Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1953 (30.3.1962)
- Date
- 1962-03-30
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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C X ¡fl ® bl C b. < u FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXIII. ISRAELITA BUENOS AIRES. VIERNES 3fl DE MARZO DE 1962 Ptaedoyei s No. 1953 EL EJEMPLAR k _ en toda la República *■ PUEYRREDON 2190 1? w,q. T. E. 83 2613 Buenos Aires und des Ankiaegers <Schluss von Seite 1’ und das im vergangenen Dezember vom Jerusalemer Bezirksgericht gefällte Urteil zu bestätigen. Gideon Hausner vertrat den Standpunkt, Israel habe das Recht gehabt, den Verbrecher zur Verantwortung zu ziehen und verwies darauf, dass Eichmann in dem eine Million Worte umfassenden Verhör durch die israelische Polizei vor Beginn des Prozesses im vergangenen Jahr, selbst das Urteil iib?r sich gesprochen habe. Er widerlegte die Behauptung der Verteidigung, dass Eichmann nur .ein einfacher Transportbeamter der hitleristischen Gestapo” gewesen sei. Was die israelische Jurisdiktion betreffe, so führte der Generalstaatsamvalt aus, so brauche das Gericht nicht nach den Umständen zu fragen, unter denen der Häftling ihm vorgeführt worden sei. Selbst wenn jene, die ihn entführten, sich einer Verhaftung, eines Prozesses oder einer Anklageerhebung wegen Schädigunggewisser Interessen schuldig gemacht haben sollten, so sei die Gültigkeit der Verurteilung nicht anzutechten. Die Verteidigung hatte angeführt, dass Eichmann sich unmöglich aller Einzelheiten der Vorfälle, die vor 20 Jahren stattgefunden haben, erinnern könne. Hierzu bemerkte Hausner, das polizeiliche Verhör sei in Etappen erfolgt und vorher habe Eichmann seinem Freund William Saassen schon in Argentinien Erklärungen ge macht. Auf diese Weise ha be er in den Monaten, in de nen er Saassen seine Ge schichte diktierte, Gelegen heit gehabt, eine „General probe” zur Auffrischung sei nes Gedächtnises vorzuneh 'S-'- DIE VERANTWORT¬ LICHKEIT EICHMANNS Dr. Hausner wandte sich energisch gegen den Ausdruck „ein Transportbeamter” und stellte fest, Eichmann sei der .Referent”, d. h. der wichtigste Sachverständige für Judenfragen gewesen. Alle Angelegenheiten, die die Juden angingen, wurden mit Eichmann besprochen. Im Lateinischen, so unterstrich Hausner, bedeutet „Referent” derjenige, „der etwas durchführt”. Andererseits habe das Internationale Rote Kreuz Eichmann als „Schlüsselfigur in allen Judenfragen der Na zis” bezeichnet. Der Generalstaatsawalt erinnerte dar an, dass Eichmann genügend Macht in Händen hielt, um gegen die anderen Beamten sein Veto einzulegen, wenn es darum ging, Juden in die Konzentrationslager zu schicken. j „Eichmann war nicht ein einfacher Transportbeamter oder Verwalter der Eisenbahnfahrpläne”, führte Dr. Hausner aus, „er war vielmehr von der Idee besessen, Juden zu vernichten. Eichmann hat nicht direkten Be fehl erteilt, das Gas in eine jede der Kammern einströmen zu lassen, in der jüdische Männer, Frauen und Kinder nackt und mit Grauen in den Augen auf den Tod warteien. doch all? I wussten, dass er als „Refe- 1 rent” sich nicht mit Kuiturfragen beschäftigte, sondern j dass es seine Aufgabe war. den Tod zu verbreiten.” : | Die Worte des Verteidigers über die „bescheidene” Lebensweise Eichmanns wurden von Hausner ener gisch bestritten. Er betonte, dass das ,.ruhige Dasein der Nazis in ihrem Familienie ben” nur auf die Zeit zutreffe, als Eichmann in Argentinien wohnte. „Auf der Höhe seiner Macht”. st-eiU?; Hausner fest, wobei er sich j auf Zeugenaussagen berief,, gen das über den Kriegsver-; brecher Adolf Eichmann ge-; fällte Urteil fort. Er zitierte Teile aus den Prozessakten, um zu beweisen, dass Eich- ' mann von der Idee besessen war, die „Endlösung” der Judenfrage herbeizuführen.! Im weiteren betonte er, Is i rael habe das Recht, Men- I sehen vor Gericht zu ziehen, deren Delikte in der ganzen Welt als strafbar angei sehen weiden, und nicht nur! für Verbrechen gegen das jüdisch? Volk. Hiermit wollte er die Behauptung des : Verteidigers widerlegen, dass Eichmann in Israel . Dr. Servatius, das erstinstanzliche Gericht sei tehlgegangen in der Feststellung, Adolf Eichmann habe seiner Aufgabe der Judenausrottung mehr Eifer als nötig gewidmet. Anhand unzähliger Unterlagen bewies Hausner, dass Eichmann sich nicht wie ein ..kleiner Beamter” benommen habe. Er legte auch die Erklärung des nordamerikanischen Richters Michael Musmano vor. dass Güring selbst ihm anvertraut habe, Eichmann sei „allmächtig” in allen Judenfragen. Er unterstrich hierbei, Göring hätte promi •* Ein deuisc-hes Uoedehen, das seinerzeit e'n Kleid getrogen hat, dos aus Talessitn geschneidert wurde, we'che deutsche Soldaten den Juden in Polen gestohlen hatten. (FOTO JAD WA SC HEM' dct wn „lebte Eichmann in einer Privatviila. Er hatte drei Autos und zwei Chauffeure zu seiner Verfügung und zumindest zwei Maitressen.” Während der niederschmetternden Ausführungen des Generalstaatsanwalis hörte Eichmann unbeweglich in seiner Glaskabine zu und kritzelte nur hin und wieder einige Worte für seinen Verteidiger auf ein Stückchen Papier. Dr. Servatius, der sein Plädoyer noch nicht ganz beendet hatte wird neuerlich das Wort ergr?ifen. HAUSNER SETZT SEIN PLAEDOYER FORT Der Generalstaatsanwalt setzte sein Plädoyer für die Abweisung der Berufung genicht für gegen Polen, Slowenen. Zigeuner und andere Opfer begangene Verbrechen abgeurteilt werden könnte. Servatius erbat Zeit, um die Akten studieren zu können. Sein Ersuchen wurde bewilligt. Trotz der Befehle, die Eiehmann in den letzten Tagen des Naziregimes seinen Untergebenen zur Verbrennung aller Schriftstücke seiner Abteilung gab. so führte Hausner aus, sind genügend „mit jüdischem Blut getränkte” Dokumente erhalten geblieben, um zu beweisen, dass Eichmann seine scheinbare Mission als ..Transportbeamter” überschritten und sich des Völkermordes schuldig gemacht hat. Hausner widerlegte auch die Behauptung des nentere Personen als Eichmann aus der Nazihierarchie nennen können, wenn es ihm daran gelegen gewesen wäre, einen Sündenbock zu suchen. Die Richter machten sich eifrig Notizen. EICHMANN WIRD NERVOES Eichmann, der bleich in seiner Glaskabine sass, schien immer nervöser zu werden, als er hörte, wie der Gcneralstaatsanwalt einen Einwand des Verteidigers nach dem anderen abwies. Er machte in fieberhafter Eile in den vor ihm liegenden Block Anmerkungen, die für. Dr. Servatius bestimmt waren. Dr. Hausner schlug das Ersuchen ab, den Nazi Emst Wetzei als Zeugen zur Entlastung Eichmanns vorzuiaden, da das Oberste Gericht scon in einem anderen Fall entschielen habe, keine neuen Zeugen zuzufassen, wenn nicht bewiesen sei, dass es der ersten Instanz nicht möglich war, ihre Aus- I sage zu erlangen. Hier verwies er auf die englische I Gesetzgebung, die bestimmt, | dass neue Zeugen bei einer l Berufung nur verhört wer-; den können, wenn sie glaub-; würdig sind. Daher müsste! das Gericht sich erst eine : Meinung Uber die Glaub-! Würdigkeit des neuen Zeu gen bilden, und im übrigen würde nichts, was Wetze] aussagen könnte, irgendetwas an den vorliegenden Beweisen ändern. EIN EXEMPEL STATUIEREN Der Generalstaatsanwalt machte die fünf Richter, die über Eichmanns Appellation an den Obersten Gerichtshof zu entscheiden haben, darauf aufmerksam, dass das Todesurteil bestätigt werden müsse, damit „ein jeder, der Lust verspürt, seinem Beispiel zu folgen, wissen soll, dass Rache und Tod sein Ende sein werden.” Die Argumente des Strafverteidigers Dr. Robert Servatius, der sieh auf die Ablehnung der Todesstrafe 1 durch die Philosophen Rousj seau und Montesquieue berufen hatte, beantwortete Dr. Hausner mit den eigei nen Worten Eichmanns.! nämiieh, dass „die Reue unj wichtig ist, und er daher keine Reue bekunden kann.” Nunmehr steht die Enderj klärung des Verteidigers! aus, und darauf wird das Gericht einen Monat brauchen, um sein Urteil zu for- . mulieren. Gerichtspräsident Richter Olshan bemerkte, das Gericht würde Dr. Ser vatius wahrscheinlich nicht gestatten, neue Zeugen zu I verhören, da es sich bei dem von ihm vorgeschlagenen Zeugen um einen Angehörigen der SS handele. Der Generalstaatsanwait erhob auch Einspruch gegen die Vorladung des Dr. Hans Globke, der auf Verlangen von Servatius als „Sachver-; ständiger” über die Nürnberger Gesetze vernommen werden soilte, da, wie Dr. I Hausner ausführte, alle I Welt sich darüber einig ist,! dass diese Gesetze „verbrecherisch” wgren und ausserdem diese Frage nicht zur I Diskussion stelle. ' EICHMANN FUEHLTE KEINEN ABSCHEU Dr. Hausner führte aus, I die in d?r ersten Instanz vorgelegten Beweise hätten ergeben, dass Eic-hmann aut eigenen Wunsch auf einen | anderen Post :n versetzt worden wäre, wenn er jemals „den geringsten Ahscheu” vor der ihm übertragenen Aufgabe gezeigt hätte. Er unterstrich, dass Eiehmann der einzige hohe Gestapobeamte gewesen sei. der in der von ihm geleiteten Abteilung in seinem Amt Verblieben sei, denn sein Büro kennzeichnete sich durch den häufigen Personalwcclisel. Er nannte die Behauptung des Verteidigers, Eich mann habe nach dem Kriege „als friedlicher Bürger in der argentinischen -Pampa gelebt” iächerfi -h und erinnerte daran, dass der Naziverbrecher noch im Jahre 1957 sein Bedenken, äusserte, „nicht alle europäischen Juden ausgerottet zu haben.” „Das ist der wahre Eichmann”, rief Hausner mit \ starker Stimme aus, „ein Mann, der alle seine grauenerregenden Taten in der Stille beging, der Mann, der auf einen einfachen Telefouanruf hin Tausende von Menschen in den schrecksten Tod schicken konnte, der Mann, auf dessen Befehl die Todesfabriken auf die Sekunde genau funktionierten.” Israels erster Botschafter Jerusalem. — Als erster Botschafter Israels in dem neuen unabhängigen ostafiikanischen Staat Tanganjika hat Rafael Ruppin vor kurzem in Daressalem sein Beglaubigungsschreiben überreicht. (JTA) ] Lage ander syrischen Grenze Tel Aviv. — Israelische Quellen dementierten die syrische Nachricht, dass ein israelisches Düsentlugzeug abgeschossen wurde und in Flammen absUirzte, als es sich wieder über israelischem Territorium be fand. Die ¡i/rer behaupteten ferner, dass ein zweiter israelischer Apparat beschädigt wurde. Der israelische Sprecher versicherte, syrische Flugzeuge hätten neuerlich den israelisch?« Luftraum verletzt und seien wieder von der israelischen Luftwaffe zurüekgetrieben worden. ln Damaskus verlautet, dass Ministerpräsident Maarif Dalibi vor dem syrischen Parlament erklärt habe, Israel mobilisiere einen Teil seiner Reserven und Syrien müsse darauf vorbereitet sein, einen neu en Angriff abzuwehren. Er unterstrich, dass das syrische Heer und die Regierung die notwendigen Massnahmen verfügten, um der angeblichen Gefahr gebührend zu begegnen. Wie es heisst, haben die Syrer längs der israelischen Grenze grosse Truppenkonzentrationen vorgenommen und die Einheiten seien mit den neuesten russischen Waffen ausgerüstet. Die Israelis sind ent schlossen, keine neue Aggression der Syrer am Tibfrrias-Sce zu dulden und werden die entsprechenden Massregein ergreifen. Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.635' ' impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831