Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1969 (20.7.1962)
- Date
- 1962-07-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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/\ «V I *Ç PUEYRREOON 2190 — W izQ- JkJkmxiH&y&uijelUa T E. 8 3 2 G 1 3 Aäo XXIII. BUENOS AIRES, VIERNES 20 OE JULIO DE 1962 No. 1369 „Unseres Landes unwürdig 99 Dr. W.: — „Die Antisemiten sind unseres Landes unwürdig“, erkläret der frühere Präsident der Republik, General Pedro Eugcnio Aramburu in einem Interview, das er einem jüdischen Journalisten gegeben hat. General Aramburu. an dessen Präsidentschaft ziele mit Wehmut wie an die guten alten Zeiten zurücknenken, wird auch bei den nächsten Wahlen als Kandidat für den höchster Posten der Republik kandidieren. Aramburu meinte, es sei eigentlich überflüssig, ihn zu befragen, denn seine Ha.tung sei bekannt und klar. Unwürdig seien die Antisemiten, in unserem Lande zu leben, sagte er energisch. Argentinien sei eine Nation, so führte der Genera! aus, die durch die Zusammenarbeit von Menschen verschiedener Herkunft, Glauben und Rassen entstanden sei. Gerade j deswegen seien die antisemitischen Ausschreitungen , nicht nur von allgemeinen Betrachtungen her zu verabscheuen, sondern vom Standpunkt Argentiniens doppelt zurückzuweisen. Auch der Innenminister Dr. Adroguc sowie andere hohe und auf einem verantwortungsvollen Posten stehende Beamte erklärten eindeutig ihre Ablehnung der antisemitischen Vorgänge. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass eine gewisse Ruhe zurückgekehrt sei, zumal die Masse des Volkes diese Vorfälle verwirft, woran man nicht zu zweifeln braucht. Aber diese Ruh? ist nur rein äusserlich., Wenn man die letzten Zwischenfälle summiert, so kommt man wiederum zu einem wenig ermunternden Ergebnis. In der vergangenen Woche waren innerhalb 48 Stunden fünf weitere Attentate zu verzeichnen: in Salta zwei Bomben gegen die dortige jüdische Vereinigung; in Colon (Entre Rios) eine Bombe gegen die jüdische Vereinigung; Ueberfail auf die sefardische Gemeinde in der Strasse Camargo der Bundeshauptstadt; eine Petarde wurde in der 1. Kooperative (Buenos Aires) gelegt und ebenso vor dem Gebäude der Zeitung ,,Di Presse ‘ in der Bundeshauptstadt. Das ist in kurzer Zeit eine erhebliche Zahl von Gewaltakten. Mit Bedauerp muss man feststellen, dass ein erheblicher Widerspruch zwischen den offiziellen Erklärungen und den herrschenden Zuständen besteht. Man kann nicht feststellen, dass die zuständigen Organe mit der erforderlichen Energie dem allgemeinen Abscheu vor den Terrorakten Respekt verschaffen. In einem I all ist es bisher gelungen, der Täter habhaft zu werden. Dies ist umso auffallender, weil die argentinische Polizei bekanntlich sonst sehr wirkungsvoll arbeitet. Unwillkürlich drängt sich der WIE ICH ES SEHE fDie Hilfe für neue Lotender .ton JEHVDA GOTTHEMER Die Entwicklung Dass wir in einer Zeit totaler Umwälzungen leben, ist keine neue Feststellung. Dennoch werden wir zugeben müssen, dass sich das politische und wirtschaftliche Panorama ständig in einer mitunter rapiden Entwicklung befindet. Wie lange ist es her, dass die Erde unter verschiedene grosse Imperien aufgeteilt war. Inzwischen sind\fast alle .unterdrückten* Völker frei geworden, haben ihre Unabhängigkeit erkämpft oder in einem friedlichen Prozess verliehen erhalten und unternehmen den Versuch, nun auch ihre Souveränität zum Nutzen des Volkes und rum Aufbau eines neuen Staates zu verwenden. Hierbei sind die meisten jungen Länder auf die grössten, Schwierigkeiten gestossem, die durchaus nicht allein auf äussere Faktoren zurückzufiinren sind, obwohl auch diese eine Rolle spieLen. Man braucht nur an den Kongo zu denken, der seine Selbständigkeit noch immer nicht .überwunden* hat, weil er zum Spielball innenwie aussenpolitiseher Interessen wurde. Die unglückliche Zweiteilung der Erde in eine westliche und eine östliche Hälfte belastete die Befreiung der bisher abhängigen Völkert, die sich in einen Strudel internationaler Machtkämpfe hineingezogen sahen, aus dem es kaum ein Entrinnen gibt. Das löste letztlich eine entgegengesetzte Bewegung aus, die zu einer neuen und andersartigen Bevormundung der soeben befreiten Länder hiniiberführie. Die im Zuge des Selbstbestimmungsrechtes der Völker geschaffene Tschechoslowakei, um nur ein markantes Beispiel zu erwähnen, ist heute ein Satellitenstaat Moskaus, der zwar nach aussenhin seine Souveränität besitzt, in Wirklich keit aber den Direktiven einer fremden Macht, nämlicli des Kreml, folgen muss. Von einem Selbstbestimmungsrecht des Volkes kann selbst bei breitester Interpretation dieses Begriffes kaum noch die Rede sein. Die politische Zweiteilung kann jedoch heute allein nicht ausreichen, um die Lage zu charakterisieren. Denn innerhalb dieses Zweifrontenkrieges gibt es eine Reihe anderer Konstellationen, die es jetzt bereits nicht mehr gestatten, nur mit dieser Ost-West-Antithese die augenblickliche Situation zu analysieren. Die Differenzierungen gehen über diese Ost-West-Formel hinaus, wenn man zu einer sicheren Beurteilung zu gelangen wünscht. Ohne Zweifel gibt es eine Gruppe von Nationen, die sich darum bemühen, eine eigene und von den Blockmächten unabhängige Position zu beziehen, wobei ihre Politik zwar von diesem allgemeinen Konflikt beschattet und beeinflusst wird, jedoch immer wieder cen Versuch unternimmt, sieh selbständig zu machen. Das sind die Länder, die sich als Neutrale bezeichnen. dies in Wirklichkeit jedoch nicht sind, weil niemand in einer solchen Auseinandersetzung von universellem Masstab neutral bleiben kann. In letzter Zeit haben sich auch einige internationale Wirtschafts - Körperschaften gebildet, die bei der engen Verwobenheit von Politik und Wirtschaft auch deutliche Reflexe auf die politische Weltlage werfen. Vergleich mit den Friedhcfschändungen in der Bundesrepublik auf, die Jahre hindurch am laufenden Band erfolgten, ohne dass die Polizei der Verbrecher habhaft werden konnte, abgesehen von den spielenden Kindern, die über athletische Kräfte verfügten und zentnerschwere Grabsteine umwerfen konnten. Solange diese Bombenattentate und andere ähnliche Verbrechen nicht gesühnt werden, wird es keine Sicherheit und Ruhe geben. Es geht keineswegs nur darum, die jüdische Bevölkerung zu schützen, obwohl diese ein Recht darauf hat. Diese Gewaltm assnahmen sind gegen alle gerientet. Das zeigte sich deutlich an den beiden faschistischen Ueberfällen in Montevideo, deren Opfer ein paraguayisches Mädchen und ein antikommunistischer Studentenführer geworden sind. Dem katholischen Mädchen wurden Hakenkreuze auf die Oberschenkel eingeritzt, dem Stuöentenführer Hammer und Sichel. Jedenfalls kann man an diesen wie anderen Fällen erkennen, i ass Faschisten am Werke sind,; die man nicht findet. Die i Wildwest-Methoden, die stänj digen Raub- und Ueberfälle; nichtpolkischen wie nazisti- | sehen Charakters stellen i nicht nur eine Gefahr für I alle Bürger dar. die ruhig ihrer Arbeit naehgehen. sie stören den inneren Frieden und schädigen das Prestige Argentiniens. Alle diese Vorgänge sind, wie der General Aramburu mit vollem Rech; sagte, dieses Landes unwürdig. r Die Haltung Algeriens Paris. — Die provisorische Regierung Algeriens dementierte eine ägyptische Rundfunkmeldung, dass Algerien sich weigere, die Anerkennung anzunebmn, die Israel kürzlich anlässlich der von diesem Land erlangten Unabhängigkeit ausgesprochen hat Der kairoer Rundfunksprecher hatte erklärt, dass „Algerien sich wie alle arabischen Völker als mit Isra^l in} Krieg befindlich betrachtet.“ Wie der „Figaro“ mitteilt, hat die algerische provisorische Regierung den Inhalt dieser Uebertragung zurückgewiesen. Die französischen Beobachter äussern hierzu, dass sich Algerien bisher noch nicht über seine künftige Haltung zu Israel schlüssig geworden sei, und geben der Vermutung Ausdruck, dass beide Länder „mög. heherweis-e ‘ normale Beziehungen entwickeln konnten. Paris. — Den letzten Meldungen zufolge hat die provisorische Regierung Algeriens sich der feindseligen Haltung der übrigen Araberstaaten zu Israel angeschlossen. Auf einer Pressekonferenz, die der alge rische Informationsminister veranstaltete, erklärte dieser auf Fragen der Journalisten, ob sich Algerien auch als mit Israel im Kriegszustand befindlich betrachte; „Palästina ist ein arabisches Land, das von Israel besetzt wurde. Daher können wir Israel nicht als Staat anerkennen.“ Allerdings, so fügte er hinzu, habe dies nichis mit der Position der algerischen Juden zu tun, denn diese genössen den gleichen Status wie die Mohammedaner und könnten genau wie diese hohe Aemter in der neuen Regierung bekleiden. Der Minister bestätigte auch, dass seine Regierung die medizinische Hilfe abgelehnt hat, welche Israel auf ein früheres Ersuchen Algeriens hin zugesagt hatte. ITA) HAKENKREUZ UND PSYCHIATRIE von JAKOB KATZ-ROGASEN Die Amerikaner neigen dazu, alle Erscheinungen de* Lebens statistisch zu erlassen. So ist unter anderem auch eine Untersuchung eines Amerikaners über ,,Hakenkreuz-Schmierer eien irr. Jahre 1960“ veröffentucht worden. Der Autor un.ersucht die Täter, deren man nabhaft geworden war, und kemmt dabei zu dem Ergeoms, dass mindestens die Hälfte der Jugendlichen, die man zum Hakenkreuz-Schmieren auf die Strasse geschickt hat überhaupt nicht wussten, was sie taten, sondern aus Abenteuerlust oder anderen Motiven auf die Strasse gegangen sind. Uebrigens waren von den 41 jugendlichen Tätern, die gefasst worden sind, 22 bereits vorb?straft. Interessant ist auch eine Vorbemerkung, die zu dieser Statistik gemacht worden ist: „Zumindest seit 1933 hat zwischen Hakenkreuz und Psychiatrie eine ebenso merkwie denkwürdige Verbindung bestanden; die Psychiater werden ohne Kopfschütteln die quallige Ungeheuerlichkeit Streichers, die schizophrene Natur von Rudolf Hess oder die spätpuberiäre Poesie Schirachs erläutern können. Das hat sich bei den wenigen, die sich nach dem Krieg diesem Zeichen unverdrossen weilerverschworen, nicht geändert: Psychologen und Psychiater, beauftragt, die in vielen Fällen sehr jungen Häftlinge zu untersuchen, haben es leicht, in den folgenden Verhandlungen ihr Vokabular anzueringen. Den jüngeren Angeklagten, die Wände mit Hakenkreuzen beschmierten, wurden fast ausnahmslos .Milieuschäden“ bescheinigt; die älteren, die das Nazi-Regime und seinen Zusammenbruch bewusst erlebt hatten, steckten in Existenznöten und hatten allein deshalb eine fatale Neigung zur Selbstbestätigung und zum randalierenden Grössenwahn, zu billigem Heroismus und all« Misere entschuldigenden Rassenvorurteilen. Kurz gesagt: die schmierenden Toren dachten, wenn man es zu nichts bringt, muss jemand daran schuld sein.“ Das Problem, dass die immer stärker werdende Welle von antisemitischen Zwischenfällen niemals von der Tagesordnung verschwindet, ist - her weit komplizierter als aus diesen Bemerkungen und aus der Statistik nervorgeht. Die Feststellungen, die hier getroffen worden sind, beziehen sich auf diejenigen Personen — meist Jugendliche — die als Täter auf die Strasse gegangen sind. Es sind meist junge und verantwortungslose Elemente die sich schicken lassen. Ihre Aufgabe besteht darin, irgendwelche ihnen erteilte Anweisungen auszuführen, Schüsse auf Büros, jüdische Häuser, Zeitungen und Restaurants abzugeben, Häuserwände zu beschmieren oder allein auf die Strasse gehende Frauen und Mädchen zu beleidigen, anzufallen oder gar zu verschleppen. Diese Taten werden meist von Jugendlichen oder entwurzelten Menschen ausgeführt. Um das festzustellen, sind keine grossen Statistiken und theoretischen Untersuchungen erforderlich. Gewiss lassen sich innerlich starke, gut erzogene und normal denkende Menschen, auch wenn sie jung sind, nicht als Instrumente für Verbrechen missbrauchen. Aber diese labilen Elemente sind nur die Handlanger. Sie stellen nicht das eigentliche Problem dar. Man sollte sich mehr mit den Hintermännern dieser Aktionen beschäftigen. Vieleicht sind unter diesen Drahtziehern der antisemitischen Attentate und breit angelegten Hassfeldziige gegen die Juden auch Abenteurer zu finden. Die Verantwortlichen dagegen sind meist kiifal rechnende Agitatoren, die mit Hilfe des Antisemitismus zur Macht kommen und zu Geld gelangen wollen. Diese; Kreise zu analysieren, dürfte wertvoller sein, als sich ‘ mit den jugendlichen Verbrechern zu beschäftigen. Als erste dieser Blockbildungen ist die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft zu nennen, die als eine Vorläuferin der politischen Einigung Europas genauer gesagt, des zum Westen gehörenden Teiles des alten Kontinents, zu he rächten ist. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, kurz EWG genannt, . wurde zu einem Machtfaktor, der unter anderem auch das konservative England zwang, seine alte Wirtschaftspolitik aufzugeben und ci ien Weg in die neuen Verhältnisse, d. h. in die EWG, zu suchen. Mit der Expansion der auf Hochtouren arbeitenden EWG stellten sich g.wisse Schwierigkeiten ini eigenen westlichen Lager ein, weil die EWG— und amerikanischen Interessen kollidierten. Noch stärker machte sich die Entwicklung der EWG in den osteuropäischen Ländern geltend, die zwar politisch zum Ostblock gehören, wirtschaftlich aber schon wegen der geographischen Nähe mit dem übri gen Europa durch mannigfache Kanäle verbunden sind. Bekanntlich ist der o'eutsehe Handel mit Russland und seinen europäischen Satelliten erhebuch; westdeutsche Bindungen an die EWG konnten die deutsch russische Handelsbilanz für den Oslen ungünstig beeinflussen. Aus diesem Grunde sahen sich die Russen veranlasst, eine eigene östliche Wirtschaftsge meinschaft zu schaffen. Bekanntlich hat Israel einen Antrag gestellt, in die EWG aufgenommen zu werden, was für die Entwicklung de£ überraschend schnell aufblühenden israelischen Wirtschaft von -iner sehr entscheidenden Bedeutung werden könnte. Hiergegen wurden sofort arabische Proteste erhoben, die nicht ungehört beiseite geschoben worden sind. Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen worden. Die Debatte ist nicht abgeschlossen. Vielleicht veranlassten auch die israelischen Schritte den ägyptischen Diktator Nasser, einen Weg zu suchen. um seine eigene wirtschaftliche Position zu stärken und gleichzeitig seine politische Stellung zu festigen. So kam es dazu, dass er eire Wirtschaftskonferenz der „Neutralen“ nach Kairo einberief. Es darf jedoch nicht der Eindruck entstehen. dass der israelische Schrift gegenüber der EWG das c\czidi?rende Moment für die Nassersche Politik gewesen ist, nun sich auch seine eigene Wirtschaftsgemeinschaft zu schaffen und damit die Aufteilung der Er de neben der politischen Rloekhildung in wirtschsftliche Gruppierungen um eine weitere zu bereichern. IT. Die Konferenz Nasser versteht es glänzend. sich vor der Weltöffentlichkeit in ein angenehmes Licht zu setzen. Das ist keine Frage. Der Mann, der sein eigenes Land mit der Knute unterdrückt, in «'essen Bereich es tausende Unglückliche gibt, die in Gefängnissen und Konzentra tionslaeern schmachten, der keine Meinungsfreiheit duldet und mit Terror regiert, dieser selbe Mann betritt die Tribüne der Vereinten Nationen und fordert Frieden und Freiheit für die ganze Welt, wird beklatscht und gefeiert und umgibt sich mit einer reichlich billigen Glo riole des internationalen Apostels. Jetzt versucht er, der Sprecher aller jungen Nationen zu werden, der sich bedingungslos für deren Entwicklung und wirtschaftliche Entfaltung einsetzt. Das \yar c’er poiiü sehe Sinn der von Nasser nach Kairo gerufenen Wirt Schaftskonferenz. Da weder Aegypten noch die in Kairo versammelter Nationen vom wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet als selbständige Wirtschaftsfaktoren eine Rolle spielen können, muss ten die politischen Kräfte entfesselt werden um der (Schluss auf Seite 2) Syrischer Ueberfail Jerusalem. — Syrische Artillerie eröffnete das Feuer auf die Bewohner des Ortes Tel Katzir die mit Feldarbeit beschäftigt waren. Opler waren nicht zu beklagen. Die israelischen Batterien traten sofort in Aktion. Bei dem ungefähr 30 Minuten dauernden Schusswechsel gerieten einige israelische Getreictefeider in Brand. Israel unterbreitete der Gemischten Waffenstilistands-Kommission eine neue und energische Beschwerde. (ITA) m YQHg /!