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Jüdische Wochenschau · 1962-03-23 · 1952 (23.3.1962) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1952 (23.3.1962)
Date
1962-03-23
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German, Spanish
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it wfstietj und Uritewfjtina Dieses im Kurt Desch- Verlag. München erschienene Buch von Robert Ncumann hat berechtigtes Aufsehen erregt. Der Verfasser zeigt uns auf 252 Seiten Grossformat neben einigen Dutzend Faksimila amtlicher Kundmachungen, Verordnungen, Todesurteile und sonst als ..streng geheim“ bezeichneter Dokumente, noch 437 Fotos, Originalaufnahmen. die bisher der Oeffentlichkeit unbekannt waren. Das Foto-Dokumentarvverk Robert Neumanns hebt sich von den vielen Büchern über Hitler und sein Tausendjähriges Reich, die in den letzten Jahren den Büchermarkt überflutet haben, dadurch günstig ab, dass es oen Leser nicht mitten in die Dinge jener, dem normalen menschlichen Hirn unfassbaren Schreckenszeit — quasi in media res — hineinführt, wie dies bai den anderen Büchern dieses Subjets der Fall ist. sondern wie es Home.- in seiner Odyssee getan t,at, ab ove, vom entferntesten Anfang zu schildern beginnt. Dabei vermeidet Robert Neumann jede schriftstellerische Ausschmückung; er zeigt nur O'-iginalfotos. die er manchmal mit kurzen Sätzen über Ort und Zeit erläutert. Das Foto-Dokumentarvverk beginnt damit, dass uns der Verfasser ein Foto zeigt, Hitler als Baby darstellend. Dem folgen Fotos aus der Knabenzeit, wie er sich als „Zeichner“ produziert und schliesslich das Faksimile eines Briefes, in dem der arbeitslose Anstreicher Hitler wehmütig, aber doch überheblich, schreibt: „Weisst Du, ohne Ueberhebung, ich glaube immer, der Welt ist vieles verlorengegangen da durch, dass ich nicht an die Akademie gehen und das Handwerkliche der Malkunst erlernen konnte. Oder hat mich das Schicksal 2u etwas anderem ausersehen?“ Diesen Brief schrieb Hitler 1913, als er sich auf der Flucht vor dem österreichischen Militärdienst nach München absetzte; aber ein Jahr später, als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde er zur bayrischen Armee eingezogen.An der französischen Front hat Hitler offenbar genügend Zeit und Müsse gefunden, sich als Dichter zu betätigen, anstatt zu kämpfen. Ein Faksimile 'Seite 15) zeig*’ den lyrischen Erguss: „Tn einer Rauhnacht. 1915 im Felde / Ich gehe manchmal in rauhen Nächten / Zur Wotansweihe in den stillen Hain / Mit dunklen Mächten einen Bund zu flechten“. Nun folgen Fotos, die die prekäre Lage Deutschlands nach dem verlorenen Krieg zeigen: bettelnde Kinder und Greise; verarmte Mittelständler, die die städtischen Volksspeisungen belagern; Demonstrationen der Arbeitslosen und abgerüsteten Soldaten; die Umtriebe des Freikoprs Erhardt; Umzüge der von Hitler organisierten SA-Horden, die vielfach in Strassenkämpfen ausartetcten; Hitler als Spitzel der reaktionären „Reichswehr“; seine Verhandlungen mit General Ludendorff und den Grossen der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie; den Putsch in Münchner Bürgerbräu; das Faksimile der Proklamation vom 8. November 1923: An das deutsche Volk! Die Regierung der Novemberverbrecher in Berlin ist heute für abgesetzt erklärt worden. Eine provisorische Regierung ist gebildet worden. General Ludendorff, Adolf Hitler. Wir sehen Fotos vom Aufmarsch der SA zur Feldherrnhalle in München; die Verhaftung Hitlers, und endlich sehen wir ihn in seiner Zelle in der Festung Landsberg. — Dann war es kurze 'Zeit still um Hitler. Nach seiner Entlassung aus der Strafhaft sehen wir ihn mit von Papen, Schacht, Thyssen, Dr. Voegier usw. zusammen, und mit der Unterstützung dieser Gegner der Weimarer Republik ist Hitler der grosse Wurf gelungen, am 31. Januar 1933 vom senilen Reichspräsidenten v. Hindenburg zum Reichskanzler des deutschen Reiches ernannt zu werden. Wir sehen auf Seite 44 ein Foto: Hindenburg zwischen Hitler und Göring sitzend, denselben Hitler, den kurz vorher Hindenburg verächtlich den „böhmischen Gefreiten“ genannt hatte, und denselben Göring. von dem auf Seite 84 ein Faksimile des Spitals in Stockholm gezeigt wird, dass 1923 Göring dort als Morphinist behandelt wurde. Nun sehen wir die Fotos der ersten Amtshandlungen Hitlers als Reichskanzler: Massenverhaftungen; Abtransporte in die längst vorbereiteten KZ-Lager; die Vereidigung der deutschen Richter auf die NSDAP- Rechtsordnung; Carl v. Ossietzky und Erich Mühsam im Gefängnis; ferner drei Fotos, wie die höchsten Würdenträger der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche Hitler beglückwünschen. Ein Foto zeigt, wie der Päpstliche Nuntius in München, Kardinal Vassalo di Torrigossa Hitler versichert: Ich habe Sie lange nicht verstanden; jetzt verstehe ich Sie! Und Fotos folgen: vom Reichstagsbrand (27. 2. 331unö vom damit zusammenhängenden Prozess Dimitroff — van der Lubbe; von der Plünderung jüdischer Geschäfte; dem Autodafé der Bücher durch die „deutsche Studentenschaft”; den ausgebrannten Synagogen der Kristallnacht; es gibt Fotos, wo Hitler mit Chamberlain die Karte der CSR studiert und eins nach der Bereinigung der .Affaire Sudeten”, wie beide beim Festschmaus sitzen; das Foto, wie der Präsident der CSR, Hacha, für .sein Volk bei Hitler bittet — natürlich vergebens —; das Foto von der Unterzeichnung des Vertrages mit Stalin (1938) und endlich das, wo Hitler im Reichstag erklärte: Seit heute 5.45 früh wird zurückgeschossen! Jetzt folgen die seit Kriegsbeginn gemachten Fotos: die Waggons der Truppentransporte tragen die Aufschrift: Wir fahren nach Polen, um Juden zu versohlen; dann von Massen-Exekutionen; Vernichtungslagern; solche, die zeigen, wie alten Juden ihre Bärte abgeschnitten, anderen ihre Bärte mit Feuer verbrannt werden — und die SS-Män- Öas Leo DOKUMENTE-URKUNDEN CHRONIKEN-BILDER über die Geschichte des ehemaligen deutschen Judentums sammelt das LEO BAECK-INSTITUT durch d'e Redaktion der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU (Buenos Aires, Pueyrredon 2190, Tel,: 83-2613) PUBLIKATIONEN DES IEO BAECK INSTITUTES SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J C B. MOHR tPAUL SIEBECK) TUEBINGEN Ycar Book V I960 — VOM LB.-1NSTITÜT HERAUSGEGEBEN: BY THE EAST AND WEST LIBRARY, LONDON mit einer Fülle hervorragender Beitrage in englischer und deutscher Sprache, (416 Seiten) WERDE AUCH DU MITGLIED des Leo Baeck-Ins ti tu ts Anmeldungen bei Herrn CURT WILK, Moreno 2256, und im Büro der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU. Pueyrredon 2190. 1. izq. (83/2613) LITERATUR * Hebraeische Druckei Isny! Ein merkwürdig klingender Ortsname! Man denkt vielleicht an Nancy, an das Machsor des Simcha aus Vitry, an ähnlich klingende französische Namen, aber man würde nicht auf den Gedanken kommen, dass es ein deutsches Städtchen mit diesem fremdländischen Namen gäbe. Und doch ist es eine schwäbische Kleinstadt, sehr entlegen, in Oberschwaben, sehr hoch, auf beschwerlichen Wegen mit dem Auto und noch beschwerlicher mit langsam fahrenden Zügen auf Nebenbahnen von Kempten oder Leukirch zu erreichen. Das Reisehandbuch belehrt uns, das Isny eine alte Reichsstadt von sehr südlichem Charakter am Fuss der Allgäuer Voralpen ist und nur 4000 Einwohner hat. Reste einer Ringmauer mit vier Türmen und Toren sind vorhanden, in der Nähe ist das alte Römerkastell Vemania. Und in dieser entlegenen Kleinstadt haben auch einmal Juden gewohnt, am 1. September 1401 werden sie in der Reichssteuerliste erwähnt, und es gab sogar eine hebräische Druckerei von 1537—1544 dort, freilich von einem Apostaten Paulus Fagius begründet, in der von Rabbiner rer lachen; einem jüdischen Mädchen wurde oberhalb der Brust eingebrannt: Feld-Hure, A. 3652! Eine besondere Verachtung und Verspottung der menschlichen Kreatur zeigt das Foto 176: da werden die dem Tod Geweihten mit einer Musikkapelle in die Gaskammern geführt, wobei das Lied gespielt wurde „Alle Vöglein sind schon da”. Endlich folgen Fotos vom Zusammenbruch des Dritten Reiches: Der Weg zurück zur Wehrmacht, der dem Napoleons von 1812 gleicht; das Foto, wo die Marschälle v. Keitel und Jodl die bedingungslose Kapitulation unterzeichnen; befreite KZ-Häftlinge und solche der Vernichtungslager; herumirrende Soldaten, usw., aber ein jüdischer Gelehrter von Format als Korrektor tätig war und auch einen Teil seiner eigenen Werke druckte. Das war Elia Levita, auch Elia Habaehur, Elia Tischbi oder Elia Medakdek genannt, genauer: Elia Ben Ascher Halevi Germanus, also ein deutscher Jude, wahrscheinlich in Neustadt an der Aisch in der Nähe von Nürnberg am 13. Februar 1469 geboren. Vor den Verfolgungen in Deutschland rettete er sich nach Italien, führte aber ein unruhiges Leben, war bald in Padua, bald in Rom, bald in Venedig, meist durch wirtschaftliche oder politische Verhältnisse zum Wandern genötigt. Frühzeitig beschäftigte er sich mit jüdischer Sprachwissenschaft und war ein Vorläufer der modernen wissenschaftlichen Behandlung des Hebräischen. Er gab viele Schriften über hebräische Grammatik, Massora. Lexikographie heraus. Da diese Werke zum Teil für Christen bestimmt waren, lenkte er die Aufmerksamkeit hoher weltlicher und kirchlicher Würdenträger auf sich. Auf Einladung von König Franz I. hätte er den Lehrstuhl der hebräischen Sprache an der Pariser Universität einnehmen können, da aber damals den Juden der Aufenthalt in Frankreich verboten war, lehnte er es ab, als einziger Jude in Frankreich zu leben Er hätte auch eine Professur für Hebräisch an einer christliche" aJdiese Au; itui »n L5 d? entlegenen TcnV DCiJ*1 * bräischen °ruc fen und als Ko zu sein. ‘Von den vie usw. Der Verfasser Robert Neumann schreibt in seinem Vorwort: „Wir wollen, dass_ dieser Bildband vor allem den jungen Menschen in die Hände kommt, die morgen die Verantwortung tragen werden. Denn wir weigern uns zu verschweigen, dass Gespenster von gestern Realitäten von heute sind.” Und wirklich! Dieses Foto-Dokumentarwerk müsste in allen Schulen Deutschlands im Geschichtsunterricht immer wieder und wieder behandelt werden, damit die heutige Jugend sieht, was ihre Väter geleistet haben. Den Vätern selbst sind die Grausamkeiten aus eigener Erfahrung, aus ihrer Mittäterschaft, hinreichend bekannt; sie können durch das Wirtschaftswunder zeitweilig abgelenkt, aber niemals ungeschehen gemacht werden! Der 'Perserkönig Darius Hess sich täglich bei seinen Mahlzeiten erinnern, dass er den Athenern für die Zerstörung der Stadt Sardes Rache schuldig sei; gin Diener musste ihm die Worte zurufen: Herr, gedenke der Athener! Wir Juden, die wir über sechs Millionen unserer Brüder und Schwestern, Eltern und Kinder verloren haben, müssten das hier 'beschriebene Buch immer wieder lesen, weil wir Menschen sind, denen es genügt, Mensch zu sein und nicht sagen wollen: Herr gedenke der Deutschen. yuu U~1 die er in d“ " reu in Isrb' einig' nee nur - meinerem Inter< werden: Er ga buch der hebrf matik in *ffel[e t« Auflage he das schon M' Approbation des Rabbinerkollegiu uen war. Er nan seinem Beinam chur. Dieses W Sebastian Mmst teinische überti herausgegeben v ner erklärte er bräisohe, aram fremdsprachige der jüdischen Li Heranziehung d scheu, Lateinis Italienischen. Ei Arbeit den Titi (Anspielung au! pbeten Elia und 7l2>. Die Arbei tenischer lieber Fagius 1541 in l nen. Er gab i mit dem Komr David Kimchi! schrieb dazu gen <15421. Unt< „Meturgeman" eis Wörterbuch gttmim, den Sibelübersetzur Die BARMITZWA unseres Sohn ARTURO findet s. G. w. am Samstag, den 31. M der Leo Baeck-Synagoge, Vidal 2049 Uhr statt. Edith und Erich Neul Empfang; Samstag, den 31. Maen 17—19 Uhr Cangallo 2479, 2, Stc Sara Herz geb. Vogel Enrique Jaffe un Re|a leb. Me geben die VERLOBUNG ihrer Ki¡ SILVIA RAQUEL und CARLO bekannt, die s. G. w. am 25, Maerz stattiindet. Holmberg 1541 CARLOS^ ENRIQUE BADER CATALINA BADER geb. NyD| VERMAEÜLTe 1 Die Trauung findet s. G. w. a« ¡L . März, um 21.30 Uhr im Tempel statt. au- * Rojas 1345 dp. 1 Zur r SILBERHOCHze1t gratulieren wir unseren Freunden RELA und ENRIQUE JÄFf. MxdZi,.

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