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Jüdische Wochenschau · 1962-01-26 · 1942 (26.1.1962) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1942 (26.1.1962)
Date
1962-01-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
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l-J' DIE B’LANZ EINER EPOCHE Eines der Werke, die man w* hl einen „Bestseller“ nennen kann, ist William L. Shi.ers „Aufstieg und Fall oes dritten Reiches“. Es liegt jetzt in deutscher Uebersetzung neban der amelikanischen Originalausgabe vor auch auf Hebräisch ist sie erschienen, und die Diskussionen im Rundfunk und in der Weltpresse haben begonnen. Kann man die „Hitlerzeit“ heute gerecht beurteilen? Die französische Schule neigt oe - Ansicht zu. historische , Forschung sei eigentlich in! unserer Zeit nur bis zu .\a-: poleon möglich. Shirer weiss; das. Er widerspricht. Er j kann darauf hinweisen, dass die Authentizität einer Sache bedeutender ist, wenn j man sie miterlebt hat, als von Dr. CONRAD N. ROSENSTEIN wenn man sie bei anderen , sches wiedergeben? War „nachliest“. Tacitus so glänzend nnter- Shirer war in den Jahrichtet? Kannte er sich ans ren des „Aufstiegs” Journa-! >m. Nachrichtenwesen seiner list in Berlin, kannte die füh- Zeh? War das Reisen so rende Diplomatie und eine einfach? Sah er überhaupt Reihe der ersten Persönlich- I jemals Germanen persönkeiten des Dritten Reiches. I hch? Er nahm an den Nürnberger j Parteitagungen teil, sass bei | den Massenversammlungen des Herrn Göbbels im Sportpalast. Vor allem aoer, Do-j kumentation zu erhalten, war in früheren Jahrzehnten historischer Forschung aussej ordentlich schwierig. Wissen wir z. B. sehr viel über die alten Germanen? Und j wenn wir schon Tacitus zitieren. woher wissen wir eilst es nicht vielleicht ein < Vorurteil, wenn man sagt, wir seien nicht in der Lage ein Urteil über eine jüngst abgelaufene Epoche zu fällen. denn die Opfer lebten j Material nicht mal regi-1 gen liegen in einem Ausmass vor, dass man erstaunt und dies trotz der riesigen Autodafes kurz vor dem Endspurt. Ein Menschenleben würde nicht ausreichen. um all die Dokumente durchzusehen, die man nach USA brachie. von anderen Staaten garnicht zu reden.' Fünfzehn Jahre hat sich Shirer durch dieses Materia'. durchgearbeitet, mit Hilfe einiger Personen, da das lifdisch-christlkhes Treffen i noch und Opfer seien parteiisch? Die Nachwirkungen der Hitlerzeit seien noch garnicht verklungen? Ist nicht z. B. das „geteilte Deutschland“ eine Folge des von Hitler gewünschten Oas Leo Baeck Institut sucht folgende Jahrgänge der ZEITSCHRIFT IM DEUTSCHEN REICH 4. Jahrgang. 1898 5. Jahrgang. 1899 6. Jahrgang. 1900 18. Jahrgang. 1912 28. Jahrgang. 1922 Wer diese Jahrgänge besitzt oder wer auch nur einen der genannten Bände hat, wird gebeten, der Redaktion der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU hiervon Mitteilung zu machen (Buenos Aires, Pueyrredon 2190, Tel.: 83-2613) PUBLIKATIONEN DES I.E0 BAECK INSTITUTES SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGE« DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBING*« SOEBEN ERSCHIENEN: Vcae Book V I960 — VOM L.B.-INSTITUT HERAUSGEGEBEN: BY THE EAST AND WEST LIBRARY, LONDON mit einer Fülle hervorragender Beitrage in englischer und deutscher Sprache. (416 Seiten) WERDE AUCH DU J. MITGLIED des Leo Baeck-Instituts Anm»)du»9»n im Büro der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU, Pueyrredon 21W, 1* isq. («3 2613) stiiert war, und es z. T. jetzt noch nicht ist! Welches Material? Irgendeines? Nein, I man sollte es kaum für möglich halten: Tagebücher Frankfurt a. M. — Eine christlich-jüdische Stu-! cüengruppe kündigte ein Programm für eine kirchj liehe Konvention im Jahre 1963 an. wie sie die evan- '■ gelisehen Kirchen im vergangenen Jahr in Westberlin i unter Beteiligung von 10.000 Personen abgehalten ha- J ben. Die Studiengruppe, die auf der theologischen Bai sis der Vereinigung für jüdisch-christliche Verständi-! gung Versandungen veranstaltete, zählt mit der Un-! tersfiitzung der alle zwei Jahre stattfindenden Kiri t chenkonvention. ' j Eine Anzahl protestantischer Theologen traf sich I j hier, um über den Plan, Dokumente über den Anti- ■ ■ semitismus unter den Christen zu sammeln, Beratun-! i gen zu pflegen. j I Das Projekt wurde von dem halboffiziellen Evan-! . gezischen Institut für ideologische Fragen in Stuttgart ’ 1 angeregt. Unter den Theologen befinden sich Prof. 1 j Heinrich Rengstorf sowie die jüdischen Historiker I | Bernard Blumenkrantz und Eleanore Sterling. (ITA > i gentlieh, dass wir Authenti-i Krieges? Indessen: Unterlader Heerführer, geheime Sit- | . zungsberichte höchster Amtsstellen, Registrierungen von Befehlen, Büchern alle.höchster Parteibeamten und Tagesphilosophen. Gesetzessammlungen, Briefe von Tisch zu Tisch, von Freund zu Freund. Das Bild einer Epoche? Es könnte kein besseres geben. Wenn die „Deutsche Soldatenzeitung“ Shirers Buch ein „Machwerk“ nennt, so darf man wissen, dass genau das ausgeplaudert wurde, woran der Deutschen Soldatenzeiiung nichts gelegen ist. Wenn Trevor Roper. einer der glänzendsten Zeithistoriker aus Oxford, es ein Standardwerk nennt, wenn Golo Mann fasziniert ist. so darf man annehmen, dass das Menschenmögliche geleistet wurde, — und auch in hundert Jahren wird nichts anderes geschehen können als das .Menschenmögliche": man darf sagen, ein glänzendes Werk wurde vorgelegt, eine Dokumentation von 1174 Seiten! che rasender Hysterie, so dass die Untergebenen oft j mit einem Schlaganfall rechdrohend, perfide,; Schlammfluten erzeugend —! Rassengestüten — (Münchener Studenten wagten zu demonstrieren! i: von Juden, katholischen Priestern, Demokraten, Friedensaposteln und eben dadurch imponie-1 garnicht zu reden. Das alles rend. ein Magier der Unter-, wird dokumentiert! Und dennoch wäre wüni sehenswert, dass diese Bi-! lanz noch einen zweiten i Band erhielte, etwa von gleichem Umfang, mit Fak-1 similes und Fotos, z. B. Bildmaterial der Nürnberger Parteitage, des Städtchens „Braunau“, mit Familienbildern. der zeichenbegabte Adolf in der Schulklasse. Strassenszenen aus der Zeit des Hitlerputsches. der arbeitslosen Massen in. berliner Wärmehallen, der Beerdigung des Reichspräsidenten Hindenburg, Bilder der Konzentrationslager, der Siegesfeiern im Reichskanzlerpalais, Filmaufnahmen — die! meuternden Offiziere am Fleischerhaken, — Studienobjekte des Prof. Hirth in : Strassburg (sofern es davon Abbildungen gibt) — das , verwüstete Europa am | Schluss des Dramas: Götterdämmerung! Das fehlt... Die Dinge selbst sind bekannt. und dennoch, so sehr sie bekannt sind, so sehr ist man immer wieder überrascht. wie es denkbar war, dass sich dieses Wahnsinnsdrama in Europa ereignen konnte, dass dieser Mann gerade „Magiker“ wurde. War seine Erscheinung so überwältigend? War seine Sprache geformt, bildhaft, lutherisch? Hatte er besondere Tugenden, eines Heiligen. eines mutigen Ullrich von Hutten? Nichts von alledem: das Aussehen eines provinziellen Schankwirtes oder Barbiers, die Sprache eines randalierenden Unzufriedenen, wie man ihn bei Pöbelversammlungen oft hört, feige bis zur Erbärmlichkeit — wie der Hitler- ( putsch bewies: ungebildet, i wie man es beim ungelern-1 ten Publikum des k. k. Oe-1 sterreichs sehr viel vorfand: : ein Mann, der keinen Beruf I erlernt hatte, es im Kriege nur zum Gefreiten brachte, aber menschlich von unüberbietbarer Schamlosigkeit und Niedrigkeit, der es wagte. eben diese Instinkte za predigen, zu leben, zum Prinzip zu erheben. Ausbrüwelt, der sich noch kurz vor dem Untergang, im Trauzeugnis mit seiner Geliebten seine Rassenreinheit selbst bestätigt. Danach Sektgela-! ge. Tolies Tanzfest in der Untergrundhöhle des Reichskanzlerpalais: dann Ge-1 nickschüsse. Testamentsbeschlüsse, Reden über Armeen, die es garnicht mehr | gibt, und die noch immer Deutschland retten werden, riesige Trümmerhaufen, Dei tonationen, Selbstvergiftun-! gen, Hitlers Verbrennung im Bombenkrater: Göbbels i lässt die Kinder ermorden.' Hitlergruss und neuer Selbstin einen Schacht der Untergrundbahn. Schwankende j Gestalten hinter einem letz-: ten Tank. Grausig? Hitler wollte, so erfahren wir, viel j mehr! Vernichtung aller Lebensmittelreserven, Niederbrennen ganzer Landschaf-; ten: das deutsche Volk brauchte seinetwegen ' garnicht mehr zu existieren, j da es eben nicht das „Ziel“ erreicht hatte: die Polen zu Sklaven zu machen, das , „Oesterreich“ zur deutschen; Kornkammer zu machen, eine Rasse zu schaffen, in höchster Form — etwa in i Der deutschen Jugend sei das Buch empfohlen, um zu erfahren, was ihnen die Väter verschwiegen, um zu wissen, warum Hitler der letzte Diktator ist, über den man noch berichten kann. Sollte es noch einmal einen geben, so wird kein Shirer über ihn schreiben, denn wir leben im Zeitalter der Wasserstoffbomben. der Raumraketen, die im Grunde Hitlers Erbschaft sind. Von der ,,Soldatenzeitung“ erwarten wir nichts. Welche Tradition hätte sie wohl zu verteidigen? Aber der anderen Jugend, der man ver trauen möchte, wenn sie bereit ist zu lernen, möchte man dieses Buch in die Hand geben. Wie sagte doch Goethe? „Ich habe oft einer, bitteren Schmerz empfunden bei dem Gedanken an das deutsche Volk, das so achtbar im einzelnen und so miserabel im ganzen ist“. Wie wahr und wie tief gesehen! Wie von so vielen Deutschen liebend und leidend erkannt! Und dennoch, was ahnten sie wohl in diesem Weimar. — nahe, nahe der Oefen, die da brennen sollten? Die BAR MIZWA unseres Sohnes RAUL ISID0R0 findet s. G. w. am Schabbos Mischputim. den 3. Februar 1962. in der Chaim Weizmann-Synagoge, Arcos 2319. statt. JACOB HERLITZ und Frau META geb. METZGER Empfang: Sonntag, den 4. Februar, ab 13 Uhr, Cramer 3647, depto. 1. Wie liegen die Feiertage im Jahre 5722? Montag, den 19. März Dienstag, den 20. März Mittwoch, den 21 März Mittwoch, den 18. April Donnerstag, den 19. April Freitag, de11 20. April Sonabend, den 21. April Mittwoch, den 25. April Donnerstag den 26. April Dienstag, den 1 Mai Mittwoch, den 9. Mai Donnerstag, den 7. Juni Freitag, den 8. Juni Sonnabend, den 9. Juni Donnerstag, den 19. Juli Mittwoch, den 3. August Donnerstag, den 9. August Freitag, den 28. September Fasten Ester Purim Schuschan Purim Erew Pessach 1. Tag Passach 2. Tag Pessach Schabbat Chol hamoed 7. Tag Pessach 8. Tag Pessach — Acharon scbel Pessach Gedenken des Aufstandes im Ghetto von Warschau Vom Haazmaut Erew Schawuot 1. Tag Schawuot 2. Tag Schawuot Fasten Sehiwa assar he Tamus Eiew Tisch a be Aw Tischa be Aw Erew Rosch Haschana : ISRAEL - BRIEFMARKEN; $ AN WIEDEBVERKAEUFER — ALLE NEUAUSGA- I ♦ BEN ZUM OFFIZIELLEN PREIS J t Agencia Filatélica oficial; del Estado de Israel, ♦ VIA MONTE SS«, I/B — Bueno, Aire», JUp Argén«*« # ‘e e # e e e e e e e e e e e e e e e e e e e e e e •*

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