Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1942 (26.1.1962)
- Date
- 1962-01-26
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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oca? 3 _ FRANQUEO PAGADO Concesión 908 £ g 2 ¿ * O W *w A} TARIFA REDUCIDA < U Concesión 1629 A3* XXHI. BUENOS AIRES, VIERNES 26 DE ENERO DE 1962 No. 1942 EL EiEMPLA en toda la República *4.- PUEYRREDON 219« I? teq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Ein Antrag Argentiniens Jerusalem. — Ein Ersuchen der argentinischen Behörden, Eichmann und seinen Entführern Fragen über die Festnahme Eichmanns in Argentinien zur Beantwortung zu stellen, ist in der vorigen Woche dem Aussenministerium von der Israel-Botschaft übermittelt worden. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte, der Fall werde geprüft und binnen kurzem an das Justizministerium überwiesen werden. Die argentinischen Behörden leiteten aufgrund eines Antrags von Frau Vera Eichmann, der Ehefrau des Verurteilten, eine Untersuchung über die Umstände der Entführung Eichmanns ein. (ITA) Bestaetigte Befuerchtungen „Leningradskaja Prawda”, [ das offizielle Organ der j KPdSU in Leningrad, widi mete den Zusammenhängen um den Prozess gegen drei jüdische Funktionäre der zweitgrössten sowjetischen Stadt einen ausführlichen Bericht, aus dem hervorgeht, dass die drei jüdischen Funktionäre, der 70jährige S Dinkin, der zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde, N. Kaganow, dessen Strafe von sieben auf vier Jahre Gefängnis herabgesetzt wurde und G. Petscharski, der 12 Jahre Gefängnis erhielt, in landesverräterischen Beziehungen mit den beiden israelischen Diplomaten m der Sowjetunion gestanden haben sollten, die im Laufe der letzten Jahre aus dem Gastland verwiesen wurden: Jaakow Sharett und Eliahu Chasan. Husseins Position gefestigt Ueber ein Jahr ist vergangen, seit in der Hauptstadt des jungen Monarchen aus der Hasehemitischen Dynastie eine Zeitbombe platzte, der sein Ministerpräsident zum Opfer fiel. Das seinerzeitige Attentat auf Hasa el Madchali wurde — was von vornherein fast zweifellos klarstand — von Eindringlingen und Nass-sragenten durchgeführt. Es war eine schwere und problematische Zeit für len jungen couragierter. König, als der Stern des ägyptischen Diktators noch hell am politischen Himmel leuchtete und Syrien, die Wiege der panarabischen Bewegung, ein gefährlicher Gegner und Nassers Ausfallbasis gegen Transjordanien war. Doch jetzt hat sich die Lage von Grund auf geändert. Syrien riss sich von Aegypten los und ist heute weit davon entfernt, die Selbständigkeit des transjordanischen Nachbarn zu bedrohen. Nasser hinwider hat nun zuviel mit sich selber za tun, urr. der Schwierigkeiten im eigenen Lande Herr zu werden, als dass er andere gefährden könnte. So atmete denn Hussein endlich erleichtert auf und geht jetzt daran, seine! Machtposition zu stärken. | Im Zuge der Aktion in diel gierungsamtlich eingesetzter Ausschüsse durchgeführt, die die Wahlen organisierten, leiteten, an den Wahl-, urnen sassen, die Stimmen j zählten und die Wahlresultate bekanntgaben. Kam es 1 trotzdem vor dass der Regierung nicht genehme Personen ihre Kandidatur einreichten, „überzeugten” sie 1 die Bezirkskommandanten der Sicherheitsbehörden, diese Kandidatur zurückzuziehen. Liess sich hie und da ein „Unerwünschter” nicht „überzeugen”, so wurde gegen ihn ein Pragraph angewendet, wonach ein transjordanischer Bürger, der fremde politische Tendenzen hegt und unter dem Einfluss und Schutz eines fremden Staates steht, nicht in das Haus der Volksvertretung gewählt werden darf. Auf diese Weise kamen 40 von den insgesamt 60 Kandidaten automatisch durch, da sie überhaupt keine Gegenkandidaten hatten. Die übrigen 18 rekrutierten sich ebenfalls aus Königstreuen; zwei Halboppositionelle dürften als Gegenleistung für die weichen Sessel, die ihnen — wenn alles gut geht — für vier Jahre gesichert wurden, auch auf ihren letzten Rest oppositionellen Geistes verzichten. So ist nach den Wahlen in ^ht»lgJ5hr!Ld!luK£! Transjordanien eigentlich alnig als erstes, die seit 12 Monaten dauernd aufgescho-1 benen Parlamentswahlen im Lande durch. Wenn wir | auch Parlamentswahlen sa-1 gen, so darf man sich natürj lieh nicht etwa freie, den faktischen Willen des Vol-1 kes widerspiegelnde Wahlen vorstellen. Zwar wird in den j arabischen Ländern sehr { viel von Demokratie, von Sozialismus, sogar von Par-1 (amentarismus und von Parlamentswahlen gesprochen, aber dass die Regime trotzdem von westlichen Begriffen der Demokratie weit entfernt snid, braucht nicht erst erhärtet zu werden. In dieser Beziehung stellt Transjordanien keine Ausnahme dar. Die Wahlen wurden nicht etwa unter Aufsicht von Bevölkerung oder von Parteien berufener öffentlicher Kommissionen,, sondern unter Kontrolle reles beim alten geblieben. Kleine Verschiebungen, die innerhalb der Regierung vorgenommen wurden, sind rein formaler Natur und brachten nur einen belanglosen Wechsel der Portefeuilles im Kreise der gleichen Personen. Der wichtigste Knalleffekt an der ganzen Sache ist für Hussein, dass nach aussenhin und in seinem Lande selbst der Eindruck entsteht, alles nehme jetzt im Reiceh des bisher bedrohtesten aller Hasehemiten seinen normalen Gang, eg finden Wahlen statt, ein Parlament wird gebildet, der König umgibt sieh mit seinen Getreuen, und das Volk jubelt seinem gekrönten Oberhaupt zu. Allerdings — solange es Nasser schlecht geht — kann Hussein es sich gut gehen lasseis Elijahu Chasan ist bekanntlich 1957 in Odessa verhaftet werden, und nachher wurde er zur „Persona non grata” erklärt und aus der Sowjetunion verwiesen. Aehnlieh gingen die sowjetischen Behörden gegen den israelischen Diplomaten Jaakow Sharett 1961 vor, der in Riga verhaftet und von seiner Frau getrennt wurde. Nachher ist auch dieser aus der Haft entlassen und des Landes verwiesen worden. Es ist kein Zufall, dass bis zum heutigen Tage weder dem einen noch dem anderen israelische Ex-Diplomaten irgendein unerlaubter Kontakt mit den abgeurteilten jüdischen Funktionären von Leningrad nachgesagt wurde. Es ist auch ziemlich unwahrscheinlich, dass die sowjetischen Behörden — etwa im Fall Chasan — vier Jahre gewartet hätten, um jüdische Funktionäre vor Gericht zu stellen, wenn tatsächlich Beweise Vorgelegen hätten, dass sie ,.Spionagematerial” israelischen Diplomaten zur Verfügung stellen, oder von diesen „antisowjetisches Material” in Empfang nahmen. Was man in der Sowjetunion oft als „antisowjetisches Material” bezeichnet, ist hinlänglich bekannt. Jede Broschüre über Israel und seine Erfolge auf dem Gebiet der wirtschaftlichen oder sozialen Entwicklung kann eine solche Bezeichnung erhalten Aber weder das sowjetische Aussenministerium noch andere Behörden haben bisher Proteste wegen Beziehungen zwischen Chasan oder Sharett und den jüdischen Funktionären von Leningrad erhoben, was sie wohl kaum un terlassen hätten, wenn die Beschuldigungen auf Wahrheit beruhten oder durch wirkliche Beweise gestützt werden konnten Der plötzliche Zusammenhang zwischen den drakonischen Urteilen gegen die jüdischen Funktionäre von Leningrad und den israelischen Diplomaten ist aber dazu angetan, die Gründe für das sowjetische Vorgehen zu beleuchten. Schon seit einiger Zeit werden in Israel Befürchtungen geäussert, das Vorgehen gegen die jüdischen Funktionäre wäre nichts anderes als eine Vergeltung für die israelischen Massnahmen gegen einige Personen, die des Kontakts mit Agenten einer fremden Macht beschuldigt werden. Es scheint, dass diese israelischen Befürchtungen nun eine volle Bestätigung erlangt haben, dass in den Prozessen gegen Dinkin, Kaganow und Petscharski nichts anderes zu suchen ist, als eine Antwort auf einige Prozesse in Israel, in denen die Urteilsverkündung stattgefunden hat. Dieses Vorgehen straft aber die Beteuerungen Krutschews vor dem 22. Parteitag der KPdSU Lügen, denenzufolge die Sowjetunion die Willkürjustiz aus den Zeiten des „Fersönlichkeitskults”, verstehe der verbrecherischen Aera Stalins, bereits überwunden hat und zti einem Rechtsstaat im üblichen Sinne de* Wortes wurde. Die Aburteilung der drei jüdischen Funktionäre von Leningrad beweist vielmehr, dass auch heute noch in der Sowjetunion die Justiz den aktuellen politischen Erwägungen und Bestrebungen der Staatsführung dient und Menschen in Mitleidenschaft zieht, deren Unschuld ausser Zweifel steht. Während die Urteile gegen die jüdischen Funktionäre in Leningrad weltweites Echo auslösten und in der gesamten westlichen i Presse als Auftakt zu einer neuen antisemitischen Welle | bezeichnet worden sind,; oder aber als Beweis dafür, j dass der latente amtliche | Antisemitismus in der Sowjetunion auch unter Krutschew bestehen blieb und mit der Entstalinisierung nicht abgeschafft worden ist, bemüht man sich in israelischen offiziellen Kreisen um weitgehende Zurückhaltung, um die Beziehungen zwischen Israel und der USSR nicht einer weiteren Belastung auszusetzen. Im Aussenministerium in Jerusalem ist man seit geraumer Zeit zur Ansicht gelangt, dass die antiisraelische Linie in der sowjetischen Aussenpolitik bei weitem den proarabischen Opportunismus in den sowjetischen politischen Erwägungen übersteigt und ihre Ursachen also keineswegs darin zu suchen sind, dass sich Moskau bei den Arabern einzuschmeicheln bemüht. Diese Ansichten sind auch vollkommen berechtigt, da anzunehmen ist, dass sich die Araber kaum dagegen wenden könnten oder würden, sollte die Sowjetunion geregelte Handelsbeziehungen mit Israel unterhalten, Israel Oel verkaufen oder von Israel Zitrusfrüchte kaufen. Auch die prowestliche Haltung der israelischen Regierung ist kaum genügender Grund für die sowjetische Animosität gegen Israel, unterhält doch die Sowjetunion überaus geregelte Beziehungen mit einer Reihe von Staaten, deren prowestliche Einstellung derjenigen Israels nicht naehsteht. Es ist deshalb anzunehmen, dass es sieh hier eher um eine ideologische Frage handelt, in der die Sowjets unerbittlich blieben, d h. die erhebliche Anziehungskraft Israels für die Juden der Sowjetunion und letztens auch die jüdisehe Jugend (Zeitungs - Korrespondenten berichteten, dass zehntausende jüdische Jugendliche die Gottesdienste zu den Hohen Feiertagen besuchten und am Simchat Thora-Fest in und um den Synagogen tanzten), die israelische Forderung nach freier Auswanderung der Juden der Sowjetunion und schliesslich auch die mangelhafte Bereitschaft Israels, die „antiimperialistischen” Schimpf- Brandstiftung in USA New York. — Ein Brand, der anscheinend von jugendlichen Verbrechern, die antisemitische Plakate mitführten, gelegt worden ist, brach in verschiedenen Klassenzi« mern der jüdischen Bet Jaakew-Schule aus. Als die Feuerwehr eintraf, fand sie die Wände mit folgenden Parolen beschmiert: „Schmutzige Juden! Ihr werdet niemals ahnen, wer die Urheber sind.” Die Feuerwehrleute retteten mehrere Thorarailen. Als die Schule za brennen begann, befanden sich keine Schüler in dom Gebäude. (ITA) kanonaden mancher neutralistischer Länder mitzumachen, deren Politik sich vwn den Lippenbekenntnissen gegen den Imperialismus grundsätzlich unterscheidet. Während aber die ideologische Auseinandersetzung zwischen der Sowjetunion und Israel, bezw. dem Judentum der USSR, eine Frage ist, die gründliche Erörterung verdient und die vielleicht eines Tages beigelegt werden kann, ist die Rachejustiz an unschuldigen jüdischen Menschen auf ein anderes Blatt zu schreiben, das keineswegs zu den rühmlichsten für die Sowjetunion gehört und an den Versicherungen Zweifel erweckt, die .sozialistische Gerechtigkeit’ hätte die Willkür der Statin- Aera endgültig ersetzt. Neofaschisteil in Argentinien Los Angeles. — Verschiedene terroristische Organisationen in Argentinien haben einen bewaffneten Feldzug gegen demokratische Gruppen entfesselt und verüben antisemitische Attentate. All dies geschieht mit anscheinender Duldung der Polizei. Diese Organisationen, die neofaschistisch und antinordamerikanisch sind, scheinen mit der Unterstützung einiger Offiziere der argentinischen Armee und verschiedener Geistlicher der Römisch-Katholischen Kirche zu zählen, obwohl sieh das Heer wie die Kirche offiziell gegen diese Verbände wenden. Dies sind die wichtigsten Enthüllungen neben anderen Mitteilungen, die Jacob Blaustein, ein Industrieller aus Baltimore und Ehrenpräsident des American Jewish Committee aufgrund von Informationen bekanntgab, die er von den lateinamerikanischen Büros dieser Institution erhalten hat. Blaustein war Repräsentant der Vereinigten Staaten bei der Generalversammlung der UN. Der nationale Exekutivausschuss des Comités hielt hier im Beverly Hilton Hotel eine Konferenz ab. Blaustein erklärte, dass die Führer des American Jewish Committee kürzlich mit hohen Beamten des State Department zusammentrafen, um über das Anwachsen der antidemokratischen und antisemitischen Kräfte in Argentinien zu beraten. Das Comité, das im Jahre 1906 gegründet wurde, bat sich als erste Institution in den Vereinigten i Senat offiziell die Tacuará- C f O Q f Oft f Ü** MA AnnAlilL.ltA D a! —. i _ .1 .. Jx . J : -V1 — _ 3 _ Staaten für menschliche Beziehungen eingesetzt und bekämpft den Fanatismus, schützt die bürgerlichen und religiösen Rechte der Juden und arbeitet für die Menschenrechte aller. Blaustein fügte hinzu, es sei selbstverständlich, dass der Vatikan die in faschistischen Randorganisationen tätigen Geistlichen gerügt habe. In dem Bericht des Comités, der nach Argentinien gelangt ist, wird festgestellt, dass die neofastkehe Terrororganisation offen vandalische und gewalttätige Akte verübt, „ohne dass die Polizei einschreitet”. Die Mitglieder dieser Verbände, so betont das Comité, „scheinen eine eigenartige Immunität zu gemessen, und selbst wenn sie dingfest gemacht werden, so wird ihre Prozessierung nicht mit der ganzen Schärfe des Gesetzes gehandhabt.” Diese Tatsache wird auf den Umstand zurückgeführt,' dass die neofaschistischen Gruppen „über wichtige Beziehungen zu Leuten zu verfügen scheinen, welche in Kreisen der Regierung, der Polizei, der Armee und der Kirche sitzen.” Andererseits hebt Blaustein hervor, dass die kirchlichen Führer in Argentinien „sich offen gegen diese neofaschistischen Gruppen wenden”, und er weist darauf hin, dass Im Jahre 1961 der argentinische Gruppe tadelte, die die aktivste unter den Organisationen mit neafaschtstischem Charakter ist Tacuará ist eine fast militärische Organisation mit Zellen und Kommandoposte« in Buenos Aires und anderen argentinischen Städte«. Sie wurde kurz nach dem Sturz der Regierung Perón im Jahre 1955 gegründet und ihr gehören Mitglieder zwei«* neofasebistiseber Organisationen an, die seit vielen Jahren in Argentinien tätig sind. An der Spitz« der Tacuará steht Albert* Ezeurra, der seit langem als Organisator von antia-meiikanischen und antijüdischen Unruhen bekannt ist. Ursprünglich schlossen sich in der Tacuará zwei antisemitische Organisationen zusammen: die Unión Nacionalista de Estudiantes Secundarios (UNES), die im Jahre 1935 gegründet wurde, und die Alianza Nacionalista, die 1936 entstand. Ferner bestehen noch drei weitere antisemitische Gruppen in Argentinien: die Guardia Restauradora Nacionalista. die sich in der Hauptsache aus ehemaligen Taeuará-Mitgliedern zusammensetzt und im Jahre I960 gegründet worden Ist, da# Sindicato de Estudiantes de Derecho und das Sindical* de Estudiantes de Economía. Registre de la Propiedad Intelectual N*. 656.6SS Impreso m 1« Imprenta POLIGLOTA — Riva darla MI