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Jüdische Wochenschau · 1962-05-18 · 1960 (18.5.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1960 (18.5.1962)
Date
1962-05-18
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German, Spanish
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\¡m 0£ FRANQUEO PAGADO Concesión 908 £ c 2 b* S TARIFA REDUCIDA w Concesión 1629 Año XXIII. ISRAELITA BUENOS AIRES, VIERNES 18. DE MAYO DE 1962 No. 1960 EL EJEMPLAR C en toda la República PUEYRREDON 2190 1» t7a. T. E. 83 2613 Buenos Aires Verhütung von Bränden Wenn einmal die Flammen hell aus einem angezündeten Haus herausschlagen, dann ist es schon schwer, den Brand zu löschen. Selbst viele, gemeinsam arbeitende Feuerwehr leute werden seiner nicht mehr Herr, ja, mancher mag dabei selbst Verletzungen davon tragen, vielleicht wird sogar der eine oder der andere dabei getötet. Das Haus selbst ist nicht mehr zu retten, unersetzliche Werte sind verloren gegangen, j von den -Hausbewohnern haben vielleicht einige das Leben verloren oder Wunden davon getragen, die sie ihr ganzes Leben lang tragen müssen. Deshalb ist es ratsam, sorgsam auf alle Brandmöglichkeiten im voraus zu achten, jeden Funken, der da glimmt, auszutreten — kurz gesagt, den Brand zu verhüten, anstatt ihn nachher und oft zu spät, zu bekämpfen! Der Grund für diese Ratschläge ist, gerade wejl er so selbstverständlich ist, Allgemeingut geworden. Weil aber jeder instinktiv Bescheid weiss, tritt die alltägliche Gleichgültigkeit auf, ' die gerade das verhindert, was man aus gesundem j Menschenverstand erreichen! will. Diese Gleichgültigkeit; gegenüber Gefahren, die überall drohen, macht mehr Schaden als voraussehbar ist. Eine der grössten Gefahren ist dieses Wegschauen vom Gefahrenherd selbst, die Gleichgültigkeit, mit der Menschen, die kleinen Funken, die noch winzigen Dinge hinnehmen. Wenn einmal die Flammen lodern, dann hilft das nachträgliche Klagen nichts mehr — es ist alles verbrannt und dann kann nichts wdeder 90 werden, wie es einmal war. Auch die spätere Analyse der Brandentstehung ist sinnlos. Wir haben nichts davon, wenn w'ir uns später daran erinnern, dass wir einen Ofen überheizt haben dass wir eine Kerze neben leicht entflammbares Material stellen, dass dieser oder jener eine Zigarette fallen liess oger gar. so zum Scherz, „zündelte’-. Ja. vielleicht hätte wir sogar den böswilligen Brandstifer noch rechtzeitig verhindern könr en. seine Absichten durch zuführen, wenn wir sein gelegentliches Spiel „ernst“ genommen hätten. So nah men wir vieles nicht so wichtig, W’aren zu gleichgültig gegenüber den Anfängen und standen dann hoffnungs los vor Toten und Asche! Es beginnt eben oft mit Die Industrie Jerusolem. — Wie das statistische Zentralbüro mitteilt hat die industrielle Produktion im Lanäe im Jahre 1961 schneller als in früheren Jahren zugenommen. Die betreffenden Ziffern für das vergangene Jahr belaufen sich auf 2.900 Pfund, was eine Erhöhung von 21 Prozent gegenüber dem Jahre I960 darstellt. Die grösste Steigerung ist in der Textilindustrie und der Belieferung mit Elektrizität festzustellen (ITA) von GEORG KL EISSTLIISGER, Wien so kleinen Dingen, die sich zu grossen auswachsen, wie der winzige Funken der Beginn von verheerenden Flammen wird. Zuerst ein kleines Beispiel, das sich in einem Kurort abspielte, der unter der Besetzung viel zu leiden hatte und jetzt erst daran ist, wiederaufzubau en. Es gibt dort einige Hotels. die teils durch Kampfhandlungen, teils durch Plünderungen senr gelitten haben. Viele Häuser sind wieder schmuck hergerichtet, einige erst im Aufbau. E.ne einzige dieser Baustel iei: hat, wie man erzählte, ein Jude erworben. Gerade aort geht es. wohl aus Mangel an Kapital, nur langsam vorwärts. Die Erzählung ir. dem ganzen Ort läuft darauf hinaus, dass „die Juden schon wieder so viel Geld haben“, dass sie ja Millionen erhalten haben“, dass sie „alles aufkaufen“. Fragen ergeben die schliessli che Antwort, dass es sich tatsächlich nur um einer, einzigen Fall unter unzähligen Dutzenden handelt, dass ein jüdischer Kaufmann ei ne Hotelruine kaufte und das Haus wiede. herstellen will. Ungläubiges Erstaunen malt sich auf den Gesichtern aller Gesprächspartner als darauf hingewjesen wur de. dass es in Oesterreich vor 1938 mehr als 240 000 Glaubensjuden gab und dass heute kaum mehr als 10 000 hier sind, unter ihnen der grössere Teil solche Juden, die nach 1945 auf ihrer Wan derung von Ungarn, Polen und der Tschecnoslowakei in Oesterreich hängen blieben. Glauben sie, dass dieses Beispiel zu klein ist, um erwähnt zu werden? Sie wis sen wahrschein .ich vie’ „grössere“ Beispiele! Dennoch wäre es sehr gefährlich. solche kleinen Beispiele, die symptomatisch sind, zu übersehen Gerade sie | sind diese winzigen Funken, | die sich zu einem Brand ent-! wickeln können, wenn sie; nicht rechtzeitig ausgetre ten werden. Ein vielleicht „grösseres1 Beispiel hat sich in letzter Zeit in Wien abgespielt, das wir schon deshalb der Vergessenheit entreirsen wol len. weil es sich nicht um Juden handelt. Es ist ein Beispiel der schauererregenden Gleichgültigkeit gegenüber tapferen Widerstandskämpfern. die ihr Leben im Kampf gegen die Barbare! des Hitlerismus unter dem Fallbeil oder durch den Strick verloren haben. Die Leichen von 14 politischer. Häftlingen, die in den Jahren 1943 und 1944 wegen Hochverrates von Nazi-Henkern offiziell ermcrdet wurden. sind in einem Massen grab im Wiener Zentralfriedhof verscharrt worden. Niemand gab ihnen eine würdige Bestattungsstätte. Die sterblichen Ueberreste der Tapfersten der Tapferen wurden gemeinsam mit Leichenteilen aus den Seziersälen des Anatomischen Instituts vergraben. EIN APPELL ZUR EINIGKEIT New York. — Auf der Schlussitzung der ZOA. der führenden zionistischen Organisation Nordamerikas, richtete Dr. Nachum Goldmann in seiner Eigenschaft als Präsident der Zionistischen Weltorganisation einen Appell an die Zionisten der USA, sieh zu einer zionistischen Einheits-Organisation zusammmzuschliessen. Er bezeichnete dies als ersten Schritt zur Wiedergewinnung der einstigen führenden Position der ZOA im jüdischen Leben des Landes. Als erste Massnahme empfahl Dr. Goldmann die Verschmelzung der ZOA mit dem Amerikanischen Zionistischen Rat, der Dachorganisation aller zionistischen Gruppen in Nordamerika. Von den neun Gruppen, die dieser Rat vertritt, ist die ZOA die bedeutendste mit 69 Prozent der nordamerikanischen Zionisten. Auch Dr Emanuel Neumann, ehemaliger Präsident der ZOA und Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, vertrat die Ansicht, dass die ZOA in die Institution umgewandelt werden solle, die alle Gruppen und Tendenzen des amerikanischen Zionismus in sich vereinigen müsse. Dr. Goldmann kündigte an, er werde seine Idee vor der im Juni in Washington stattfindenden Tagung der ZOA vertreten. „Bis der Staat Israel politisch und wirtschaftlich gesichert ist”, führte er aus, „fällt dem amerikanischen Zionismus die Aufgabe zu, die jüdischen Kräfte zum Nutzen Israels zu mobilisieren, sowie auf dem Gebiet der Philanthropie den jüdischen Bedürfnissen in Uebersee gerecht zu werden. Die ökonomische Befestigung Israels und seine Sicherheit stellen eine viel grössre Aufgabe als seine Gründung dar; diese war nur der Beginn eines Weges, den di? Weltjudenheit beschreiten musste, aber nicht sein Ende. Wir verstehen zwar vom historischen Standpunkt aus. dass das jüdische Volk mit Israel lebt und stirbt, doch wir müssen uns auch davon Rechenschaft ablegen, dass die Zukunft des jüdischen Lebens in der Welt von den Aktionen abhängt, die die sechs Millionen in den Vereinigten Staaten, der grössten und mächtigsten Nation der Erde, lebenden Juden für die Nöte der Juden in aller Welt unternehmen. Daher liegt der Beweis für die Fähigkeiten des Zionismus in den USA darin, als Führer der amerikanischen Judenheit aufzutreten, wie er dies zur Zeit der Gründung des Staates Israel gewesen ist.” Dr. Goldmann erklärte, sein Plan sei von historischer Bedeutung für die Zukunft des Zionismus in USA und könne eine neue Aera für die nordamerikanischen Zionisten einleiten, — Die nationale Exekutive stimmte für den Anschluss des amerikanischen Sektors an den Jüdischen Weltkongress. (ITA) j Die Einzelheiten sind wohl aus der Tagespresse bc- ' kannt. Doch sei kurz erwähnt, dass Professor Ha- | jek, als er die Leitung des | Anatomischen Instituts im Jahre 1952 übernahm, die Leichen im Betonkeller des Instituts fand sotort da' Landesgericht verständigte. Se/ierungen verbot und schliesslich, da kein priva F'S oder offizielles Imeresse gezeigt wurde dje Leichen auf Kosten des Anatomischen Instituts begraben liess. Sie wurden vom Bestattungsinstitut aogeho’t ur.d — da man dort nicht ahnte, dass sich unter dem S^zierungsmater’.al auch die Leichen der mstifizierten Widerstandskärr nfer befanden — in einem Massengrab beigesetzt. Hören wir einmal, was dazu die katholische Wochenschrift ,Die Furc ie‘ schrieb. Verantwortlich dafür ist das politische Klim.. in Oesterreich. die peinlich berührende Abwendung von der jiingg?ren Vergang-nheit. das Sich-Absperren von den Lehrer. der Vergi.igenh.it und die manchmal rkemibate feste Entschlos-sr he**. kein? Leimen anzunehiien und keine Konsequenze i zu ziehen. Dci Österreich che Widerstand gegen Hitler. Oesterreichs eigener Beitrag zur Befreiung ist heute in man- "hen Kreisen als Gesprächsthema nicht mehr „gesellschaftsfähig“. Man will sichtlich die Leuenden nicht mit Dingen be.ästigen, die ihnen nicht sympathisch sind, man will die „Ehemaligen“ in Ruhe lassen, damit sie keine parteipolitischen Schwierigkeiten machen. Ein weiteres Beispiel dafür, wie gefährlich erste Funken sein können, ist die Erklärung des neuen Vizepräsidenten der algerischen provisorischen Regierung Ben Bella. Bella erklärte, Algerien sei bereit, 100.00 Mann zu stellen, die für die „Befreiung von Palästina“ kämpfen würden. Unsere Leser wissen, wie zwiespältig und gefährlich die Lage der Juden in Algerien ist. Solche Erklärungen eines Mannes, der wahrscheinlich demnächst in absolut führender Position in Algerien sein wird, können nun tatsächlich einen Brand entfesseln. In Paris hat die „Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus“ eine Sitzung abgehiaten, an der Delegierte aus Tunis und Marokko teilnahmen. Die Versammlung beschloss eine Delegation nach Nordafrika zu entsenden, um die Möglichkeiten einer jüdischmoslemischen Freundschaft zu diskutieren und um nordafrikanische politische Führer der Moslems einzuladen dem Präsidium der Organisation beizutretei:. In der Versammlung lenkten Sprecher die Aufmerksamkeit auf die Gefahren eines Neo- Rassismus in den erst jüngst selbständig gewordenen Ländern. Auch hier ist. wie schon so oft. der Antisemitismus so wie jede Diskriminierung religiöser Minoritäten, ein Ablenkungsmanöver im Hinblick auf die eij genen Schwierigkeiten. Auch * dieser Funke murs also im AUCH DAS IST HEUTE MOEGLICH Dr. W.: — Vor kurzem konnte man in der Monatsschrift „Nation Europa ’ lesen, dass Kriegsverbrecherprozesse und Entnazifizierung die geistige Elite Deutschlands ausrotten sollten. Diese Zeitschrift erscheint in Coburg, der aus der Weimarer Zeit in unseliger Erinnerung befindlichen Hochburg der Nazis. Die Zeitschrift sieht ganz offensichtlich ihre ausschliessliche Aufgabe darin, antisemitisches Greuelmaterial zu verbreiten, was sie auch unbehindert von den demokratischen Instanzen der Bundesrepublik tun kann. Die Behauptungen, die dort aufgestellt werden, sind törichte Phantasieprodukte, aber wir wissen gut genug, wozu derartige Verleumdungen und Verdächtigungen führen können. Der Kern der Ausführungen der „Nation Europa“ ist folgende geheimnisvolle Geschichte: Bei den in Russland ausgelösten Kernwaffmexplo sionen handelt es sich nicht um Experimente, für die Krutschew und seine Leute verantwortlich seien. Es handelt sich um die Durchführung eines Planes, der im Jahre 1951 auf .transuralischem Boden’ beschlossen wurde usd der den biologischen Krieg vorbereitet. Die Sowjets haben ihre Helfer in den USA. Sie vertuschen die sowjetischen Versuche, weil sie alle. Sowjets wie Amerikaner, zur gleichen Gruppe gehören, deren Ziel nunmehr von „Nation Europa” enthüllt wird: „Rassenvernichtungskampf, -wie ihn die Weltgeschichte bisher soch niemals gesehen hat”. — Krutschew und seine angeblichen Gegenspieler wie Malenkow usw. sind in Wirklichkeit nur Strohmänner .. Wer diese Gruppe sei, wird nicht gesagt. Was schreibt „Nation Europa” hierzu?: Di? Gruppe bekämpft ... weder einen einzelnen r.oeh ein einzelnes Volk. Diese Gruppe denkt in weltweitem Masstab. Sie sieht ihre Herrschaft in erster Linie gefährdet durch j den Bestand der, wie sie es nennen, Aktivrassen, welche vorwiegend die nördlichen Gebiete der Er « be-! wohnen und die USA, Kanada, Europa und die Völker! des russischen Raumes, China und Japan umfassen.” Ernste Stimmen in der Bundesrepublik fordeiten! die Behörden auf, gegen solches Geschreibsel einzu- | schreiten, das nur dazu bestimmt ist, Unruhe und Unfrieden zu stiften und den Hass zwischen Menschen! und Völkern zu schüren. Ein Dementi auf Bestellung Washington. — Die sowjetische Botschaft veröffentlichte den Text eines angeblich von „fünf bekannten russischen Juden“ unterzeichnetes Schreiben, in dem diese in Abrede stellen, dass, wie behauptet wird, die Juden in Russland auf Befehl der Obrigkeit schlecht behandelt werden. In dem Brief, der an die neue Nachrichten - Agentur Novosti Press gerichtet ist, heisst es, er sei geschrieben worden, „weil wir mit Empörung die Beschuldigungen in der westlichen Presse über eine antisemitische Kampagne in Sowjetrussland gelesen haben.“ Die fünf Briefschreiber „erklären vor der ganzen Welt, dass die sowjetischen Juden keine Beschützer nötig haben“, und fügen hinzu, „ein objektiver Beobachter müsse zugeben, dass es in der Sowjetunion kein jüdisches Problem gibt.“ Das Schreiben trägt die Unterschriften des Schriftstellers Z. Vendrof, des Rechtsanwalts Prof. Boris Eidelman, des Komponisten Lew Pulver. des Herausgebers der Zeitschrift „Die Völker Asiens und Afrikas“ Prof. Josef Braguinsky und von Prof. IIja Straschun. eines Mitglieds der sowjetischen Akademie der medizinischen Wissenschaft. Nach der Versicherung. Keim erstickt weiden, damit er sich nicht ebenfalls zu einem gefährlichen Brand auswächst. dass „die sowjetischen Bürger jüdischer Nationalität Teil des ganzen russischen Volkes bilden und ihre privaten und öffentlichen Interessen die gleichen wie der ganzen Volksgemeinschaft seien, wird versichert, „Sowjetrussland ist in der Lage, ebenso für die jüdische Bevölkerung zu sorgen wie für alle übrigen Sowjetbürger irgendeiner anderen Nationalität. Wie abschliessend hervorgehoben würd, belief sich die Zahl der Juden nach der Volkszählung vom Jahre 1959 auf 2.268.000 Sielen. — (ITA) Antisemitismus in Bolivien La Paz — In Bolivien ist es in letzter Zeit zu antisemitischen Zwischenfällen | gekommen. In einem Fall forderte ein Angestelltenverband in Oruro die Verhängung einer z^eiprozentigen Sondersteuer auf alle von Juden importierten Waren. Als Grund wurde angege- I ben, dass die jüdischen Einwanderer für die Wohnungsi knappheit in Bolivien verantwortlich seien, weil sie meist als Geschäftsleute in den Städten blieben, anstatt als Farmer aufs Land zu gehen. In einem anderen Falle hatte eine Regierungs- I stelle behauptet, „jüdische I Elemente“ Boliviens seien in illegale Briefmarkenge- I schäften verwickelt und auf I diese Weise zu überhöhten Gewinnen gelangt. LYWZ) I Registro de la Propiedad Intelectual No 656 635 [ impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831

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