ besteht, widersetzt sich der Diskussion „schwieriger Themen“, wie, sie die von den Juden vor^ebrachten Vorschläge darstellen. Die andere Seite die anscheinend die stärkere ist, scheint den jüdischen Anregungen ein geneigtes Ohr zu leihen. Dies trifft hauptsächlich auf den greisen Kardinal Augustin Bea zu, einen treuen Anhänger des Papstes und Chef des Konzilsekretariats. Ihm wurden die Memoranden der jüdischen Organisationen-, die wichtige Vorschläge enthalten, unterbreitet, und er ist derjenige, der dafür Sorge tragen wird, dass diese Empfehlungen in die Tagesordnung des Konzils eingesehlossen werden. Man weiss, dass Papst Johannes XXIII., dessen Freundschaft für die Juden bekannt ist, mit voller Absicht diesen Kardinal zum Chef des Sekretariats ernannt hat, und man weiss auch, dass der Papst den Wunsch, hegt, dass bei den Beratungen dieses Konzils die Beziehungen zwischen Katholiken und Juden zur Sprache gelangen. Es besteht wohl kaum ein Zweifel, dass das Konzil den Antisemitismus auf irgendeine Weise verdammen wird, doch es herrscht Unsicherheit über'die Form, in der man dem jüdischen Verlangen um die. endgültige Tilgung der dem ganzen jüdischen Volk zugeschriebenen. Schuld an der Kreuzigung Christi aus der katholischen Liturgie zu behandeln gedenkt. Die Entscheidung ist grundlegend, denn diese Anschuldigung hat durch dis Jahrhunderte in Millionen von Christen den Judenhass genährt. Man kann Voraussagen, dass hierüber wenig an di» »Öffentlichkeit dringen wird, denn da die Beratungen hinter geschlossenen Türen stattfinden werden, dürften nur wenige Einzelheiten bekannt werden. Allerdings glaubt man, dass der Oberrabbirer von Rom über die für die Juden interessanten Punkt« privat auf dem laufenden gehalten werden wird. „Südafrikas grossstes Problem“ Washington. — Als Südafrikas „grösstes Problem“ bezeichnete eine Gruppe amerikanischer Kongressabgeordneter die Rassenpolitik der südafrikanischen Regierung. In einem Erfahrungsbericht 'über ihre Reise durch acht afrikanische Staaten im vergangenen Jahr erklärten die Abgeordneten, die Politik der Rassentrennung stehe im Gegensatz zu einer allgemeinen und weltweiten Bewegung, die für Rassengleichheit. eintrebe. Die grosse Mehrheit der 2,5 Millionen Nachkommen ehemals englischer, deutscher und niederländischer Siedler hänge dieser Politik jedoch trotzdem „halsstarrig“ an. (AWZ) chen. Es ist unsere Aufgabe. der Welt noch einmal klarzumachen, dass Nazismus, Faschismus und Antisemitismus nur verschiedene Ausdrücke für die Vorbereitung von Chaos, des Bruderkampfes lind des Unterganges sind. Die faschistisch« Internationale ist sehr aktiv. Verstärken wir auch unsere Kräfte. Wir haben mehr Freunde ln der Welt, als dies im Lärm antisemitischer Unverschämtheiten erscheinen mag. Aagyptischer Antrag Genf. — Aegypten hat beim GATT-Rat in Genf einen formellen Antrag auf Vollmitgliedsehaft gestellt. Der Antrag fand bei allen Ratsmitgliedern Unterstützung. Der israelische Vertreter erklärte, im GATT gebe es Raum für jedes Land, falls es die GATT-Vorschriften einhalte. Ein Arbeitsausschuss wird bis zur GATT-Generalversammiung im Oktober überprüfen. ob die Handelspolitik Aegyptens den GATT« Regeln entspricht. (AWZ) Bogin in Moxiko Mexico-City. — Menachem Begin, der Parteiführer der Cherut, traf zu einem zehntägigen Besuch in Mexiko ein. Er wurde mit grosser Herzlichkeit empfangen. Einem zu seinen Ehren veranstalteten Bankett wohnte der Israel-Botschafter Mordechai Schneerson bei. Bei einer Kundgebung im jüdischen Stadion. das von Menschen überfüllt war, bereitete ihm das Publikum minutenlange Ovationen. Begin sprach auf zwei Pressekonferenzen, die stark besucht waren. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — íUvadavia 831 LEO BAECK (INSTITUTE NEW Y C tö** -Ai