Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1964 (15.6.1962)
- Date
- 1962-06-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/9616703-9612947-9613276--2157-9613279- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vierues, 15. de Juai« de 1962 SEMANA ISRAELITA ü.i4 A'XHI. — «>. 1964 — kk paetlinge des 3. Reiche Der Dritte Strafsenat des Bundesgerichtshofes hat vor kurzem die Frieihofschänder von Salzgitter zu Zuchthaus- und Gefärgnisstrafen verurteilt. Der Haupttäter, der 31 Jahre alte Elekti’omonteur Günter Sonnemann aus Wolfenbüttel, erhielt wegen Denkmalsbesehüdigung in verfassungsfeindlicher Absicht, Friedhcfschändung sowie Verabredung zur Gründung einer geheimen, verbrecherischen und auf Sprengstoffanschläge zielenden Organisation, begangen in verfassungsfeindlicher Absicht, eine Zuchthausstrafe von sechs Jahren. Den 3Gjährigen Maschinenschlosser Edelmuth Dietze aus Salzgitter-Thiede verurteilte der Senat zu zweieinhalb Jahren Gefängnis. Der 22jährige Kraftfahrer Bern- Detlev Ebert aus Braunschweig, der sich an der Friedhofschändung nicht beteiligte, wurde zu einem Jahr Jugendstrafe verurteilt. Die Strafe gegen ihn wurde zur Bewährung ausgesetzt. Je elf Monate der erlittenen Untersuchungshaft werden beiden auf die Strafe angereehnet. Sonnemann werden die bürgerlichen Ehrenrechte für fünf Jahre aberkannt. Polizeiaufsicht ist zulässig. Zusammen mit einem Syrer, der sich nicht mehr in der Bundesrepublik aufhält, und einem inzwischen verstorbenen Deutschen hatten Sonnemann und Dietze in der Nacht zum 20. April 1957 auf dem Ausländerfriedhof ,,Jammertal“ bei Salzgitter- Lebenstedt einen zum Andenken an im KZ ermordete Juden aufgest eilten Obelisken umgestürzt, Grabplatten umgedreht und an einem Kreuz eine Strohpuppe aufgehängt, die ein Tappschild mit der Aufschrift „Deutschland erwache — Israel verrecke“ trug. Erst vier Jahre später wurden die Täter festgenommen, als die Sicharheitsbehürden sich rr.it einer neonazistischen Verschwörergruppum Sonnemann befassten. Auch in der Verhandlung hatte sich Sonnemann als überzeugter Nationalsozialist bezeichnet. In zwei Besprechungen war von Sonnemann, Dietze und Ebert unter anderem erwogen worden, durch „Umlegen führender Persönlichkeiten“ und durch Sprengstoffanschläge die Oeffentlichkeit aufmerksam zu machen. Zur Sprache gekommen war auch die Bildung eines „Freikorps Grossdeutschland“, das nach nationalsozialistischen Vorbildern organisiert werden sollte. Bei der Festnahme.Sonnemanns und Eberts hatte die Polizei Pistolen gefunden Ebert, der zur Zeit des Geschehens noch ein Heranwachsender war, hatte sieh ausserdem mit Sprengstoffversuchen beschäftigt. Dietze und Ebert behaupteten, in der dreitägigen Verhandlung, sie hätten Sonnemanns nazistische Reden und Planungen nie ernst genommen In der Urteilsbegründung bezeichnet^ Bundesrichter Kurt Web.r die Art und Weise als besonders verwerflich, in der die Verurteilten in unflätiger Weise Juden beschimpften. Der Verurteilte Sonnemann sei ein fanatischer Nationalsozialist, der wieder den Terror einführen wollte. Er und seine Mitverurteilten hätten wieder jenes Recht einführen wollen, durch das die MALERARBEITEN Rosenhain Günter Stern, H. t LEANDRO N. ALEM 2530 l T. E.: 795 8710 und 740-1925 MUNRO < Teppichhaus - M. Hochberg j [UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKUUPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN « FUER JEDES GEMUETLICHE HEIM. Eigene Fabrikation — Unverbindliche Vorführung Auf Wunsch Zahlungserleichlernngen < MASCHINENTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GROESSEN. AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. Verkauf an Private nur Samstag und Sonntag ♦ von 9—19 Uhr im Ausstellungsüaus CalJe ANDONAEGUI 2083 4 Quader vo- Station Urquiza MuHBLES _ WaltíTiiLanrc ♦ MODERNE WOHN- UND SCHLAFZIMMER ♦ EINRICHTUNGEN — SESSELGARNITUREN t SARMIENTO 1147 ♦ PAMPA 4979 esq. Triunvirato — T. E. 519561 t AUTO - REPARATUR . WERKSTATT „BEÑO” | BEÑO HUTSCHNECKER j Avda. CONSTITUYENTES 4902 j T. E. 51 - 2205 ] (Ecke Monroe) Freiheit und die Menschenwürde mit Füssen getreten worden seien. Dieses Sys1 em, das mehr Schaden an- 0erichtet habe als man glauben könne und das den deutschen Namen o-.fleckte. habe das deutsche Voll, mit einer Hypothek belegt, die noch lange auf ihm lasten werde. Trotzdem müsse gesagt werden, dass es sich bei den drei Verurteilten um einzelre Personen handelte und keineswegs um eine grössere Gruppe, durch die der Nationalsozialismus wieder aufleben körne... Bundes1' bter Weber betonte: „Der Nationalsozialismus ist politisch tot, auch wenn es „och vereinzelte Nationalsozialisten da und dort gibt.“ Die Verurteilten bezeichnete er als überaus gefährliche Anhänger des nationalsozialistischen Systems, Tie aber nicht ln der Lage gewesen seien, die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen. Allein ihr Wille jedoch, eine Terrorgruppe aufzustellen, veranlasse das Gericht, mit aller Schärfe einzugreifen. Die Oeffentlichkeit müsse erkennen, dass c!l- Zeiten des Nationalsozialismus ein für allemal vorbei seien. Die Friedhofsschändung sei eine Planung des Angeklagten Sonnemann gewesen betonte Bundesrichter Weber. Sonnemann habe damit nach seinen eigenen Tagaus, tagein unverwüstlich ist der Ein Anzug der allen Strapazen gewachsen ist. Sein Preis: $ 3.9Ö0.— IHR AN FREUND TAGEN, GUTER KALTEN DER GARLT0N - MANTEL in klassischer und moderner Form. Und wenn Sie Masskleidung wünschen, erst recht zu uns! ★ Zum Vatertag; 17. Juni in unserem Ausstattungs- Geschäft. Maipü 982, grosse Sortimente in: Bügelfreie Hemden Lavi-Listo, Manhattan, Taslan, Integrals- Popelinehemden, Sporthem den, Schlafanzüge aus Popeline und Flanell, Krawatten (importierte in Exklusivmustern und nationale, Spezialangebot: Taschentücher aas engl. Batist $ 65.—, Morgen rocke u. a. m. Worten ein „nationalsozialistisches Fanal“ ¿.ufrichten wollen. Der Senatsvorsitzende meinte, es stehe ausser Zweifel, dass es sich bei dieser Schandtat um ein „Vergehen im Sinne des Nationalsozialismus und insbesondere sei..es Kernes, des Antisemitismus, handelte. Mit der verabredeten Gründung des Freikorp Grossdeutschland“ habe Sonnemann versucht, die verfassungsmässige Ordnung n Westdeutschland zu untergraben, denn wer für den Nationalsozialismus Propaganda mache und andere damit ansprechen wolle, verbreite ein Unternehi-.en, das in schärfstem Gegensatz zur freiheitlich demokratischen Grundordnung stehe. Bundesanw.lt Joachim Lösdau hatte eine Zuchthausstrafe von sechs Jahren für Sonnemann bean tragt; für Dietze eine Gefängnisstrafe vor. drei Jahren und für Ebert eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren. Bei der Begründung seiner Anträge betonte Bundesanwalt Lösdau, es sei wichtig, dass die Justiz den Anfängen wehrt. Bei den bisher in Karlsruhe verhandelten Verfahren gegen Rechtsradikale. seien noch nie so primitive und so stark auf Gewalt ausgerichtete Bestrebungen zu beurteilen gewesen wie diesmal. Sonnemann und Dietze h"tten vorsätzlich unu rechtswidrig bei der Schändung des Friedhofes „Jammertal“ eine öffentliches Denkmal und Grabmäler beschädigt sowie an einer Beisetzungsstätte beschimpfenden Unfug getrieben. Sie hätten auf Verabredung gehandelt. Als Ziel habe den Angeklagten ein Geheimbund vorgeschwebt, der Mord- und Sprengstoffanschlägr verüben sollte. Bei der Würdigung der Straftatbestände bezeichnete Staatsi...walt Dr. Wunder die Angeklagten als „Spätlinge des Dri ten Reiches“, die zur Zeit des Nationalsozialismus nicht m.'.'.r zum LA SEMANA ISRAELITA BLSEMANARIO INDÜPKN UlfcNT t * 8s. Aires - PUEYRHELON 21?0. lv nq - I E. 83 2S; 1.1. Siwan 5722 15. Juni 13«2 Zuge gekommen seien, ffa, sie sich insbesonde.e im Hinblick auf die Schändung des Friedhofs „Jammertal“ leisteten, suche an Frivolität seinesgleichen. Die Angeklagten hätten sich auch mit dem Gedanken getragen, das Ehrenmal auf dem Gelände des ehemaligen KZ Bergcn-Belsea in der Lüneburger Heide in die Luft zu sprengen, sagte der Staatsanwalt. Ueber die Wirkung einer solchen Tat auf das Ausland brauch: man kein Wort zu verlieren. TIan habe auch ganz ernstlich erwogen, eine Reihe führender Persönlichkeiten durch Attentat: zu beseitigen, insbesondere Juden und Politiker. Die Hauptverhandlung vor dem Dritten Strafsenat des Bundesgerichtshofes habe klar gezeigt, sagte Dr. Wunder, dass Sonnemanns neonazistische Bestrebungen in der Bundesrepublik niemals hätten Erfolg haben können. Es müsse aber auf den ideellen Schaden hingewiesen werden, der immer wieder durch „die Sonnemanns“ angerichtet wird. Als unangemessen hoch bezeichneten die drei Verteidiger die vom Vertreter der Bundesan altschaft beantragten Strafen. Die Verteidiger Sonnemai.rs und Dietzes verurteilten die Schändung des „Jammertal“-Friedhofes, meinten jedoch übereinstimmend, dass die Zusammenkünfte der Sonnemann-Gruppe lediglich „Frühschoppen - Gespräche“ gewesen seien. Keineswegs seien dabei ernst zu nehmende- Vorbereitungen zu umstürzlerischen oder anderen verbrecherischen Aktione: beschlossen worden. Dietzes Verteidiger meinte, nur Sonnemann könne als überzeugter Nationalsozialist angesprochen werden Dietze habe sich um politi- Nacäa 17 Jahren Ein Schweiz.rische. Rcchl.-.- amvait, der zu Besuc.e i.i Wien weilte hatte hier e.a Erlebnis, das er der Wie.,er Stadtverwaltung mitgeieiit hat. In seinem Brief an ciese Behörde heisst cs unter anderem: ..Am heutigen Tage machte ich einen - iinkauf in einer Apotheke in der Wiedner Hauptstrasse. Nach der Bezahlung fiel mir auf, dass auf dem Verkaufspult, für das Publikum gut sichtbar, ebenso natürlich für die in der Apotheke Beschäftigten, ein pharmazeutisches Nachschlagebuch lag, das auf dem Einbanddeekel ein grosses farbiges, eingeprägtes Hakenkreuz trug. Es war offensichtlich, dass es sieh um ein laufend benütztes Naehschlagweik handelt. Ich fragte die Pharmazeutin, die mich bedient habe, wie das Hakenkreuz im Einklang mit der Verfassung und den Gesetzen der Republik Oesterreich gebracht werden kann. Keine Antwort Ebenso folgte ein trotziges Schweigen, als ich mich erkundigte, wer hierfür 17 Jahre nach 1945 die Verantwortung trägt.“ Im weiteren meint die er Schweizer in seinem Briefe, dass die beschriebene Tatsache eine Herausforderung aller gutgesinnten Menschen ist und eine Verspottung dev Gesetze der Rrpuh’ik Oesterreich darstellt. - Wien (IPN). sehe Zusammenhlnäge nicht gekümmert, sondern sei aus Freundschaft zu Sonnemar.n mit zu den Besorechungen gegangen. Der Verteidiger wies darauf hin, dass Die ze die Fri?dhofsschünrhing bitter bereue und eine STr>fe dafür als Gehilfe auch nach eigener Einsicht vierdiene. (Bericht aus A.iVä.) Herrenbekleidung Maipú 484 I T.E. 31-7841. Herrenausstattung laipú 982 T. E. 31 335. ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ★ RÜCKERSTATTUNG jetzt auch für luden aus Polen, ANMELDUNGSMOEGLICHKEITEN für alle, die nach dem L 10. 1953 aus Laendern hinter dem eisernen Vorhang auswandern konnten. SPRECHSTUNDEN: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr ★- Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Verwalt un gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen, PUEYRRED0N 2190 esq Av, LAS HERAS — T. E. 83-26 U mm IÍSS3I5II