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Jüdische Wochenschau · 1962-03-19 · 1951 (19.3.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1951 (19.3.1962)
Date
1962-03-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 — 1? izq. £xJem£ota^\aeJUa T E. 832613 Año XXIIÍ. UENOS AIRES, VIERNES 16 DE MARZO DE 1962 No. 1951 Die Regierung Argentiniens gab ihrer Entschlossenheit Ausdruck, das Aufkeimen von Ideologien totalitärer oder rassistischer Prägung ebenso wie die Aufrichtung von totalitären Regierungsformen oder Systemen zu verhindern. Die Ankündigung wurde von Innenminister Dr. Vitolo am Ende einer Audienz gemacht, die der Präsident Argentiniens, Dr. Arturo Frondizi den Vertretern der DAIA gewährte, und bei der der Innenminister zugegen war. An der Spitze der Delegation der DAIA, die vom Präsidenten empfangen würde, stand Dr. Isaac Goldemberg. Ferner gehörten ihr die Doctores Gregorio Faigon. Antonio Lutzki, Moises Goldman, sowie die Herren Tobias Kamenszain und Elilio Gutkin an. Dr. Vitolo wurde nach Beendigung der Audienz von den vor der argentinischen Regierung akkreditierten Journalisten über den Verlauf des Gesprächs des Präsidenten mit den Repräsentanten der DAIA befragt. Er erklärte, die DAIA hätte ihn in seiner Eigenschaft als Minister des Inneren um eine Audienz ersucht, doch der Präsident habe den Wunsch geäussert, die Delegation angesichts de'r bekannten Vorkommnisse persönlich zu empfangen. Bei dieser Gelegenheit wiederholte Dr. Frondizi den Standpunkt der Regierung zu dem Problem, das er selbst in seinen Ausführungen umriss, sowie den absolut festen Vorsatz seiner Regierung, im gesamten Gebiet Argentiniens das Aufkommen totalitärer und rassischer Ideen im Keim zu ersticken. KEINE RASSISTISCHE PROPAGANDA Den Delegationsmitgliedern wurde ferner zur Kenntnis gebracht, dass die Regierung an das zuständige Ministerium eine Note gerichtet hat, in der mitgeteilt wird, dass die Anwendung über den Rundfunk oder das Fernsehen von Ausdrücken, die darauf hinzielen. Personen oder Gemeinschaften wegen ihrer rassischen Merkmale oder religiösen Ueberzeugungen zu verleumden, zu belästigen, lächerlich zu machen oder anzugreifen, streng verboten ist. Desgleichen werden sämtliche Uebertragungen jeglicher Propaganda untersagt. die die Errichtung totalitärer Regierungsformen oder Systeme bezweckt. Die argentinische Regierung ist in keiner Weise darum besorgt, dass sie selbst bei diesen Sendungen angegriffen oder ihre Handhabung der Verwaltung des Landes kritisiert werden könnte, selbst wenn diese Aeusserungen sich gegen den Präsidenten des Landes WIE ICH ES SEHE Man sollte sich das merken i>*n JEHUDA GÜTTHEIMER Auslieferung verlangt Die NATO, die alliierte /erteidigungs - Organisation :les Atlantik, wurde vor einigen Wochen durch einen -ussischen Antrag beunruligt, dar an die USA gehellt worden war. Verlangten doch die Russen nicht .veniger als die Auslieferung des heutigen Vorsitzenden des Ständigen Miliärausschusses der NATO, ler in Washington residiert, Vdolf Heusinger, der während des letzten Weltkrieges einer der bekanntesten Geieräle Hitlers gewesen ist. Ms man Heusinger vor nehr als Jahresfrist auf seilen neuen hohen Posten be- •ief, war seine Vergangenheit natürlich allen Beteiigten bekannt. Heusinger, ier ein Buch zu seiner Rechtfertigung unter dem fitel „Befehl im Wideritreit” veröffentlicht hat,;ilt als einer der ständigen Opponenten Hitlers. Allerlings ist diese von ihm behauptete Rolle nicht unbestritten. In letzter Zeit konnten Anzeichen beobachtet werden, dass sich in den NATO-Ländern allmählich die Erkenntnis durchsetzt, wie schlecht man beraten war, den von Moskau schwerer Kriegsverbrechen beschuldigten General zum Vorsitzenden des obersten militärischen Gremius des Atlantikpaktes zu wählen. Die Affäre hat grossen Staub aufgewirbelt. Heusinger hat erst vor einigen Tagen erklärt, dass er die sowjetischen Anklagen zurückweisen müsse. Damit dürfte aber wenig getan sein. Zu diesem Fragenkreis hat sich auch der Jüdisch- Amerikanische Kongress geäussert, der die Ansicht vertrat; dass Heusinger untragbar sei, nicht aber an die Russen ausgeliefert werden solle. In einer Erklärung heisst es: „Wir lehnen Heusinger aus dem Grunde ab, dass nierrjand, der in Hitlers Hauptquartier einen hohen und einflussreichen Posten bekleidet hat, eine führende Stellung in der Verteidigungsbereitschaft der freien Welt einnehmen sollte.” oder die Mitglieder der Regierung richten sollten. In dieser Richtung wurde keine Massnahme verfügt, und es werden auch keine Verfügungen erlassen werden, so plump und respektlos die Angriffe auch sein mögen. Doch was die Rassenhetze angeht, so erklärte Dr. Vitolo, „sind wir entschlos-, sen, hier energisch einzuschreiten, weil wir es für notwendig erachten, die Einheit der Nation zu wahren und mit aller Entschlossenheit die Gefühle eines Volkes zu erhalten, das niemals Rassenunterschiede noch Zwistigkeiten kannte, die sich auf die Verschiedenheit der religiösen Bekenntnisse gründeten. Wieder syrischer Feuerangriff Tel Aviv. — Nach einer langen Periode'der Ruhe an der Grenze des Tiberias-Sces beschoss syrische Artillerie mit Antitank-Kanonen ein israelisches Polizeiboot. Zwei Mann der Besatzung wurden schwer verwundet und mussten ins Hospital geschafft werden. Der Zwischenfall nahm seinen Anfang als israelische Fischer, die in zwei Booten ausgefahren waren, 500 Meter vom Nordufer des Sees entfernt ihre Netze auswarfen. Lyrische Truppen nahmen sie unter Maschinengewehrfeuer. Das israelische Poljzeiboot kam den Fischern zu Hilfe und erwiderte die Schüsse, um den Rückzug der Fischer zu decken. Hierauf schossen die Syrer mit ihren Antitank-Kanonen und mehrere Geschosse trafen ihr Ziel. Der Mannschaft gelang es jedoch, das Fahrzeug aus eigener Kraft an das Ufer zu bringen. Jerusalem. — Das Aussenministerium erhob vor der gemischten Waffenstillstandskommission Protest und wies darauf hin, dass es die Attacke der Syrer gegen ein israelisches Patrouillenboot auf dem Tiberias-See als „üusserst ernst’” erachte. Es hat sich bestätigt dass die Syr-ör die Angreifer waren und nicht j die Israelis, wie von syrischer Seite behauptet wurde. ‘ (ITA) i Die Russen haben ihren Auslieferungsantrag u. a. damit, begründet dass Heusinger Chef der Abteilung des Generalstabs gewesen' sei, von derdie Pläne für die Uebe.fälle auf Russland, Grossbritannien, Frankreich, Jugoslawien, Griechenland, Belgien, Holland und andere Länder ausgeaibeitet worden sind. Heusinger sei auch an der Durchführung des Unternehmens „Barbarossa” gegen die Sowjetunion massgebend beteiligt gewesen. I-Ieusinger soll ferner, wie die Russen behaupten, eng mit der Gestapo, dem SD und der SS, zusammengearbeitet haben und für die Erschiessung Von Geiseln, Zivilisten und Kriegsgefangenen mitverantwortlich sein. Die gegen Heusinger erhobenen — äusserst schwe-1 ren — Vorwürfe können nicht mit einer Handbewegung, am wenigstens mit einer Handbewegung Heusingers abgetan werden. Die Situation ist für die Amerikaner nicht angenehm, da die Russen aufgrund des Viermächte-Abkommens berechtigt sind, einen solchen Ausliefeiungsantrag zu stellen. Natürlich hat diese neueste Affäre ihren eigenen politischen Hintergrund. Falls die Amerikaner das Bestehen dieser Klausel des Viermächte - Abkommens nicht anerkennen, geben sie den Russen ein billiges Argument an die Hand, sich über die anderen Bestimmungen dieses Vertrages hinwegzusetzen, z. B. in der Berlin-Frage. II. Sb drohen mit Heimkehr „Wir gehen nach Hause, wenn die Aegypter die deutsche ßchule schiiessen”, antworteten die Deutschen in Kairo auf die Ankündigung der ägyptischen Behörden über die bevorstehende Nationaisierung der ausländischen Schulen. Hierzu muss man wissen, dass die deutsche Schule in Kairo die grösste der - ausländischen Nur wenige Journalisten Jerusalem. — Nur wenige ausländische Journalisten werden nach Israel kommen, um der Verhandlung über die Berufung Eichmanns vor dem Obersten Gericht beizuwohnen, wie das Pressebüro der Regierung bekanntgab. Dieser Information zufolge liegen keine neuen Anträge auf Presseausweise vor. Bei der Eröffnung des Prozesses im vergangenen April waren 400 Auslands - KorresDondenten anwesend, während es bei der Urteilsverkündung im Dezember nur noch 30 waren. (ITA) Schulen sein soll. Leben doch hunderte deutsche Techniker, Industrievertreter, Diplomaten und Lehrer im Nasserschen Aegypten, wo sie ein herrliches Paradies und Betätigungsfeld gefunden haben. Vor allem brauchten sie nicht umzulernen. Sie konnten dieselben Nazis bleiben, die sie waren. Im Gegenteil, weil sie Nazis waren hatte man sie dorthin kommen lassen. Voller Wut reagieren die Deutschen auf die geplante Aegyptisierung. Habe doch die Bundesregierung tausende junge Aegypter nach Deutschland geholt, wo sie ausgebildet werden. Ausserdem habe man den Aegyptern versprochen, in Kairo ein Polytechnikum zu bauen. „Dafür schliesst man uns jetzt die Schulen, heisst es in einer Verlautbarung, sagen nun die Deutschen voller Grimm. Die Aegypter betrachten die Nationalisierung der ausländischen Schulen wiederum als einen unbedingt erforderlichen Schritt. Die Presse bezeichnete die „Arabisierung der Schulen als eine Notwendigkeit, um die Kinder Aegyptens vor der Beeinflussung durch die Ideen des Imperialismus zu schützen... Die Nationalisierung der Schulen garantiert die Propagierung des Sozialismus und die Gleichheit für alle Kinder...” Man erfährt viele interessante Einzelheiten am Rande dieses Konfliktes. Bonn bezahlte jedes Jahr für diese Schule 400.000.— DM als Zuschuss. Fast 40 deutsche Lehrer wurden verpflichtet; ob der NS-Zimm dabei ist, der mit Hilfe — von wem, wissen wir nicht — entfliehen konnte, wurde nicht bekannt gegeben. Der Schule Jerusalem. — Die Regierung veröffentlichte im Staatsanzeiger eine von Polizeiminister Shitrit Unterzeichnete Verfügung, durch die der Chef des Gefängniswssens ermächtigt wird, „einen Henker zur Vollstreckung der Todesstrafe” zu bestimmten, die über Adolf Eichmann verhängt worden ist, im Falle das Urteil vom Obersten Gerichtshof bestätigt wird und der Justizminister schriftlich sein Einverständnis zur Durchführung der Hinrichtung mitteilt. Die Zustimmung des Justizministers kann nach dem Gesetz erst dann erfolgen, wenn der Präsident es abgelchnt hat, sein Recht auf Begnadigung oder Abänderung der Strafe auszuüKen. Des weiteren wurde der Gefängnisdirektor durch eine andere Verfügung des Polizeiministers bevollmächtigt, jedweden Brief, Manuskript oder sonstiges Schriftstück, das der Gefangene vor oder nach dem Urteilsspruch geschrieben hat, an sich zu nehmen”. Diese Verordnung kann auf die Memoiren Anwendung finden, die Eichmann als „letzte Erklärung” im Gefängnis verfasst hat. Der israelische Justizminister Dow Joseph erklärte in der Knesset, die Regierung werde nicht zulassen, nass Dr. Servatius die Verteidigungskosten aus der Veröffentlichung der Memoiren zahle, die Eichmann im Geliingnis verfasst habe, obwohl er darum ersucht hat, das Manuskript ins Ausland mitnehmen zu dürfen, um dort e’nen Verleger zu finden und mit dem Erlös aus dem Verkauf dieses Buches die Prczesskosten zu decken. Minister Joseph erinnerte daran, dass Israel, dem Verteidiger Eichmanns für diesen Zweck schon 20 000 Dollar gezahlt hat, aber Servatius habe nach dem Prozess erklärt, dieser Betrag sei in Anbetracht der langen Verhandlungszeit nicht ausreichend gewesen. Inzwischen ist Eichmanns Verteidiger, der kölner Anwalt Dr. Robert Servatius in Israel eingetroffen, um am 22. März die Berufung seines Klienten vor dem Obersten Gerichtshof zu vertreten. Nachdem sich Servatius beschwert hatte, es sei „eigenartig“, dass das Appellationstribunal die Publikation seiner Berufung verboten habe, widerrief das Gerichi seinen eigenen Entschluss und gestattete diese Veröffentlichung. Die Berufung zählt 95 Einwände gegen das erstinstanzliche Urteil auf. Servatius fordert die Einvernahme von Zeugen, darunter Mosche Sharett, und bittet den Justizminister um Auskunft darüber, ob die argentinische» Regierung darauf verzichtet hat, die Verfolgung der Entführer Eichmanns einzustellen. Ferner beantragt er eine neue Verhandlung, um die Aushändigung des von Eichmann im Gefängnis geschriebenen Manuskripts zu erlangen. Servatius erwartet, mit seinem Klienten in Kürze sprechen zu können, und beabsichtigt, auch General-' Staatsanwalt Hausner und den Direktor dis israelischen Gefängniswesens aufzusuchen. Dr. Servatius beabsichtigt, den Staatspräsidenten Ben Zwi um die Begnadigung seines Mandanten zu ersuchen, falls das Oberste Gericht die Berufung abwei^en sollte. Servatius teilte mit, einer der Brüder Eichmanns habe um die Erlaubnis ersucht, den Verurteilten im Gefängnis besuchen zu dürfen, doch hänge dies noch vom verschiedenen Faktoren, einschliesslich finanzieller Natur, ab. Er erzählte ferner, dass er in Deutschland mit Eichmanns Frau gesprochen habe, lehnte es jedoch ab. über den Inhalt dieser Unterhaltung Näheres mitzuteilen. Obwohl die grosse Mehrheit der Israelis der Ansicht ist, die Todesstrafe solle vollstreckt werden, wenn der Oberste Gerichtshof das Urteil bestätigt, so erheben sich verschiedene Stimmen gegen eine Hinrichtung, darunter die von Prof. Martin Buber, der eine zweistündige Unterredung mit Ministerpräsident Ben Gurion hatte und diesen von seinen Argumenten zu überzeugen versuchte. V.'ie jedoch aus verschiedenen Quellen verlautet, ist Buber dies nicht gelungen. stand immer das modernste Material zur Verfügung, auch schöne Autobusse. Mit einem Wort: Bonn hat sich die ägyptische Freundschaft etwas kosten lassen, die jetzt so schnöde beantwortet wird. Es herrscht helle Aufregung. Die Aegypter werden sich das deutsche Eigentum mit oder gegen den Willen der dortigen Botschaft einverleiben. Nasser nationalisiert. sozialisiert, nimmt alles, was ihm nicht gehört. Solange er nur jüdii sches Eigentum sectuestrierte, hat niemand etWas gesagt. Nun aber wo es anderen an den Kragen geht, merken sie, in welcher Lage sie sich befinden Das ist die alte Melodie. Das Leid und das Unrecht, das anderen widerfährt, schmerzt nicht. Man muss selbst darunter leiden, um zu protestieren. Die deutschen Techniker sollen erklärt haben: „Wir gehen nach Hause.” Nasser i stört das schon nicht mehr. ’ Er braucht sie nicht, er kann dieselbe Ware aus Russland oder den Satellitenländern beziehen. Er antwortete: „Wem es bei uns nicht passt, der kann gehen. Er kann ein Ausreisevisum ohne Schwierigkeiten bekom men.Die deutschen Fachleute in Aegypten sind die Helfershelfer Nassers bei seinen Erpressungsversuchen gegen Israel gewesen. Jetzt hat der Diktator ande re .Freunde’, die Nazis sind wahrscheinlich überflüssig geworden. Sie .drohen’ damit, dass sie Aegypten verlassen wollen, aber nicllt alle werden heimkehren, weil ihnen in der Bundesrepublik der Boden vielleicht doch noch zu heiss ist. III. Der Abgeordnete Die Inkonsequenz der po litischen Haltung der verantwortlichen Männer der Bundesrepublik wird am Fall des Abgeordneten von Schleswig-Holstein und Bürgermeisters von Westerland deutlich. Dieser Abgeordne te, Heinz Reinefarrli, dessen Fall schon lange die Oeffent- (Schluss auf Seite 2) Von den Juden in Marokko Casablanca. —r Die marokkanischen .,uden sind Bürger des Landes und „haben die gleichen Rechte auf einen Pass wie alle anderen Bürger’ , erk.ärtc Allal El Fassi, der Minister für islamische Fragen. Fassi ist nicht nur Mitglied des Kabinette sondern auch Führer der rechtsgerichteten Istiklal-Partei Er gab diese Auskunft auf eine Frage, die ihm in »-.ner Versandung des Nationalverbandes marokkanischer Studenten gestellt wurde. „Ich sehe keiner Grund”, so äusserte er, „warum es den jüdischen Bürgern verwehrt sein sollte, das Land zu verlassen.” Die oppositionelle Linkspartei veröffentlichte eine heftige Kritik an der Erklärung Fassis dass die Juden Pässe erhalten könnten. (ITA;

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