Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1945 (6.2.1962)
- Date
- 1962-02-06
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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03 £ -5 _ FRANQUEO PAGADO Concesión 908 c £,— 5 Sg < O TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 SEMANA Año XXIII. BUENOS AIRES, MARTES 6 I)E FEBRERO DE 19«2 EL EJEMPLAR 1 es toda la República PUEYRREDON 219« 1? iaq. T. E. 83 2613 Buenos Aires No. 1945 Prozesse um deutsche Buecher! Attentat auf ein Denkmal von ROBERT M. W. KEMPNER, Um fünf politische Neuerscheinungen ist in der deutschen Oeffentlichkeit eine heftige politische Diskussion entbrannt, dieteilweise auch vor den Gerichten der Bundesrepublik in Beleidigungsprozessen ausgefochten werden wird. Die Dis kussion zeigt, dass die Tage des Dritten Reiches noch lange nicht „bewältig” sind. Die grösste politische Aufregung herrscht über William L. Shirers Buch „Aufstieg und Fall des Dritten gehenkte Mörder Ernst Kaltenbrunner und der durch! Selbstmord geendete Massenmörder Heinrich Himmj ler diese Berichte Bormann; und Hitler vorgelegt haben. 1 Während Universitätsprofessoren und Erzieher die Männer des 20. Juli und ihre Bedeutung der jungen Generation klar zu machen versuchen, wird ihnen jetzt' ein Buch um die Ohren ge- 1 schlagen, gegen dessen Ver- , öffentlichung Marion Dön-! hofft, die dem Widerstands- Reiches”, das in deutscher1 kreis eng verbunden war, in Uebersetzung im Verlag Kiepenheuer und Wietsch erschienen ist. Es wird geradezu mit einem Frontalangriff gekämpft. Paul Sethe bespricht es in „Die Zeit” : unter der Ueberschrift „William Shirers halbe Wahrhei- ' ten”. Es wird Shirer weit-! gehende Unkenntnis und Unverständnis der deutschen Verhältnisse vorgeworfen.! Besonders verübelt Sethe dem Verfasser, dass er fahr- 1 lässig mit den Tatsachen umspringt, wenn er das deutsche Offizierskorps angreife. Der eigentliche oplitische Vorwurf gegen Shirer geht an mehreren Stellen in Deutschland von der naiven Vorstellung aus, die grosse | Verbreitung des Buches in j USA könne das deutschamerikanische Verhältnis be-1 einträchtigen. Die Kritiker übersehen völlig, dass die zukünftige Etnwicklung der; deutschen Aussenpolitik unter dem neuen Aussenminij ster in Bonn für die Welt-, meinung über die Bundes-! republik der allein massge-! bende Faktor ist und nicht von der Auflagenhöhe von : Shirers Buch in Deutschland, Israel oder den USA abhängt. j Einen sehr schlechten Dienst hat der Sache der « Bundesrepublik die Veröffentlichung der „Kaltenbrun-1 ner-Berichte” über die Ver-' schwörung vom 20. Juli t 1944 im Verlag Heinrich Seej wald geleistet. Dieses Buch . — aus erbeuteten Naziarchiven — bringt mit einer I völlig ungenügenden Einlei-; tung ohne jede historische; Kritik die erpressten Aussagen der nach dem 20. Juli; „Die Zeit” und auch das Institut für Zeitgeschichte in München Protest und Be-' denken erheben and Stripes”. Es wird aber j viel von Soldaten und Offizieren gelesen, kümmert i sich um deren Sorgen und Nöte und berichtet viel über ' Verfahren vor Gericht, an i denen amerikanische Solda-1 ten und Zivilisten beteiligt sind. Es wurde in letzter j Zeit durch seine Veröffent- ' lichungen über die stark kritisierte, angebliche poli-1 tische Tätigkeit des Genei rals Walker oft genannt.; Selbstverständlich wurde das Blatt daher von den I Freunden der Birch-Society I angegriffen. John Dornberg! behauptet, und will vor Ge-; rieht beweisen, dass wegen seiner Eigenschaft als Re- Politisch nicht unbedenki dakteur des „Overseas lieh ist auch das von Wal- ' ter Görlitz herausgegebene i Buch „Generalfeldmarschall Keitel, — Verbrecher oder ' Offizier? Erinnerungen, Briefe, Dokumente des Chefs OKW.” Die teilweise in Nürnberg zustandegekommenen Erinnerungen wurden von Keitel natürlich als Weisswäscher in eigener Sache geschrieben. Dass dieser Lakeitel, wie er sogar im Dritten Reich von anderen Generalen genannt wurde,! ein Komplize Hitlers bei der Begehung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Gefangenen-Morden und anderen Kapitalverbrechen , war, kommt in der Veröffentlichung leider nicht mit dem Nachdruck zum Ausdruck. 1 Als Keitel in Nürnberg am Portepee gefasst wurde und ich ihm nahelegte, durch ein offenes Geständnis die Schuld für seine Untaten zu übernehmen, und damit alle anständigen Soldaten und Offiziere zu entlasten, konnte er sich nur schwer mit dieser Idee befreunden. Nachdem er es schliesslich getan hatte, zuckte er kurz vor der vereinbarten Erklärung im Gerichtssaal mit der „Entschuldigung” zurück, Göring habe ihm jedes offene Geständnis bei einer Unterhaltung im Gefängnis verboten: Lakaienstolz vor Gangsterboss! Weekly” sein Deutschland- \ buch von. verschiedenen : deutschen Zeitungen verris- I sen wurde. In Wirklichkeit zeigt das ' Buch des hellhörigen und und sehr gut informierten 1 Journalisten die Licht- und j Schattenseiten des Lebens in ' der Bundesrepublik. Der Tij tel .Schizophrenie Germany” , sollte in keiner Weise! Deutschland als ein Land von Geisteskranken kenn- , zeichnen, wie es Dornberg . vorgeworfen wird. Das Wort: „schizo”, längst zum Slangi wort geworden, charakterij siert Spaltungen im deut- | sehen Bewusstsein und kennzeichnet den auch in anderen Deutschland - Berichten hervorgehobenen Zwiespalt zwischen der grossen wirtschaftlichen Entwicklung einerseits und dem sich viel langsamer durchsetzenden! demokratischen Staatsbe-. wusstsein. Das Landgericht | in Frankfurt muss jetzt das | englisch geschriebene Buch; lesen, bevor es entscheiden i kann, ob die Kritiken straf- ' bare Beleidigungen enthal-1 ten. Im Hintergrund des Prozesses steht die Kontro- ‘ verse zwischen „Overseas; Weekly’” und General Wal- . ker. | Adenauers Staatssekretär , Dr. Hans Globke wehrt sich ' vor den deutschen Gerichten gegen das im Verlag Ruetj „,. , „__ „ ten & Loening erschienene j „Schizophrenie Germany , Buch: „Dr. Hans Globke”,! heisst der bei „The Mae-' b R d; millan Company, New York M o-u-! 1961 von John Dornberg airecKerdes Der Schwer- Prozesses liegt 1944 Verhafteten in die Oefj herausgegebene Deutschj ^ger in der Person Glob fenthchkeit. Nicht mit einem : landbericht. John Dornberg, ' s„lc schon als Schüler mit seinen Eltern aus Hitlerdeutschland vertrieben, kam als amerikanischer Soldat nach Deutschland und wurde später Redakteur des „Overseas Weekly”. Das Blatt ist keine Armeezeitung wie „Stars Wort wird in dem Buch ge-1 sagt, dass diese Aussagen von Patrioten unter den gej meinsten Bedrohungen und Gestapo-Foltermethoden er-; reicht wurden. Nicht mit ei-1 nem Wort wird klar gestellt, j aus welchen Motiven der kes als in der Tatsache, dass Konrad Adenauer es; nicht hinnimmt, einen seiner j engsten Mitarbeiter, in die- „Handlnager gekennzeich- Unabhaengigkeit für Angola Vereinte Nationen. — Israel stimmte für eine Resolution, die von 45 afro-asiatischen Ländern eingebracht wurde, um die Forderung der Generalversammlung nach den „unveräusserlichen Rechten des Volkes von Angola auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit” erneut zu unterstützen. Portugal wird darin aufgefordert, in Angola die notwendigen Reformen einzuführen, damit die Regierungsgewalt dem Volk übergeben wird. Israels ständiger Repräsentant in den UN erklärte der Versammlung, sein Land stimme für diese Resolution nicht aus Feindseligkeit gegen Portugal, sondern „aufgrund historischer, moralischer und politischer Faktoren, an die es unerschütterlich glaube”. Kein Land habe das Recht, ein anderes Land zu beherrschen und Israel „fördert von ganzem Herzen die Aufhebung des Kolonialismus in allen Teilen der Welt.” (ITA) sem Buch als von Mördern net zu sehen. Der „Fall Globke” ist ein interessantes politisches Phänomen, und nur bei voller Kenntnis von Globkes Tätigkeit in der Weimarer Republik, während des Hitler-. Regimes und in der Bundes- I republik zu beurteilen. Ohne die volle Kenntnis seiner Vernehmungen in Nürnberg bleibt jede Darstellung lükkenhaft. Es hier zu erörtern, fehlt der Raum. In dem Prozess geht es um die Fra- ' ge, ob der junge Verfasser Reinhard M. Strecker die 1 Tätigkeit Globkes im Reichsj Innenministerium auf eine ' Stufe mit den Mordtaten der ( in Nürnberg hingerichteten Wilhelm Frick, Ernst Kalj tenbrunner und anderer steh; den und Globke als deren j „Zutreiber” charakterisieren . dürfte. | Das hevorragende Institut i S* „ M '-%■ $ fáí.<. 'sv í mm wt "™1Ü ■ Bubenhände beschmierten das Denkmal für Bartolome Mitre, das im La Plata-Wald steht. Das Hakenkreuz lässt keinen Zweifeizu, aus welchen Kreisen die Täter siammen. Gebaeck mit Hakenkreuzen Mannheim. — Ungefähr 2000 Packungen mit Keksen aus den Vereinigten Staaten, die einen Hakenkreuzstempel trugen, wurden von einem nordamerikanischen Offizier im Depot seiner Heeres - Abteiung entdeckt. Ueber den Preis, den ein jedes dieser Päckchen trägt, war das Symbol cer Nazis auf gedruckt worden. Wie man annimmt, sind die Täter in den UgA und nicht in Deutschland zu suchen. (ITA) Aus aller Welt Neu« ZIM-Linie New York. — Der Dienst zwischen dem Hafen Elat und Dar es Salaam in Tanganjika wird jetzt aufgenommen. wie die israelische Schiffahrtsgesellschaft ZIM ankündigt. Ein 2.000 Tonnen-Schiff wird die 6.000 Meilen lange Reise allwöchentlich machen und Pas-, t 7<ur Weiterleitung nach s agiere und Fracht befor-1 M^skau übereeben wurde, dern. Das Schiff wird un- . - terwegs die Häfen Massaua j POCk«IIimpfUUg freiheit, die einzig den Juden auferlegt werde. „Im Laufe der Geschichte wurden schon viele Versuche unternommen, um den Juden das Recht auf ihren Gottesdienst zu nehmen. Sie waren alle umsonst und werden es auch bleiben”, j heisst es im Beschluss, der dem sowjetischen Botschaffiir Zeitgeschichte in München hat kürzlich in seiner Zeitschrift interessante Einzelheiten über Gegensätze zwischen dem Reichsinnenministerium und dem Reichssicherheitsamt veröffentlicht. die für die Beurteilung des Komplexes von Bedeutung sind. Nichts zeigt klarer als diese Buchveröffentlichungen und die mit ihnen verbundenen Prozesse und Proteste, wie komplex auch heute gewisse deutsche innerpo- Jitische Situationen sind und wieviel Arbeit die Regierenin Aethiopien, Dschibuti in Französisch Somaliland und Mombassa in Kenia anlaufen. Glaubensfreiheit geferdert Jerusalem. — Die Konferenz der Synagogen in Je-. rusalem beschloss bei ihrer | kiirzlichen Tagung, an die; russische Regierung den; Aufruf zu richten, die gej schlossenen Synagogen wiej der zu öffnen. Den Juden; in Russland wird Anerken-1 nung dafür ausgesprocheh,! dass sie trotz aller Schwie-1 rigkeiten datiir eintreten, \ dass die jüdische Lebensweise aufrecht erhalten werde. Die Konferenz protestierte gegen die zwangswei in Israel Jerusalem. — Das Ministerium für Volksgesundheit hat die Bevölkerung aufgeforderi, sich gegen Pocken impftn zu lassen, um die Verbreitung der in verschiedenen europäischen Ländern herrschenden EpW demie in Isri:el zu verhüten, (ITA) den in Bonn auf die ständige Stärkung des Vertrauens zur j »e Schliessung der Synago- Bundesrepublik verwenden ’ ” müssen. gen und gegen die Beschränkung der Glaubens- Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.635 Impreso e* la Imprenta POLIGLOTA — Riv adavia M Meneele angeblich festgenommen Rio de Janeiro. — Die hiesige Polizei teilte mit, man erwarte, die Fingerabdrücke Mengeles aus Deutschland zu erhalten, um feststellen zu kennen, ob die kürzlich als Mengele verhaftete Person mit dem Gesuchten identstefc sei. (ITA)