Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1963 (7.6.1962)
- Date
- 1962-06-07
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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lei“! “ -« 1 FRANQUEO pagado Concesión 908 : ir — i u £ I TARIFA W REDUCIDA Concesión 1G29 ISRAELITA Año XXIII. BUENOS AIRES. JUEVES 7 DE JUNIO DE 1962 No. 1963 EL EJEMPLAR 111 . en toda la República *w* PUEYRREDON 2190 1? ta* T. E. 83 2613 Buenos Aires Prozess “Kristallnacht” Mitte des Monats Mai fand in einer westfälischen Stadt ein Prozess gegen zwei ehemalige SA-Männer statt, der uns noch einmal in jene schreckliche Zeit des Terrors und der Willkür zurückführte, die einen ihrer tragischen Höhepunkte vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges in der sogenannten Kristallnacht hatte. Der Prozess dauerte nur zwei Tage und spiegelte die jüdische, aber auch die deutsch? Tragödie in vielen Aspekten wider. Ein deutscher Diplomat in Paris war von einem jungen Juden ermordet worden. Die Motive dieser Tat wurden niemals völlig geklärt. Jedenfalls nahm die nazistische Regierung die Tat eines einzelnen Juden zur Veranlassung, zum fadenscheinigen Vorwand, nunmehr alle Juden hierfür zur Verantwortung zu ziehen. Dies geschah durch Mord, Brandstiftung, Plünderung, Raub. Diebstahl und eine Unzahl weiterer Verbrechen, deren Opfer die deutschen Juden, ihre Synagogen und Häuser gewesen sind. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 fand ein über ganz Deutschland bis in-die Einzelheiten organisiertes Pogrom statt, das sich einige Tage lang hinzog. Die Gotteshäuser gingen zur gleichen Stunde in Flammen auf. die unsichtbar weiterbrannten. bis sie nach dem Sturz des Dritten Reiches gelöscht werden konnj lieh getrunken ten. Nunmehr standen in Paderborn zwei Angeklagte vor ihren Richtern, die damals ,,mitgemacht“ haben. In einer ostpreussischein Kleinstadt organisierte sich die SA. um in jener trüben Stunde ihren eigenen Krieg gegen die Juden zu führen. Natürlich kannten die meisten sich seit Jahren. Bis zur Nazizeit hatten alle mehr oder weniger friedlich zusammengelebt, bis die R-assentheorien Unterschiede zwischen Menschen und Menschen machten. Man hatte auch das nicht immer so ernst genommen. Aber schliesslich war Hitler bevon B. B. SAMUEL Macht, als die Befehle zum Morden und Plündern in der Kristallnacht gegeben worden waren. Nach dem Bericht der „Westfalenpost“ müssen die beiden Angeklagten Männer von einer erschreckenden Primitivität sein. Der eine erklärte z B., er sei seinerzeit in die SA eingetreten, weil er sich für Blasmusik interessiert habe... Immer- hin hat auch dieser Blasmusikfreund zusammen mit j dem Mitangeklagten in der I Kristallnacht mindestens einen Juden ermordet. Der Richter will wissen, welche Einstellung die Angeklagten zu den Juden im allgemeinen gehabt haben. Der eine antwortet: „Ich habe überhaupt keinen Hass auf die Juden gehabt, habe mich mit solchen Dingen überhaupt nicht beschäftigt.“ — Umso erstaunlicher dürfte 1 es sein, mit welcher Leicht-! fertigkeit er sich an dem! Pogrom aktiv beteiligt hat. Der andere wiederum meinte: ,.Neutral, wüe gegenüber jedem anderen!“ Der eine empfand keinen Hass gegenüber die Juden, der andere war neutral. Trotzdem zogen die beiden, zusammen mit einem dritten Kumpan, mitten in der Nacht los, um den „von den Juden“ ermordeten deutschen Diplomaten zu rächen. Man hatte schon reichda man an diesem Abend der ..Toten der Bewegung“ gedachte. Es war ein eigenartiges Gedenken; der Schmerz um die Toten wurde in-Alfft?hol ertränkt .. Inzwischen war die Synagoge des Ortes angesteckt Mutter von vier Kindern, durch Durchschneiden der Halsschlagader getütet. Das waren zwei Mordfäll? in der kleinen Stadt, wo sie SA iibel gehaust hatte. — Bemerkenswert an der Verteidigung der Angeklagten sind die Versicherung, nichts gegen Juden gehabt oder empfunden zu haben, und die Behauptung, unter der Einwirkung des Alkohols vorgegangen zu sein. Natürlich beriefen sich auch diese Angeklagten auf den berühmten höheren Befehl, der sie veranlasste. diese Tat zu begehen, die in diesem Fall von den Angeklagten bereut worden ist. Noch bemerkenswerter aber als die beinahe schablonenhafte Verteidigung der Angeklagten ist das Urteil, das Ueberraschung ausgelöst hat. Während der Staatsanwalt für di? beiden Angeklagten wegen Mordes und versuchten Mordes lebenslängliches Zuchthaus beantragt hatte, fiel die Strafe mild? aus. Der eine Angeklagte, der den jüdischen Maler und Anstreicher erstochen hatte, erhielt fünf Jahre Gefängnis, der andere, der einen Schwager des Ermordeten schwer verletzte, dagegen nur 3 Jahre. Gefängnis. Die erlittene Untersuchungshaft wurde angerechnet. Der eine der Angeklagten wollte selbst nicht daran glauben, dass er mit Hiife dieser Verrechnung frei war und nach Hause gehen konnte. Def Vorsitzende führte mit scharfen Worten aus, dass die Vorgänge während der Kristallnacht für Deutschland beschämend gewesen seien. Viele Deutsche, so erworden. Die SA formierte! klärte der Vorsitzende, hät sich für die Hausbesuche bei den Juden in Trupps zu drei Mann, die alle merkwürdigerweise gut bewaffnet waren. Gegen Mitternacht drangen sie in die jüdischen Wohnungen ein. Die Angeklagten erstachen einen ..jüdischen Maler und Anstreicher“, wie es in der Anklage hiess, und von einem anderen S'osstrupp ten sich ohne Anlass dazu hergegeben, Rache an den jüdischen Mitbürgern zu üben, „die niemandem etwas getan hatten, und genau so im deutschen Volke mitarbeiteten wie alle anderen Deutschen auch.“ — Obwohl der Richter sich deutlich von den Missetaten des 10. November 1938 distanzierte kam er doch zu einer beinahe unbedeutenden Sühne der Verbrechen. Es besteht keine Veranlassung. dem Gericht etwa nazifreundliche Motive vorzuhalten. Denn hätte das Gericht ein? pronazistische Gesinnung bekunden wollen, dann hätte der Vorsitzende nicht in so scharfer Form die Verbrechen zu verurteilen brauchen, wie er es tatsächlich getan hat. Es waren juristische Gesichtspunkte. die zu diesem milden Urteil führten. Nicht Mord läge vor. sondern Totschlag. Man könne nicht beweisen, dass die Angeklagten die Absicht gehabt haben. Juden zu ermorden. Sie totzuschlagen, das nahmen sie wohl in Kauf, einen Mord beabsichtigt, nein das haben sie wohl nicht, meinte das Gericht. Derartige juristische Umwege tragen nur dazu bei, die klaren und lebendigen Rechtsvorstellungen eines Volkes zu erschüttern. Hierin liegt eine Gefahr, die man nicht übersehen sqllte. Deswegen ist das Paderborner Urteil als eine Fehlspekulation zu betrachten. Obwohl beide Angeklagte nichts gegen Juden hatten, wie sie jetzt erklärten, waren sie sofort bereit, bei einem nächtlichen Ueberfall mitzuwirken, trugen Waffen bei sich und machten von diesen Waffen Gebrauch. Sie waren zu allem bereit, auch zum Mord: das haben sie damals bewiesen. Ben Gurion aniworlet Nasser Haifa. — Ministerpräsident David Ben Gurion erklärte, es wäre „ein grosses Unglück für Israel, die drohende Gefahr von jenseits seiner Grenzen zu vergessen“. Dies war eine direkte Anspielung auf eine kiirzliche Drohung Nassers. Ben Gurion empfing im Technion den Titel eines Ehrendoktors der Architektur. Bei dieser Gelegen heit führte er aus er sei nicht sicher, dass das Wort „Architekt“ der geeignete Ausdruck für den Prozess des Aufbau eines Staates sei, „denn für einen Staatsmann ist es das Wichtigste, über das nötige Material zu verfügen ebenso wie der Töpfer für sein Werk Ton braucht, und nicht der Boden oder die Macht der Souveränität ist hier ausschlaggebend.“ Der Ministerpräsident wies darauf hin, dass nur 16 Prozent unseres Volkes in unser Land zurückgekehrt seien, doch selbst unter diesem kleinen Bruchteil herrschen auf materiellem und kulturellem Gebiet „besorgniserregende Unterschiede, und zwischen unseren Gemeinden klafft ein gefährlicher Abgrund.“ Hier übte Ben Gurion indirekt Kritik an den israelischen Akademikern, die im vorigen Jahr in Streik traten, um höhere Gehälter zu erzielen, als er sagte: „Selbst unter deneü. die einen gewissen, nicht zu verachtenden Wohlstand erreicht haben, besitzen nicht alle die nötige Verantwortung und den Willen, sich dem Wohl der Allgemeinheit unterzuordnen. „Wir können unser Ziel nur erreichen, wenn ein jeder Jude, in Israel und in anderen Ländern, mitarbeitet und Opfer bringt, und dies gilt besonders für die Arbeiter und Wissenschaftler im Land. Mein ganz Leben habe ich für die Einigkeit zwischen diesen beiden Schichten der Bevölkerung gekämpft, für die Einigkeit zwischen denen, die mit ihren Händen, und denen, die mit dem Hirn schaffen.“ (ITA) UNABHAENGIGKEIT TANGANJIKAS ZEUGEN WERDEN GESUCHT reits fünf Jahre an derj wurde eine jüdische Frau luden, die aus Kuba flüchten | New York. — Granvill? de Leon und Felix Schalom, Präsident und Vizepräsident des Comités für die j kubanischen Flüchtlinge der Jüdischen Gemeinde von j Jamaica, konferierten mit James P. Rice, dem amtiei renden Direktor des United Hias Service und ande: j ren Beamten dieser Organisation. Zur Beratung stand I das Hilfsprogramm für die Flüchtlinge aus Kuba, die in Jamaica vorübergehende Zuflucht gefunden haben. . Bisher hat das Comité dieser Insel mit Unterstützung! der Regierung und unter Anleitung der Hias 1.100 jü- I dische Einwanderer aus Kuba aufgenommen. Wie die Repräsentanten dieses Comités mitieilten, j hat der Hias schon 200000 Dollar für die Ankömmj linge aus Kuba zur Verfügung gestellt. Diese Summe! diente dazu, die Flüchtlinge unterzubringen, sie zu j verpflegen, die Kosten der Visen und den Transport j von Jamaica nach den Vereinigten Staaten zu bestreiten. „Fast alle kubanischen Flüchtlinge wurden in j den USA angesiedelt, während einige Familr?n in Kanada und Lateinamerika Aufnahme fanden“, be-. richteten die Emiiw-äre. „Noch treffen zahlreiche jüdische Flüchtlinge zum zeitweiligen Aufenthalt in Ja-| maica ein, und wir sind den dortigen Behörden und der jüdisch?n Gemeinde für ihre Hilfe in der Vergangenheit und ihr Versprechen zu weiterer Mitarbeit dankbar.“ (ITA) Betrifft: Ermittlungsverfahren gegen Wolfgang Otto, Otto Barnswald. Prinz Josias zu Waldeck, August Bender, Anto'n Bergmeister, Arthur Diezsch, Hans Eisele, Philipp Grimm, Heinrich Hackmann, Gustav Heigel, Peter Merker, Guido Reimer. Helmut Roscher, Albert Schwarz, Walter Wendt Franz Zinnecker wegen Verdachts der Beihilfe zum Mord (NSG). Bei der Staatsanwaltschaft in Köln ist ein umfangreiches Ermittlungsverfahren gegen die Obengenannten anhängig. Es handelt sich dabei um Personen, die entweder der Wachmannschaft oder der Verwaltung des Konzentrationslagers Buchenwald angehörten. Der Beschuldigte, Prinz Josias zu Waldeck. war Höherer SS-Fiihrer für der. räumlichen Bereich, in dem das KZ-Lager Buchenwald lag. Es besteht der Verdacht, dass die Beschuldigten sich der Tötung von KZ-Häftlingen schuldig gemacht haben Alle Beschuldigten sind bereits im Jahre 1947 von einem nordamerikanischen Gericht im sog. Buchenwald-Prozess wegen ihres Verhaltens gegenüber Häftlingen verurteilt worden. Sie befinden sich aber nach Verbüssung der Teilstrafen wieder auf freiem Fuss. — Das Verfahren vor dem USA. - Militärgericht erstreckte sich jedoch nur auf Straftaten, die die Beschuldigten gegenüber ausländischen Häftlingen begangen hatten. Ziel des staatsanwaltschaftlichen 'rmittlungsverfahrens ist es. festzustellen, ob und gegebenenfalls welche Straftaten die Beschuldigten gegenüber deutschen Staatsangehörigen begangen haben, wobei darauf hingewiesen wird, dass ausser Mord und Beihlife zum Mord sämtliche anderen Straftaten verjährt sind. Ausländische Zeugen, die bereit sind, in Deutschland auszusagen, erhalten, sofern sie von der Staatsanwaltschaft oder d„m Gericht geladen werden, die Reiseko-j sten den Vorschriften entf sprechend erstattet. Selbstverständlich werden auch an inländische Es ist ungewöhnlich, dass ein Staat einem anderen eine so prächtige Feier zu Ehren seiner Unabhängigkeitserklärung bereitet, wie es in Jerusalem vor kurzem zu Ehren des neuen afrikanischen Staates Tanganjika geschah. Der Saal der „Binjane Haura“ war bis auf den letzten seiner 3.000 Plätze gefüllt. Es wurden Glückwünsche des Präsidenten von Tanganjika sowie des israelischen Premiers, David Ben Gurion, der zu dieser Zeit auf Staatsbesuch in Burma weilte, verlesen. Dann folgten kurze Ansprachen der Botschafter der vielen afrikanischen Staaten, die in Israel weilen. Israels Erziehungsminister Abba Eban hielt die Festrede. Eban sprach über die tiefgehenden Veränderungen auf dem Kontinent Afrika, die Israel im Laufe seiner 14jährigen Unabhängigkeit gesehen hat, und über die Gefühle der Sympathie, die es allen Ländern entgegenbringt, die sich ihre Unabhängigkeit erkämpfen. Er erwähnte auch die vielen hundert Studenten und Praktikanten der 29 Staaten Afrikas, die an Israels Instituten wie der Hebräischen Universität, des Technikums, der ORT-Schulen, dem Wingate-Institut, den Landwirtschaftsschulen wie in den Kibbuzim lernen. Der ihre Nationalflagge tragenden Studentengruppe von Tanganjika wurde ein Geschenk des Staates Israel, eine schön verzierte, silberne Me nora überreicht. Der zweite Teil der Feier bestand in Volkstänzen der verschiedenen Vertreter der afrikanischen Staaten, belebt durch die bunten und interessanten Trachten vieler Provinzen und Stämme sowie ihrer originellen Instrumente wie Handschellen, Trommeln und des „Tamtam’. Nach dem offiziellem Teil fanden israelische und afrikanische Volkstänzein bunter Mischung statt. Dieses Fest war viel mehr als eine Darbietung zu Ehren eines jungen Staates — es war der Ausdruck der warmen israelisch-afrikanischen Freundschaft. Der Landwirtschaftsminister Israels, Mosche Dayan, der den Unabhängigkeitsfeiern in Tanganjika als Reprä sentant Israels beigewohnt hatte, überreichte Israels Geschenk in Form von 100 Stipendien zum Studium an zehn verschiedenen israelischen Schulen. gebäude, AppelhofpTatz, — zum Aktenzeichen 24 Js 540- 661 (Z). — b) an den Zen- ,,. . _ „ tralrat der Juden in Zeugen di? üblichen Zeugen- Deutschland, Düsseldorf, Figebuhren gezahlt. ( scherstrasse 49. Sachdienliche Angaben wer- Zwei Nazimoerder verhaftet Wien. — Die Polizei von Salzburg meldete die Verhaftung der Brüder Johannes und Wilhelm Maurer, die angeklagt werden, an Massenerschiessungen in der polnischen Stadt Stanislaw im letzten Krieg beteiligt gewesen zu sein. Die beiden Brüder arbeiteten unter falschem Namen als Angestellte in einer protestantischen Hilfsorganisation und waren in dieser Eigenschaft verschiedentlich mit Vertretern jüdischer Hilfsverbände zusammengetroffen. Die Polizei gab an, sie hätten nicht früher festgenommen werden können, weil der Haftbefehl auf den Namen „Maurer“ lautete. (ITA) den erbeten a) an die í Registro de la Propiedad Intelectual No. 656 635 Staatsanwaltschaft bei d.em ' ——---- Landgericht in Köln, Justizr impreso en la Imrrenta POLIGLOTA — Rivada/ia 831