Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1937 (9.1.1962)
- Date
- 1962-01-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREDON 2190 — 1’ izq. JkJeMXiHCiDkAxk&lJÀG qp W* 832613 ASo XXI«. BUENOS AIRES, MARTES 9 DE ENERO DE 1962 No. 1937 Widerstrebende Meinungen Jerusalem. — Das Problem der Beziehungen zu Westdeutschland gab zu einer hitzigen Debatte in der Knesset Anlass. Die Gegensätze der Meinungen traten klarer als je zuvor zutage. Den Beginn der Diskussionen bildete eine Anfrage der Cherut über den Besuch, den ein deutscher Pastor kürzlich verschiedenen je-' rusalemer Schulen abstattete. Der Cherut-Abgeordnete Abraham Drori warf dem Minister für Erziehung und Kultur Abba Eban vor, in unverantwortlicher Weise eine Politik der Verbrüderung mit deutschen Studenten und Lehrern zu fördern und dies in dem Augenblick, in dem das Verständnis der italienischen Jugend für den nazistischen Völkermord an der europäischen Judenheit geweckt werden soll und gerade einer der Hauptschuldigen an diesen Verbrechen abgeurteilt wird. Rabbiner Mordechai Nurock forderte, dass die kulturellen Beziehungen mit Deutschland vollständig abgebrochen werden sollten, wogegen Jona Kesse von der Mapai einwandte, bei allen diesen Argumenten dürfe man nicht vergessen, dass die Deutsche Bundesrepublik heute die mächtigste Nation Europas ist. Er vertrat daher die Ansicht, man dürfe die „allgemeinen und kulturellen Beziehungen” mit diesem Land nicht unterbrechen, da es sich, wie er unterstrich, hier um eine „politische Notwendigkeit” handele. Mosche Kol von der Liberalen Partei führt« aus.: man müsse zwar zugeben, | dass das heutige Deutsch-! land nicht nazistisch ist, doch könne man unmöglich be-1 haupten. dass die gegenwärtige Generation der Deutschen merklich verschieden J von jener sei, die dem > Aufstiegs des Nazismus den ' Weg bereitet hat. Er setzte hinzu, Israel und Deutschj land müssten früher oder später normale Beziehungen aufnehmen. , Der Deputierte der Reli-1 giös-Nationalen, Benjamin Shachor, wies darauf hin, da.cs Israel die Intensivie-1 rung der kulturellen Beziehungen mit Westdeutschland nicht begünstigen dürfe, obwohl er einschränkend bemerkte, es wäre zweckdienlich, den jungen Deutschen die ehrliche Reue bekunden, ,,eine Brücke zu bauen”. Die Mapam-Abgeordnete Emma Talmi Levin vertrat den Standpunkt, dass sich die Beziehungen mit Westdeutschland strikt auf das „von der Notwendigkeit diktierte Mass” beschränken müssten. Repräsentanten der anderen Parteien wie z. B. der Agudat I.-rael, Misrachi usw. sprachen sich ebenfalls gegen kulturelle Beziehungen mit der Deutschen Bundesrepublik aus. (ITA) WIE ICH ES SEHE Schicksal und Verfolgung i*»n JEHUDA GOTTHEMER Die verschiedenen Aspekte der Wiedergutmachung und Entschädigung sind ge-j rade an dieser Stelle zu wiederholten Malen erörtert worden. Wir haben die politischen Motive und Zwecke, die vor allem zum Erlass des Bundesentschädigungsgesetzes geführt haben, mit allen Einzelheiten dargestellt, sodass sie hier nicht noch einmal wiedergegeben werden müssen. Insbesondere sei auf die Ausführungen in unserem Artikel „Bilanz der Wiedergutmachung” erinnert, der am 13. Januar 1961 erschienen ist, und in welchem zum Gesamtproblem der Wiedergutmachung aufgrund von sehr interessanten Darlegungen des Oberregierungrates Hermann Zorn vom Bundesfinanzministerium Stellung genommen wurde. Man ist sich heute allgemein darüber im klaren, dass sowohl das Gesetz wie die Praxis der Entschädigungsämter und der Gerichte in vielen Fällen zu recht unbefriedigenden Ergebnissen gekommen sind. Ob es gelingen wird, durch ein Bundesentschädigitngs - Schlussgesetz diese offensichtlichen Härten, Fehler und Ungerechtigkeiten zu eliminieren, bleibt abzuwarten. Das beste Gesetz aber niitzt nichts, wenn die zu seiner Anwendung und Auslegung berufenen Stellen den guten Willen vermissen lassen, um dem Sinn des Gesetzes gerecht zu werden. Natürlich wird der Beweis, dass ey am guten Willen mangelt, nicht in allen Fällen mit mathematischer Exaktheit geführt werden können. Die erste und wahrscheinlich grösste Schwierigkeit liegt immer noch darin, dass dieselben Kreise, die das gutzumachende Unrecht begangen haben, nunmehr zu Richtern über ihre eigenen Taten aufgerufen sind. Hierbei soll man i uns gut verstehen: wir sa-1 gen nicht, dass es gerade der Beamte war, der das I Unrecht beging, der nun mit j der Bearbeitung eines konkreten Entschädigungsfalles I beschäftigt und befasst ist.! Wohl aber muss man dai mit rechnen, dass er zum j Richter über Handlungen eo ' ipso eingesetzt ist, die von i seinen Landsleuten, seinen Vätern, Verwandten oder I Freunden begangen wurden. I Irgendjemand muss wohi schliesslich und letztenendes i Nazi gewesen sein, wenn es | auch heute schwer Lt, einem Nazi in Deutschland zu ' begegnen... j Bei der Bearbeitung von I Entschädigungsfällen aus Bezirken, die heute nicht mehr zum Gebiet eines der beiden deutschen Rumpfstaaten gehören, werden regelmässig die sogenannten Heimats - Auskunftsstellen herangezogen, da es für die Entschädigungsämler nicht möglich ist, Ermittlungen an Ort und Stelle vorzunehmen. Dies« Heimatsauskunftsstellen verfügen über Anschriften von Personen, die früher am gleichen Platz wie der jüdische Antragstel- ler gewohnt haben, und die (leberfall auf wehrlose Frauen Oran. — In Oran und anderen algerischen Städten kam es erneut zu heftigen Zusammenstößen zwischen Juden, Mohammedanern, nichtjüdischen Europäern und Sicherheitstruppen. Die Angriffe auf das jüdische Viertel, die allem Anschein nach die blutigsten waren, begannen mit einem bewaffneten Ueberfall auf einen Markt, der in dem Augenblick verübt wurde, als sich dort einkaufende Frauen drängten. Fünf Frauen wurden von den Kugeln der Mörder getroffen. Als Reaktion auf diese feige Attacke griffen die Mitglieder der Jüdischen Jugendbewegung zu Vergeltungsmaisnahmen und fielen mitleidslos über einen jeden Mohammedaner her. den sie in den Strassen der Stadt antrafen. (ITA) nun etwas dazu aussagen sollen, was der jüdische Antragsteller vorträgt. Nun ist es allgemein bekannt, dass manche Fragen des Alltags in Deutschland heute nicht mehr genau beantwortet werden können. Die Verdienste und die Preise, die damals galten, sind den meisten Menschen entfallen, weil sie heute in anderen Wertskalen leben und längst in eine neue Umgebung hereingewachsen sind. Welche Aussagen und Erklärungen durch die Heimatauskunftssteien erteilt werden, ist erstaunlich. Gewiss kann man aus einigen entnehmen, dass der Befragte sich bemüht, ehrlich zu helfen und Angaben zu machen, die zweckdienlich sind. Aber die unfreundlichen Antworten überwiegen, bis zu den schroffen Mitteilungen, dass der Angefragte mit Juden nichts zu tun haben wolle... Dass die Heimatauskunftsstellen mit „ehemaligen” Nazis durchsetzt sind, ist eine Feststellung, die nicht von uns, sondern von deutscher Seite getroffen worden ist. Eigentlich sollten diese Leute gerade diejenigen sein, die vom Naziwahn als erste geheilt wurden. Wohin die nazistische Angriffslust und -Politik geführt hat, haben diese Kreise offensichtlich nicht gemerkt, obwohl sie von denen vertrieben worden sind, die von ihnen unterdrückt worden waren. Aber den Entschädigungsämtern ist es nicht bekannt, dass und in welchem Umfang die Heimatauskunftstellen mit Nazis durchsetzt sind. Sie legen auch weiterhin den grössten Wert auf die Auskünfte, die sie von dieser Seite erhalten. Das ist einer der vielen Irrtümer oder eine der unerfreulichen Fehlleistungen der Entschädigungspraxis. Im übrigen bleibt es erstaunlich, mit welcher Bereitwilligkeif den Erklärungen aussenstehender „Zeugen”, die ihre Mitteilungen noch nicht einmal an Eidesstatt zu machen brauchen, der Vorzug gegenüber den eigenen Aussagen der Geschädigten und ihrer Zeugen gegeben wird. Auf einen der grossen großen Gurion über Antisemitismus Paris. -— Die Zeitung ,,Le Figaro” veröffentlicht ein Interview eines Korrespondenten mit David Ben Gurion. Der Ministerpräsident berührte unter anderen Dingen die Frage des Antisemitismus und äusserte, dieser sei heute noch in der Welt recht verbreitet und niemand könne Voraussagen, ob ähnliche Verfolgungen wie unter dem Naziregime sich nochmals ereignen könnten. .Auf die Frage, ob seiner Meinung nach Krutschew Antisemit sei, entgegnete Ben Gurion, dies entziehe sich seiner Kenntnis, doch es sei offensichtlich, dass das russische Volk heute noch stark antisemitisch ist. (ITA) ben Fehler und damit auf eine der schwersten Ungerechtigkeiten, die es auf dem Gebiet der Entschädigung gibt, hat jüngst die in Deutschland erscheinende Zeitschrift* „Deutsche Rundschau” hingewiesen, deren Herausgeber Dr. Rudolf Pechei ist. Pechei, einer der bekanntesten und makellosen Widerstandskämpfer gegen den Nazismus, ist ein seit Jahrzehnten angesehener Journalist, dessen Stimme gehört wird. Unbestechlich in seinem Urteil hat er und die von ihm herausgegebene Zeitschrift den Mut, die Dinge beim rechen Namen zu nennen. Obwohl das Thema Wiedergutmachung sonst nicht in diesen Seiten abgehandelt wird, greift die Zeitschrift auch diese Probleme auf, wenn sie der Auffassung ist, dass die Gerechtigkeit eine Stellungnahme erfordert. Die Frage, die von der Deutschen Rundschau aufgegriffen wird, bezieht sich auf die Gesundheitsschäden. Das ist ein führwahr trauriges Kapitel. Wir lassen die Ausführungen der Deutschen Rundschau in ihrem Wortlaut mit unwesentlichen Kürzungen folgen, damit unsere Leser sich eine Vorstellung machen können, dass es auch tapfere — nichtjüdische Vorkämpfer für die gerechte Sache unter den Deutschen gibt: Pflichterfüllung „Das Papier, auf dem das Bundes-Entschädigunggesetz steht, zählt, wie man weiss, zur geduldigen Sorte. Man munkelt von mündlichen „Ergänzungen”, die dem geschriebenen Text genau zuwiderlaufen, von einem Goslow-strifce der. ausführen¬ Die Militaerslützpunkte von B. B, SAMUEL Immer wenn es im Bereich der Diktatoren kriselt, muss ein Ablenkungsmanöver gestartet werden. Das ist ein altes Rezept, das sich zwar nicht immer, aber meistens bewährt. Herr Nas:er, Aegyptens Diktator, ist nach dieser Methode schon häufig verfahren, um aus seinen „häufig verfahrenen” Situationen herauszukommen. Jetzt befindet er sich in einem grossen Streit mit seinen bisherigen Bundesgenossen, die von ihm aufs schwerste beschimpft worden sind. Er hat die Könige von Saudi Arabien und Transjordanien ebenso wie den Iman von Yemen als Mitglieder einer fünften, gegen ihn, Nasser, gerichteten Kolonne bezeichnet. Er warf ihnen vor. Handlanger des Imperialismus oder gar selbst Imperialisten zu sein, Ausbeuter, Kapitalisten, Volksfeinde .. Dabei war Nasser mit dem yemenitischen Iman nicht nur verbündet, nein, Aegypten und Yemen bildeten —• ursprünglich gemeinsam mit Syrien — einen souveränen Staatsverband. Das war die Vereinigte Arabische Republik, allgemein VAR genannt, ein Staatenbund, an dessen Spitze Nasser stand, der sich hiermit seinen Träumen vom Grossarabischen Einheitsreich nahe glaubte. Die von Nasser angegriffenen Länder reagierten und rückten von seinen prorussischen politischen Abenteuern ab. Ja, sagten sie, Nasser, ist ein sowjetischer Satellit, er will die arabischen Länder den Sowjets ausliefern. Kein Wunder, dass er gerade in dem Augenblick seine unglaublichen Angriffe gegen die arabischen Könige lenkt, als ein russischer Admiral in Kairo weilt, mit dem er über die Abtretung eine'. Fiottenstütztpunktes für die Russen verhandelte. Die Nachricht zündete wie eine Bombe. Eine israelische Zeitung hatte hierüber berichtet. Die Presse in allen arabischen Ländern nahm diese Notiz auf, die zu erklären schien, aus welchen Gründen Nasser einen Bruch mit seinen bisherigen Alliierten und Stammesbrüdern herbeiführen musste. Nasser konnte nicht verhindern, dafs die arabischen Zeitungen und Radiostationen diese Meldung verbreiteten und kommentierten. Er konnte auch nicht verbieten, dass die Massen in seinem eigenen Lande von dieser Interpretation der Begebenheiten Kenntnis erhalten. Nasser musste re »gieren und er verfuhr auch dabei nach alten Rezepten und arabischen Hausmitteln: er griff Israel an. Diese Methode der politischen Abreaktion praktizieren die Araber reit vielen Jahrzehnten. Hierin hat Nasser nur die üblichen politischen Spielregeln seiner Vorgänger übernommen. Die anderen behaupten, er, Nasser, würde den Russen Müitärbasen zur Verfügung stellen. Nein, erwidert Nasser, nicht er will den Russen einen Stützpunkt auf ägyptischem Territorium überlassen, sondern Israel ist der „Verräter”, der den Imperialisten, den Kapitalisten Vorschub leistet. Denn Israel habe einen Vertrag mit den Nordamerikanern geschlossen, der diesen die Erlaubnis gibt, auf israelischem Gebiet einen Stützpunkt für die amerikanische Flotte zu errichten. Ob diefcs reichlich primitive Ablenkungsmanöver Nassers einen Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Eigentlich handelt es sich nur um die Wiederauffrischung einer alten „Beschuldigung”, die praktisch ohne jede Bedeutung ist. Dass, wie Nasser jetzt gesagt hat, die Amerikaner damit einen-Stützpunkt im Mittelmeer erhalten würden, ist geradezu grotesk, wo alle Mittelmeerländer, mit ganz wenigen Ausnahmen, zu denen wahrscheinlich Aegypten nicht gehört, den Amerikanern Stützpunkte eingeräumt haben, von Spanien im Westen bis zur Türkei im Osten .. Aus Libanon sind die Amerikaner niemals abgezogen. In Transjordanien sitzen die Engländer. Ohne auch nur in die Diskussion derüber einzutreten, ob Israel tatsächlich einen solchen Vertrag mit den Arabern geschlossen habe oder nicht, dürfte diese Frage zumindestens lür die amerikanische Politik belanglos bleiben. — Das ganze Problem wurde nur aufgeworfen, weil Nasser eine neue Propaganda mit alten Redensarten dringend gebraucht, um seinen letzten Husarenritt zu verteidigen, der nicht nur für Aegypten, sondern für den ganzen Mit- (elosten von Bedeutung werden kann. den Organe. Vielleicht munkelt man falsch. Vielleicht ist es gar keine Sabotage, die hier am Werk ist. Viel-! leicht ist es nur der unausrottbare Irrglaube des Deutschen, eine Pflicht zu erfüllen sei um so ehrenvoller, je unangenehmer diese Pflicht sei. Vielleicht ist es jene penetrante Korrektheit, die nichts anerkennt, was nicht im Gesetz anerkannt ist. Seelische Leiden und ihre somatischen Erscheinungsformen sind so etwas, das bislang vom Gesetz nicht anerkannt wurde. Die klinische Psychatrie. jahrelang vom Staat davor geschützt, sich neue Einsichten zu eigen machen zu müssen, ist daran nicht unschuldig. Sonst könnte sie nicht bis heute die Meinung vertreten, keine Einwirkung, so lang und so schwer sie auch :ei, vermöchte bei einem normalen Menschen dauernde psyische Schäden hervor rufen. „Am Bundesentschädigungs-1 gesetz selbst liegt es nicht. Das Gesetz nimmt sogar! den Entschädigungsätern j die Möglichkeit, ein Leiden! als „anlagebedingt” abzutun, wenn alles dafür j spricht, dass eine Veranlagung des Betroffenen mitgewirkt hat: „Ein anlagebe dingtes Leiden gilt als durch nationalsozialistische Gewaltmassnahirwn im Sinne der Entstehung verursacht, wenn es durch diese Gewaltmassnahmen wesentlich mitverursacht worden ht.” Allerdings enthält dieser Satz das unvorsichtige Wort „wesentlich”. Es taucht denn auch prompt in ablehnenden Bescheiden auf, deren es wahrscheinlich unzählige gibt. Denn was geschieht, wenn einer dieser Unglücklichen in den Händen eines Obergütachters ankommt, der vielleicht weniger prominent ist — also machtlos — ower weniger guten Willens — ab« nutzlos? Wenn Hugo von Hoff, mannsthal einen Tag nach (Schluss auf Seite 2) Ein neues ZIM-Schiff New York. — Im Hafen von New York lief der neue Frachter .Teveria”, ein 10.3000 Tonnen-Schiff, ein. Die Mannschaf; besteht aus 47 Seeleuten, die unter dem Kommando von Kapitän Julian Renen stehen. Das Schiff, das jetzt seine erste Reise gemacht hat. wurde in Bre. men für die Schiffahrtsgesellschaft ZIM gebaut und soll den Dienst nach den orientalischen Häfen in Japan, den Philippinen und nach Honkong versehen. (ITA)