Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1938 (12.1.1962)
- Date
- 1962-01-12
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANQUEO PAGADO O êa Concesión 908 f_ Î2 1m; «•* ri w S W (m TARIFA REDUCIDA < u Concesión 1629 Afio XXIII. SRAELiïA BUENOS AIRES, VIERNES 12 DE ENERO DE 1962 No. 1938 EL EJEMPLAR k _ en tod» la República ' * PUEYRREDON 2190 1? izq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Inmitten der Spannungen Die St sät Beirut ist in den drei Jahren, die seit dem Ende der bürgerkriegsähnlichen Krise in Libanon verflossen sind, sichtlich reicher geworden. Die Zahl der Automobile hat in beunruhigender Weise zugenommen, una der Bau von Hochhäusern hält in unvermindertem Masse an. Es gibt mehr Geschäfte, und ihre Auslagen zeigen eine r^i" ehere Auswahl von Gütern aus alier Herren Ländern. Selbst die billigsten Haushaltgeg.jastände, wie sie die Strassenhändler auf Karren verkaufen, sind heute internationaler Herkunft. Italienische buntgefärbte Plastikwaren liegen dort neben Spielsachen aus Honkong, zusammen mit Kochtöpfen aus der Tschechoslowakei, japanischen Porzellanwaren, deutschen und englischen Messern, Geschirr aus Griechenland, Gläsern aus Frankreich und Aluminiumpfunnen aus Libanon. Enger noch als vor drei „ahren scheint das Land heute in das Netz des mediterranen Handelsverkehrs einbezogen und an dem langsamen Anstieg der Lebenshaltung der freien Länder am Mittelmeer beteiligt zu sein. Die letzte Saison ist zufriedenstellend verlaufen, was bedeu;et, dass allerhand Würdenträger aus den Erdölläiidern ihre Beutel in den Hotels und Vergnügungslokalen Libanons beträchtlich erleichtert haben. Naue Nachtlokale verbreiten sich denn auch wie ein neonfarhiger Ausschlag in den Strassen rund um die Luxushotels an der Bucht von Beirut. Die Apfelernte aus den Bergdörfern ist nach dem Irak, nach Saudi Arabien und sogar nach England verkauft worden. Die Aegypter haben allerdings eine besondere Kommission von Sachverständigen geschickt, um sich zu versichern, dass sie für ihre spärlichen Devisen nur vollwertige Waren erhalten. KRISENZEICHEN Wer etwas unter die Oberfläche der Dinge blickt, wird ernennen, dass die ohne Zweifel wachsende Prosperität des Landes auf seltsam prekären Grundlagen aufgebaut ist. Die riesigen neuen Hochhäuser stehen zum grossen Teil leer, doch hat sich diese Tatsache bisher noen nicht auf die Mieten ausgewirkt, da die Hausbesitzer versuchen, sich an den wenigen Mietern, die gezwungen sind, bei ihnen Wohnung zu nehmen, schadlos zu halten. Auch die Bodenspekulation und die Bautätigkeit nehmen weiterhin zu, wofür man die grosse Menge des aus dem übrigen Nahen Osten herbeiströmenden Amagekapitals verantwortlich macht. Billige Gebrauchsgüter aus den Nachbarländern, und aus dem Ostblock machen der einheimischen In-1 dustrie in den wenigen Zwei-! gen, wo sie sich entwickelt: hat, das Leben schwer. Dies gilt vor allem von den Texj tiiien g^-inger Qualität, die i Der „demokraiische” Ratsherr Der Flensburger Ratsherr Fellenz gilt als ein erprobter und allen Stürmen gewachsener Demokrat. Wie sollte es auch anders sein, da dieser Herr Mitglied der „j'.eien Demokratischen Partei” ist und in dem erfreulichen Ruf steht, schon unter Hitler seinen antitotalitären Mann gestanden zu haben. Nicht, dass er gerade im Widerstand eine bedeutende Rolle gespielt hätte; Fellenz ist zu bescheiden, um das zu behaupten. — Aber! er liess sehr oft diskret durchblicken, dass er im engen | Kreise viel getan habe, um seinen Mit-Leidensgenossen I uie Augen zu öffnen. In geschickter Form, versteht sich, 1 nenn den Wölfen gegenüber, die ihre Beute suchen, muss i man gewandt sein. I Fellenz war so geschickt, dass es sogar die Gestapo [ nicht bemerkte ebensowenig wie die SS, dass Fel'enz! viel weniger braun war, als es für sie den Anschein hatte. Wir sagen, selbst nicht Himmlers SS, denn es kam jetzt heraus, dass Fellenz SS-Offizier gewesen ist. Und was für einer! Denn jetzt hat der Untersuchungsrichter beim Landgericht Flensburg eine Untersuchung, gegen een freien Demokraten Feilenz und einen gewissen Johannes Kleinow eingeleitet. Beide waren SS-Offiziere, und sie haben, wie erst heute offenbar wurde, im Jahre 7 942 in Krakau Hunderte von Juden ersehiessen lassen, Hunderte von Menschen, deren einziges „Vergehen” es war, Jude zu sein! Pie Mordsucht des „demokratischen” SS-Offiziers, von 1942 wetteifert mit dem beispiellosen Zynismus diej ses Burschen nach dem Ende der nazistischen Schrekkensherrsehaft — hatte er doch die Schamlosigkeit bej sessen, sich bei einem Besuch in England als ehemaliger | Insasse eines Hitlerschen Konzentrationslagers zu bezeichnen! Die Untaten Fellenz, der sich in aufdringlichster Weise als Demokrat und Republikaner aufspielte und übrigens auch versucht hat, seinerzeit von jüdischen ' Hilfsorganisationen materielle und sonstige Hilfe zu erzielen, sollen durch Akten bekanntgeworden sein, die die israelischen Behörden den Justizorganen der deutschen Bundesrepublik zur Verfügung gestellt haben. Von anderer Seite wird diese Version bestritten und erklärt, die deutsche Justiz sei durch einen bizarren Zufall bei einer Entrümpelung in der Dachkammer eines Justizgebäudes in Schleswig-Holstein auf den Fall Felletiz-Kleinow gestossen. , , . . r, Wie dem auch sei — die Affäre hat wie eine Bombe in Kiel eingeschlagen. Fellen/, galt als eine wahre Säule der C.D.U.-Demokratie von Schleswig-Holstein. KURT KAISER-BLUETH aus Aegypten und aus dem | Balkan nach Libanon ein-. strömen. Grössere Mengen von Arbeitern werden zurzeit aus den libanesischen Textilfaoriken entlassen, und die Gewerkschaften drohen mit Proteststreiks, während sie gleichzeitig die Regierung auffordern, den libanesischen Fabriken erhöhten Zollschutz zu gewähren und die Konkurrenz ausländischer Arbeiter dadurch einzuschränken, dass ein System von Arbeitsbewilligungen für Ausländer eingeführt werde. STAGNIERENDE VERWALTUNGSREFORM Die oit berechtigte Unzufriedenheit von Staatsangestellten muss innerhalb des ganzen Komplexes der Verwaltungswegen verstanden werden. Bis heute weist die Verwaltung des Landes einen improvisiert wirkenden und zugleich unbestimmten Charakter auf. Kein Schritt der Behörden ist von vornherein als undenkbar zu bezeichnen; aber eine jede Massnahme wird sieh zum Schluss etwas anders abwickeln als man dies im voraus erwartet hätte. Seit dem Ende der Wirren ist eine grossangelegte Verwaltungsreform begonnen worden, und sie ist noch immer im Gang. Bis heute ist so wenig von der Reform zu verspüren, dass das Informations--Ministerium sieh veranlasst sieht, dem Publikum in einer Reihe von Artikeln den Sinn der Reform auseinanderzusetzen und auf das nächste Jahr greifbare Resultate zu versprechen. Der erste Artikel dieser Reihe, der vor kurzem veröffentlicht wurde, befasst sich damit zu erklären, dass man nicht erwarten könne, dass die .Tausende von Individuen die mehr oder weniger tur jere Lage der Dinge verantwortlich sind, die wir unter allen Umständen ändern wollen... von einer Stunde zur andern ihre Gewohnheiten vollständig aufgeben werden.” Der rmprovisation in den Aemtern und dem Fehlen von allgemein gültigen und allgemein angewandten Verwaltungsregeln entspricht ein labiles Gleichgewicht im Politischen. Noch; immer bestehen heftige Spannungen zwischen den verschiedenen politischen Gemeinschaften und Cliquen. Das Ende de** Krise hat die Gegensätze nicht wirklich aufgehoben; es hat bloss die gegnerischen Parteien untereinander ausbalanciert. Man bekämpft sich nur mit Worten und mit Demonstrationen. weil keiner der Streithänne hoffen kann, über seinen Gegner einen endgültigen Sieg davonzutragen. Das Gleichgewichtssystem dürfte sich halten, solange im gesamt-arabischen Raum ein ähnlicher Schwe bezustand zwischen Kairo und Bagdad bestehen bleibt. Sollte die interarabische Situation sich verschieben, konnte auch für Libanon eine neue Periode der — mehr oder minder heftigen — Anpassung an die arabische Gesamtlage beginnen. Es wäre ungerecht, die Unsicherheit und Improvisation des herrschenden Systems hervorzuheben, ohne gleichzeitig der wichtigsten Begleiterscheinung zu gedenken, die diese Unsicherheit und Vorläufigkeit mit sich bringt; der Freiheit des einzelnen und der Institutionen. Nörgler mögen einwenden, dass es sich dabei mehr um Freiheit aus mangelnder Reglementierung; handle als um Freiheit, die durch Regeln gesichert ist und in diesen Regeln ihren Ausdruck findet. Die freiheitliche Luft, die in Libanon weht, mag sich aus dem Gegeneinanderspiel zahlreicher drängender Einzelkräfj te erklären; auch ist nicht | zu verkennen, dass der konstitutionelle Rahmen, dem! sie ihren Ursprung verj dankt, zerbrechlich anmutet i und chaotische Züge auf-1 weist. I FREIHEIT ALS j LEBENSELEMENT j Aber im praktischen Effekt hat man es eben dennoch mit echter und wirklicher Freiheit zu tun. Je mehr sich die Nachbarländer einer immer engermaschigeren Reglementierung durch Regierungsstellen verschreiben, desto deutlicher heben sich die in Libanon herrschenden freiheitlichen Institutionen ah, und desto mehr wird der liberale Geist zum eigentlichen Merkmal dieses Landes In der Freiheit seiner staatlichen Grundlagen liegt die eigentliche Existenzberechtigung j eines unabhängigen Liba-1 non. ] Einzig in Beirut können heute die Vor- und Nachteile der gewaltigen Nationalisierungs- und Sozialisierungs-Programme, die in Aegypten vor sich gehen und die im Irak zu erwarten sind, ob’ekttiv diskutiert und konkret in den Einzelheiten dargestelit werden. In den Ländern selbst, in denen sich diene „revolutionären” Prozesse abspielen, verbergen sie sich hinter einem rasch zunehmenden Schleier, der nicht nur aus absichtlicher Regierungsproj paganda besteht, sondern mehr und mehr auch aus J aufgebauschten Statistiken interessierter Regierungstellen gebildet wird. 1 Die doppelte Vernebelung j der Tatsachen nimmt im Mittleren Osten allmählich so sehr zu, dass man sich fragen kann, wieweit die betreffenden Regierungen selbst in der Lage sind, sachliche Aufklärung. darüber zu erhalten, was in ihrem eigenen Lande und unter dem Antrieb ihrer eigenen politischen und sozialen Zielsetzungen vor sich geht. Die Bedeutung eines Forums, wo die bekannten Tatsachen, so fragmentarisch sie sein mögen, vorgelegt und frei diskutiert werden können, liegt auf der Hand. Sie üben damit ein Wächteramt aus, das der Führung und dem Gleichgewicht ihres eigenen, seltsam prekären und überraschend vitalen Staaiswesen zugutekommt und das zugleich ihren arabischen Nachbarn Nutzen bringt, indem es ihnen bei allem Verständnis die dringend benötigten Grundlagen für objektive Selhstsieht und Selbstkritik liefert. Beziehungen mit Griechenland Tel Aviv. — Die Fühlungnahme zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Griechenland und Israel nimmt ihren Fortgang. In diesem Zusammenhang wird an erster Stelle auf den Besuch griechischer Syndikatsfiihrer verwiesen, den diese der Histadrut abstatteten. Auch der Bürgermeister von Athen besuchte Israel, wo er als offizieller Gast des Aussenministeriums und von vier Stadtverwaltungen empfangen wurde. Der Optimismus, der sich in den Worten widerspiegelte, mit denen Arbeitsminister Jigal Alon die Arbeiterführer aus Griechenland begrüsste, wird in für gewöhnlich gutinformierten Kreisen als ein Anzeichen dafür betrachtet, dass Griechenland in Kürze den Staat Israel voll anerkennen dürfte, wozu es sich bekanntlich nicht geneigt zeigte, solange gute Beziehungen mit den Ländern der Arabischen Liga bestanden. Da Nasser jetzt jedoch durch seine drastischen Konfiszierungen viele Griechen, in der Mehrzahl Kaufleute, gezwungen hat, Aegypten zu verlassen, so scheint der Weg für die Aufnahme normaler Beziehungen zwischen Griechenland und Israel geebnet zu sein. (ITA) SS-Mann oder Major? Wien. — Der „Kameradschaftsbund” unternimmt seit Jahren intensive Anstrengungen, verschiedene Persönlichkeiten dafür zu gewinnen, dass sie bei der italienischen Regierung wegen der Freilassung des zu lebenslänglicher Haft verurteilten Majors Walter Reder intervenieren. Nun haben sieh tatsächlich sowohl in Oesterreich als auch in Deutschland namhafte Persönlichkeiten gefunden, die sich bei der italienischen Regierung für die Freilassung Reder s ein setzten, jedoch ohne Erfolg, da die Italiener nur zu genau wissen, weshalb sie Reder auf Lebenszeit gefangenhalten. Wäre Walter Reder während des Krieges jemals mit „Major” angesprochen worden, hätte er dies als Beleidigung empfunden, da er zu jener Zeit bereits im Range eines Obersturmbannführers stand. Nach dem 20. Juli 1944 hätte er erst recht abgelehnt, mit „Major” angesprochen zu werden. Walter Reder hatte die SS-Nr. 58.074, also eine ziemlich niedrige Nummer; er war ausserdem Parteigenosse mit einer Nummer unter 6.600.000, nämlich 5.020.869, somit ein Illegaler. Reder hatte sich in seiner Eigenschaft als Obersturmbannführer an der wehrlosen italienischen Zivilbevölkerung des Massenmordes schuldig gemacht, und dies zu einer Zeit, als ein „Drittes Reich” eben im Begriff war, in Trümmer zu fallen. Und dafür wurde er von einem italienischen Gericht zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Den Italienern ist ein „Major” Reder unbekannt, sie kennen nur den wegen Massenmordes zu lebenslänglicher Haft verurteilten Obersturmbannführer Walter Reder. Die österreichischen Offtziersverbände, die ansonsten streng darauf auchten, dass sich keiner widerrechtlich einen Offiziersrang beilegt, haben bisher keinen Ein? spruch dagegen erhoben, dass in allen Veröffentlichungen, die im Zusammenhang mit der erfolgten Intervention bei der italienischen Regierung erschienen sind, Walter Reder als „Major” bezeichnet wurde, während sie andererseits mit grossem Eifer bemüht sind, bei jeder Gelegenheit nachdrücklichst zu beteuern, dass die Wehrmacht an den Verbrechen der SS nicht beteiligt war. Um so auffälliger ist es, dass sie bei der letzten Kundgebung des .Kameradschaftsbundes’, als der Obmann Gröbminget im Namen der Verbände österreichischer Soldaten die Freilassung des .Majors” Reder forderte, entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit, sich von der SS und deren Verbrechen lautstark zu distanzieren, stillschweigend den „Major” zur Kenntnis nahmen. (IPN> Erhoehte Schwierigkeiten Washington. — Der Präsident der Bne Brit. Label Katz, teilte mit, seine Organisation habe Informationen erhalten, dass im Sommer 1961 behördlicherseits eine Steuer um das Vierfache erhöht wurde, die von Geistlichen, und Lehrern aller Religionen, welche in Russland ausgeübt werden, zu zahlen ist. Wenn man in Betracht zieht, dass sich die Gruppen der Gläubigen aus alten Menschen, die keine Beschäftigung haben, zusammensetzen, wird man verstehen, welche praktisch unlösbaren finanziellen Probleme hiermit geschaffen wurden. Katz berichtete ferner, dass für den Bau eines neuen Gebäudes für die Jeschiwa in Moskau ein Betrag in Rubeln gesammelt wurde, der 135.000 Dollar gleichkommt. Dies ist seiner Ansicht nach ein Beweis dafür, dass die offiziellen Behauptungen, die russischen Juden hätten kein Interesse an der Religion, jeder Grundlage entbehren. Das Gebäude ist aber nicht errichtet worden, und der Verbleib der gesammelten Gelder ist unbekannt. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 656-635 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Ri v ad a vi s SU