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Jüdische Wochenschau · 1962-01-30 · 1943 (30.1.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1943 (30.1.1962)
Date
1962-01-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREOON 219« — i? fea- J&JkMÆtâJsàC&liiG, T E. 832613 Año XXIII. BUENOS AIRES,'MARTES 30 DE ENERO DE 1962 No. 1943 Jerusalem — Die Regtej rung ist bereit, einige der I Beschränkungen in den von israelischen Arabern be-1 wohnten Grenzgebieten auf- I zuheben, aber sie ist mit { der völligen Abschaffung, der Militärverwaltung in die-1 sen Zonen nicht einverstanj den. j Ben Gurion beriet mit den : Vertretern der Parteien, die [ seiner Koalition angehören,: sowie mit Mitgliedern der Opposition ausser den Kommunisten. Anscheinend verfolgte er den Zweck, gegen fünf Anträge, die über diese Frage in der Knesset gestellt wurden ein Gegengej wicht zu schaffen. j In Begleitung Ben Gurions befand sich General Zwi Tsur. der Chef des General-, stabs. der beigeordnete Verteidigungsminister Schi-1 mon Peres und sein persönr lieber Ratgeber in Araberfragen. Uri Ltiami. | Die Einzelheiten der Be-: spreehungen wurden als ge-1 heim behandelt, doch weiss man, dass die Experten den ' Grund für die Beibehaltung , des Militärregimes ausein-1 andersetzten. Es versteht; sich, dass die Absicht Ben GurLons, die Angelegenheit j ausserhalb der Parteien zu i behandeln, von einigen An-: wesenden nicht gebilligt | wurde. Man fürchtet, dass j dieser Streitfall Anlass zu j einer Kabinettskrise geben könnte, wenn sich die Regie-1 rung nicht geneigt zeigen ' sollte, grösseren Aenderungen zuzustimmen. j Die Achdut Awoda, die neben anderen Parteien bei dieser Zusammenkunft ver-1 treten war, reservierte sieh beim Eintritt in die Regierung ihr Recht, „sich nicht an ihre kollektiven Verantwortlichkeiten zu halten”, wenn diese Frage zur Sprache käme. Das Kollektivabkommen besagt, dass alle Mitglieder der Koalition die Entscheidung des Kabinetts anzunehmen haben, falls sie nicht die Erlaubnis erhalten sollten, sich einem Beschluss der Regierung zu widersetzen. BEN GIJRION BEANTWORTET FRAGEN Jerusalem — Ministerpräsident David Ben Gurion wurde in der Knesset über ein Interview befragt, das das pariser Blatt „Figaro” vor kurzem veröffentlicht hat. Dort wird folgende Aeusserung Ben Gurions zitiert: „Die israelischen Araber zie- WIE ICH ES SEHE Von der ertraeumten Freiheit dm JEHUDA G0TTHE1MER Als der grosse nordamerikasiscbe Präsident Franklin Deiano Roosevelt seine Stirnme erhob und die Freiheiten proklamierte, um derentwillen die noch nicht vom Nazifaschismus unterjochte Welt die höchsten Anstren-1 gungen zur Ueberwindung * dieser Gefahren machen 1 sollte, da war er nicht ein einzelner, der einem schönen Traum Ausdruck verlieh. Vielmehr wurde durch seinen Mund die Hoffnung der! freiheitsliebenden Menschen j allen denen erneut zum Bej wusstsein gebracht, die zau-1 derten. die an der Zukunft nach einer CJeberfülle von; Leiden und Enttäuschungen verzweifelten und die vorn Schmerz und der Ausweglosigkeit des Schicksals gej beugt gewesen sind. Mit der Beseitigung jener furchtbaren Pest des Natinalsozialismus sollte aueh die alle belastende Angst vor Tod, Untergang, Zerstörung und Unterdrückung einmal für alle Mal beseitigt werden. Das Ideal dieser Postulate, die Roosevelt verkündet hat-! te, beschwingte die Völker zum Sieg, aber die Kraft ■ zur Verwirklichung der vor-1 genommenen Ziele hatte die Welt der Sieger nicht. Heute steht sie vor der Gefahr, erneut in jenen Abgrund zu stürzen, der noch immer nicht überdeckt werden konnte. I. Die Ursache Die Ursache dieser neuen Gefahrenzone, die von allen Völkern durchschritten werden muss, liegt in der Schwäche des Menschen allein. Von den besten Vorsätzen beseelt, haben die Siegerstaaten weder die geistige noch die moralische Kraft entfalten können, um nicht nur den Krieg, sondern auch den Frieden zu gewinnen. Die altneuen Rivalitäten flammten mit einer niemals gekannten Heftigkeit auf und drückten einer ganzen Epoche ihren wenig glücklichen Stempel auf. Bis in dieses Jahr hinein reicht dieser russischnordamerikanische Zweikampf, der langsam jedoch andere, neue Formen anzunehtnen beginnt, sodass es zu neuen Verlagerungen des politischen Schwergewichts Antwort an Sowjetrussland Jerusalem. — Die von dem moskauer Blatt Trud vorgebrachten Beschuldigungen, dass die verhafteten Führer der russischen Judenbeit Verbindungen mit Mitgliedern der Israel-Botschaft zu .Spionagezwekken” aufrecht erhalte» haben oder in eine „zionistische Konspiration” verwickelt gewesen sind, bildeten den Gegenstand von Beratungen auf ministeriellem Niveau und auch in eioer Sitzung der Zionistischen Organisation. Die Knesset-Kommission für auswärtige Angelegenheiten und Staatssicherheit hörte den Bericht des Generaldirektors des israelischen Aussenministeriums, Dr. Chaim Jachil. an. Dieser hatte den sowjetischen Botschafter Michael Bodrow in sein Büro gebeten. um die sowjetischen Anklagen in höchst energischen Ausdrücken zurüekzuweisen. Die Kommission wird diesen Fall noch weiter verfolgen, doch glaubt man, dass Aussenminister Goida Meir sich nicht hierzu äussern dürfte, da die kommunistischen Behauptungen in der sowjetischen Presse und nicht in einem offiziellen Dokument erhoben wurden. Andererseits erklärte Dr. Nachum Goldmann, der Präsident der Zionistische» Weltorganisation, dass die Exekutive der Jewish Agency anlässlich ihrer fünftägigen Plenarsitzung in Jerusalem zu dem von der Gewersehaftszeitung Trud publizierten Artikel Stellung nehmen wird, insoweit die Verleumdungen die Zionistische Organisation betreffen. (ITA) kommt. Damit dürfte unsere Generation noch einen weiteren Szenenwechsel auf der grossen Bühne der internationalen Politik miterleben. Im Zeichen der östlichwestlichen Gegnerschaft, dieses gigantischen Ringens um die Vorherrschaft über die unglücklichen Völker der Erde, die keine Rivalitäten und keine Kämpfe, •sondern nur und ausschliesslich den Frieden wollen, wurde lange Jahre ein kalter, aber auch ein heisser Krieg geführt, dessen einzi- | ge Aufgabe es gewesen ist, den anderen zu zermürben. Erstaunlich genug dürften die entwickelten Kraftreserven sein, die auf beiden Seiten gezeigt werden. Was alles hätte erreicht werden können, wenn die ungeheuren Mittel und Energien! nicht auf Zerstörungswaffen, sondern zum Aufbau eines neuen Lebens benutzt worden wären. In einer Welt, in der mehr als die Hälfte der Menschheit an Hunger leidet, in der aber auch mehr als die Hälfte der Menschheit nicht lesen und nicht schreiben kann, die also trotz allen so gepriesenen Fortschritts und trotz aller technischen Errungenschaften einen erschreckenden Tiefstand auf materiellem wie auf geistigem Gebiet aufweist, veranstalteten Amerikaner und Russen einen erregenden Wettlauf zur Eroberung des Kosmos, des Unbekannten, des Geheimnisvollen, angetrieben von einem unstillbare» Wissensdurst, aber auch von Machtgier und der Angst vor der Konkurrenz bei der Eroberung der Erstmachtstellung auf der Erde. Das war die erste Aera der Naehkriegsepoche, die in sich auch in zwei Teile zerfällt: die Phase Stalin und die des heutigen Herrn im Kreml, Nikita Krutschew. Man lasse es dahingestellt, warum man die Unterteilung einer Zeit nach den russischen Machthabern und nicht nach den amerikanischen Präsidenten vornimmt, obwohl Truman, Eisenhower und Kenne*!/ auch in sich andere Inhalte und Programme bedeuten. Die hen vor, dass Israel ein arabischer Staat sein soll, und wiirde man innen die Möglichkeit geben, so würden sie an der Zerstörung Israels mitarbeiten.” Die Frage wurde von dem Abgeordneten der Achdut Awoda, Mosche Carmel, formuliert. Er fragte den Premierminister, ob er diesen Bericht des Figaro richtigzustellen wünsche, oder welche politische Absicht er mit dieser Erklärung verfolgt habe, wenn er sie wirklich gemacht hat. Ohne im besonderen auf die oben wiedergegebene Aeussening einzugehen, entgegnete Ben Gurion, er sei für Berichte der Presse, die in seinem Namen publiziert werden, nicht verantwortlich, ausgenommen für Mitteilungen, die er. selbst eingeschickt und unterzeichnet habe. Im weiterer wurde Ben Gurion über die einer französischen Firma von Kol Israel erteilten Konzession für kommerzielle Reklame durch Rundfunk und Television befragt Ben Gurion antwortete, ner Plan eines Fernsehdienstes sei auf ministeriellem Niveau bisher noch nicht zur Sprache gelangt, doch er persönlich sei gegen die Einführung der Television in Israel. Er hoffe, so fügte er hinzu, dass „noch viele Jahre vergehen werden, bis die Television nach Israel kommt,” (ITA) Israel arbeitet für den Frieden Während die Vereinigten Staaten jetz*- ein Friedens korps von jungen Spezialisten in unterentwickelte Länder entsenden, um ihnen bei ihrer Entwicklung Unterstützung zu leisten, versucht Israel, dieser Ländern zu helfen, indem es junge Menschen aus diesen fernen Ländern in Israel ausbildet. Die israelische Regierung bietet auch Wissenschaftlern aus diesen und anderen Ländern die Möglichkeit, an wissenschaftlichen Konferenzen in Israel teilzunehmen und auf diese Weise von Israels wissenschaftlichen Kenntnissen zu profitieren. Eine solche Veranstaltung war die Internationale Konferenz für die Federung der Wissenschaft in neuen Ländern, die im Wissenschaftlichen Weizmann-Institut in Rechowot abgehalten wurde. Ein wichtiges Buch uoer diese Tagung, auf der verschiedene Probleme der neuen Volksgemeinschaften zur Sprache gelangten, ist in Nordamerika vom Verlag Basic Books, Inc. herausgegeben worden ist. Die Verfasserin dieses interessanten Berichtes ist Ruth Gruber, eine bekannte Schnftstederin und Journalistn. Das Buch, dessen Titel „Wissenschaft und die neuen Nationen” lautet, gibt einen anschaulichen Bericht über die Konferenz in Rechowot I und vermittelt einen zusammenhängender. Ueberb.iek über die Diskussionen, die dort stattgefunden haben. Diese Erörterungen beschäftigten sich mit Sonnenenereie und Atomkraft für unterentwickelte Lander, mit aer Ernährung und Ausbeutung von Bodenschätzen, der Wasserversorgung, ärztlicher Betreuung und Gesunoheitsdiensten, sowie mit der Entwicklung der Wirtschaft und dem Erziehungswesen. Die bei dieser Konferenz vorgelegten schnftlicnen Berichte, über die in Staaten wie Nigeria Liberia, Tanganjika, Kenia, Uganda, Französisch-Afrika und anaeren Ländern vorhandenen besonderen Probleme, die ne auf 70 Abhandlungen belaufen, werden vor Ruth Gruber in ihrem Buch abgedruckt. Ferner berichtet sp ausführlich über die nicht formellen Gesoraelie, die wahrend der zweiwöchigen Konferenz geführt wurden. Da* Buch ist geschickt z.usammengest.eilt und gewahrt einen Einblick in die Probleme und Ziele der neuen Lander m AfMínnU'j,eder!1der Israels Hilfe bei der Entwicklung dieser heute unabhängigen, neuen Volker aufmeik-am verfolgt, und besonders Nordamerikaner, cie nach AI kä und Arien reisen, um sich über den Aufbau die-e, Länder durch Augenschein zu orientieren, wird in clusem Buch eine Fülle hochinteressanten Matena * fui den' BORIS SMOLAR rücksichtslose, rote und blutige Diktatur Stalins ist durch einen . .sanfteren” Krutschew - Kurs abgelöst worden. Natürlich handelt es sich, ob Stalin oder Krutschew oder ihre Zwischenmänner, immer um das gleiche kommunistische System mit seinen faschistischen Formen und Praktiken, mii seiner rücksichtslosen Diktatur und brutalen Gewaltherrschaft. Wir finden auch stets die gleichen Methoden zur Ausschaltung äusserer oder innerer Schwierigkeiten, zur Eliminierung von unliebsamen Gegnern oder Gruppen und zur Irreführung, der breiteren Oeffentlichkeit. In diesem Zusammenhang sei nur an die neuen Sehauprozesse erinnert, die wegen angeblicher „Verbrechen gegen die Währung” in verschiedenen Aufmachungen geführt werden. Stalin brauchte seinerzeit einen Prozess gegen jüdische Aerzte, hervorragende Wissenschaftler, angesehene Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die nur deswegen dem Tode entgingen, weil der Zufall es wollte, dass Stalin vorher verstarb. Auch Krutschew musste jetzt seine Sensation haben, für die er gleich in doppelter Auflage sorgte. Er wollte aus einem leicht verständlichen Grund die Juden erschrecken, denn die gegen ihn und seine Herrschaft erhobenen Beschuldigungen wegen unerträglicher Unterdrückung jedes jüdischen Lebens störten den „Helden der Freiheit”, Nikita Krutschew. Also wurden einige alte Leute, denen .Beziehungen’ mit dem Ausland nachgesagt wurden, der Verbrechen gegen die Währung angeklagt. Das sind die neuesten Schausprozesse, deren Opfer alte Frauen und ahnungslose Menschen sind. Eine lehrreiche Nebenerscheinung kann man beob-! achten. Denn nicht nur einii gen Juden legt man diese | Straftat zur Last, sondern , | auch einer ganzen Reihe 1 katholischer Geistlicher, die bereits zu nicht unerheblichen Freiheitsstrafen ver- 1 urteilt worden sind. Diese Vorgänge sind nicht allein j interessant, sie sollten ein . ' warnendes Beispiel sein. : Auch der deutsche Faschis- . mus in seiner braunen Gewandung — heute haben wir einen rötlich gefärbten deut- ’ sehen Faschismus — ver-, folgte stets bei Schauprozessen neben den Juden die kaj tholischen oder sonstigen i christlichen Priester. Die Nazis und die Faschisten aller Schattierungen haben begriffen, dass der Glauben eines Menschen die stärkste Bastion gegen die kommunij stischen Einflüsse ist. Darj um gehen sie gegen diese | zwei Gruppen von Glaubensträgern. Juden wie katholij sehe Priester, immer ge- ’ meinsam vor. II. Nock nicht verstanden Der Papst und andere hohe kirchliche Würdenträger haben längst verstanden, dass die Schaffung einer Front des Glaubens gegen die den Glauben und die alten Lebensformen und Wertmasstäbe zerstörenden Kräfte erreicht werden muss. Aus diesem Grund (und sicherlich aiica zur Beseitigung alten Unrechts) kann man beobachten, wie die kirchliche Politik zwar langsam und stark zurückhaltend, aber deutlich sichtbar, einen neuen Kurs gegenüber der jüdischen Frage steuert und an einer Annäherung, jedenfalls aber an einem Burgfrieden interessiert ist. Die Eliminierung mancher alter Beschuldigungen gegen die Juden aus dem christlichen Ritual, die Bereinigung einiger Texte sowie die Position gegenüber dem Staat Israel lassen hierauf schliessen, abgesehen von ausdrücklichen Erklärungen. die auf dieser Linie liegen. Es kann jedoch nicht genügen, dass die hohen Geistlichen von der Notwendigkeit überzeugt sind, zu einer positiveren Haltung gegenüber den Juden zu gelangen. Es dürfte unbedingt erforderlich sein, dass auch der niedere Klerus, der den faktischen Einfluss auf die breiten Massen ausübt, diese Linie zu befolgen angehalten wird. Das sind die katholischen Priester, die als Lehrer in den Schulen und Konventen wirken, die den ständige» Kontakt mit der Bevölkerung haben, von deren Worten es abhängt, wie ein (Schluss auf Seite 2t Vertreter Israels vor den UN Vereinte Nationen. — Botschafter Abraham Darom, der wahrend der letzten sechs Jahre die lateinamerikanische Abteilung des israelischen Aussetiministeriums geleitet hat, übernahm den Posten des stellvertretenden ständigen Repräsentanten Israels vor den UN. Chef der Israel-Delegation und ständiger israelischer Vertreter vor den UN ist Michael Comay. Abraham Darom wurde 1906 in Chile geboren. Er studierte Jura an der Universität von Santiago und spezialisierte sich in Strafrecht. Er war Dozent an der Universität, später juristischer Berater des chilenischen Arbeitsministeriums und Direktor des chilenischen Gefängniswesens, bis er im Jahre 1949 seinen ständigen Wohnsitz nach Israel verlegte Nach seinem Eintritt in den Stab des israelischen Aussenministeriums war er zuerst diplomatischer Vertreter in Athen und danach Botschafter in Belgrad An der UN-Konferenz über Seerecht, die 1960 in Genf stattfand. nahm er als Vertreter Israels teil und war Mitglied der Israel-Delegation vor den UN-Generalversammlungei* der Jahre 1949 und 1969. Darom ist auch als Verfasser von Abhandlungen über Strafrecht bekannt und gründete in Chile eine Zeitschrift, die sich mit Fragen der Strafgesetzgebung beschäftigte. Er war auch viele Jahre hindurch Präsident der zionistischen Organisation von Chile. (ITA)

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