Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1948 (23.2.1962)
- Date
- 1962-02-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Viren««, 23 de Febrero de )9«2 LA SEMANA ISRAELITA ABir XXIlí. — No. 1948 Das Schicksal der Anneke ln Maastricht stellte sich; vor kurzem ein Mädchen, das gerade wenige Tage , vorher 21 Jahre geworden war. einer. Pressekonferenz vor rund 50 holländischen ' Journalisten. Es war nicht nur für die Vertreter der i Presse ein grosses Ereignis, sondern auch für die gesamte holländische. Oeffentlich- 1 keif bedeuteten diese Erklärungen eines nur 21jährigen Mädchens eine Sensation ersten Ranges. j Seit dem Ende des Krie- | ges, also seit 16 Jahren, hat das Schicksal des jüdischen Mädchens Anneke Beekman, j immer wieder und im steigenden Massdie Anteilnahj me von Millionen Hollän- I dern erregt. Die Geschichte j von Anneke, die jetzt zu ei-1 nem gewissen Abschluss gekommen zu sein scheint, ist sicher beispiellos, und das nicht nur für Holland. Das jetzt zu einem jungen charmanten Mädchen gereifte Kind hat 18 Jahi-e ein heimliches und verstecktes Leben geführt, oder genauer gesagt: führen müssen. Die Frage, die mit dem seltsamen Schicksal von Anneke Beekman eng verknüpft ist, ist die: Hat jemand. der ein Menschenleben rettete, damit auch das Recht, die zukünftige Geistes- und Glaubenshaltung dieses Menschen nach persönlichem Gutdünken zu bestimmen und ihm die persönliche Freiheit vorzuenthalten? Anneke Beekman war die einzige Tochter frommer jüdischer Eltern aus Amsterdam. Diese vertrauten im , Jahre 1943 kurz vor ihrer [ drohenden Deportation nach Polen die kleine, damals 3- I jährige Anneke einem Geschwisterpaar. zwei älteren ' unverheirateten Damen in | Hilversum, mit Kamen van ' Moorst. an. j Beide Eltern kamen schon | wenige Wochen später in Polen ums Loben. Anneke ' wurde von den Schwestern I Moorst umhegt und ge- | schützt, und sie erlebte das Ende des Krieges, des Hit- | ler-Terrors und der Judenverfolgungen. Mit diesem Zeitpunkt, der für die unzähligen anderen versteckten jüdischen. Kinder in Holland gleichbedeutend mit der lang vermissten Freiheit war, begann aber erst das eigentliche Oas Leo ßaeck Institut sucht DOKUMENTE-URKUNDEN CHRONIKEN-BILDER über die Geschichte des ehemaligen deutschen Judentums sammelt das LEO BAECK-INSTITUT durch d'e ReHtAiion der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU (Buenos Aires, Pueyrredon 2190, Tel.: 83-2613) PUBLIKATIONEN DES IFO BAKCK INSTITUTES SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J C. B. MOHR (PAUL SIEBECKj TUEBINGEN Year Bools Y I960 — VOM L.B.-INSTITUT BERAUSGEGEBEN: BY THE EAST AND WEST LIBRARY, LONDON mit einer Fülle hervorragender Beitrage in englischer und deutscher Sprache. (416 Seiten) WERDE AUCH DU MITGLIED des Leo Baeck-Instituts Anmeldungen bei Herrn CURT WILK. Moreno 2256, und im Büro der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU, Pueyrredon 2190, 1, izq. (83/2613) Drama von Anneke Brekmr.n. Die beiden Ptiegcmütter weigerten sich, das damals 5jährige Kind an di? überlebende Famili? der Eltern zu übergeben. Sie taten es auch nicht, als ein gerichtliches Urteil erging, Anneke ihrem neu?n Vor-; mund und der jüdischen Organisation für Waisenkinder zuzuführen, und sic zogen es vor. Anneke heimlich ins Ausland zu bringen. Neben! einigen Mithelfern wurden die beiden Schwestern seinerzeit, in absentia.. zu Gefängnisstrafen verurteilt. Aber sämtliche polizeilichen Nachforschungen — im Zusammenwirken der holländischen mit der belgischen und französischen Kriminalpolizei — waren ergebnislos: Anneke und eine ihrer Pflegemütter Frl. G. M. Langedijk van Moorst. deren Gerichtsurteil auf sechs Monate Gefängnis lautete, war sieben Jahre lang verschwunden gewesen. (Frl. G. M. van Moorst, die Anneke Beekman auf ihrer Reise nach Holland jetzt begleitet hatte, hielt sich zunächst verborgen, während in der Oeffentlichkeit lebhaft darüber debattiert wurde. ob sie amnestiert werden solle oder nicht. Inzwischen hat sie sich der Polizeit aber gestellt). Bruno Walter gestorben Ikverley Hills < Kalifornien >. — Bruno Walter, einer der bedeutendsten Orchesterdingenten verschied im Alter von 85 Jahren. Er wurde in Berlin als Schn armer jüdischer Eltern geboren. Seinen Familie.mamen Schlesinger legte er ab. als er berühmt zu werden begann. Im Jahre 1933 verboten die Nazis sein Auftreten und verbannten ihn aus seinem Geturtsland Deutschland. 1939 liess sich Bruno Walter in den Vereinigten Staaten nieder und war bi- 1957 als Orchesterleiter tätig. Dann setzte er sich zur Ruhe. Di? Stadt Wien verlieh ihm 1960 den Kan Renner-Preis. Walter empfing auch im gleichen Jahr den Kulturpreis der Stadt München. <ITAi dieses 21jährige Menschenkind auf die vielen Fragen antwortete, die fast, alle Anklagen enthielten. wenn auch nicht gegen das Mädchen selbst, aber gegen die, die sie entführt und b;ein-; flusst hatten. Anneke gab zu, mit ihrer Pflegemutter -.unter falschem Namen in Südfrankreich gelebt zu ha- : ben. Von dem jungen Staat Israel wusste sie so gut wie nichts. Sie konnte noch nicht - einmal annähernd sagen, , wieviele Juden im Kriege \ I ums Leben gekommen waren. Auch ob sie die Familie ihrer Eltern aufsuchen | , würde, schien sie noch nicht; i genau zu wissen. Anneke hat während ihres versteck- , ten Lebens in Frankreich 3 , Sprachen gelernt und möeht te Lehrerin werden. Sie ist ein junger intelligenter , , Mensch, aber ohne jede eij ■ gene Anschauung, schaurig ■ Israelische Bergleute Düsseldorf. — Fünf Bergleute aus Israel arbeiten zur Zeit in der Grube ,.H„verlahwiese” der Erzbergbau Salzgilt?r AG, um.besondere Einrichtungen des deutschen Bergbaues kennenzulemen. Die fünf Israelis sind in ihrer Heimat als Vorarbeiter in einer Kug'ergrube beschäftigt. (AWZ> zu sagen: eine Art von geitigem Kaspar Hauser. Und so war es für alle Anwesenden an dieser ungewöhnlichen Pressekonferenz ein Aufatmen, als Anneke am Schluss gefragt wurde, ob sie eine Einladung nach Israel annehmen würde, und sie darauf unumwunden antwortete: sie ¡wäre dazu bereit. Nun ist Anneke Beekman I 21 Jahre geworden, sie ist mündig, und ein von ihren 1 Eltern ererbtes Vermögen 1 von mehr als 120.0000 Gulden wartet auf sie.! Dass Anneke Beekman zu diesem Zeitpunkt wieder auftauchen würde. daran hatle niemand gezweifelt. i Doch wie wird jemand, der 18 Jahre versteckt lebte. , auf die bisher völlig unbekannte Freiheit ragieren? . Es war schon lange be-! kannt. dass Anneke den katholischen Glauben angenommen hatte, und es war die allgemeine Meinung, , dass sie in einem Kloster versteckt gelebt hatte. Anneke kam über die belgische Grenze in Begleitung . ihrer Pflegemutter, die noch ’ ein halbes Jahr Gefängnis wegen Kindesentführung zu! verbüssen hat, nach Holland zurück, und man kann sich 1 vorstellen, dass sieh sofort die Reporter und Pressever-; t.reter auf sie stürzten. Ganz Holland war begierig, Nähe- \ res über das Schicksal dieses jüdischen Waisenkindes . zu hören. Dann erschien ' Anneke auf dem Bildschirm , des holländischen Fernse-1 hers. aber die öffentliche Meinung war davon wenig; befriedigt. Es war deutlich, dass man ihr nur oberflächj liehe Fragen stellte, und zwar von einem Redakteur, j der schon früher seine Sym- | pathie mit den Pflegernütj tern ausgedrückt hatte.! Anders war es jetzt in j Maastricht: Anneke eri schien nur in Begleitung eines Anwalts, der sieh taktj voll zurückhielt vor der ■ Presse und musste sich anderthalb Stunden den auf - sie hereinprasselnden Fra- . gen der Journalisten aus-1 setzen. Man konnte dabei nur j Bewunderung, aber zugleich auch Milleid haben, wie j Tief erschüttert geben wir das Ableben meines innigstgeliebten Mannes, unseres geliebten Vaters. Schwiegervaters. Grossvaters, Bruders. Schwagers und Onkels. Herrn Adolf Fisch bekannt. Um ihn trauern: SOPHIE FISCH, geh. KESTEN LEO MEI.LER und Frau SENTA. geb. FISCH DADDY FISCH und Frau DAVID FISCH und Frau sowie Enkelkinder und weitere Familienangehörige 19. Februar 1962 Juramento 2678. Die Beerdigung hat bereits ,-tattgefunden. Unser langjähriger bester Freund. Herr ADOLF FISCH hat uns für immer verlassen. Wir werden ihn nie | vergessen. Familie CHIL WOHLMÜTH Quesada 2352 Unser jahrelanger Mitarbeiter, der unermüdliche Vorkämpfer für den Aufbau Israels, unser guter Freund und Chawer, Herr Adolfo Abraham Fisch hat uns für immer verlassen. Sein Platz in unserer Arbeit wird sehr schwer auszufüllen sein. CAMPAÑA UNIDA PRO ISRAEL COMITE CENTROEUROPEO Brieftraeger streiken j j Tel Aviv. — Der Streik der israelischen Briefträger hat sich über das 1 ga-nze Land ausgebreitet.! Die Postbestellung ist labmgelegt, und di’ Is- | raelis sind gezwungen,; sich, ihre Postsachen an eigens hierfür bestimmj ten Stellen abzuholen. Die Berge von Postsendungen, die sich in den | Postbüros angehäuft ha- \ ben, sind beeindruckend. (ITA)! * In tiefer Trauer geben wir das Ableben unseres lieben Chawers, des Herrn Ädolfo Fisch bekannt. Wir werden diesem aufrechten Manne, der seit seiner Jugend für unser zionistisches local gekämpft hat, stets ein ehrendes Andenken bewahren. DER VORSTAND DER THEODOR HERZL GESELLSCHAFT