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Jüdische Wochenschau · 1962-05-26 · 1961 (26.5.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1961 (26.5.1962)
Date
1962-05-26
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German, Spanish
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FRANQUEO PAGADO e ea e c Concesión 908 t fi ¿ M S W U 4, TARIFA REDUCIDA < U Concesión 1629 Afio XXIII. BUENOS AIRES, SABADO 26 DE MAYO DE 1962 No. 1961 10,- EL EJEMPLAR en toda la República PUEYRREDON 2190 1? i7q. T. E. 83 2613 Buenos Aires CHAOS IM MITTELOSTEN Als der israelische Botschafter in Washington Abraham Harman den amerikanischen Aussenminister Rusk Mitte 1961 auf die Gefahren aufmerksam gemacht hatte, die sich aus einer arabischen Aufrüstung im Mittleren Osten ergeben . könnten, antwortete ihm I Rusk: „Was wollen Sie, der ' Mittlere Osten ist jetzt einer der ruhigsten Bezirke, wir , haben ganz andere Sorgen. | Geht es um oberflächliche Beurteilung der Situation, so hatte der amerikanische Aussenminister mit seiner Ein-; Schätzung sicher recht, denn während des ganzen Jahres hatte im Mittleren Osten eine mit früheren Jahren kaum vergleichbare Ruhe geherrscht, aber gerade die Wende des Jahres 1961 machte dieser Ruhe ein Ende und zeigte, dass unter der Oberfläche weiter heftige Gegensätze und Elemente des Chaos schlummern. Kurz von Jahresende wurde die Welt durch die Nachricht alarmiert, dass der britische Verteidigungsminister seinen Urlaub unterbrochen und Kriegsschiffe nach dem Mittleren Osten entsandt habe. Bis heute ist der wahre Grund dieser Alarm - Massnahmen nicht aufgeklärt, und die Vermutungen, dass man die Kriegsschiffe wegen neuer ' Gefahr in Kuweit entsandt habe, hat ebenso viel für sich wie die Annahme, dass Grossbritannien um seine . Position in Südarabien— Aden gefürchtet habe. Auf jeden Fall erfolgte die britische Aktion im Anschluss an Reden des irakischen Staatschef Kassem, der erneut mit der Eroberung des Oelfürstentums Kuwait gedroht hatte. Das Vorgehen der Inder in Goa hatte ihm Appetit gemacht, und auch er kennte darauf rechnen, dass die Russen den Sicherheitsrat durch ein Veto lahm legen würden. Aber bis heute hat Kassem seine Drohung nicht ausgeführt — zuletzt, weil inzwischen die kurdische Minderheit im Norden des Irak sieh erhob und erneut ihre Unabhängigkeit forderte. Irakische Truppen, die erst vorher einen Kurden- Aufstand grausam niedergeworfen und im Bezirk Mossul ein Blutbad veranstaltet hatten, mussten wieder eingesetzt werden. Dadurch waren sie für eine Kuweit- Aktion nicht verfügbar, und i Wie wird sich das Schicknatürlich beschuldigte Kas-' sal des Mittelostens nun gesem den westlichen Impegstallen? Nasser hat sich rialismus, und besonders die völlig der „sozialistischen Engländer, den kurdischen I Revolution” verschrieben, Aufstand gegen ihn angazet-, und ein Enteignungsdekret telt zu haben. jagt das andere in Kairo. I Das Regime wurde hundertprozentig ausländerfeindlich, so ausländerfeindlich, dass \sogar die Griechen — früher bewährte Freunde des ara- Kommt Oberlaender wieder? AUFSTAND IM LIBANON Die Auseinandersetzung um den Irak und Kuwait war noch im Gange, als die Nachricht über den Aufstandsversuch im Libanon kam. Der Libanon gilt im allgemeinen als der Hort der Stabilität im Orient und wird gern als „Schweiz des Mittleren Ostens” bezeichnet. Das Land kennt keine Währungs - Beschränkungen, das Finanzwesen blüht, und erst kürzlich wurde ein internationales Riesenhotel eipgeweiht, das den vielen Touristen zur Verfügung stehen soll, die nach Beirut kommen. Trotz der günstigen wirtschaftlichen Situation glaubte sich die rechtsradikale ailsyrische Partei stark genug, einen Aufstand zu riskieren. Nationalistische Erwägungen drängten die Freude am wirtschaftlichen Wohlstand zurück, und so schön wie bisher wird es mit der Freiheit im Libanan nicht mehr sein. Deun ( die libanesische Regierung! dürfte — nach Nieders^hla- , gung des Aufstandes der nationalistischen allsyrischen | Partei — die Parteien und die Presse unter strenge Kontrolle nehmen. Insbesondere sollen die Einkünfte I der Parteien und Zeitungen untersucht werden, weil . man ausländische Einflüsse ' fürchtet. Radio Kairo hatte 1 zur Frage der ausländischen Einflüsse seine eigene Deu-1 tung bereit: „Die Engländer standen hinter dem misslungenen Aufstandsversuch. ■ und britische Zerstörer kreuzten am Tage des Auf- | Standes in der Nähe der li-! banesischen Küste. NASSER — UND DIE SOWJETUNION Die hier geschilderten Aeusserungen politischer Unruhe im Mittleren Osten sind nicht die einzigen. Hinzu kommt noch der Abbruch der Beziehungen zwischen Kairo und dem Jemen, nachdem Abdel Nasser die Föderation Aegypten-Jemen aufgelöst hatte, die ohnehin nur auf dem Papier gestanden und keine praktische Bedeutung gewonnen hatte. Freundschaft mit Frankreich Paris. — Die Freundschaft zwischen Frankreich und Israel, die im Jahre 1956 während des Sinai-Feldzugs geschlossen wurde, wird niemals aufhören, erklärte Raymond Schmatlin. der Präsident der degaullistischen Partei auf einer Versammlung der französischen Zionistischen Föderation. Er fügte hinzu, die Juden in der Welt und in Israel müssten verstehen, dass die „gegenseitige Bindung und Solidarität zu fest und tief sei, um eine Aenderung zu erfahren.“ „Können Sie sich vorstellen“, führte der Redner aus, „dass Präsident de Gaulle den Drohungen Nassers weichen oder dass Frankreich seine Hilfe an Israel einstellen könnte? Ganz im Gegenteil, Frankreich wird Israel weiter unterstützen und seinen Anschluss an den Gemeinsamen Europamarkt befürworten und dies wird dazu beitragen, die Stabilität und Sicherheit des Landes zu festigen.“ Schmatlin unterstrich, dass Israel nicht nur Frankreich brauche, sondern Frankreich brauche auch Is rael, das sein Verbündeter sei. Botschafter Walter Eytan und der Grossrabbiner von Frankreich ergriffen auf dieser Veranstaltung ebenfalls das Wort. (ITA) bisch-ägyptischen Nationalismus — das Land am Nil; verlassen mussten. Für Nasser ist alles, was seinen Sozialismus ablehnt, Reaktion. Daher ist er in scharfen Gegensatz zu den arabischen Königen in Saudi Arabien, in Transjordanien und im Jemen geraten. Ais nächstes Resultat seiner Politik ist eine Lahmlegung der Arabischen Liga zu erwarten, und der Chefredakteur der führenden kairoer Zeitung „Ahram”, der als Sprachrohr Nassers gilt, I kündigte schon an, dass Aegypten nicht zögern werde, ■ die Arabische Liga aktionsj unfähig zu machen, wenn I die „Reaktion Nasser Widerstand leisten würde.” Der einzige arabische Potentat, der heute als Partner für Nasser in Frage kommt, ist der irakische Staatschef Kassem, der gleichfalls als | Diktator mit sozialistischrevolutionären Neigungen! herrscht. Kassem ist sehr an einer Verständigung mit Kairo interessiert und wollte sich die wohlwollende Neutralität Nassers im Falle eines Vorgehens gegen Kuweit sichern. Im Orient wird heute allgemein von einer „Achse Nasser-Kassem” gesprochen, aber noch hat sich Nasser zu dieser Art von Politik nicht entschlossen können, die den Abbruch sämtlicher Verbindungen zu den anderen arabischen Staaten bedeutet hätte. Aber die Fortentwicklung der „sozialistischen Revolution“ in Kairo wird naturnotwendigerweise eine solche Politik zur Folge haben, : und ihr Nutzniesser im in- : ternationalen Masstab wird | die Sowjetunion sein. Heute ' dementiert Kairo zwar die . Meldungen über Ueberlassung von Marinebasen an! die Russen; aber die mit; dem Wesen des heutigen; Regimes in Aegypten ver- I bundene Entfremdung vom J Westen wird zu einer weite-; ren Annäherung an den; Osten führen. Heute besuj chen russische Wirtschafts-! delegationen Kairo, um über j Beschleunigung des Baus : des Dammes von Assuan zu j verhandeln. In kurzer Zeit werden ihnen militärische j Berater folgen. Moskau liej fert sowohl an Kairo als j auch an Kassem Waffen, um das Gleichgewicht zwischen j beiden aufrecht zu erhalten, und natürlich wäre es daran | interessiert, wenn beide ■ Waffenempfänger sich auf eine gemeinsame Politik ei- | nigen. | Die Schaffung der Achse Nasser-Kassem würde den russischen Wünschen sehr entgegenkommen, und vieles spricht dafür, dass diese Verbindung — unter russischem Protektorat — zustande kommen wird. Natürlich würde sich die weltpolitische Situation durch diesen neuen Positionsgewinn der Russen wesentlich verändern. Die Industriegewerkschaft Metall im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) hat gegen die Rehabilitierung des ehemaligen Bundesverrtriebenenministers Prof. Dr. Theodor Oberländer durch Bundeskanzler Dr. Adenauer Stellung genommen. In ihrem Organ „Metall” wies die Gewerkschaft darauf hin, dass Oberländer bei der letzten Bundestagswahl als CDU-Kandidat Schiffbruch erlitt und nicht wieder in den Bundestag einziehen konnte Als Blutordensträger der NSDAP und Leiter des „Bundes Deutscher Osten“ dürfe der Ex-Minister keine führende Rol- #r OBERL ANDERS VERGEBLICHE FLUCHT VOR DEM EIGEN EN SCHATTEN le mehr im politischen Leben der Bundesrepublik spielen. Adenauers Unterstützung für Oberländer wird von der Industriegewerkschaft Metall als „nicht nur ignorant“, sondern „instinktlos und verächtlich gegenüber dem eigenen Volk“ bezeichnet. Auch der Londoner „Jewish Chronicle“, das Blatt der Juden in Grossbritannien, wandte sich gegen Oberländers Rückkehr in den Bonner Staatsapparat. In einem Kommentar meinte die Zeitung: „Es ist zu bedauern, dass sich Adenauer so unempfindlich gegenüber der öffentlichen Stimmung in der Welt und dem möglichen Auswirken auf das politische Klima Deutschlands zeigt, dass er seinen Namen mit dem von Oberländer verbindet.“ Der „Stern“, die grösste deutsche Illustrierte, verriet ihren Lesern, weshalb Adenauer seinen Parteifreund Oberländer rehabilitierte: „Als Stimmenfänger für radikale Vertriebene ist Oberländer der CDU in den bevorstehenden Wahlkämpfen durchaus recht .. Der Mann, der jetzt wieder für die CDU den Trommelbuben spielen soll, brachte es nicht fertig, bei den letzten Bundestagswahlen wieder einen aussichtsreichen Platz auf der niedersächsischen Landesliste zu ergattern .. Als ausscheidendem Abgeordneten billigte ihm der Bundestag ein Uebergangsgeld von 12.700 DM zif. Mit seinen erheblichen Bezügen lebt Oberländer weiter in einer Bonner Bundessiedlung. Finanziell unabhängig widmet er sich ganz seinem Kreuzzug gegen die Kommunisten.“ Wie aus Bonn verlautet, wünschen massgebliche Funktionäre des „Bundes der Vertriebenen“ die Wiedereinsetzung Oberländers als Bundesvertriebenenminister. — (Aus einer deutschen Zeitung). — Wir können uns nur der Stellungnahme des „Jewish Chronicle“ anschhessen. Ohne uns in innenpolitische Angelegenheiten irgendeines Staates einmischen zu wollen, dürfte eine Rückkehr Oberländers, der einmal hohe Funktionen im Nazireich ausübte und im Verdacht steht, an der Ausrottung von Juden beteiligt gewesen zu sein, nicht alleinals unerwünscht, sondern als unerträglich bezeichnet werden müssen. — Servatius verklagt Bundesrepublik i Köln. — Adolf Eichmanns Verteidiger, Dr. Robert Ser-! vatius, enthüllte, dass er I vor dem kölner Gericht Schritte eingeleitet habe, welche dazu angetan seien, die entgültige Entscheidung des Falles zu verzögern. Bekanntlich soll der Beschluss über die Berufung Eichmanns gegen das über ihn im vergangenen Dezember vom jerusalemer Bezirksgericht verhängte Todesurteil am 29. Mai durch das israelische Oberste Gericht verkündet werden. Dr. Servatius erklärte dem Vertreter der ITA, er habe beim Verwaltungsgericht von Köln eine Klage gegen das westdeutsche Aussenministerium eingereicht, um einen gerichtlichen Entscheid gegen dieses Ministerium wegen seiner Ablehnung, zugunsten Eichmanns zu intervenieren, herbeizuführen. Er äusserte, die Entführung Eichmanns stelle nach der Deklaration der Menschenrechte, die in der UN-Charter enthalten sei eine Verletzung des internationalen Rechts dar. Da die Bundesrepublik dieses Abkommen unterzeichnet habe und die Vereinten Nationen die Entführung Eichmanns verurteilt hätten, so habe er sich an das Aussenministerium um Intervention gewandt, doch sein Ersuchen sei abgelehnt worden. Der deutsche Anwalt gab der Hoffnung Ausdruck, dass das kölner Gericht dem Aussenministerium die Aufforderung zustellen werde, die Auslieferung des Eichmann zu begehren. Hierbei gab «r allerdings zu. dass zwischen Deutschland und Israel keine diplomatischen Beziehungen bestehen. Servatius kündigte an, dass er im Falle einer Abweisung seines Antrags den Bundesgerichtshof anzurufen gedenke, und falls dieser sich ebenfalls ablehnend verhalten sollte, an das Gericht der Europa-Kommission der Vereinten Nationen appellieren werde. ERKLAERUNGE' HAUSNERS Washington. — Ein Rest von Hass gegen die Juden ist in Deutschland zurückgeblieben. äusserte Generalstaatsanwalt Gideon Hausner in einer Pressekonferenz nach seiner Ankunft in Washington. Hausner wird auf der Konvention der Bne Brit als Redner auftreten. Er erzählte den Journalisten, dass er auch heute noch Berge von Briefen aus Deutschland erhält, die von Menschen geschrieben sind, welche behaupten, nichts von den Schandtaten der Njrzis gegen die Juden gewusst zu haben oder die sich für die Mörder schämen, aber auch von unverbesserlichen Judenhassern. Dr. Hausner zitierte eine Stelle aus einem Brief, in | dem es heisst, man müsse | Hitler ein Monument er- ] richten, „denn er habe wei nigstens den Versuch unter-! nommen, die Juden auszu- ( rotten. Hoffentlich werde; Nasser das von Hitler be- ■ gonnene Werk vollenden.“ | Aber er erhalte auch Briefe von einer deutschen Frau, die ihm jeden Monat weisse Rosen schickt, weil sie sich bewusst sei, „dass ich. Hausner, eine schwere Last trage und weil sie etwas für uns tun will.“ Auch Briefe aus den USA kämen an, die alle in freundschaftlichem Ton gehalten sind. Ueber den Fall Eichmann zu sprechen, lehnte Dr. Hausner mit der üblichen Begründung ab, dass der Prozess noch nicht abgeschlossen ist. Er bemerkte nur, dass der zum Tode verurteilte Mörder, „ein Mensch ohne Reuegefühl zu sein scheint.“ Er wollte auch über den Zweck seiner Reise keine Auskunft geben, sondern äusserte nur, es handele sich um einen „privaten“ Besuch, da er vor der Konvention sprechen wolle. Allerdings fügte er hinzu, er werde einige Monate in den Staaten bleiben und mit einem hohen Beamten der Regierung Zusammentreffen, dessen Namen er nicht nannte. Nach seiner Rückkehr nach Israel, sagte Hausner, werde er frei sein, über den Fall Eichmann Rede und Antwort zu stehen. Gedenkfeier in Montevideo Montevideo. — Die verschiedenen Organisationen der Juden in Uruguay veranstalteten eine Feier zum Andenken an die Erhebung des Warschauer Ghetto. Der Veranstaltung wohnte ein zahlreiches Publikum bei. Als Hauptredner trat der israelische Botschafter Jizchak Arkawi auf. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.635

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