Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1965 (22.6.1962)
- Date
- 1962-06-22
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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A»« XXIII. — No. 1965 4 — Viernes, 22 dr Junio dr 1962 SEMANA ISRAELITA Das Heldenlied vom Warschauer Ghetto Das in seiner Programmgestaltung sehr mutige Theater 1FT führte in spanischer Sprache „La Paved“ auf. Es handelt sich — der Titel ist schlecht übersetzt — um die von Millard Lampelli verfasste Theater-Bear beitung von John Herseys berühmtem Buch „Der ■Wall“. Nach dem Welterfolg des „Tagebuch der Anne Frank“ wird hier ein zweites allerdings ganz anders geartetes Werk auf die Bühne gebracht, das vom Schicksal der Juden unter oen Nazis handelt. Die dramatische Gestaltung beider Werke hat grosse Schwierigkeiten mit sich gebracht, die in beiden Fällen überraschend gut überwunden worden sind. ln einem Falle mussten die ganz subjektiv empfundenen zarten Seelenregungen eines jungen Mädchens auf die objektive Szene anschaulich übertragen werden. Das war bei Hersey nicht nötig; denn „Der Wall“ ist in Form einer Sammlung historischer Dokumente verfasst. Abgesehen davon hatte Lampelli eine ungleich schwierigere Aufgabe zu lösen- In einem Falle war die Einheit des Ortes gegeben in dem Bodenraum, in dem Anne Frank ihr Schicksal erlebt, in dem sich zehn Menschen bewegen, Menschen von Fleisch und Blut, welche die junge Künstlerin Anne Frank lebendig und mit einer Unzahl von feinen Chalakterzügen gezeichnet hatte. Der Schauplatz vom „Wall“ Ist das ganze Warschauer Ghetto mit seinen Strassen, Zimmern, Dachkammern, Kellern und Kloaken, wobei einige Szenen so gar ausserhalb des Ghetto, im polnischen Warschau von Dr. KARL KOST spielen. Hunderte von nur typenmässig gezeichneten Menschm kommen vor; nur dio Schicksale der sogenannten „Familie“ werden im Buch und in der Bühnengestaltung eingehender gestaltet und ihre Träger mit charakteristischen Einzelzügen gezeichnet. Der Re*st ist Masse, Stimmungskulisse, aber nicht mehr Ausdruck individuellen Wollens. Dafür ist das Geschehen im 'Warschauer Ghetto vie. dramatischer. Die Familie Frank in ihrem natürlichen Selbsterhaltungstrieb will nur leben; aber sie kann nichts tun, um am Leben zu bleiben, als sich so still zu verhalten, damit sie nicht entdeckt wird. Die Juden im Ghetto können in eng begrenzten Möglichkeiten freilich selbst etwas zur Gestaltung ihres Lebens beitragen. Einige tauchen als „christliche“ Polen ausserhalb des Ghetto unter. Andere wollen mit Geld oder Anbiederung ihr Leben retten. Alle, ausnahmslos alle arbeiten und kämpfen um die amtlichen Ausweise, die sie vor Deportierung und vorzeitigem Tode retten. Und schliesslich fanden durch die grausame Not zusanrmengeschweisst immer mehr Schicksalsgenossen zueinander, die fühlten, dass sie sich nicht einfach hinschlachten lassen durften, sondern sich gegen ihre Mörder zur Wehr setzen mussten, auch wenn sie mit blossen Händen gegen Maschinengewehre und Tanks kämpfen müssten, Juden aller Klassen fanden so zuein ander: streng religiöse, nationale und solche, die nur einsahen, dass ihr Sterben nicht mehr sinnlos sei, sondern ewigen Wert bekäme, I wenn sie sich mit der Waffe gegen ihre Peiniger verteidigten. Genau so hat es auch das keineswegs nur jüdische Publikum im 1FT verstanden. Als die Nazi-Soldaten wieder ins Ghetto eindrangen, um Juden aus ihren Wohnungen herauszureissen und zum Tods abzuführen, und als der erste Nazi überrascht ausrief: „Die Juden haben jetzt ja Waffen!“ bra chen die Zuschauer auf offener Szene in einen Beifall aus, wie man ihn im Theater nur ganz selten zu hören bekommt. Ein unvergesslicher Augenblick für jedes jüdisch und menschlich empfindende Herz! Die naturgemäss nur kleine Auswahl, die Lampelli aus einem sehr umfangreichen Werk getroffen hat, ist gut, dis Regie Manuel Iedvabnys im IFT trotz einiger störender Fehler hervorragend. Zuschauer, die Herseys Buch nicht kannten und nicht wussten, dass sich Rahel Apt und einige 'Widerstandskämpfer hatten retten können, glaubten, dass sie beim letzten Ausbruch aus der Kloake ihren Schergen in die Hand fielen. Noch störender war der unglückliche Einfall des Regisseurs, die*' gesprochenen Berichte in völliger Dunkelheit vorzutragen. Das Publikum wusste, besonders bei dem langen Bericht zu Beginn des Stückes, nicht, woran es war, und benahm sich viel unruhiger als bei halbbeleuchteter Bühne. Traurige Folge: Levinsohns Bericht blieb schon in der Mitte des Saales völlig unverständlich. Auch den anderen Berichterstatter konnte man nur teilweise verstehen. Abgesehen davon war die Jüdisches Lehrhaus Die naechsten Kurse finden statt, am MONTAG, DEN 2. JUL!, UM 20 UHR 30 iM GEMEINDEHAUS CRAMER 2060 1. Kurs: BIBELKUNDE: Dr. Meir Rosenberg (BEGINN 20 UHR 30 pktl.) 2 Kor«: GEGENWARTSKUNDE: Dr. B. Isaeif 4. ABEND: DIE SPANISCHEN JUDEN (BEGINN 21 UHR 20) 3. HEBRÄEISCHE KURSE: 1. Jahr: Montags: 18 Uhr SO und Mittwochs: 19 Uhr 15 2. Jahr: Dienstags und Donnerstags: 17 Uhr 3. Jahr: Montags: 17 Uhr und Mittwochs: 17 Uhr 50 Es ist geplant, einen weiteren hebraeischen Aniaengerkurs füf Teilnehmer ohne Vorkenntnisse einzurichten, der im Monat Juli beginnen wird. Dieser Kurs kann nur stattfinden, wenn sich wiederum eine genügende Anzahl von ERNSTHAFTEN Teilnehmern einschreiben wird Um schriftliche Anmeldung unter genauer Angabe der Adresse und Telefonnummer wird gebeten. Alle Kurse finden in der Cramer 2060 statt MUSIK IN BUENOS AIRES JUB1LAEUMS KONZERT DER „WAGNERIANA” Der Dekan der bonaerenser Konzert - Gesellschaften, die „Asociación Wagneria na“, feierte ihr fünfzigjähriges Jubiläum mit einem Symphoniekonzert, das natürlich voiikommen dem bayreuther Meister gewidmet war. Die Nationale Kultordirektion hatte zu diesem feierlichen Anlass das Nationale Symphonie - Orchester „zediert“, und es wurde speziell Heinz Waliberg enga- Regie ausgezeichnet. Unterstützt durch die schönen Bühnenbilder von Leandro Hipólito Raguchi. Bilder, die nicht nur anschaulich, sondern auch „richtig“ waren, weil sie die grauenvolle Enge, in der man im Ghetto lebte, klar aufzeig.en. Unabänderlich bei den Fleisch topfen Argentiniens ist leider, dass die Gesichter trotz aller trüben Schminke nicht entfernt die Abgezehrtneit der Hungernden anzeigte. Hohen Lobes wert ist hingegen die Meisterschaft, mit der Iedvabny Kinder und Schauspieler natürlich in Bewegung setzte. Sein Mei sterstück gab er hei der Hochzeit. Wie der schmerz gebeugte Rabbiner auf einmal zu tanzen begann, gezwungen und traurig und nicht als begeisterter fröhlicher „Chossid“ und wie sich alle fast widerwillig anschlossen, war grossartig gestaltet. Man kann nicht die mehr als 50 namentlich aufgeführten Schauspieler erwähnen. Alle standen an ihrem Platz, niemand fiel störend aus dem Rahmen. Einige müssen aber hervorgehoben werden Pablo Rivera als kluger und gefühlvoller Jude, der zwischen den Parteien steht und erleben muss, wie seine kranke Frau von einem Juden den Nazis ausgeliefert wird. Rosa Waserman, die bisher nur durch ihren schönen Gesang auffiel, die hier aber einer dramatischen Gestalt Leben gibt. Rita Gam, ihre Schwester, die zur geistigen Führerin des Widerstandes aufwächst. David Sznek als frommer Rabbiner, der alle unterstützt und gottgläubig in den Tod geht. Samuel Dan als stets geschäftstüchtiger Strassenhändler, der etwas Lachen in das traurige Geschehen bringt und zum Schluss noch den Nazis ein Schnippchen schlägt. Usay als reicher Assimilant, der sein Judentum und seine Kinder opfert, um sein armseliges Leben zu retten. Eine denkwürdige Gestaltung jüdischen Schicksals. Die Zuschauer waren gepackt und tief ergriffen. Wer sich als Jude fühlt, sollte selbst sehen und seinen Kindern zeigen, wie Juden in der Stunde höchster Not über ihr armseliges Dasein hinauswuchsen, wie sie als jüdische Hilden zu kämpfen und zu sterben verstanden. giert, uni diesem Doppelkonzert Profil zu geben. Der Wiesbadener Generalmusikdirektor, der wenige Tage zuvor das „Theater an der Wien“ wiedereinweihte, kam sozusagen auf einen „weekend trip“ an den Rio de La Plata, studierte das Konzert „schnell“ ein und befand sich eine knappe Woche darauf bereits wieder auf dem alten Kontinent. Sozusagen als „hors d’oeuvre” zum gesamten „Ring“ jm Colön September—Oktober dirigierte Wallberg das Lohengrin-Vorspiel (3. Akt), Karfreitagszauber, Rheinfahrt, Meistersinger-Vorspiel Vorspiel zu Tristan und Liebestod und als Ausklang die Tannhäuser-Ouvertüre. Der Dirigent bot wohlausgefeilte, tiefgehende Versionen der einzelnen Stücke, und es bleibt nur zu bedauern, dass man nicht auch Sänger hinzuzog, denn eine Wagner „Bearbeitung“ bleibt ohne Stimmen immer nur ein Torso. Das Orchester klang ausgezeichnet, und Wallberg durfte sich mit seinen Untergebenen für sehr langen und herzlichen Beifall bedanken. „TOSCA“ IM COLON Der veristische Puceini- Reisser bringt noch immer volle Häuser. Eine erstklassige Aufführung trug dafür Sorge, dass auch diese Aufführung triumphal gefeiert wurde. Carlos F. Cillario brachte die ganze dramati- Wucht der Partitur mit dem vorzüglich, wenn auch oft ein wenig zu laut klingenden Colon-Orchester zur Geltung. Auf der Bühne machte Regine Crespin ein bejubeltes Rentrée. Die gefeierte fran zösische Heroine, die wir als „Marschaliin“ und später in der Rolle der „Kundry“ bewundern konnten, zeigte ihre vollkommene Wandlungsfähigkeit aufs neue in der ebenso dankbaren wie schwer zu erfassenden „Tosca“, die sie überwältigend sang und gestaltete. Ihr ebenbürtiger Partner „Cavaradossi“ war der uns gleichfalls bestens vertraute Tenor Gianni Raimondi, der den patriotischen Maler über sich selbst erhob; und der Dritte im Bunde: Giuseppe Taddei der sadistisch-dynamische Polizeichef „Searpia“, der seine Partie mit nicht alltäglichem Einfühlungsvermögen zum Leben erweckte. Einige hiesige Sänger vervollständigten zufriedenstellend das Ensemble. Der Chor unter Tulio Boni sang wieder gressartig. Leider konnte auch diesmal der Regisseur Carlo Maestrini nicht über den Schatten seines Konventionalismus springen; man hatte den Eindruck, dass die Vorstellung ohne Regie vor sich ging. Laut Programm waren Bühnenbilder und Kostüme von Attilio Colonello neu entworfen und angefertigt worden. In unserer Erinnerung unterschieden sie «ich in nichts von den vorher gekannten. Es gab langen und intensiven Beifall; es hätte nicht einmal der wie immer störenden Claque bedurft, die völlig unnötigerweise und nur, um ihre Existenz zu rechtfertigen, in die Arien „hineinklatschte“. TEATRO COLON Viernes 22 a las 21: función extraordinaria: "Tosca“ de Puccini. Sábado 23 a las 17.30 hs.: 2a. función del abono a 2: recital Andrés Segovia. A las 21: 5a. función del rbono sábados nocturnos: “Pelleas et Melisande“ de Debussy. Domingo 24 a las 17 hs.: 5a. función del abono domingos vespertinos: “Pelleas et Melisande“. Lunes 25 a las 21.30 hs.: 4a. función del abono a 8: concierto de la Orquesta Filarmónica de Bs. Aires. Director: Enrique Jordá. Solista: André Tschaikowsky (Piano). Martes 26 a las 21 horas: función extraordinaria: “Peüeas et Melisande“ de Debussy. Jueves 28 a las 21 horas; función extraordinaria: Tosca. de Puccini. «, lIHS*SiSg**«*S»KSS*S*iii3Sii Teafro Solei! ] CORRIENTES 3150 5 T. E. 86-2307! i ** | Täglich um 22 Uhr 5 1 Sonntag 18 und 22 Uhr £ i «! Letzte 4 Vorstellungen £ : MAX PERLMAN 1 j und * i GITTA GALINER | > T ■ in dem musikalischen >• \ Lustspiel S Ü WENN MAN LEBT, £ : ERLEBT MAN! £; Musikalische Leitung: j! Kapellmeister ■! HERRMANN LUDWIG * S £Ü i Dcutfchus Ilumtcr AM 2. JULI BEGINNT DIE D1ESJAEHRIGE SPIEL¬ ZEIT MIT ERFOLGREICHEN WERKEN: »EINE ETWAS SONDERBARE DAME“ Komödie von John Patrick »INGEB0RG“ Komödie von Curt Götz »DER MANN MIT DEM ZYLINDER“ Musikalisches Lustspiel von Scheu und Nebbut »NUN SINGEN SIE WIEDER“ Versuch eines Requiems von Max Frisch »EINSAME MENSCHEN“ Drama von Gerhart Hauptmann »DAME KOBOLD“ von Calderón de la Barca - Hugo von Hofmannsthal oder „GEFAEKRLICHE KURVE“ Schauspiel von J. B. Priestley Neben dem ständigen Ensemble aus Buenos Aires konnten bis jetzt der dem Publikum vom Vorjahr bekannte Schauspieler und Regisseur KLAUS JAEGEL, ferner die aus Berlin stammende EVELYN MAI KA und der aus Köln kommende WOLF SCHLAMMIN- GER verpflichtet werden. Die Vorstellungen werden wie bisher im TEATRO ODEON, Esmeralda 367, an folgenden Tagen stattfinden: jeweils Montag um 21 Uhr, Mittwoch, Donnerstag und Freitag um 19 Uhr 30, sowie Sonntag um 15 Uhr 15. Der Abonnementsverkauf im „Teatro Odeön“ hat bereits begonnen. Ab Freitag, den 22. Juni, Verkauf von Einzelkarten für die Komödie von JOHN PATRICK; „Eine etwas sonderbare Dame“. Die Theaterkasse ist werktags ausser Sonnabendvon 10—12 und von 34—19 Uhr geöffnet.