Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1947 (16.2.1962)
- Date
- 1962-02-16
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernc-s, 16 de Febrero de 15)62 LA SEMANA ISRAELITA A «o XXIII. — No. 1947 Held der Sowjetunion” IVcrdampfung von Salzwasser Journalisten warschauer | vor einem \ Es war ln Maiwache des als ein paar sich auf dem Hauptbahnhof Salonwagen sammelten, der von der Sowjetgrenze gekommen war und nach kurzem Aufenthalt in Richtung London weiterfahren sollte Aus einem Coupe-Fenster schaute ein eleganter russi scher Offizier in Marschallsder zweiten Ost m gezwungen wurde. Er Jahres 15)37,, hat später selbst in einer kriegshistorischen Schrift die Gründe dieser Niederlage auseinandergesetzt und sieh damit gerechtfertigt, dass er auf Hilfe von den in Galizien, der heutigen Westukraine, stehenden Sowjettruppen gewartet hätte, die aber ausblieb. Der Grund dieser Enttäuschung war politischer Art. Uniform heraus, dessen Ge- | Die beiden politischen Kom- Cl Ohf im CnVieiin rinn DoLn. I __ U«: J_..1_■ _ sicht im Schein der Bahnhofslampen ungewöhnlich blass aussah. Es war Marschall Michail Nikolajewitsch Tucbatschewski. der als Ehrengast und Delegamissare bei der ukrainischen Armee, der Georgier Stalin und der russische Me. tallarbeiterfunktionär Woroschilow, waren Gegner des Vormarsehs ins Innere tionschef zur Krönung des! Polens, der bis an die deutenglischen Königs Georg IV. fuhr. „Kommen Sie wieder zurück?” Ein indiskreter polnischer Beriehterstatter steilte die Frage, denn es gab damals schon Gerüchte, dass das Gewitter der stalinschen „Reinungs-Aktion” sich auch um das Haupt des jungen, von Kriegsruhm gekrönten Stabschefs zusammenziehe. „Ich verstehe Sie nicht, natürlich komme ich bald zurück”, war die abwehrende Antwort, aber das Gesicht sah dabei noch um einen Schatten bleicher aus. Tatsächlich kehrte Tuchatschewski eine Woche später nach Moskau heim, wurde aber dort sofort verhaftet und am 11. Juni nach einem Geheimverfahren zusammen mit sieben Anderen Generälen wegen pionage und Hochverrat erschossen. Tuchatschewskl freilich, der im Bürgerkrieg die „weissen” Truppen Denikins besiegt hatte, erlitt im Polenkrieg einen schweren Rückschlag, als er nach anfänglichen Erfolgen vor Warschau vom polnischen Marschall Pilsudski geschlagen und zum Rückzug nach sehe Grenze führen und, „„j u* Mitteleuropa revolutionieren Jnstücke die Himrri sollte. Sie glaubten, die t<>nstucKe> aie HlmItl Ukiane sei politisch für den Kommunismus zu gewinnen, Polen dagegen nicht. Als Tuchatschewski ihnen, wenn auch nur in verdeckten Worten, die Verantwortung für die Niederlage vor Warschau zuschob, war das der Beginn einer Todfeindschaft. Zunächst beeinträchtigte das die Karriere des jungen Marschalls noch nicht, denn Lenin konnte ihn gut verwenden. Tuchatschewski war es. der im März 1921 die Niederwerfung des Matrosenaufstands gegen die Räteregierung kommandierte und dort rund 10.000 Matrosen und 4.000 Soldaten mit schwerer Artillerie und Bombenflugzeugen liquidierte. Er wurde dann Leiter der Militärakademie und später stellvertretender Stabschef. Als Stalin zur Macht gekommen war, machte er allerdings sehr bald seinen Freund Woroschilow zum Kriegskommissar. Dieser half dann in den dreissiger Jahren dem Diktate«' bei der mit Polizeitruppen durchgeführten Massenschläehterei unter den Offi¬ AUSCHWITZ - VERFAHREN Gegen 26 Angeschuldigte, von denen etwa die Hälfte in Haft sitzt, hat das Landgericht Frankfurt auf Antrag von Oberstaatsanwalt Wolf die gerichtliche Voruntersuchung wegen Massenmordes im Konzentrationslager Ausehwitz eröffnet. Der bekannteste auf der List« der Beschuldigten ist der letzte Auschwitz-Kommandant, der jetzt 50 Jahre alte frühere SS-Obersturmbannführer Richard Bär, der voriges Jahr am 20. Dezember im Sachsenwald bei Hamburg verhaftet wurde, wo er als Holzarbeiter untergetaucht war. Oberstaatsanwalt Wolf teilte mit, dass die anderen Beschuldigten der Adjutant eines Lagerkommandanten. Robert Mulka, Aerzte, Zahnärzte, Apotheker, Sanitäter, Angehörige der politischen Abteilung, Gestapo) des Lagers der Lagerleitung, der Arbeitsdienstleitung sowie Rapport- und Blockführer sind. Gegen einige Beschuldigte bestehen zwar Haftbefehle, die aber aus Gesundheitsgründen oder gegen eine Kaution ausser Vollzug gesetzt wurden. Zwölf Auschwitz- Verantwortliche werden noch gesucht, an ihrer Spitze der berüchtigte KZ-Avzt Dr. MengeVe, der zuletzt in Argentinien gesehen worden sein soll. Für Angaben, die zu seiner Ergreifung führen, sind 20.000 Mark Belohnung ausgesetzt. Oberstaatsanwalt Wolf rechnet insgesamt mit rund 30 Angeklagten, weil wahrscheinlich bis zum Prozessbeginn noch einige der Gesuchten gefunden werden. | Untersuchungsrichter Dr. Duex will die gerichtliche Voruntersuchung gegen Ende März oder Anfang April | abgeschlossen haben. Dann wird der Oberstaatsanwalt die Anklage erheben. Mit der Verhandlung ist jedoch nicht vor Ende 1962 oder Anfang 1963 zu rechnen. Drei Staatsanwälte trugen in zwei Jahren das umfangreiche Beweismaterial zusammen, nachdem der Bundesgerichtshof das Auschwitz-Verfahren dem Frank-; furter Landgericht übertragen hatte. Bisher wurden etwa 1.000 Zeugen vernommen, von denen in der Verhandlung nur die wichtigsten, aber sicher einige hundert, gehört werden sollen. Die schwierigen Ermittlungen dauerten solange, weil das zur Verfügung stehende Material meist von den damaligen alliierten Besatzungsmächten mitgenommen wurde. Die SS-Führer und ihre Helfershelfer waren den Häftlingen auch nicht mit Namen bekannt. So kam man erst sehr spät auf die Spur des letzten Auschwitz-Kommandanten Bär. Die meisten SS-Führer hatten bei den- Häftlingen nur Spitznamen. 52 Aktenbände mit rund 12.000 Seiten liegen beim Untersuchungsrichter. Alle Unterlagen wurden dreifach ausgefertigt und lagern aus Sicherheitsgründen an vercphipHpupri 1 pn Wie Oberstaatsanwalt Wolf sagte, wird dieses Auschwitz-Verfahren der grösste Prozess sein, der jemals in Deutschland verhandelt wurde, da in dem Hauptkriegsverbrecherprozess in Nürnberg nur bis zu 20 Beschuldigte auf der Anklagebank sassen. Der Prozess, der nach der Eichmann-Verhandlung in Israel auch die grösste politische Bedeutung aller KZ-Prozesse hat, wird mehrere Monate dauern. Seine technische und organisatorische Abwicklung macht den Frankfurter Justizbehörden heute schon grosse Sorgen. Vor allem steht in den Frankfurter Gerichtsgebäuden kein Saal zur Verfügung, der nur einigiirmassen ausreicht. zieren. Woroschilow trag, iweifellos auch am Ende /on Tuchatschewski Mitverantwortung. WAHNWITZIGE BEHAUPTUNGEN Formell wurde das Todesurteil gegen den damals erst 43jährigen Marschall mit der wahnwitzigen Behauptung begründet, dieser habe sich heimlich in den Dienst Hitlers gestellt. Als Belege dienten anscheinend Dokumente aus der Zeit der Zusammenarbeit der Roten Armee mit der Reichswehr, die aber mit Wissen und Willen der Moskauer politischen Führung stattfand. Die Behauptung über weite- Ak- Himmlers j Gestapo Agenten von Benesch und durch diese Sta-' lin in die Hand gespielt haj be, ist nie bestätigt worden und wenig glaubhaft. I Als die Massenschiächte-1 rei in der Armee schliesslich rund 20.000 Opfer unter! den Offizieren gefordert und j damit die Schlagkraft der; Armee gefährdet hatte, verj ständigte sich Woroschilow ' mit der moskauer politij sehen Polizei über die Freilassung der noch nicht ab-1 geurteilten höheren Offiziej re. Zu ihnen gehörten eini-) ge der späteren siegreichen . Heerführer des Zweiten' Weltkrieges, darunter die j Marschälle Rokossowski | und Tolbuehin. j Kürzlich sind auf dem \ Parteitag in Moskau Auszüge aus dem Bericht einer Kommission bekanntgegeben worden, die 1957 die Haltlosigkeit aller Anklagen gegen Tuchatschewski und seine Kameraden feststellte. Damit ist nicht nur einem alten Wunsch des Offizierskorps Genüge geschehen und Stalins Andenken ein weiterer Stoss versetzt worden. Auch der noch lebende und auf dem Kongress anwesende Woroschilow ist also als Mitschuldiger eines der grössten Verbrechen der an Greuel reichen russischen Geschichte entlarvt worden. Er hat sicher nicht erwartet, dass ihn, der mit Krutschew nach dem Tode Von allen Methoden zur I Entsalzung von Meerwasser scheint bisher die Verdamp-! fungsmethode am einfachsten zu sein, besonders wenn sie kombiniert mit einer Kraftstromstation angewandt wird. Die Turbinen der Station werden mit Meerwasser gespeist und der Dampf, der dann später, nach Antrieb der Maschinen, verloren geht, kann' wieder aufgefangen und durch einen einfachen Prozess in Siisswasser verwandelt werden. Elat hat ein Kraftwerk AUSSTELLUNG IN WIEN Wien. — Im Österreichischen Museum für Volkskunde, Wien 111, Laudongasse 19, steht dem breiten Publikum gegenwärtig eine Ausstellung alter Tiroler Volkskunst zum Besuch offen. Unter den Exponenten finden sich unverständlicherweise auch Szenen und Bilder von jener abscheulichen Ritualmordlegende, nach welcher der hl. Anderl aus Rinn bei Hall in Tirol im 15. Jahrhundert von durchreisenden jüdischen Kaufleuten angeblich ermordet wurde. Im einzelnen wird gezeigt: 1. Stock links, letztes Zimmer: ..Szenenkästlein” mit Darstellungen des Ritualmordes an dem kleinen Anderl von Rinn, Wallfahrt Tirol, 18. Jahrhundert, Inventar-Nr. 36270. Im selben Raum: Figurengruppe „Martyrium des kleinen Anderl von Rinn auf dem Judenstein”. Angeblich 1462, Tirol, 18. Jahrhundert, Inventar-Nr. 33906. Vor dem Maskenzimmer: Ein grosses Altarbild, flankiert von zwei Ritualmordgruppen: a) Ritualmorddarstellung: Anderl von Rinn, Inventar-Nr. 39208; b) Der kleine Simon von Trient in der Stube. Angeblich 1475, Inventar- Nr. 39209. (Auf einem Tisch liegt ein Kind, bärtige Männer stehen herum und schleifen ihre Messerk Vor nicht allzulanger Zeit haben die zuständigen kirchlichen Behörden in Tirol endlich die Entfernung dieser Bilder aus der Kirche in Rinn verfügt. Diesem Schritt ging ein langjähriger Kampf des Bundesverbandes der Kultusgemeinden und auch anderer Organisationen voraus. Der Kampf begann bereits im Jahre 1947 und endete erst 1961, als die Bilder und Figuren, die den Ritualmord darstellen, aus der Kirche entfernt wurden. Ausschlaggebend hierfür war unter anderem auch die Wirkung dieser Bilder und Darstellungen auf die Kirchenbesucher und zahlreiche Fremde: Es fehlte nicht an antisemitischen Aeusserungen und an Versuchen einer nachträglichen Rechtfertigupf der Verbrechen Hitlers. I Niemand hätte gedacht, dass diese Bilder, die damals! entfernt wurden, damit sie kein weiteres Unheil anrichj ten (sie waren seinerzeit im „Stürmer” zu sehen), nun-1 T . , t »«.w» a** mehr im Oesterreichischen Museum für Volkskunde einem; w , . . , „ breiten Publikum, darunter zahlreichen Schulklassen, zu-; - ae aus gänglich gemacht würden. Die Zahl der Museumsbesu-1 eher übertrifft zweifellos die Zahl der Wallfahrer nach Rinn bei Hall in Tirol. | Will man schon unbedingt die Ritualmordbilder aus- stellen, dann doch wohl nur im Rahmen einer Ausstel-1 lung über „Aberglauben und Verbrechen”. Hier wäre denn | auch zu zeigen, wie mit Hilfe unüberprüfbarer, primitiver; Legenden eine Volksverhetzung betrieben wurde, deren j Endergebnis die Ermordung von Millionen unschuldiger | Menschen in den Gaskammern war. j Der Präsident des Wiener Stadtschulrates wurde in | einem Schreiben auf die Ausstellung aufmerksam gemacht und zugleich darauf hingewiesen, dass dies« von j zahlreichen Schulklassen besucht wird. Es ist zu hoffen mit einer Kapazität von 6.000 Kw., und dieses wird bald mit einer Verdampfungsanlage ausgestattet werden, die 6.000—8.000 cub Süsswasser täglich liefern wird. Wenn die 120.000 Kw- Reading-Station in Tel Aviv mit einer ähnlichen Anlage versehen werden würde, könnte sie jährlich an die 60—70 Millionen cub Süsswasser liefern, was dem Wasserverbrauch des gesamten Dan-Distrikts (Tel i Aviv und Umgebung) ent- I sprechen würde. : Israel verbraucht augen- I blicklich an die 1250 Millio- : nen cub pro Jahr, wovon ali lerdings über eine Million auf Konto der künstlichen I Bewässerung geht. Würde I man auf künstliche Bewäs- I serung verzichten können, so wäre es möglich, mit j dieser Wassermenge eine ' Bevölkerung von vielen Mil- , Honen zu versorgen. Da die Israelis jedoch in der Land- ■ Wirtschaft auf Bewässerung angewiesen sind, müssen sie I die Wasserversorgung wei-; ter ausbauen. Sie haben au-! genblicklich erreicht, dass I zwei Dritte! des Gesamtpo-; tentials ausgenützt sind, j und sind gerade mit der I Ausnützung des letzten Drit- . tels beschäftigt. I Es gibt noch viele Mög-; lichkeiten, die zur Verfiij gung stehende Wassermen- I ge rationell auszunutzen, i Man kann zum Beispiel die i Felder des Nachts bewäs-! sern und dadurch 20 Prozent an Wasser sparen, das tagsüber durch Verdampfung in der Sonne verloren geht. Stalins eng zusammengear- | (jass (jei. Präsident des Stadtschulrates alles daransetzen beitet hatte, dann aber freilich in einem kritischen Augenblick wieder auf die Gegenseite der alten Stalinisten überging, diese Enthüllung noch bei Lebzeiten treffen würde. wird, dass die abscheulichen Ausstellung entfernt werden. Ritualmordbilder aus der j den Turbinen der konventionellen Kraftwerke in einem Kondensator aufgefangen, um nochmals zu Wasser verwandelt, wieder neuen Dampf für die Turbine* des gleichen Kraftwerks zu liefern. Wenn man in Israel den Dampf zur Entsalzung von Meerwasser verwenden würde, könnte man dadurch den Produktionspreis für di« Stromerzeugung bedeutend herabsetzen. Es gibt keine billigere Quelle für Wasserentsalzung als den Dampf aus den Turbinen der Kraftwerk«. Eine Stimme aus Guatemala Guatemala. — Der Deputierte Ernesto Victor Bertrand, Präsident der Kommission für auswärtige Angelegenheiten, erklärte im Kongress, er sei ein aufrichtiger Bewunderer Israels. das er kürzlich besucht habe. Er bat um Erlaubnis, über „eine persönliche Angelegenheit” sprechen zu dürfen und führte aus, er empfinde „eine entschiedene Abneigung . gegen den ägyptischen Präsidenten Nasser, und es berühre ihn schmerzlich zu sehen, dass im Kongress Lobreden auf diesen Diktator gehalten werden.” (ITA) Maschinen für die Landwirtschaft New York. — Die Gesellschaft New Holland Co. hat mit der Hamashbir- Hamer zaki, dem grössten Industrieunternehmen Israels, für den Bau landwirtschaftlicher Maschinen einen Vertrag unterzeichnet. Diese Ankündigung machte das hiesige Büro der israelischen Regierung, unter dessen Aspizien das Geschäft abgeschlossen wurde. Die nordamerikanische Firma wird die notwendigen Techniker zur Verfügung stellen, damit der Produktion sofort beginnen kann. (ITA) Í2KEREHKAYEMETH DIE BRUECKE ZWISCHEN UNS UND ISRAEH Igjj IST DIE BLAUE BUECHSE DES KKD