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Jüdische Wochenschau · 1962-07-27 · 1970 (27.7.1962) · p. [Seite]

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8 —• Viernea, 27 de Julio de 1962 SEMANA ISRAELITA A So XXIII. — No. 1979 Theodor Herxl PUEYRREDOJf 21901. St. ♦ * * T. E. 33 - 2613 Der Vater der ersten “Pilgerfahrt” Herbert Bentwich, der vor dreissig Jahren, am 25. Juni 1932, in Jerusalem starb, wird in der Geschichte des Zionismus erwähnt. Die Familie Bentwi(t)ch stammte aus Polen und der Name erinnert an das jiddische Wort „Bentschen“. Herbert Bentwich in Palästina hebräisierte seinen Namen auf ,,Ben-tov-ish“. Herbert Bentwich kam am 11. Mai 1856 in Whitechapel (London) zur Welt. Er studierte die Rechte am University College, wurde ein Fachmann für Copyright, redigierte die Zeitschrift „Law Journal“ und war der Mitverfasser der Bücher ,,Law of Designs“ und ..Military Service Acts“. Er war religiös, nahm regen Anteil am jüdischen Leben und führte so manche Schlacht mit Eifer und Bitterkeit für Hebräisch, jüdische Erziehung und Synagogen („Englisch — ausserhalb der Sy nagoge, Jiddischkeit — innerhalb der Synagoge“) Sein Hauptinteresse aber gehörte der Kolonisation Palästinas und dem erwachenden Zionismus. Er schloss sich der englischen von JOSEF FRAENKEL Pilgerfahrt vom politischen f erste Ansprache und Standpunkt und ersuchte gab den Vorsitz Bentwich, einen Bericht über die wirklichen Zustände in Palästina für die Juden der Diaspora zu bringen. Zwanzig Personen nahmen an der Pilgerfahrt teil, darunter Israel Zangwill. Die Reise von London (durch Thos. Cook & Son) über Marseille, Alexandria Kairo nach Palästina und dann zurück über Damaskus, Konstantinopel und Pi räus dausrte vom 6. Aprii 1897 bis zum 14. Mai 1897 und kostete pro Person 46 £ mit Unterkunft in Hotels und Verpflegung, eingeschlossen auch für jeden ein „Reitpferd mit engli schem Sattel und Zügel“ in Palästina um das Land zu durchqueren. Die Reise von London bis Jaffa dauerte 10 Tage. In Paris besuchten Bentwich und Zangwill den Baron Edmond de Rothschild und Max Nordau. Sie wurden von der jüdischen Gemeinde Alexandriens begrüsst, und Baron de Me- Choveve Zion unter der veranstaltete ein Ban Führung von E. H. d’Avigdor und Col. Goldsmid an, wurde bald Vize-Präsident der Bewegung und propagierte in Artikeln und Versammlungen die nationale Idee. Bentwich gehörte zu den Mitgründern des „Maccabaean-Club“, eine Vereinigung von Intellektuellen, um jüdische Fragen zu diskutieren. Unter seinen Mitkett zu Ehren der Pilgerschar. In Palästina besuch ten sie Rischon Le Zion. Mikwe Israel, die heiligen Stätten in Jerusa:em, wo Zangwill einen Vortrag über „Die Geschichte und die Sitten in den Ghetti“ hielt, dann Tiberias, Nablus und die Kolonien in Galiläa. Sie wurden überall festlich aufgenommen. Cberrabbiner Samuel Salant hielt in Jerusalem eine feierliche Angliedern waren der Dichter j spräche. Ben Jehuda veröffentlichte einen Leitarti- Is: ael Zangwill, Asher Myers vom Jewish Chronicle I Chacham Gaster. Lucien 1 Wolf und der Maler Solo-! mon J. Solomon. Die Glanz-1 epoche dieses Klubs war mit dem Auftreten Theodor Herzls in London verknüpft. Einige Monate vor der Veröffentlichung seiner Broschüre ,.Der Judenstaat“ hielt Herzl dort, am 23. November 1895, seinen ersten zionistischen Vorträg. Am 6 Juli 1896 sprach er wieder bei den „Maccabaeans“ und meinte, dass man ,.nur in England1' die Frage eines Judenstaates diskutieren könnte. ,.Heute weiss ich und morgen wird es die Welt wissen, dass die Juden einen Staat haben wollen, wo sie endlich als freie Bürger leben und gedeihen können“, erklärte er. Während j der Debatte hatte Herbert; Bentwich, vom Geist und Zauber Herzls inspiriert. > den glücklichen Gedanken j einer „Pilgerfahrt nach Pa- [ lästina“, um die zionistische l Sache stärker in den Vorj dergrund zu rücken. Eine Pilgerfahrt von England würde sentimentale Gefühle! für ein jüdisches Palästina erwecken, Erinnerungen an die alte Geschichte von Zion aufrühren und auch andere Länder zu Pilgerfahrten ermutigen. Das Interesse für die Pilgerfahrt — einig« Monate vor dem ersten Zionistenkongress war gross. Man sprach darüber in Versammlungen, man schrieb darüber in der Presse und sogar in Palästina trafen die twei Hotels, Hotel Jerusalem und Hotel Palästina in Jaffa, Vorbereitungen, um die Pilgerschar zu empfan gen. Herzl begrüsste diese kel in seiner Zeitung „Hazwi“, und David Yellin beschrieb dieses Ereignis in dem von Abraham Moses Luncz herausgegebenen „Luaeh Erez Israel“. j Die Berichte von Bentwich und Zangwill, der seine Eindrücke auch in seinem Buch „Träumer des Ghetto“ festgehalten hat, wurden in der jüdischen Presse aufgenommen und bildeten eine wertvolle Propaganda für die nationale Bewegung. „Herbert Bentwich“ — schrieb Herzl — „ist mit einem schönen Erfolg heimgekehrt Er hat alle Ehre, die ihm erwiesen wird, verdient.“ Elf Jahre später organisierte sein Sohn Norman Bentwich auch eine Pilgerj fahrt junger Juden aus Eng-1 land, darunter Leonard Stein ' und Albert Hyamson, nach Palästina, aber sie erregte kein Aufsehen wie die im Jahre 1897. Im Konflikt zwischen der englischen Choveve Zion und Herzl versuchte Herbert Bentwich zu vermitteln Er strebte nach einem Kom promiss, um eine Spaltung zu verhindern und um die Choveve Zion-Bewegung, die beinahe vom Sturm der Zeit verzehrt war, durch den politischen Zionismus zu erneuern. Bentwich, der ein englischer Herzl werden wollte, setzte sich für die Einberufung eines „Zionistenkongresses in Englahd“ ein, und schliesslich einigte man sich auf eine „Zionistische Konferenz“, einberufen von Bentwich, Jakob de Haas und S. A. Hirsch, die am 6. März 1898 im Clerkenwell Town Hall, in Anwesenheit von 165 Delegierten, stattfand. Bentwich hielt die überan Col. Goldsmid. Nach aussen hin wurde die grosse Einigung der Zionisten verkündet aber bald verschwand die Begeisterung, und neue Kämpfe, die zur endgültigen Spaltung führten, entbrannten. Die eigentliche Gründungsversammlung der „English Zionist Federation“ fand am 22. Januar 1899 im Trocadero-Restaurant, unter dem Vorsitz von Sir Francis Montefiore. statt Herbert Bentwich, Sir Francis Montefiore, Chacham Gaster, Dr. M. Umanski, Joseph Cowen, Jakob de Haas. J S. Loewy und Leopold J. Greenberg bildeten die Exekutive. Da die Rivalität unter einander stark war, so führte ein jeder drei Monate den Vorsitz. Schon vorher war Bentwich Delegierter des zwei ten Zionistenkongresses (1898). Er wurde Mitglied des Kongress - Präsidiums und der Kolonisations-Kommission, nahm regen Anteil in der Generaldebatte und entwarf auf Ersuchen von Herzl die Statuten der Jüdischen Kolonialbank. Er war recht aktiv, veröffentlichte Artikel und trat in Versammlungen auf. Die Zeitschrift „Nineteenth Century“ brachte seinen Artikel „Philo-Zionists and anti-Semites“, wo er sagte: „Was wir wollen .. ist die Freiheit, unser Schicksal als Nation allein zu formen.“ Er polemisierte mit dem antizionistischen Chief Rabbi Dr. Adler und erklärte, dass eine Niederlage Herzls — eine Niederlage des Judentums darstellen würde. Es war eigenartig, dass Weizmann auf dem VI. Zionistenkongress (1903) zuerst für Uganda (Ostafrika) sprach, aber dann dagegen stimmte. Bentwich dagegen sprach gegen Uganda, aber er enthielt sich der Stimme bei der Abstimmung. Nach dom Tode Herzls (1904) kam es zu bösen Streitigkeiten unter den zionistischen Führern Englands. Herbert Bentwich wurde „Grand Commander“ der Organisation „The Or der of Ancient Maccabeans“ und Präsident der „London Zionist League“. In dem erbitterten Kampf zwischen Zionist Federation und An cient Maccabeans drohte der Untergang der Zionist Federation, gegen die Chaim Weizmann sogar — ohne Erfolg — einen Putsch unternommen hatte. Erst mit der Wahl von Joseph Cowen als Präsident im Juni 1913 kam die Zionist Federation wieder zu Stärke und Ansehen. Unterdessen hatte Herbert Bentwich einen neuen Plan, nämlich eine „Maccabean Colony“ in Palästina zu gründen, und so wurde im Jahre 1913 eine „Maccabean Land Purchase Company“ registriert, die erst nach dem ersten Weltkrieg Boden erworben hat. Während dieses Weltkrieges wurde man sich in London bewusst, dass der Zionismus vor historischen Entscheidungen stehe. Ein „Political Advisory Committee“, dem Herbert Bentwich angehörte, wurde gebildet, um Chaim Weizmann und Nahum Sokolow bei der Erlangung der Balfour-Deklaration behilflich zu sein. Er nahm aktiven Anteil an den wichtigen Besprechungen und beteiligte sich auch bei der bedeutenden Aussprache mit Sir Mark Sykes am 17. Februar 1917, die schliesslich zur Balfour-De klaration (2. November 1917) führte. Im Jahre 1919 weilte er als Mitglied der jüdischen Delegation zur Friedenskonferenz in Paris um die Rechte und Interessen der Juden zu schützen. Herbert Bentwich lebte mit und für Palästina. Endlich am 8. Mai 1923, wurde seine oder die Maccabean- Kolonie in Gezer gegründet. Bei dieser Festlichkeit waren der Hochkommissar Herbert Samuel, die Mitglieder der zionistischen Exekutive und etwa hundert Araber anwesend. Bentwich pflegte öfters Palästina, wo sein« Kinder und Enkelkinder lebten, zu besuchen, und im Jahre 1929 liess er sich dort nieder. Auch hier war er kurze Zeit aktiv, aber drei Jahre später starb er Nahum Sokolow sagte in seiner Gedenkrede auf dem XVIII. Zionistenkongress in Prag (1933) über ihn, dass er „die wahre Verbindung zwischen Erez Israel und England symbolisiert habe. Auch sein Name ist im Zionismus historisch geworden.“ NACHRICHTEN AUS ISRAEL AUSFUHR IM MAERZ 1962 Im März war wiederum ein beträchtlicher Anstieg des landwirtschaftlichen Exports zu verzeichnen; sein Wert belief sich auf 2.350.000 Dollar gegenüber 1.770.000 Dollar im März des Vorjahres, was einer Zunahme von 23 Prozent entspricht. ZITRUSFRUECHTE Vor kurzem ist von Elat eine Sendung von 3.500 Tonnen Zitrus nach Singapore abgegangen. Das ist die grösste Sendung dieser Art, die je von diesem Hafen nach dem Fernen Osten abgefertigt wurde. STAUDAMM BEI SIKIM 70—80 Prozent der Ueberschwemmungsgewässer, die durch den Staudamm am Bach Schikma bei Sikim in den beiden letzten Win:ern aufgefangen wurden und ins Grundwasser durchgesikkert sind, konntsn wieder nutzbar gemacht werden. Nach Erweiterung des Netzes von Brunnenbohrungen in der Umgebung hofft man, zu einer Verwertung bis zu 90 Prozent gelangen zu können. Dieses durch den Damm aufgehaltene Wasser ist früher nutzlos ins Meer geflossen und der Wasserwirtschaft des Landes verloren gegangen. Angesichts dieser günstigen Erfahrungen plant jetzt die Gesellschaft Tabal eine Reihe von Staudämmen dieser Art längs des ganzen Küstenstriches im Rahmen eines Achtjahresplanes zur Entwicklung der Wasservorkommen anzulegen. LANDESWASSERLEITUNG Der Beirat für Wasser-Angelegenheiten hat kürzlich die Vorbereitungs-Arbeiten für das erste Stadium der Landeswasserleitung bestätigt, welche die erste Etappe des Projekts vom Kinneretsee bis zu den Pumpstationen in der Umgebung von Tel Aviv zum Gegenstand hat. Im ersten Stadium sollen 180 Millionen Kubikmeter vom Kinneret nach dem Süden geleitet werden. Der Kostenaufwand für diese im Winter 1963/64 zu vollendende Phase beläuft sich auf 225 Millionen IL. Das zweite Stadium soll innerhalb von zwei Jahren vollendet werden. Tahals Ziel ist es, im Endstadium 320 Millionen Kubikmeter ir Í t t I Í t Í Í I Í Í Í $ t Í ZIONISTEN¬ MITGLIEDER DER THG \ Man erwartet von uns, dass wir die ersten sind, die ihre Pflicht gegenüber der Einheitskampagne erfüllen! vom Kinneratsee ia die Küstenbene, die Mitte des Landes und den nördlichen Negew zu führen. AUSSICHTEN AUF WASSER Eine jüngst vorgenommene hydrologische Untersuchung ergab, dass günstige Aussichten für Wasservorkommen im Gebiet von Neot Kikar, südwestlich von Sodom bestehen. Daher wurde dort jetzt mit Bohrungen begonnen, die eine Tiefe von einigen Dutzenden Metern erreicht haben. Man hofft, dort für landwirtschaftliche Bewässerung geeignetes Wasser zu finden. INTERESSANTE EXPERIMENTE In Neot Hakikar, in der Nähe des Toten Meeres, hat sich kürzlich eine Gruppe von jungen Menschen angesiedelt, die Viehzucht betreiben und verschiedene landwirtschaftliche Versuche anstellen. Es wurden Dattelpalmen gepflanzt und die Experimente mit einigen j Sorten von Wintergemüse sind ziemlich gut ausgefallen. Es werden dort auch Versuche mit Fischzucht in Teichen mit halbsalzigem Wasser unternommen. Hier wurde auch die erste Anlage zum Entsalzen von Wasser, die von Wissenschaftlern des Instituts zur Erforschung des Negew erfunden wurden, in Betrieb gestellt. Diese Anlage arbeitet schon seit einem fahr und liefert eine beträchtliche Menge von Trinkwasser und Wasser für den Hausgebrauch. ISRAELISCHE STROHPRESSEN Die dem Kibbuz Eiion an ( der libanesischen Grenze ge-; hörende Fabrik „Eched Ei- ' Ion“ wird jetzt die Heastel-! lung der ersten 100 nach amerikanischem Muster erzeugten Strohpresse beendet haben. Sie sind imstande, je 1400 Bündel Stroh in der I Stunde zu liefern. Die Er-! zeugung der Strohpressen erfolgt nach einem zwischen | dem „Hamaschbir Hámerkazi“ und einer amerikanischen Gesellschaft getroffenen Uebereinkommen. Man hofft, dass die im Lande hergestellte Strohpresse sich sowohl im Preis ¡ als auch in Qualität den ausi ländischen Erzeugnissen! ebenbürtig erweisen wer- . den. ERZIEHUNGSWESEN j Die Zahl der Schüler ist ' heute viermal so gross wie i bei der Gründung des Staates Israel: 640.000gegenüber; 130.000. Im selben Verhältnis 1 hat die Zahl der Lehrer zugenommen: von 5.900 auf 23.500. Im akademischen Jahr 1961/62 gab es 7.600 I Studenten an der Hebräi- [ sehen Universität, davon studierten 1.500 an ihrer telaviver Zweigstelle. In der letzten Zeit wurden an der Universität eigene Abtei’un- , gen für Studenten aus afrikanischen und asiatischen; Ländern errichtet, darunter ein besonderer Kurs für ■ Aorzte. Die Zahl der Studenten am Technion in Haifa be- I läuft sich in diesem Jahr auf 2.500, während im akaj demischen Jahr 1961/62 an! der Bar Uan-Universität 740 . Studenten inskribiert waren 9999999

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