Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1944 (2.2.1962)
- Date
- 1962-02-02
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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o £fl FRANQUEO PAGADO Concesión 908 t_ 7] <M f5 u a W k. 4,1 <XJ TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 SEMANA ISRAELITA Aio XXIII. BUENOS AIRES, VIERNES 2 DE FEBRERO DE 1962 No. 1944 EL EJEMPLAR ea Mi I« Repébiica '■ FUE VEREDON 21M 1« te«. T. E. 82 2412 Aires Schatten ueber der Welt Es gibt hier kaum eine bessere Gelegenheit, Einblick in die Weltstimmung zu gewinnen, als — sich die Berichte der Teilnehmer an der letzten Konferenz der Interparlamentarischen Union anzuhören. Da die Delegation aus Vertretern der verschiedenen Parteien zusammengesetzt war und aus Männern, die internationale Fragen von unterschiedlichen Gesichtspunkten aus betrachten, bekommt man gleichsam ein dreidimensionales Bild von den Dingen, wenn man aus den Berichten die Resultate zieht. Die Delegation der Knesset, die an der Konferenz in Brüssel teilnahm, bestand aus David Hacohen Vorsitz) und J. Kargmann (Mapai), Dr. J. Bader (Cherut), P. Bernstein (Liberale) Mosche Unna (Religiös-Nationale), Mosche Carmel <Achdut-Awoda) und Elias Nachla (Araber) sowie dem Sekretär der Knesset Mosche Rosetti. der Vizevorsitzender des Verbandes der Parlamentssekretäre ist, welcher sein' Tagungen parallel zu denen der Interparlamentarischen Union abzuhalten pflegt. von MEIR FAERBER Die „Union“ wurde bereits 1889 gegründet, um Frieden und Abrüstung zu sichern. Kriege, die es seit-1 her gab, waren Kurzschlüsse und Defekte in der Maschi- ■ nerie. Anfangs war nur Westeuropa in der „Union“ vertreten, neute sind es bereits 62 Parlamente aus aller Welt, und in Brüssel waren 51 Delegationen mit zusammen 600 Teilnehmern i anwesend. Im allgemeinen wurden nur generelle Fragen besprochen und nicht spezifische, obwohl Araber auch die Nordafrikafrage aufgeworfen haben, und ein Appell an die Türkei gegen die Hinrichtung der Staatsmänner in langwieriger Form beaandelt wurde. Zwischen den westlichen und den östlichen Parlamentariern gibt es eigentlich keine gemeinsame Basis, da ihre Auffassungen von Demokratie weit divergieren, Kommunistische Parlamentarier in westlichen Ländern bestehen auf Wahrung aller Rechte der Opposition, aber ihre Kollegen aus östlichen Ländern haben für Opposition nicht das geringste Verständnis. Heute dreht sich die Welt um Konferenzen, sagt David Hacohen, und bedauerte, das die israelische Delegation nur aus acht Leuten bestand, während manche anderen Parlamente durch 20—30 Mitglieder vertreten waren. Der persönliche Kontakt zwischen den Parlamentariern der verschiej nen Länder ist von grosser i Bedeutung. Israelis müssen I überall anwesend sein, schon j um dem Einfluss der Ara-! ber entgegenzuwirken. David Hacohen behauptete, dass auch die westdeutschen ) Reparationen an Israel den Gesprächen auf einer sol-1 chen Tagung zu verdanken I seien: Im .Tahre 1951 hätten er und andere Knessetmit-! giieder auf der Konferenz j in Istanbul mit den deutj sehen Vertretern von Brenj tano und Carlo Schmid I zum ersten Male über Entj Schädigungszahlungen gesprochen und Reparationen verlangt .. i Europa wird immer mehr! zu einer Einheit; die west- Ein neudeutscher Politiker von KURT KAfSER-BLUETH Die „Welt der Arbeit“, das ' Wochenblatt des Deutschen , Gewerkschaftsbundes, hatte ' vor einiger Zeit zu der Rede i Erhards, des bonner Wirt- > schaftsministers, auf der I berliner Flüchtlingstagung Stellung genommen. Diese Rede hatte bekanntlich im gesamten Ausland und selbst1 in den mit der Bundesrepu-, blik alliierten Ländern pein-; liches Aufsehen hervorgeru-; fen. j Die „Welt der Arbeit“ hatj te den höchst begrüssens-' werten Mut gehabt, diese' bedauerliche Rede unter an-: derem mit folgenden Sätzen ■ zu kritisieren: „Es heisst, i die Flüchtlinge zu betrügen,; wenn man ihnen sagt, dass j es in absehbarer Zeit für sie! einen friedlichen Weg in die i Heimat gibt. Deutschland hat den grausamsten Krieg j der Neuzeit entfesselt.! Deutschland hat unvorstell-; bare Greuel gerade in Poj len begangen. Das gesamte Ausland ist sich einig darin, i dass Deutschland dafür ei-1 nen Preis zahlen muss. Wer den Vertriebenen anderes sagt, täuscht sie und missj braucht ihre Heimatliebe für ' eine gefährliche demagogische Politik...“ i Der Landtagsabgeordnete I Helmut Kostorz Mitglied der Christlich - Demokratischen j Union hat daraufhin dem' Zentralorgan des Gewerkj schaftsbundes einen Brief; geschrieben, der sich schon; in seinen Formen durch j Aggressivität unrühmlichst: auszeichnet. Aher schlimj mer noch als die ungebührliche Form ist der Inhalt J Kostorz schreibt u. a.: „Ich darf Ihnen zu Ihren Ausführungen meine schärfste Kritik ansagen. Ihre Polemik ist sinnentstellend und verdient es, in aller Oeffeatliehteit behandelt zu werden. Es bleibt Ihnen überlassen, in; welcher leichtfertigen Wei-1 se Sie die Arbeiterschaft I Oberschlesiens in nationaler : Hinsicht verkaufen. Fragen Sie doch, wer die Industrie 1 Oberschlesiens in den letz-, ten 90 Jahren aufgebaut hat.! Von der historischen 700 Jah-' re alten Grenze wollen wir : gar nicht sprechen, denn > diese Dinge scheinen Ihnen fremd zu sein. | Sie schreiben auch von; ehemals von Deutschen be-; wohnten Ostgebieten. Oberj Schlesien war für Deutsch-1 land keine Kolonie. .. Dass > Sie als Kronzeuge Ihrer Auffassung führende Zeitungen I in England und Frankreich! zitieren, ist verwerflich. Sie | müssen doch wissen, dass! Zeitungen schreiben können, | was sie wollen, denn Sie' richten sich ja nicht nach den nationalen Notwendigkeiten, sondern ohne Zweifel leisten Sie der Pankowregierung Vorschub, indem Sie solche Zeilen versuchen, der deutschen Arbeiterschaft in die Seele zu schreiben. j Mit vorzüglicher Hochachtung:! gez. Kostorz, MdL.“ j Sprechen wir nicht von dem jämmerlichen, von sti-, listiseben und auch Fehlern j der Syntax gespickten1 Deutsch, das dieser Volks- J Vertreter schreibt und das I jedem Neunjährigen den Eintritt in die Sexta einer; höheren Schule verwehren , würde. Sprechen wir lieber j davon, dass dieser Nationa | list und Revancheprediger; Kostorz einer der einflussj reichsten Männer der niedersächsischen CDU., also der Partei des Bundeskanzlers ist. Aber man braucht sich nicht über die_ Gesinnung zu wundern, die dieser seltsame christliche Demokrat in seinem ebenso arroganten, wie stümperhaften Schreiben an die „Welt der Arbeit“ zum Ausdruck bringt. Hat er doch in seiner Biographie im „Handbuch des Niedersächsischen Landtages” aus seiner Vergangenheit eines alten braunen Kämpfers kein Hehl gemacht. In dem Handbuch liest man: „Helmut Kostorz, Kaufmann, 17. 2. 1912 in Kattowitz geboren. Besuch der Minderheiten - Schule. 1936 selbstständig. Führende Tätigkeit in der deutschen Volksgruppe in Polen. Nach der Wiedereingliederung Ost-Oberschlesiens im Rat der Stadt Kattowitz tätig. Auch die Mitwirkung in parteipolitischer Hinsicht war beim Aufbau des Deutschtums in Ost-Oberschlesien eine Selbstverständlichkeit.” Als polnischer Staatsbürger freiwilliger Agent des Grossdeutschen Reiches und Mitglied der 5. Kolonne. Führendes Mitglied sogar. Nach Hitlers Ueberfall auf Polen in der Hitlerverwaltung der eroberten Stadt tätig. Und „selbstverständlich” Aktivist in der NSDAP, um „das Deutschtum” in einem überwiegend von Polen be siedelten Gebiet „aufzubau en” —: das ist die Visiten karte des CDU-Abgeordne ten Kostorz. Eine Visiten karte, die er selbst aufge setzt hat. Wenn solche unbelehrbar Gebliebenen, die früher tiefbraun waren und heute sieh nur äusserlich umgefärbt haben, in der deutschen Politik von neuem den Ton angeben, kann man sich über das, was wieder jenseits des Rheins ia Erscheinung tritt, nicht mehr wundern. — europäischen Länder überwinden ihren gegenseitigen Nationalhass und ringen sich zu einem europäischen Gemeinschaftsgefühl durch. Die EWG hat sich über alle Erwartungen bewährt, die Grenzen verschwimmen, die Zollschranken fallen, und Westeuropa wird langsam zu einer neuen Macht- Afrika dringt immer mehr j in den Vordergrund. Viele i Mächte bemühen sich um * die Sympathie der jungen j afrikanischen Staaten, die noch keine weltweisen, abgeklärten Politiker haben, sondern sich in einem Unabhängigkeitsrausch befinden. Delegationen afrikanischer Staaten, deren Bevölkerung in unvorstellbarer Armut und auf niedrigstem Sozialniveau lebt, treten pompös auf, fahren nur Luxusklasse und wohnen in ganzen Zimmerfluchten in Luxushotels, während Delegationen alter Kulturvölker sich bescheiden mit der 2. Klasse begnügen. Die Diplomaten und Staatsmänner bis hinauf zu gekrönten Häuptern werden geradezu servil, wenn sie mit Vertretern junger afrikanischer Staaten sprechen, denn jeder will den Kontakt mit diesen Ländern wahren oder schaffen, braucht die Stimme der Staaten auf Konferenzen, will seine Wirtschaftsbeziehungen aufrechterhalten oder ausbauen, — und bei diesen Afrikanern kann man nie wissen, wie sie reagieren werden, da man ihre; Gedankenassoziationen zu j wenig kennt. Wenn man dieses Afrika i und seine vielen, jungen! Staaten mit Europa und seii ner Kultur vergleicht, so . staunt man manchmal dar- I über, dass Afrika solche i Bedeutung erringen konnte, J Aus dem ganzen schwarzen Erdteil ist noch nicht ein-! mal ein Schriftsteller von i Rang hervorgegangen. | Aber die Mächte fürchten j die jungen afrikanischen j Staaten an jemand anderen i zu verlieren. j Megaton-Bomben beherri sehen die Atmosphäre mehr als alles andere. Eher in , vertraulichen Privatgesprä- | chen als in öffentlichen Rei den dringt die panische Furcht vor den Nuklear- Waffen durch. Kein Politiker ist von diesem Horror frei. Auch die Mutigsten gestehen, dass kein Problem der Welt so ernst sein könnte, einen Atomkrieg zu rechtfertigne. („Wer wird wegen der Einheit Deutschlands oder wegen Berlin in den Krieg gehen?” hört i man immer wieder.) Eine Lehre aus Israels bisheriger Teilnahme an elf solchen Konferenzen: Die israelischen Delegationen sollten nur aus Knesset-Mitgliedern bestehen, die sich in weltpolitischen Fragen auch wirklich auskennen und mehrere Sprachen beherrschen. Es kam wiederholt vor, dass Fraktionen Mitglieder delegiert haben, | die nur Hebräisch konnten und der Sache Israels auf der Konferenz überhaupt keinen Vorteil brachten. Das war nicht nur eine gewaltigen Geldverschwendung. sondern auch eine Vergeudung wichtiger Ge- . legenheifcen. Kontakte her- zustellen und Freunde su Tagebuch eines Haeitlings London. — Das Tagebuch eines Juden, der von den Nazis in den Jahren 1942—43 im Ghetto von Lodz eingesperrt war, wurde von der warschauer Zeitung „Nowa Kultura” veröffentlicht. Wie berichtet wird, sind diese Aufzeichnungen im vergangenen Sommer von den polnischen Behörden im KZ Auschwitz gefunden worden. Der Verfasser, der?ich nur mit NN unterschreibt, berichtet auf Jiddisch in Briefform an einen mit „Willy” angeredeten Freurd. Das Manuskript, das in einem Metallbehälter vergraben worden war, wurde in der Nähe des Krematoriums Nr. 3 gefunden. 354 Seiten sind bis auf einige Worte unleserlich. Die noch leserlichen Seiten beschreiben das Leben im Ghetto von Lodz, in dem rund 200.000 Juden wohnten, von denen 70.000 von den Nazis ermordet wurden. Der ungenannte Verfasser beschreibt Einzelheiten des Schwarzmarktes und kritisiert in scharfen Worten Mordechai Chaim Rumkowski, den Leiter des Ghetto von Warschau, der später von den Nazis hingerichtet wurde. Er erzählt von seinen verzweifelten Bemühungen, das Leben seiner Tochter zu retten, die anscheinend verhungert ist. Er führt die phantastisch hohen Preise für Lebensmittel an und schreibt, die einzige Rettung für seine Tochter wäre gewesen, sich an „S” zu wenden, doch wenn man kein Gold besessen habe, so konnte man unmöglich etwas erreichen. (ITA) Aus aller Welt Fristgemaes* Wiesbaden. — Die Entschädigungs - Behörde des Wiesbadener Regierungspräsidiums hat noch 28.500 Wiedergutmachungsanträge von NS-Verfolgten zu bearbeiten. Sie sollen im nächsten Jahr fristgemäss erledigt werden. Insgesamt waren 92.000 Ansprüche nach dem BEG gestellt worden. — (AWZ ■ Mahnmal für litaaisch« Jaden Tel Aviv. — In Bne Brak in der Nähe von Tel Aviv wurden kürzlich in Anwesenheit von Innenminister Shapiro sowie einiger hundert Juden aus Litauen der Grundstein zu einem Ehrenmal für die durch den Nationalsozialismus umgekommenen Juden gelegt worden. Das Ehrenmal, das als „Ohel Kedofhim“ bekannt werden wird, soll eine Million IL kosten und in seinem Innern Miniaturgrabsteine enthalten, je einen für jede jüdische Gemeinde in Litauen, die im zweiten Weltkrieg vernichtet wurde. Ausserdem wird das Gebäude eine Sammlung higewinnen. Gewisse gesellschaftliche Fähigkeiten, politisches Verständnis und persönliche Agilität und Initiative sind für solche Aufgaben unbedingt erforderlich. Auch auf Kontinuität sollte Gewicht gelegt werden, da man binnen wenigen Tagen mit fremden Politikern kaum ins Gespräch kommen kann. Ferner müsste die Knesset ihren Beschluss endlich verwirklichen, nicht nur ad hoc zu jeder Konferenz übereilte Vorbereitungen zu treffen, sondern ein ständiges Comité der israelischen Zweigstelle der Interparlamentarischen Union zu errichten, das sich laufend mit den Dingen befasst und auch Nachwuchs unter den jüngeren Parlamentariern heranbildet. storischer Dokumente und Manuskripte der litauischen Gemeinden beherbergen. Die Mittel für den Bau werden von privater Seite aufgebracht. Initiator des Projekts ist der Leiter der Ponievezer Jesch'wa, Rabbiner Josef Kahaneman. — (JTA) Staatsposten für eine Jüdin in Ghana Dar es Selaam. — Ein südafrikanischer Emigrant, ehemaliger Senator in Südafrika. H. M. Basner, der seit Januar 1951 In Tanganjika lebe, ist mit seiner Gattin und drei Kindern nach Ghana gereist, wo Frau Basner eine Staatsstellung im Nationalausschuss für Forschungen aageboten worden ist. Basner, der scharfe Kritik an der Politik der Apartheid geübt hat, ist eine prominente jüdische Persönlichkeit. Er hat eia Buch über Südafrika beeadet, das ir London verlegt wird und „Die Herren voa Bantustan” heisst. Hier wendet er sieh entschiede* gegen die heutige Regierung Südafrikas. Basner plant, währe: d seines Aufenthalts in Ghana ein Buch über Tanganjika zu schreiben. (ITA) Uarnhon ia Oraa Paris. — Wie man annimmt, wurden bei den letzten Unruhen im jüdischen Viertel von Oran vier Juden verwundet. Die Zusammenstösse nahmen ihren Anfang, als sich ein langer Zug von Menschen auf den Weg zum Monument der im Kriege Gefallenen machte, um den 2. Jahrestag der „Woche der Barrikaden” zu begehen. Die Demonstranten wurden von den Mohammedanern überfallen. Die Behörden schritten sofort z-u streagea Massnahmen und verfügten die Polizeistunde. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual N». 956.9» Impreso en 1* Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 8H