Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1949 (2.3.1962)
- Date
- 1962-03-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9616703-9612947-9613073--1955-9613077- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Viernes, 2 de Marzo de 1962 LA SEMANA ISRAELITA Alío XXIII. — No. J94* DER UMWERTUNG DER WERTE Vor etwas über vierzig Jahren, zwei Tage nachdem er seinen einzigen Roman „Mirjam“ vollendet hatte, j starb in Berlin, wo er seit \ 1913 in grösster Zurückgczoj genheit und emsiger Produk-1 tivität gelebt hatte, Micha! Joseph Berdyczewski. Noch ' heute ist sein getreuer Sohn Immanuel Bin Gorion damit beschäftigt, den l:rera-! rischen Nachlass seine . Vaters auszuwerten, obwohl noch zu Lebzeiten des Au-. fors bei Sztvbel in Warschau ‘ eire 20bändige Gesamraus-1 gäbe d;r hebräischen und eine sechsbändige der mehr! volkstümlichen jiddischen! Schriften des Autors zu erscheinen begann. Der Sehn; lind Herausgeber Immanuel' Bm Gorion. der in Tel 'viv lebt, ist nunmehr bestrebt,' von SCHALOM BEN-CHOR IN eine vierb-ändige Ausgabe letzter Hand vorzubereiten, die sozusagen die gültige Form des Werkes darstellen soll. Berdyczewski. oder wie er sieh später nannte Bin Gorion ‘das "Bin” mu “i” statt des gebräuchlicheren Ben übernahm er aus Verehrung für Josua den Sohn N'uns. der in der Bibel Jehoschua Bin - Nun genannt wird*, schrieb in drei Sprachen: Hebräisch. Jidu:sch ur.d Deutsch. Als hebräischer Stilist ist er sieher bahnbrechend gewesen — aber seine tiefste Wirkung hinterliess er eigentlich im deutschen Sprachkreis. dem er wie kein anderer das jüdische Sagen- und Märchengut der Midrasch und der Aggada vermittelte. Hier wirkte seine Gattin Rahel Romberg-Bin Gorion als Uebersetzerin. Während in der neuhebräischen Literatur die Sammlung von Bialik-Rawnitzki ,,Sepher Haaggada“ den zentralen Platz einnimmt und Zehntausende hieraus ihre Kenntnis deshebräischen Sagenschatzes schöpfen waren es die beiden Sammlungen von Bin Gorion ..Die Sagen der Juden“ und ,Der Born Judas”, die der deutsch lesenden Judenheit und literarisch interessierten Kreisen die Kenntnis dieses weiten Gebietes schöp¬ Das Leo Baeck Institut sucht DOKUMENTE-URKUNDEN CHRONIKEN-BILDER über die Geschichte des ehemaligen deutschen Judentums sammelt das LEO BAECK-INSTITUT durch d e Redaktion der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU (Buenos Aires, Pueyrredon 2190, Tel,: 83-2613) PUBLIKATIONEN DES LEO BAECK INSTITUTES SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBINGEN Year Book V I960 — VOM L.B.-INSTITUT HERAUSGEGEBEN: BY THE EAST AND WEST LIBRARY, LONDON imtk einer Fülle hervorragender Beitrage in englischer und deutscher Sprache. (416 Seiten) WERDE AUCH DU MITGLIED des Leo Baeck-Instituts Anmeldungen bei Herrn CURT W1LK, Moreno 2256, und im Büro der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU, Pueyrredon 2190, 1, izq. (83/2613) ferischer Volksphantnsie vermittelte. „Die Sagen der Juden“ schliess-en sich direkt an die biblischen Bücher an. während der „Born Judas“ die späteren Mythen und Märchen sammelte Die ursprünglichen Ausgaben bei Rütten & Löning in Frankfurt a. M. und im Insel-Verlag zu Leipzig wandten sich sofort über den jüdischen Kreis hinaus ar. ein weiteres Publikum, dem hier völliges Neuland erschlossen wurde. So wie Martin Buber der westlichen Welt den Chassidismus vermittelte, vermittelte Bin Gorion mit Hilfe der ausgezeichneten Uebertragungen seiner Frau die Welt des Midrasch und der Aggada, dem westlichen literarischen Publikum. Die beiden Sammlungen wurden 1934 und 1935 vom Schokken-Verlag in Berlin neu herausgegeben. sich nunmehr in diesen Jahren der iiidischen Tragödie, mehr nach innen wendend. Es ist interessant festzustellen, dass „Der Born Judas“ 1959 im Insel-Verlag in Wiesbaden in dritter Auflage erschienen ist, da auch heute wieder das Interesse für „iese einzigartige Sammlung in weiten Kreisen besteht, denn „Der Born Judas“ gehört zu den klassischen Märchensammlungen der Weltliteratur. Bin Gorion war nicht nur als Sammler alten jüdischen Sagen- und -Märchengutes tätig; er schuf selbst ais Erzähler Novellen aus dem ostjüdischen Millieu seiner Herkunft, stammte er doch aus einem chassidischen Rabbinerhaus aus Medshibosh . (Ukraine), der Geburtsstadt des Baal Scnem- Tow, des Stifters des Chassidismus. An der berühmten Jeschiwa von Wholxhyn erhielt Berdyczewski seine rabbinische Ausbildung, studierte dann an westl-chen LTniversitäten und picmovierte in Bern. Innerhalb der hebräischen Literatur gehörte Bin Gorion zu jenen Aufklärern, die alle Bindungen der Tradition abstreiften und ein rein nationales Judentum vertraten, eine Haltung die Bin Gorion z. B. mit *’em Philosophen Jakob Klatzkin teilte. Während Bin Gorion als Schilderer des ostjüdischen j Ghetto nur einer in der Rei-! he dieser Autoren ist. die; von Mendale Mocher Sepha- . rim über Perez zu Schalom Alejchem und Schalom Asch : reichte — für deutschsprai ehige Leser sei hier auf Bin | Gorions Sammlung „Zwei! Generationen“ (Wien 1918) verwiesen, so liegt seine tiefste und dauerndste Bedeutung aber auf dem Gebiet der wissenschaftlii-hen Erforschung der Anfänge und Ursprünge der Religion Israels. Hier ist vor allem sein monumentales Haupt-Werk „Sinai und Garizim“ zu nennen, das eine radikale „Umwertung der Werte“ darstellt: das zentrale atiftungsereignis ist für Bin Gorion nicht die Offenbarung am Sinai, sondern Josuas letzter Landtag uos. 24) zu Sichern. Der Berg Garizim ist der heilige Berg kat exochen, nicht der Sinai, der nur eine Station der fortschreitenden Gesetzgebung darstellt. Nicht der Dekalog, die Zehn Gebote sind das Herzstück de* Gesetzes, sondern der Dod“kaiog, die Zwölf archaischen Flüche <Dt. 27. 15—26* und nicht die zwei Bundestafeln sind das Ursprüngliche, son dern die 12 unbehauenen Steine (Jos. 4) sind das älteste Bundes-Denkmal Israels. Quintessenz: nicht Moses sondern Josua ist der Stifter der Religion Israels. Es lässt sich denken, dass I ThP'iripn mphr Von den algerischen Juden London. — Ein Drittel der jüdischen Bevölkerung von Algerien, die auf 110.000 Seelen geschätzt wird. ist entschlossen, in einem unabhängigen Algerien unter mohammedanischer Herrschaft zu bleiben, wie das Blatt „Spectator” mitteilt. In diesem Bericht heisst es, dass es sich hauptsächlich um Juden handelt, die in kleineren Städten mit 60.000 bis 75.000 Einwohnern leben, welche bisher von den blutigen Kämpfen zwischen den für ein französisches Algerien eintretenden Europäern und der mohammedanischen Untergrundbewegung FLN verschont gewesen sind. Ein jüdischer Geschäftsmann in einer kleineren Stadt äusserte zu einem Journalisten, „ethnologisch und kulturell sind wir den Arabern näher als den Franzosen; wenn das Land bald seine Unabhängigkeit erhalten wird, werden unsere Dienste vonnöten sein, und dies wird die Garantie für unsere Sicherheit darstellen.” Der Berichterstatter stellt weiter fest, dass die zwei Drittel der algerischen Judenheit, die nicht in einem mohammedanischen Algerien leben wollen, es vorziehen, anstatt nach Israel nach Frankreich auszuwandern, da sie französische Bürger seien. UTA) Ein neues Kulturinstitut in Israel New York. — Das American Jewish Committee kündigte ein Sonderorogramm für Kultur- und Erziehungsaustausch in Israel an. Um diesen Plan zu verwirklichen, soll in Tel Aviv ein Büro eröffnet werden, wie Dr. John Slawson, der amtswaltende Vizepräsident dieser Organisation mitteilte. Máximo Yagupsky, der 16 Jahre lang das lateinamerispruch als Anerkennung fanden. Sie machten nicht Schule, aber die Methode ist heute noch bemerkenswert. Das Archiv Bin Gorions wird von seinem getreuen Sohn Immanuel Bin Gorion heute im Hause des vor fünf Jahren verstorbenen Abessinien-Forschers Dr. Jacques Faitlovitch verwahrt (Tel Aviv, Witkin Str. 10) und birgt noch viele Schätze, die der Förderung harren. Ungeachtet aller Sonderbarkeiten im Werke Bin Gorions, der einer der kühnsten Neuerer der modeinen hebräischen Literatur war. sind gerade wir Juden des deutschsprachigen Kultur kreises seinem Andenken tief verbunden, denn wenn er nur „Die Sagen der Juden“ und „Der Born Judas“ geschaffen hätte, wäre er schon einer unserer bedeutendsten Erzieher geworden der entscheidend dazu beitrug den entfremdeten postassimilatorischen Juden ihr eigenes Kulturgut wieder zu erschlossen. kanische Büro des American Jewish Committee geleitet hat, wurde zum Direktor der neuen israelischen Zweigstelle ernannt. Das Ziel der Neugründung ist.die Vertiefung des gegenseitigen Verständnisses zwischen den Israelis und den Juden in Nordamerika und anderen freien Ländern in der Welt. Im besonderen sollen Jugendliche und Erwachsene in Israel erfasst werden, um ihre Kenntnis des jüdischen Lebens in den Vereinigten Staaten zu erweitern Der neue Direktor wird es sich auch angelegen sein lassen, dem American Jewish Committee die Probleme der israelischen Gegenwart, die für die nordamerikanische Judenheit von besonderem Interesse sind, darzulegen. Einer der wichtigsten Punkte des Programms wird die Veröffentlichung einer unabhängigen hebräischen Zeitschrift sein, deren Herausgabe nach dem Vorbild der von der nordamerikanischen Organisation unter dem Namen „Comentary” publizierten Monatsschrift geplant ist. Dem Büro soll ferner die Aufgabe obliegen, zur Klärung der Beziehungen zwischen Israelis und anderen Judenheiten beizutragen. Zu diesem Zweck wird Yagupsky mit Unterstützung israelischer Soziologen die Haltung der israelischen Jugend zu den Juden ausserhalb Is.aels studieren. (ITA) Mein lieber Mann BERNARD0 SALNO (Berek Saiomonowicz) ist r.sch kurzer Krankheit von mir gegangen. STEFANIE SALNO geb. ALTMANN Buenos Aires, 28. Februar 1962 Blanco Encalada 3411 Die Beisetzung hat bereits stattgefunden. L’nser treues Mitglied und ergebener Mitarbeiter, Herr BERNARD0 SALNO ist r.aeh kurzem Leiden in die Ewigkeit eingegangen. Wir werden sein Andenken in Ehre und Liebe wahren. BET ISRAEL Der Familie unseres langjährigen Chawers ADOLF FISCH sprechen wir unser aufrichtiges Beileid aus. Comisión Directiva BAR KOJBA f * 7