Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1954 (6.4.1962)
- Date
- 1962-04-06
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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VicnMCt it Abril it 1SW LA SEMANA ISRAELITA Año XXIII. — No. 1954 — 9 Herzl PUEYRREDON 21901. St. .N T. E. 83 - 2613 Zum Problem der neuen Vor kurzem traten_jawnclert in Israel lebende Mitglieder des Zionistischen Aktions-Comites und ebenso Ersatzdelegierte zu einer Tagung zusammen, die in der Geschichte des Zionismus einzigartig darsteht. Während die Sitzungen der Zionistenkongresse und des Aktionscomites stets öffentlich sind, tagte diese Versammlung hinter verschlossenen Türen. Die Probleme, die behandelt wurden, sind so heikel, dass die führenden Männer der zionistischen Bewegung nur frei sprechen konnten, wenn sie sich ,,unter sich“ wussten; es ging primär um Fragen der Alija und ihrer Integration in Israel. Mit diesem Problem, vor allem aber mit dem letzteren müssen sich tatsächlich vorweg die in Israel selbst wohnenden Sprecher der Oeffentlichkeit befassen, da die Zionisten Amerikas und Europas praktisch zur Einordnung der Alija wenig beitragen können. Natürlich gilt dies nicht für die finanzielle Seite des Problems. Zu materiellen Opfern sind wir gleichermassen aufgerufen: in der Gola wird eine Sonder-Kampagne für Alija und Einordnung mit zäher Energie durchgeführt, und in Israel sind die „Milwe Klita“, die Zwangsanleihe für Einordnung der Neueinwanderer, und Steuern aller Art Gebote der Stunde, denen sich der Bürger nicht entziehen kann. Darüber hinaus wollen die zionistischen Instanzen auch noch eine sozusagen freiwillige Aktion starten, entweder durch Vergrösserung der heute sehr geringen Beiträge für Keren Kajemet und Keren Hajessod, die jährlich zusammen nur zwei Millionen IL im Lande aufbringen, oder aber durch Schaffung eines neuen Alija- Klita-Fonds, der dieser speziellen Aufgabe gewidmet ist. Aber die finanzielle Seite ist nur ein Aspekt des viel grösseren und komnlexeren Problems. Mit Geld allein ist das Problem nicht zu lösen: das musste man aus den Worten von Ahron Zisling, dem Vorsitzenden der Einordnungsabteilung der Sochnut, erkennen. Ein Grossteil der 30 Interpellationen, die der Tagung Vorlagen, bezog sieh auf diesen überaus schwierigen Fragen-Komplex. Die Alija, die Einwanderung nach Israel, die im Heimkehrgesetz verankert ist, schreitet rüstig fort. Es ist Israels Bestreben, .Tuden, die in ihren Herkunftsländern nicht leben können oder wollen, in Massen nach Israel zu bringen, ganze Ga- Juiot zu liquidieren, wobei keine Selektion mehr möglich ist. Israel braucht, wie Mosche Sharett, der Vorsitzende der Exekutive ausführte, die Alija nicht minder, als die Gola sie braucht Israel braucht sie aus Gründen der Sicherheit, der Erschliessung des Landes, der Entwicklung seiner Wirtschaft. Der ganze Sinn des jüdischen Staates liegt ja darin, dass er im Laufe der Zeij nicht nur 15 Prozent, sondern einen Grossteil des jüdischen Volkes beherbergt, um das heimatlose von SCHALOM BEN-CHORIN „Gespenst unter den Völkern" zu einer sesshaften Nation auf eigenem Grunde zu machen. Unter ungeheuren finanziellen, organisatorischen und politischen Anstrengungen arbeitet Israel an der Erfüllung dieses Zieles, aber man darf nicht vergessendass es sich hier um eine Doppelfrage handelt: Alija (Immigration) ohne Klita (Integration) bleibt elendes Stückwerk, ja bleibt einen Gefahrenherd. Man muss sich den Charakter der heutigen Alija klar machen: sie ist ganz Objekt in den Händen einer meist seelenlosen Bürokratie. Vom Schiff oder Flugzeug weg werden die Neueinwanderer sozusagen wie Postpakete an ihre Siedlungsplätze verfrachtet. Heilig wurde gelobt, keine Maabarot (Uebergangslager 1 mehr zu schaffen. Man will die Anlage von ' staatlich oder organisationsm.ässig' vorbereiteten Slums vermeiden und bringt die Neueinwanderer sofort in einigermassen menschliche Asbest- Behausungen: je ein Bett mit nunmehr sogar zwei Decken steht zur Verfügung; Tisch und Stühle sind meist vohanden, ein Primus und Petroleum für eine Woche ebenso dis nötigen Nahrungsmittel. Alles ist primitiv, aber irgendwie ausreichend- Für Akademiker versucht man bessere Bedingungen zu schaffen. Sie will man möglichst umgehend in Ulpanim (Sprachschulen) unterbringen, um sie so weit zu hebräisieren, dass sie ihre Berufe ausüben können. Aber all das reicht nicht, „wenn die Liebe fehlt“. Und das ist der wunde Punkt: die Liebe fehlt! Die Menschen werden gebracht, erhalten (wenn alles gut geht) Schikun (Wohnung) und Arbeit. Sicher nicht immer diejenige. dis sie suchen und die ihren ursprünglichen Berufen entspricht. Die Kinder werden eingeschult, die Histadrut erfasst die Neueinwanderer und reiht sie in die Krankenkasse ein. Aber die Seele der Menschen bleibt hungrig. Der Neueinwanderer ist furchtbar allein. Hand aufs Herz: was wissen die Israelis wirklich von der neuen Alija? Wieviele persönliche Freunde ihres täglichen Umgangs gehören zu den Scharen, die in den letzten Jahren ins Land geströmt sind? Wo treffen sie sich mit Menschen aus diesen Kreisen zu ungezwungener Unterhalttung, wann stehen sie ihnen hilfreich bei in Nöten der Eingliederung in eine neue Gesellschaft in einem fremden Land? Ein Sprecher der Sochnut wagte ein überaus krasses Bild: So wie viele Menschen im Jischuw sozusagen nur aus der Zeitung erfuhren, was sich in den Jahren der Hitlerverfolgung in Europa abgespielt hat, so gibt es heute Hunderttausende in Israel, die von der neuen Alija nur aus Presse und Radio wissen; die Tatsache der neuen Menschen unter ihnen dringt nicht in ihr persönliches Leben. Nur als mürrisch aufgenommene Steuerbelastung tritt ihnen diese Realität entgegen. Wie oft versündigen sie sich gegen das Gebot: „Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen“ (Lev. 19, 17)! Sharett erzählte von einem jungen Ehepaar, offenbar seinen Nachbarn, das er beobachtete; allabendlich Sassen diese jungen Leute, einen Sommer lang auf ihrem Balkon und spielten Karten. Niemals ist es ihnen eingefallen, einmal in eines der Viertel zu gehen, in welchen die Neueinwanderer in Jerusalem leben (Katamonim) um einem Kind bei seinen .Einwanderer gefunden; aber j nach der Wahl ist er wieder 1 so uninteressant wie vorner: I man kümmert sich nicht um ihn. Das Rabbinat hat völlig | versagt. Es hat keinen wirklichen Versuch gemacht sich j der Massen seelsorgerisch! anzunehmen, die eine Herde! ohne Hirt sind: „Der Schwa- | chen wartet ihr nicht, und j die Kranken heilt ihr nicht, I das Verwundete verbindet! ihr nicht, das Verirrte holt | ihr nicht, und das Verlorej ne sucht ihr nicht, sondern streng und hart herrscht ihr! über sie.“ (Ezechiel 34.4) ■ Eine rühmliche Ausnahme l haben manche Bene Beritein relativ neuer Einwanderer war. Wie schwer es ist, sich mit dm Menschen der neuen Alija zu verständigen, geht schon daraus hervor, dass sie meist einfach nicht glauben, wenn die schon länger im Lande Ansässigen, ihnen sagen, dass für sie auch kein Mensch gesorgt hat, dass sie sich ihre Existenz selber aufbauen mussten. Wer hätte noch nicht gehört, dass ein neuer Einwanderer neidvoll auf eine bürgerliche Wohnungseinrich'.ung blickt und mit entwaffnender Naivität bemerkt: „Jaeuch hat man ganz andere Möbel gegeben als uns.“ Es kommt ihm Jüdisches Lehrhaus Wir teilen euch auf diesem Wege mit. dass auf Grund eines Beschlusses des Vorstandes der THG, beginnend mit diesem Winter, ein Jüdisches Lehrhaus (Jüdische Volkshochschule) unter Leitung von Dr. Hcsrdi Swarsensky und Mitarbeit von Rabbiner Dr. Meir Rosenberg, aufgebaut wird. Zunaechst sind zwei Kurse (Arbeitsgemeinschaften) vorgesehen: 1. ) BJBELKUNDE (ein Bibelkurs). Referent: Rabb. Dr. Meir Rosenberg. 2. ) JUEDISCHE GEGENWARTSKUNDE, Arbeitsgemeinschaft unter Leitung von Dr. Swarsensky. Die Durchführung weiterer Kurse bleibt Vorbehalten. Bei genügender Teilnehmerzahl wird euch ein hebraeischer Anfaengerkurs im Rahmen des Instituto Argentino Israeli abgehalten werden. Eiñschreibegebühr für jeden Kurs: m$n 50. - (Ehepaar S 75.—). Das Lehrhaus wird mit einer Veranstaltung eroeffnet werden, auf welcher über den Lehrhaus-Gedanken und die Bedeutung des Lehrhauses gesprochen werden wird. Der Beginn der Kurse sowie alle weiteren technischen Einzelheiten werden noch bekannt gegeben. Wir dürfen beim Aufbau des Lehrhauses und der Durchführung des Programms mit der Mitwirkung befreundeter Gemeinden und Organisationen rechnen. Auch hierüber werden wir Weiteres berichten. ersten Hebräisch-Versuchen zu helfen, einer geplagten I Hausfrau und Mutter an die : Hand zu gehen, einen älte-! ien: hilflosen Oleh zu beraten ... Dieser Vorwurf trifft alle. Die Aufklärungs - Zentrale ..Merkas Hahasbara“ bei der Kanzlei des Ministerpräsidenten will nun einen .Monat der Brüderlichkeit“ starten, will die Frage durch öffentliche Kundgebungen ins Volk tragen. Die Vorsitzenden der Ortsausschüsse sollen zu einer Landestagung versammelt werden, um dieses Problem in ihren Gebieten praktisch anzugehen. Aber ,,von oben“ lässt sigh nichts lösen, wenn nicht .von unten” her, aus d,em Volke selbst der gute Wille die Bruderliebe aufblühen. Wie das geschehen soll kann nicht durch ein „Patent-Rezept“ gezeigt werden; hier muss jeder einzelne in seinem Kreis versuchen, aktiv zu werden. Die politischen Parteien haben immer nur vor den Wahlen den W'eg zum neuen Logen gemacht, z.B. die David Jellin-Loge in Jerusalem, die sich der Neueinwanderer in Bet Schemesch besonders angenommen hat. . L: aber garnicht so einfach den W'eg zu den Herzen der Neueinwanderer zu finden. Sie sind oft misstrauisch, spüren nur allzuleicht den Abstand zwischen sich und dem sesshaften Bürger, der alles hat, was ihnen verschlossen ist: vom elektrischen Kühlschrank bis zum eigenen Auto. Am j schwersten haben es natürlich die Beamten, sowohl die! der Sochnut wie die des | Wohlfahrtsministeriums.Der! Beamte wird sofort als der | „natürliche Feind“ angese-! hen. selbst wenn er guten! Willens ist. Und doch gibt es j hier Ausnahmen: man denke nur an jenen kleinen Polizisten. Armond Segure, der I von sich aus störrische Neuj einwanderer, die wieder einmal demonstrierten, dazu bewogen hat. sich im Negew niederzulassen. Er hatte es, psychologisch gesehen, dai durch leichter dass er selbst Nachrichten aus Israel AUSFUHR VOX KOMPRESSOREN Aus der Türkei, Zypern; und Griechenland sind Iro- . beauftrage für Kompresso- ■ ren, die von der Fabrik Gruenspan in Haifa heige-! stellt werden, eingegangen. | Diese Bestellungen haben | 500 Kompressoren vier ver- I schiedener Modelle, die bis : zu 5 Pferdskräfte stark sind, i zum Gegenstand. Mit der j Türkei wird über einen Auf- I trag für 10.000 Motore für : Waschmaschinen im Wert | von 280.000.— Dollar veri handelt. | PLANUNG VON JERUSALEM | Die Entwicklung Jerusaj lems im Laufe der letzten! Jahre hat bekanntlich nicht immer mit dem Fortschritt j und Ausbau der Städte Isj raels im allgemeinen Schritt gehalten. Jetzt wurden aber; Massnahmen getroffen, um i das Verabsäumte nachzuho- I len. | Nach einem grosszügigen! Entwicklungsplan soll im! Westen der Stadt auf einer : Fläche von 4.000 Dunam ein; in -alle Einzelheiten geplan-! tes Stadtviertel neu errichtet werden. Es soll 20.000 Wohneinheiten mit den dazugehörigen Geschäften so-! wie öffentlichen Gebäuden! und Anstalten zählen. Die Baukosten werden mit einigen Dutzenden Millionen IL veranschlagt, die von irländischen und auswärtigen Investoren mit Hilfe des S.aates und anderer öffentlicher Stellen aufgebracht werden! sollen. I Die künftigen Investoren haben bereits eire .Gesellschaft von West Jerusalem” gegründet. FRACHTSCHIFFE AUS JAPAN In Haifa wird ein Vertrag zwischen der Gesellschaft Z1M und den Direktoren zweier bekannter Schiffs- Werften in Japan der den Bau von fünf Frachtscniffen mit einem Gesamttonnengehalt von fast 100.000 Tonnen betrifft, unterzeichnet werden. Diese Bestellung stellt die erste Phase des neuen Schiffsbauprögramms der Gesellschaft dar, welche in der nahen Zukunft ihre Flotte um 23 Schiffe vergrössern wil!. VERSUCHS¬ PFLANZUNGEN Auf einer Fläch 2 von 100 Dunam bei der Schule von Jad Natan wird eine Pflanzung angelegt, welche a-s Versuchsstation für die Siedlungen von Westgaiiläa dienen soll. In diesem Gebiet gibt es tausende Dunam von Obstpflanzungen, aber keine Versuchsstation, die den nicht in den Sinn, dass jeder sich seinen Hausrat herbeischaffen musste, so gut er eben konnte. Eine grosse Enttäuschung in diesem Zusammenhang sind die Kibbuzim. Zisiing erklärte: „Niemand wird gezwungen, in einen Kibbuz zu gehen“. Gewiss ist das richtig. Aber leider zeigt es sich, dass der Kibbuz nicht . das grosse Auffangbecken , Ladwmten mit Rat und Pia für die Mittellosen werden! nun® ZUr Seit« stehen konnte. In dies2r Versuchsoflankonnte, das er eigentlich sein müsste. Die kollektive Lebensform ist den Menschen der heutigen Einwanderung wesensfremd; und die kibbuzische Gesellschaft ist derart in sich gefestigt und geschlossen, dass sie die neuen Menschen auch nicht wirklich aufnehmen kann. Die Integration der neuen Alija aber ist die grosse Bewährungsprobe des Jischuw: hier hat es sich zu zeigen, ob wir ein ..einig Volk von Brüdern" sind, oder eine egoistische, bourgeoise Gesellschaft, die ihre erworbenen Rechte“ wahrt und sich gegen den Zuzug zung. sowie in zwei weiteren, welche in Nachal Achziv sowie in der Sebuion- Ebene angelegt werd n. sollen insgesamt 120.000 IL investiert werden. neuer Menschen in ihrem eigenen Lebenskreis sperrt. Die Gefahr eines Neueir.- wanderer-Ghetm (in den Entwicklungsgebi:-ten) ist heute klar am Horizont zu erkennen. Nur eine grosse soziale Erweckungsbewegung im jüdischen Land kann kann diese Gefahr borr "