Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1940 (19.1.1962)
- Date
- 1962-01-19
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/9616703-9612947-9612984--1870-9612992- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Correo Argentino Central B FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 A4« XXIII. BUENOS AIRES, VIERNES 19 DE ENERO DE 1962 No, 194« ISRAELITA EL EJEMPLAR 1} e» te«* I« R*p6Mie* '* PUEVEREDON 219« 1» iaq. T. B. 8* 2MJ Buenos Aires - Kürzlich wurde in Dös-1 seldorf eine der sagenhalte-! sten und geheimnisumwo-1 bensten Persönlichkeiten Deutschlands zu Grabe ge -j tragen: ein Mann, der sieh! schlicht Bürgermeister a, D. i nannte und den Namen Max Winkler trug, war im 86. Le-1 bensjahr gestorben. Die Todesanzeige war inhaUlos, I und liess nur wissen, dass ' von ROBERT M. W. KEMPNER tums” höchst bedenkliche Erlasse unterzeichnet hatte. Winkler wollte auch zunächst nicht mit der Sprache heraus, wohin denn wohl allmählich die Juden aus dem Lodzer Ghetto, das er besueht hatte, verschwunden seien.- Er versuchte die Theorie zu verfechten, er Winkler noch in hohem Alhätte gedaeht, sie würden ter die Düsseldorfer Filiaj nach dem Kriege wiederle des Konzerns von Wolfkommen. Erst als ich ihn gang Essen geleitet hatte. I sehr ernsthaft fragte,- ob -er Max Winkler, vor dem-- schon - viele - Menschen kenersten Weltkrieg. Bürger-1 nen «gelernt hätte,- die aus meister in- Graudenz, war1 dem Jenseits wiedergekomnach 1918 der grösste Ver-, men seien, änderte er seine Walter von öffentlichen Gej Taktik als Zeuge, heimfonds geworden, den-es Winkler erzähltemir: in der deutschen Geschichte! „Ich bin in dieser treuhänjemals gegeben hat. Millio- « derischen Tätigkeit scheinneu von Mark flössen wähbar etwas erfolgreich gewerend der Weimarer Repu-| sen und habe bei 19 Reichs* blik durch seine Hände, Milliarden von: Mark wäh-» rend des Dritten Reiches. Seine Hände als Verwalterwaren sauber, geradezu steril, aber das Geld, das durch seine Finger floss, diente nicht immer wohlriechenden Zwecken. Im Dritten Reich kanzlern vor der Regierung Hitlers Treuhänderische Tätigkeit ausgeübt. Hitler war der 29, Reichskanzler und liess mich schon am Tage nach der Reichstagswahl von 1933 durch den damaligen Staatssekretär Walter Funk fragen, ob ich meine Tätigkeit fortsetzen wolle waren die Quellen, aus denen er Geld für verschiede-1 Er hat dann meine bejahenne-Zwecke erhielt, mehr als' anrüchig, denn es kam zumeist aus den schmutzigen Händen des Propagandaministers Paul Joseph Göeblbels. Ja, nach der Besetzung Polens im Jahre 1939 kam es aus den blutbefleckten Händen Heinrich Himmlers und stammte von deportierten oder ermordeten Polen und Juden. Die Tragik im Leben Max Winklers kam in seinen Tränen zum Ausdruck, als er mir in Nürnberg , vor 13 j Jahren am Schluss eines ] Kreuzverhörs^ als Zeuge die Frage beantwortete: i „Ich bitte Sie, mir eine j letzte Frage nach bestemJ Wissen und Gewissen zu bej antworten. Bedauern Sie : heute, dass Sie damals Verwalter gestohlenen Gutes waren oder nicht?, ja oder nein? — Auf Befehl anderer?” "Winkler: „Ich möchte dem Gericht gerne eine Erklärung abgeben, wie ich in diese Dinge hineingeraten bi».” Frag?: „Zuerst möchte ich wisse«, ob Sie diese schrecklichen Dinge bedauern?” Antwort: „Ich bedauere sie, nachdem ich sie zur Kenntnis bekommen habe, tief.” Es hatte lange gedauert, bis dem alten Herrn die ■) Tränen in die Augen ka-1 men. Er glaubte an seine Zeugen-Theorie, es genii ge, I wenn man als ehemaliger Leiter der „HaupttreuhandsteHe Ost” solches Gut, das andern fortgenommen worden war, ohne persönliche Bereicherung verwaltet hatte. Er fand zunächst nichts dabei, dass er zusammen mit dem „Reichsführer SS” Heinrich Himmler „zur Fe, stigung deutschen Volksde Antwort sofort Herrn Gering gemeldet, was für mich der sicherste Beweis war, dass ich von der Gestapo i deutschen Zeitungen im abgeholt worden wäre, wenn I oberschlesischen Grenzland, ich nein gesagt hätte .. Ich erwarb für eine Weile die ge Seilschaften und grosse Verlagsunternehmungen wie UFA, Ullstein. Mosse, To- bis, Seherl,, für das Dritte Reich aufzukaufen und zu arisieren. Durch seine Hände ging das Geld, das die Gleichschaltung der Presse durch Goebbels ermöglich, te. Es waren keine Raubzügj in roher Weise, sondern an Verhandlungstischen. an denen eigentlich garnicht verhandelt wurde. Er half auch Freunden und Bekannten, wenn er konnte, und-es heisst, dass er Theodor Heiiss, der „Frankfurter- Zeitung”, und dem früheren Oberpräsidenten Lukaschek in schwierigen Situationen beistand. Nach dem« Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war er aus dem Machtbereich von Goebbels in-das von Göring übergetreten und „betreute” das Gut der „geflüchteten” Ju, den. und Polen im Osten. Der Osten war Winkler besonders nahe. Nachdem er durch den Ersten Weltkrieg aus Graudenz vertrieben und demokratischer preussiseher Landtagsabgeordneter geworden war, begann er seine Tätigkeit mit Geheimfonds, pumpte Geld in die bitte mir zu glauben, ich würde alles darum geben, wenn ich es nicht hätte tun müssen .. ich bedaure das, ich habe nicht anders gekonnt, so wahr mir Gott helfe.” Und dann ging es los: Max Winkler begann im „Deutsche Allgemeine Zeitung” von der Familie Stinnes für den Preussischen Ministerpräsidenten Otto I Braun, liess sie dann aber zu Gustav Streserrran hinüberwechseln. Das alles geschah durch getarnte Treuhandgesellschaften, die in Aufträge der Machthaber j der Brückenallee in Berlinj des Dritten Reiches Film- Moabit domizilierten. Drei Bürotische — dreiG.m.b,H.s, alles mit öffentlichen Geldern finanziert. Im Telephonbuch fand man unter Max Winkler nur eine Anschluss - Nummer, aber ein Sternchen verriet dem Kenner, dass noch andere Namen unter dieser Nummer im Bueh waren, nämlich die seiner Gesellschaften. Ihr finanzieller Einfluss reichte unerhört weit; nach Hitlers „Machtantritt” traf ich at^ Winklers Spuren auch in USA'. Der kleine freundliche Mann war in Wirklichkeit einer der mächtigsten Männer des deutschen Film-, Zeltungs- und Propaganda, wesens des Dritten Reiches. Göring, Goebeis, hatten ihm nicht weniger vertraut wie die-’Kanzler der Weimarer Republik und mancher preussische Minister. Das Geheimnis seines „Erfolges” war, dass er unter „Geheim” arbeiteten Wenn er bei der Arisierung eines grossen jüdischen Betriebs im Auftrag von Goebbels einen Scheck mit vielstelligen Zahlen unterschrieb: wirkte er wie ein freundlich-mitleidsvoller Angestellter eines Beerdigungsinstitutes. Wenn er schlesischen Beamten und Bürgermeistern der Vor-Hitlerzeit einen Scheck zur Förderung des Deutschtums in die Hand steckte, wirkte er wie ein Bankangestellter, der einem lieben Kunden ein Darlehen verschafft hatte. Er hat keinen Pfennig veruntreut oder verspielt, aber vielleicht wird ihn St. Peter an der Himmelstür fragen, ob er nicht im Dritten Reich sein Gewissen verspielt hat. Neue Terrorakte In Algerien Algier. — Sieben jüdische Tote und zwei Schwerverletzte waren die Bilanz neuer Terrorakte, die von der muselmanischen Untergrundbewegung FLN und der europäischen Geheim armee OAS verübt wurden, Die Opfer wurden von den „unsichtbaren” Terroristen durch Schüsse in den Rücken getötet. Keiner der Attentäter. konnte festgenommen werden. In Algier wurde ein jüdischer Lehrer ermordet. Die Spannung unter der algerischen Judenheit ist im Wachsen begriffen. Besonders in Constantine wütet der Terror. Viele Juden sind aus dieser Stadt-geflohen, und andere bereiten sich darauf vor, ihre Wohnungen und . Geschäfte zurückzulassen, um ihr Leben zu retten. Glaubwürdigen Berichten zufolge verlassen täglieh zahlreiche Juden Constantine und Umgebung, so dass nur noch. 7.000: Juden von einer einst 18.000 Seelen zählenden. Gemeinde übrig -geblieben sind. Die Talmud-Thora-<SchuIe von Constantine, die vordem von rund 900 ¡Schülern besucht wurde und die bedeutendste m. Algerien war, hat heute nur noch 300 Sehiiler; Die ORT-Sehule musste schliessea, weil nur noch 14 Sehiiler geblieben waren-; Es gibt keinen einzigen Rabbiner; Schochet oder Mohel mehr in‘dieser Stadt-. Diefranzösischen- Behörden entsandten, militärische Verstärkungen naeh Algier, Oraa uad .Bone, umdie Patrouillen in den Strassen zu sichern. Es ist in Aussicht genommen, die von, Rassekonflikten am meisten gefährdeten, Zonen durch einen Kordon abzusondern. (ITAl Berlins neuer Innensenator WIE IST DAS MOEGtICH? Erwerb vee Schiffe« Die Schiffahrtsgesellschaft des Kibbuz Meuchad, die zurzeit zwei Schiffe mit einer Tonnage von 6.000 Tonnen besitzt, wird in Bälde zwei - weitere Schiffe von je 2.900* Tonn«« erwarben* Bregenz. — Immer wieder hört man — und es ist schon fast Tagesgespräch in . Oesterreich.—, dass Personen, die sich seinerzeit als treue Anhänger des Dritten Reiches ihre Sporen verdient haben, also die ehemaligen Nais ob mit oder ohne Parteibuch, heute einflussreiche und gut dotierte Posten bei der österreichischen verstaatlichten Industrie innehaben. Bei den bisherigen Veröf- ¡ fentlichungen in der Presse ■ handeltees sich-aber immer nur um solche Perso- | nen in der verstaatlichten | Industrie, die während der Nazizeit hohe Parteifunktionen ausgeübt hatten. Wir wollen nun einmal einen anderen Fall aufrollen, der es genauso verdient, der Oefj fentlichkeit bekanntgemacht! zu werden. Es handelt sich ’ um den ehemaligen Oberst im deutschen Generalstab,; Karl Pridun, der in der. denkwürdigen und entscheidenden Stunde des National-. Sozialismus am 20; Juli 1944 donKämpfern gegeodieTyrannei in den Rücken gefalle«; ist; Pridun .ist jetzt Obmann . der österreichischen Offiziers - Gesellschaft i* Vorarlberg,' wo er seinen Wohnsitz hat, und Generalsekretär der verstaatlichten« Ill-Werke. Eine - umfassende Dar stell*e#»d«* RöHe; dieKarl Pfidun bei der Niederschlagung der Revolte des-20. Juli im Gebäude des Generalstabs in der berliner Bendlerstrasse gespielt hat, ist in den nachstehenden Publikationen enthalten: Bundeszentrale für Heimatdienst, Veröffentlichung zum 20. Juli, „Geist der Freiheit” („Der 20. Juli”) von Eberhard Zeller, Verlag Hermann Rinn, München; sowie im offiziellen Buch de« Münchner Instituts für Zeitgeschichte „20. Juli 1944”. Irgendein Einwand oder etwa«eine-Richtigstellung zu Pridun, um einen bewaffneten Gegenstoss vorzubereiten. Sie verhafteten General Olbricht, befreiten Generaloberst Fromm und waren so für alle weiteren Geschehnisse, dis sich aus diesem Aufstand ergaben, entscheidend: Sie wurden dann auch von Hitler belohnt, indem sie bereits acht Tage später, also am 1. August 1944, in den Oberstenrang befördert wurden, wogegen die Widerstandskämpfer in den Kerkern der Gestapo ihr Leben Hessen. Sogar den bei von der Heyde bedien diesen Publikationen, die j steten Oberfeldwebel hatte klar zum Ausdruck bringen, welche besondere Rolle er am 20. Juli spielte, erfolgte vonseiten Priduns — zumindest öffentlich — bis jetzt nicht. Aus den publizierten Darstellungen geht klar hervor, dass der damalige Oberstleutnant Pridun an dem bewaffneten Gegenstoss in der Bendierstrasse gegen die Männer, die sich am 20. Juli gegen die1 nationalsozialistische Gewaltherrschaft aufgelehnt hatten, teilgenommen oder ihn sogar geführt hat. Drei Offiziere im Oberstleutnantsrang, und zwar Herber, von der Heyde-und Kuban, versammelte«. sich! damals, nachdem sie gehört hatten, dass das man nicht vergessen und ihn zum Leutnant befördert. Der bewaffnete Gegenstoss dieser Gruppe hat dasrasche Standgericht Fromrns ermöglicht. Es ergibt sich zwangsläufig die Frage, ob gerade dieser Oberst Pridun, dessen Verhalten am 20. Juli ihn eindeutig klassifiziert, die Eignung besitzt, als Obmann einer österreichischen Offiziersgesellschaft jungen österreichischen Offizieren als Vorbild zu dienen. Eine weitere Frage ist. ob Pridun als ehemaliger Berufsoffizier die Kenntnisse besitzt, die von einem Generalsekretär eines grossen verstaatlichten Unternehmens gefordert werden. Es Der Regierende Bürgermeister Willy Brandt hatte bereits Ende Dezember in einer Sondersitzung des Senats dieneuen Senatoren Heinrich Albertz, Professor Dr. Karl Schiller und Klaus Sehütz begrüsst. Der Senat hat bestätigt; dass der bis-« herige Senatsdirektor in der Senatsverwaltung für Finanzen, Ernst Sünderhauf, zum Chef der Senatskanzlei ernannt wird. Der neue Senator für Inneres, Heinrich Albertz, wur« de am 22. Januar 1915 in Breslau geboren. Er studierte in Berlin, Halle und Breslau Theologie. 1935—36 gehörte er zu den ersten-Studenten der neu gegründeten- Kirchlichen Hochschule -Berlin und war als Lehrvikar in Spandau usd Friedenau tätig. Als aktives Mitglied der Bekennenden Kirche wurde er während des Krieges mehrmals wegen > „staatsgefähtdender Predigten” verhauet. Mit dem Strom der Heimatvertriebenen kam Heinrich Albertz 1945 naeh‘Celle. Hier nahm er sich vor allem der Betreuung: der- Flüchtlinge an. entsprechende langjährige Vorbildung notwendig ist; Und man muss, immer wieder die Feststellung machen, dass so wie Pridun viele andere, die ebenfalls in der österreichischen verstaatlichten, Industrie’tätig sind, genausowenig die berunflichen Voraussetzungen für ihren derzeitigen Posten hatten. Und noch dazu, sind es gerade solche, auf die die Republik. Oesterreich, nicht unbedingt stolz sein kann. Nachdem er schon im Gefängnis den ersten Kontakt mit Sozialdemokraten aufgenommen hatte, schloss er sich der SPD an und wurde 1947 als Flüchtlingsabgeordneter in den Niedersächsischen Landtag gewählt und gleichzeitig in den Flüchtlingsbeirat beim Parteivorstand der SPD berufen. 1950 wurde er im Dritten Kabinett des in diesen Tagen verstorbenen Hinrich Kopf der erste-- deutsche Flüchtlings - Minister, 1951 Niedersäehsische-r Sozialminister. Im September 1955 wurde Heinrich Albertz Senatsdirektor in der Senatsverwaltung fär Volksbildung. Am 8. Juli 1959* wurde er zum Chef der Senatskanzlei ernannt- Dieser Lebenslauf des neuernannten Senators für Inneres bietet bereits als solcher die -Gewähr, dass Albertz, der nun. auch als Nachfolger des früh verstorbenen Joachim Lipschitz der oberste Beamte für alle Wiedergutmachungs - Fragen Berlins ist, als Mensch und Fachmann gleicherweise sein Amt im Sinne seines Vorgängers weiterfüh-! ren wird. Wir wünschen ihm I Erfolg. und innere Befriedi- | gung bei dieser schweren I Arbeit. Sieb«« Juden ins Parlament gewaehlt Johannesburg. — Bei den kürzlich«« Parlamentswahlen in der Südafrikanischen Union,, aus denen die Regierungspartei als Sieger her- Wie wär’s, wenn sich,ei-' vorging.« wurden sieben jüner der für die „Nationalindustrie” Verantwortlichen fände; der sich eine Aufstellung oder ein Diagramm machen Hesse, in die hervorragende Diener des Dritten Reiches, diederzeit gut und sehr güte Stellungen .in-der verstaatlichten Industrie in«« nehaben; eingetragen wer* densollten. Vielleicht würde dische Kandidaten gewählt: Dr. E. L. Fisher. Major E. B.- Isaacs. L. B; Taarog, A. Gorshel und S. Emdin für die Einheitspartei, Helen Suzman für die Fortschrittspartei und.S, Frank für die Nationale Partei in Südwestafrika. Vorher waren bereits zwei Juden, A.- Bloomberg und«C. Barnett, als Vertreeine solche Gesamttabelle ter farbiger Wähler in der wie ein Menetekel wirken.! Kap - Provinz gewählt wo*- (ITA) ' dem (JTA* ____ _Registro de la* o«pä e-daa-a!.« Inäeleetaal No. 656,636 Attentat"1 aüf Hitler miss-) ist doch klar, dass für emen, ——--— gteekt war, imnZimmer von-' derartig?« Posten«eino-dem« impoes« eo-le Imprenta POEJGLOTA — Rivadavi* 3»